Meine Fahrten im Nachtzug (Reiseberichte)

Maxime, Sonntag, 05.10.2014, 17:26 (vor 4230 Tagen)

Nachdem ich jetzt das erste Mal im Nachtzug verreist bin, berichte ich hier darüber, da es vielleicht einige Menschen interessiert, die überlegen, ob sie so etwas auch mal machen sollten.
Ich hatte planmäßig hin und zurück jeweils 13 Std Fahrt von Norddeutschland nach Österreich, davon jeweils 8 Std im Nachtzug.

Beim beiden Fahrten war der Nachtzug schon ca 30min vor Abfahrt dort, obwohl es nur einmal der Startbahnhof war. Dass man reichlich Zeit zum Einsteigen hat fand ich angenehm. Ca 15min nach Abfahrt waren alle im Bett und das Licht war aus. Generell waren trotz einigem Schnarchen die Mitreisenden recht ruhig, ich kann mich nicht beschweren.
Es ist angenehm dunkel, aber recht laut, v.a. das Klappern der Stangen, welche an den oberen Betten befestigt sind, damit man nicht aus dem Bett fallen kann und die wackelige Leiter. Die Nieten zur Befestigung waren ganz schön locker.
Mein Bett war bei der Hinfahrt oben und hat ganz schön gewackelt. Außerdem hat man weniger Platz oben, da die Matratze an einem Ende schmaler ist. Ich fand es komisch, dass man bei Onlinebuchung seinen Platz nicht auswählen kann. Das mittlere Bett ist sicherlich das unangenehmste, da man wirklich sehr wenig Platz zum Ein- und Aussteigen hat.
Vor Toilette oder Waschbecken gab es keine Schlangen, obwohl beide Züge komplett ausgebucht waren.
Der Bezug war bei der Hinfahrt bei allen Kissen extrem steif und verknittert (so dass man beim Aufwachen schöne Abdrücke im Gesicht hatte). Die Bettdecke war okay. Bei der Rückfahrt war der Kissenbezug okay, also muss da im anderen Zug etwas mit der Bügelmaschine schiefgelaufen sein.
Frühstück hätte es am anderen Ende des Zuges zu kaufen gegeben, ich hatte aber keine rechte Lust durch den gesamten Zug zu laufen, kann also nichts zur Qualität des Essens sagen.
Am Endbahnhof München Ost hielten dann die letzten Waggons des Zuges außerhalb des Bahnsteigs (Zug zu lang? Oder "falsch geparkt"?). Dass die Türen sich dort dennoch öffneten und es keine Durchsage gab fand ich etwas gefährlich. Wir sind dann durch 3 Abteile gelaufen, bis wir am Bahnsteig aussteigen konnten.
Ab ca 15 min vor dem ersten Aussteigebahnhof gab es recht viele Durchsagen zum Aufwecken, und Infos zum Restaurant. Auch wenn man keinen Wecker stellt und mit Ohrstöpseln schläft, braucht man sich keine Sorgen zu machen, dass man den Ausstieg verpasst. Es ist eher so, dass man auch wenn man es will eher keinen Schlaf vor dem letzten Zustiegs- und nach dem ersten Ausstiegsbhf findet, da die Leute das Licht anmachen und es auf dem Flur recht laut wird.
Bei der Rückfahrt habe ich jemanden gefunden, mit den ich mein Bett tauschen konnte, und konnte im unteren Bett mehr Ruhe finden. Die Matratze ist dort nicht so schmal, und v.a. wackelt es deutlich weniger. Allerdings kam mein Zug mit knapp 2 Stunden Verspätung an, und da bereits ca. 3 Stunden vor Ankunft an meinem Ausstiegsbahnhof die ersten Leute aufgestanden sind, konnte ich danach nicht mehr schlafen. Es gab einige Leute, die auf dem Flur sehr viel Lärm gemacht haben, anstatt sich wieder hinzulegen, bis ihr Ausstiegsbahnhof 2 Std später erreicht wird.
Übrigens fand ich es bei der Hinfahrt eher etwas kühl (bin ein Mensch, der leicht friert), habe aber bei der Rückfahrt geschwitzt. Ich gehe davon aus, dass die Klimaanlage oben durchbläst, so dass es in den oberen Betten wesentlich weniger warm ist.
Ich war nach der Reise recht geplättet und habe den Tag nach der Ankunft freigenommen. Also richtigen Schlaf findet man denke ich nur, wenn man ein Mensch ist, der bei Lärm ohnehin schlafen kann. Allerdings ist das Liegen deutlich besser für die Wirbelsäule, als die selbe Zeit lang zu sitzen, so dass ich den Liegewagen sicherlich einem Sitzplatz vorziehen würde. Es ist auch angenehmer als z.B. ein langer Nachtflug.
Mein Fazit ist, dass es sicher besser ist, als nachts im Sitzen zu reisen, aber wenn man einen wichtigen Termin am nächsten Tag hat (z.B. beruflich) oder keinesfalls verspätet ankommen darf, sollte man lieber am Vortag reisen oder am Morgen fliegen. Ich habe etwas im Internet recherchiert, und Nachtzüge kommen scheinbar sehr oft mit 30min oder mehr Verspätung an (keine Ahnung, weshalb). Zumindest auf der Verbindung zwischen Hamburg und München.
Ich persönlich würde wohl nur noch einmal im Nachtzug reisen, wenn ich insgesamt keine so lange Reisekette habe, und wenn ich möglichst am letzten Einsteigebhf zusteige und am ersten Aussteigebhf aussteige. Ich würde auf jeden Fall mein eigenes Kissen oder zumindest einen Kissenbezug mitnehmen. Oropax habe ich sowieso immer dabei. Und ich würde wohl am Schalter buchen, um das Bett unten zu bekommen. Kostet halt extra.
Etwas weniger mobilen Menschen würde ich ganz ausdrücklich raten,das untere Bett zu buchen. Große Menschen werden auf der ca. 1,80m kurzen Matratze nicht gut schlafen.
Achja, und falls es zwei Schlösser an der Tür gibt (eins zum drehen oben an der Tür und eine Kette): Lieber das zum Drehen nutzen, das macht weniger Lärm und außerdem hat sich bei meinem Zug bei der Hinfahrt die Kette nur sehr schwer öffnen lassen (hat geklemmt).
Insgesamt war es ein gewisses Abenteuer. Ich hoffe, ihr hattet Spaß beim Lesen. :)

