Meine Fahrten im Nachtzug (Reiseberichte)
Nachdem ich jetzt das erste Mal im Nachtzug verreist bin, berichte ich hier darüber, da es vielleicht einige Menschen interessiert, die überlegen, ob sie so etwas auch mal machen sollten.
Ich hatte planmäßig hin und zurück jeweils 13 Std Fahrt von Norddeutschland nach Österreich, davon jeweils 8 Std im Nachtzug.
Beim beiden Fahrten war der Nachtzug schon ca 30min vor Abfahrt dort, obwohl es nur einmal der Startbahnhof war. Dass man reichlich Zeit zum Einsteigen hat fand ich angenehm. Ca 15min nach Abfahrt waren alle im Bett und das Licht war aus. Generell waren trotz einigem Schnarchen die Mitreisenden recht ruhig, ich kann mich nicht beschweren.
Es ist angenehm dunkel, aber recht laut, v.a. das Klappern der Stangen, welche an den oberen Betten befestigt sind, damit man nicht aus dem Bett fallen kann und die wackelige Leiter. Die Nieten zur Befestigung waren ganz schön locker.
Mein Bett war bei der Hinfahrt oben und hat ganz schön gewackelt. Außerdem hat man weniger Platz oben, da die Matratze an einem Ende schmaler ist. Ich fand es komisch, dass man bei Onlinebuchung seinen Platz nicht auswählen kann. Das mittlere Bett ist sicherlich das unangenehmste, da man wirklich sehr wenig Platz zum Ein- und Aussteigen hat.
Vor Toilette oder Waschbecken gab es keine Schlangen, obwohl beide Züge komplett ausgebucht waren.
Der Bezug war bei der Hinfahrt bei allen Kissen extrem steif und verknittert (so dass man beim Aufwachen schöne Abdrücke im Gesicht hatte). Die Bettdecke war okay. Bei der Rückfahrt war der Kissenbezug okay, also muss da im anderen Zug etwas mit der Bügelmaschine schiefgelaufen sein.
Frühstück hätte es am anderen Ende des Zuges zu kaufen gegeben, ich hatte aber keine rechte Lust durch den gesamten Zug zu laufen, kann also nichts zur Qualität des Essens sagen.
Am Endbahnhof München Ost hielten dann die letzten Waggons des Zuges außerhalb des Bahnsteigs (Zug zu lang? Oder "falsch geparkt"?). Dass die Türen sich dort dennoch öffneten und es keine Durchsage gab fand ich etwas gefährlich. Wir sind dann durch 3 Abteile gelaufen, bis wir am Bahnsteig aussteigen konnten.
Ab ca 15 min vor dem ersten Aussteigebahnhof gab es recht viele Durchsagen zum Aufwecken, und Infos zum Restaurant. Auch wenn man keinen Wecker stellt und mit Ohrstöpseln schläft, braucht man sich keine Sorgen zu machen, dass man den Ausstieg verpasst. Es ist eher so, dass man auch wenn man es will eher keinen Schlaf vor dem letzten Zustiegs- und nach dem ersten Ausstiegsbhf findet, da die Leute das Licht anmachen und es auf dem Flur recht laut wird.
Bei der Rückfahrt habe ich jemanden gefunden, mit den ich mein Bett tauschen konnte, und konnte im unteren Bett mehr Ruhe finden. Die Matratze ist dort nicht so schmal, und v.a. wackelt es deutlich weniger. Allerdings kam mein Zug mit knapp 2 Stunden Verspätung an, und da bereits ca. 3 Stunden vor Ankunft an meinem Ausstiegsbahnhof die ersten Leute aufgestanden sind, konnte ich danach nicht mehr schlafen. Es gab einige Leute, die auf dem Flur sehr viel Lärm gemacht haben, anstatt sich wieder hinzulegen, bis ihr Ausstiegsbahnhof 2 Std später erreicht wird.
Übrigens fand ich es bei der Hinfahrt eher etwas kühl (bin ein Mensch, der leicht friert), habe aber bei der Rückfahrt geschwitzt. Ich gehe davon aus, dass die Klimaanlage oben durchbläst, so dass es in den oberen Betten wesentlich weniger warm ist.
Ich war nach der Reise recht geplättet und habe den Tag nach der Ankunft freigenommen. Also richtigen Schlaf findet man denke ich nur, wenn man ein Mensch ist, der bei Lärm ohnehin schlafen kann. Allerdings ist das Liegen deutlich besser für die Wirbelsäule, als die selbe Zeit lang zu sitzen, so dass ich den Liegewagen sicherlich einem Sitzplatz vorziehen würde. Es ist auch angenehmer als z.B. ein langer Nachtflug.
Mein Fazit ist, dass es sicher besser ist, als nachts im Sitzen zu reisen, aber wenn man einen wichtigen Termin am nächsten Tag hat (z.B. beruflich) oder keinesfalls verspätet ankommen darf, sollte man lieber am Vortag reisen oder am Morgen fliegen. Ich habe etwas im Internet recherchiert, und Nachtzüge kommen scheinbar sehr oft mit 30min oder mehr Verspätung an (keine Ahnung, weshalb). Zumindest auf der Verbindung zwischen Hamburg und München.
Ich persönlich würde wohl nur noch einmal im Nachtzug reisen, wenn ich insgesamt keine so lange Reisekette habe, und wenn ich möglichst am letzten Einsteigebhf zusteige und am ersten Aussteigebhf aussteige. Ich würde auf jeden Fall mein eigenes Kissen oder zumindest einen Kissenbezug mitnehmen. Oropax habe ich sowieso immer dabei. Und ich würde wohl am Schalter buchen, um das Bett unten zu bekommen. Kostet halt extra.
Etwas weniger mobilen Menschen würde ich ganz ausdrücklich raten,das untere Bett zu buchen. Große Menschen werden auf der ca. 1,80m kurzen Matratze nicht gut schlafen.
Achja, und falls es zwei Schlösser an der Tür gibt (eins zum drehen oben an der Tür und eine Kette): Lieber das zum Drehen nutzen, das macht weniger Lärm und außerdem hat sich bei meinem Zug bei der Hinfahrt die Kette nur sehr schwer öffnen lassen (hat geklemmt).
Insgesamt war es ein gewisses Abenteuer. Ich hoffe, ihr hattet Spaß beim Lesen. :)
Vielleicht ist hier ja jemand, der von einer Reise im Schlafwagen berichten kann. Hat man da mehr Platz im Bett? Ist es auf dem Flur ruhiger, oder unterhalten sich da normalerweise auch frühmorgens die anderen Fahrgäste lautstark?
Und was hat es eigentlich mit Diebstählen auf sich? Der Schaffner bei der Hinfahrt hat ganz eindringlich darauf hingewiesen, das Abteil abzuschließen, bei der Rückfahrt hat der Schaffner nichts erwähnt. Ich habe aber von einigen Bekannten erfahren, dass sie oder andere im Nachtzug bestohlen wurden. Ist das immer noch so extrem?