Vielleicht ist hier ja jemand, der von einer Reise im Schlafwagen berichten kann. Hat man da mehr Platz im Bett? Ist es auf dem Flur ruhiger, oder unterhalten sich da normalerweise auch frühmorgens die anderen Fahrgäste lautstark?

Und was hat es eigentlich mit Diebstählen auf sich? Der Schaffner bei der Hinfahrt hat ganz eindringlich darauf hingewiesen, das Abteil abzuschließen, bei der Rückfahrt hat der Schaffner nichts erwähnt. Ich habe aber von einigen Bekannten erfahren, dass sie oder andere im Nachtzug bestohlen wurden. Ist das immer noch so extrem?

Liegewagen oder Schlafwagen? owt.

ktmb, Sonntag, 05.10.2014, 17:38 (vor 4230 Tagen) @ Maxime

- kein Text -

Liegewagen oder Schlafwagen? owt.

musty97, Sonntag, 05.10.2014, 17:49 (vor 4230 Tagen) @ ktmb

Liegewagen nach dem Text..

hört sich nach Liegewagen an

Berlin-Express, nähe BPHD, Sonntag, 05.10.2014, 17:51 (vor 4230 Tagen) @ ktmb

Da kein Frühstück enthalten

hört sich nach Liegewagen an

Maxime, Sonntag, 05.10.2014, 21:50 (vor 4230 Tagen) @ Berlin-Express

Ja, 6er Liegewagen!

Meine Fahrten im Nachtzug

Destear, Berlin, Sonntag, 05.10.2014, 17:56 (vor 4230 Tagen) @ Maxime

Nachdem ich jetzt das erste Mal im Nachtzug verreist bin, berichte ich hier darüber, da es vielleicht einige Menschen interessiert, die überlegen, ob sie so etwas auch mal machen sollten.
Ich hatte planmäßig hin und zurück jeweils 13 Std Fahrt von Norddeutschland nach Österreich, davon jeweils 8 Std im Nachtzug.

Das finde ich gut, denn Reisen im Nachtzug ist schon eine - gemessen an den heutigen Reisegewohnheiten - besonderere Art sich fortzubewegen, die viele so nicht mehr kennen.

Vielleicht ist hier ja jemand, der von einer Reise im Schlafwagen berichten kann. Hat man da mehr Platz im Bett? Ist es auf dem Flur ruhiger, oder unterhalten sich da normalerweise auch frühmorgens die anderen Fahrgäste lautstark?


Ich kann hier nur von den Doppelstock-Liegewagen berichten. Die sind in der Economyvariante nur in Einzelbelegung wirklich groß genug und haben statt Liegen eben ein richtiges Bett, dass für eine Person schon ausreicht sowie ein Waschbecken mit Steckdose und Spiegel. Zu zweit muss das aber ähnlich beengt - oder noch enger - als im Liegeabteil sein. Die Deluxeabteile hingegen sind groß, haben noch einen zusätzlichen Tisch und Wirken geräumig. Ich empfand das Reisen recht angenehm, hat man die Tür hinter sich zugeschlossen, hatte man sozusagen ein ganz kleines, eigenes Reich. Und liegend im Zug am Berliner Hauptbahnhof auf die Weiterfahrt zu warten ist schon nochmal eine andere Perspektive.

Was mich allerdings gestört hat war die permanente Lüftung, die nachts schon recht laut ist.

Letztlich ist das Ganze aber mehr ein schönes Urlaubsabenteuer als eine ernsthafte Alternative zum Spät- oder Frühflug. Ich war zwar ausgeschlafen, aber nicht so fit, wie erwartet. Ist eben doch eine andere Schlafsituation.

Und was hat es eigentlich mit Diebstählen auf sich? Der Schaffner bei der Hinfahrt hat ganz eindringlich darauf hingewiesen, das Abteil abzuschließen, bei der Rückfahrt hat der Schaffner nichts erwähnt. Ich habe aber von einigen Bekannten erfahren, dass sie oder andere im Nachtzug bestohlen wurden. Ist das immer noch so extrem?

Auf meinen Fahrten wurde ich auch explizit auf das Verschließen der Türe hingewiesen.

Meine Fahrten im Nachtzug

4652, Sonntag, 05.10.2014, 20:02 (vor 4230 Tagen) @ Maxime
bearbeitet von 4652, Sonntag, 05.10.2014, 20:05

Beim beiden Fahrten war der Nachtzug schon ca 30min vor Abfahrt dort, obwohl es nur einmal der Startbahnhof war.

Das ist allerdings nicht die allgemeine Regel, meistens werden nur Verkehrshalte von wenigen Minuten eingelegt.

Am Endbahnhof München Ost hielten dann die letzten Waggons des Zuges außerhalb des Bahnsteigs (Zug zu lang? Oder "falsch geparkt"?). Dass die Türen sich dort dennoch öffneten und es keine Durchsage gab fand ich etwas gefährlich.

Türen werden nicht pro Wagen seperat freigegeben.

Wir sind dann durch 3 Abteile gelaufen, bis wir am Bahnsteig aussteigen konnten.

3 Abteile sollte wohl 3 Wagen heißen?

Ab ca 15 min vor dem ersten Aussteigebahnhof gab es recht viele Durchsagen zum Aufwecken, und Infos zum Restaurant.

Wirklich? Nach meinen Erfahrungen wird erst zur vernünftigen Zeit etwas durchgesagt, erst recht nicht vor dem ersten Aussteigebahnhof irgendwann in der Nacht.

Mein Fazit ist, dass es sicher besser ist, als nachts im Sitzen zu reisen, aber wenn man einen wichtigen Termin am nächsten Tag hat (z.B. beruflich) oder keinesfalls verspätet ankommen darf, sollte man lieber am Vortag reisen oder am Morgen fliegen. Ich habe etwas im Internet recherchiert, und Nachtzüge kommen scheinbar sehr oft mit 30min oder mehr Verspätung an (keine Ahnung, weshalb). Zumindest auf der Verbindung zwischen Hamburg und München.

Nachtzüge sind baustellenbedingt und durch deren "Kupplung" aneinander, weil Kurswagen ausgetauscht werden, etwas vermehrt verspätungsanfällig.

Vielleicht ist hier ja jemand, der von einer Reise im Schlafwagen berichten kann. Hat man da mehr Platz im Bett? Ist es auf dem Flur ruhiger, oder unterhalten sich da normalerweise auch frühmorgens die anderen Fahrgäste lautstark?

Im Schlafwagen kann man sich ein eigenes Abteil buchen und dann hat man auch dementsprechend mehr Ruhe und Privatatmosphäre. Da die Trennwände zwischen den Abteilen nicht geräuschdicht sind, bekommt man u.U. schon etwas von den Mitreisenden auf dem Gang bzw. in den Nachbarabteilen mit - ruhiger und leiser als im Liegewagen ist es allenfalls schon. Bei meinen Fahrten im Schlafwagen (Bauart 173) habe ich auch weitaus länger geschlafen, als nur auf der Strecke zwischen dem letzten Zusteige- und dem ersten Aussteigebahnhof. Insgesamt hat es mir deutlich besser gefallen, als das Reisen im Liegewagen.

Wie gut man insgesamt letztendlich schläft, ist wohl persönlich. Nach den meisten Schlafwagenfahrten bin ich schon relativ erholt gewesen.

Meine Fahrten im Nachtzug

Martin, Sonntag, 05.10.2014, 21:01 (vor 4230 Tagen) @ 4652

Beim beiden Fahrten war der Nachtzug schon ca 30min vor Abfahrt dort, obwohl es nur einmal der Startbahnhof war.


Das ist allerdings nicht die allgemeine Regel, meistens werden nur Verkehrshalte von wenigen Minuten eingelegt.

Nachtzüge haben auch durchaus großzügige Fahrzeiten was bei entsprechender Belegung des Schienennetzes zu deutlich verfrühten Ankunftszeiten auf einem Bahnhof führen kann. Je nach Art des Haltes darf dort auch nicht frühzeitig weitergefahren werden.

Der 420/421 steht außerdem über eine Stunde in Lohr Bf herum - völlig planmäßig.

Meine Fahrten im Nachtzug

Maxime, Sonntag, 05.10.2014, 21:58 (vor 4230 Tagen) @ 4652

Hallo!

Ja, 3 Wagen, nicht Abteile, du hast recht.

Mitten in der Nacht war es ja nicht, aber gegen 06:00 kamen dann doch allerhand Durchsagen (wann wir wo ankommen, wo es Frühstück gibt, Anschlussinformationen, und noch weiteres an das ich mich nicht mehr erinnere). Da ich erst um 7:30 ankam, hätte es mich nicht gestört, wenn sie sich auf ein kurzes "wir erreichen in 15min Augsburg Hbf" beschränkt hätten. Auf jeden Fall besteht keine Gefahr, dass man davon nicht wach wird. ;)

Bei der Rückfahrt war es genauso, aber da waren dann sowieso schon alle wach, weil der Zug ja Verspätung hatte.

Durchsagen für alle?

Alibizugpaar, Köln (im Herzen immer noch Göttinger), Sonntag, 05.10.2014, 22:33 (vor 4230 Tagen) @ Maxime

Wie jetzt, plärrt die Durchsage morgens für jeden Halt durch alle Liegewagenabteile???

Gruß
Olaf

Meine Fahrten im Nachtzug

agw, NRW, Sonntag, 05.10.2014, 23:19 (vor 4230 Tagen) @ Maxime

Das Bett kann man sich auch telefonisch aussuchen. Mit Abholung am Automaten kostet es auch nicht mehr.
Auf der CNL-Seite stehen die Bettgrößen pro Wagenart.
Im comfortline Liegeabteil ist unten in der Tat am größten.

Meine Fahrten im Nachtzug

Maxime, Montag, 06.10.2014, 18:21 (vor 4229 Tagen) @ agw

Gut zu wisse, danken! Also nächstes Mal buche ich per Telefon oder am Schalter, falls ich nochmal mit Nachtzug fahre.

Meine Fahrten im Nachtzug

JeDi, überall und nirgendwo, Montag, 06.10.2014, 20:22 (vor 4229 Tagen) @ agw

Im comfortline Liegeabteil ist unten in der Tat am größten.

Comfortline=Schlafwagen - aber auch im Liegewagen ist die untere Liege die größte.

--
Weg mit dem 4744!

Meine Nicht-Fahrten im Nachtzug

chriL999, Montag, 06.10.2014, 14:37 (vor 4229 Tagen) @ Maxime
bearbeitet von chriL999, Montag, 06.10.2014, 14:38

Ich wäre auch etwas ängstlich, dass die Mitreisenden im gleichen Abteil einen Diebstahl begehen. Bei völlig Fremden hätte ich irgendwie wenig Vertrauen. Bin ich da zu ängstlich?

Meine Nicht-Fahrten im Nachtzug

Maxime, Montag, 06.10.2014, 18:20 (vor 4229 Tagen) @ chriL999

Also die Fahrt im Liegewagen ist ja nicht ganz billig. Ich denke eher nicht, dass die Mitreisenden im liegwagen selbst einen bestehlen. Man muss natürlich nicht unbedingt den Geldbeutel und das Iphone offen liegenlassen.

Die Diebe steigen wahrscheinlich ohne Fahrkarte ein, oder falls sie mit Fahrschein fahren, dann wohl nur in der niedrigsten Preiskategorie (Sitzplatz).
Und laufen dann anscheinend nachts durch die Liegewagen, welche nicht zugesperrt sind.

Da bei der Rückfahrt ständig Fahrgäste aus meinem Abteil raus und rein sind (vermutlich zur Toilette), konnte ich mich auch nicht so gut ausruhen, da ich wusste, dass die Tür oft nicht abgeschlossen war. Bin sowieso jedes mal aufgewacht, wenn jemand mit der Türkette hantiert hat, weil diese recht viel Lärm macht und ich direkt daneben geschlafen habe.

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