Mal wieder ein Hauptbahnhof in der Pfalz (40 Bilder), Teil 1 (Reiseberichte)

Sören Heise, Region Hannover, Samstag, 23.08.2014, 18:18 (vor 4280 Tagen)

Moin,

die Gegend zwischen Rhein und Pfälzerwald ist unter den Landstrichen mit der größten Hauptbahnhofsdichte vorne mit dabei. Dort sind wir daher heute nicht zum letzten Mal zu Gast.


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Einstmals lagen in Landau normalspurige Schienen in fünf Richtungen, davon sind noch drei in Betrieb. Wenn ich schon die Normalspur betone, so liegt es nahe, daß es auch Schmalspur gab. Das war die Oberlandbahn, ob ihres Tempos auch gerne Schneck genannt, eine meterspurige Überlandstraßenbahn am Fuße der Berge von Neustadt über Edenkoben nach Landau. Ende 1912 wurde der Nordabschnitt eröffnet, seit dem 13. Januar 1913 wurde die Gesamtstrecke befahren. Am Jahresende 1952 endete der Verkehr zwischen Edenkoben und Landau, Ende Januar 1955 auch zwischen Neustadt und Edenkoben. Direkter Nachfolger der Oberlandbahn ist die zu Veolia Verkehr gehörende PalatinaBus, die neben der Stammstrecke heute auch weitere Buslinien betreibt. Aber kommen wir zur Normalspur zurück.

Der Reiseverkehr auf den Strecken Neustadt - Landau - Winden - Karlsruhe sowie Landau - Annweiler - Pirmasens wird durch die Deutsche Bahn betrieben, eingesetzt werden zumeist Dieseltriebwagen der Baureihen 642 (Desiro) und 643 (Talent). Zwischen Neustadt und Winden verkehren im Taktverkehr drei Linien pro Stunde und Richtung (RE und RB Neustadt - Karlsruhe sowie die RB Neustadt - Weißenburg). Daneben gibt es einen Stundentakt Landau - Pirmasens; Berufsverstärker sowie Ausflugsverkehre erwähne ich wie üblich nicht.

Die wichtigste Strecke in Landau ist die östlich des Pfälzerwaldes in Nord-Süd-Richtung verlaufende Pfälzische Maximiliansbahn von Neustadt nach Weißenburg. Als ihr erster Abschnitt wurde am 11. Juli 1855 die Strecke Neustadt - Landau eröffnet, gefolgt von der Fortsetzung über Winden nach Weißenburg am 26. November. Mit dem Ende des Sommerfahrplans 1975 endete zwischen Winden und Weißenburg der Reiseverkehr, im Rahmen des Rheinland-Pfalz-Taktes wurde er am 1. März 1997 wieder aufgenommen. Diese Strecke ist zwischen Karlsruhe und Winden, wo die meisten Züge in Richtung Karlsruhe abbiegen, zweigleisig.
Der Bahnhof Landau wies recht lange Formsignale auf, die mechanischen Stellwerke wurden am 18. April 2010 außer Betrieb genommen, seitdem ist ein elektronisches Stellwerk zuständig. In den letzten Jahren wurden Gleise und Bahnsteige erneuert, so daß sich die Gleisseite recht modern, aber auch relativ unfotogen präsentiert.

Die einzige noch aktive Nebenstrecke führt westwärts in den Wald hinein. Am 12. September 1874 wurde als ein Beginn die Teilstrecke von Landau nach Annweiler in Betrieb genommen, da waren die Bauarbeiten für die Fortsetzung nach Zweibrücken schon im vollen Gang. Am 25. November 1875 erfolgte die Einweihung, zeitgleich wurde auch die Stichstrecke hoch nach Pirmasens dem Betrieb übergeben.

Stillgelegt sind zwei Strecken. Das wäre zum einen die am 1. Dezember 1898 eröffnete Stichstrecke nach Herxheim. Am 25. September 1983 endete auf ihr der Reiseverkehr, 1996 erfolgte die Gesamtstillegung. Während diese Strecke Landau nach Südosten verließ, führte die andere Strecke nordostwärts und dann ziemlich geradlinig ostwärts durch die Ebene nach Germersheim. Am 16. Mai 1872 erfolgte die Eröffnung. In den ersten Jahrzehnten diente die Strecke auch dem Fernverkehr, später hatte sie nur noch regionale Bedeutung. Am 1. Juni 1984 fuhr der letzte Reisezug, zum Jahresende 1999 erfolgte die offizielle Stillegung.

Nachdem das alte Empfangsgebäude Landaus im Krieg erstört worden war (es war das Heiligabend 1877 dem Betrieb übergebene zweite), seine Reste aber noch länger dem ursprünglichen Zweck dienten, wurde am 11. Juli 1962 ein neues Empfangsgebäude eröffnet. Es ist laut Martin Schack ein Bauwerk auf architektonisch höchstem Niveau, das noch 1973 als Beispiel für zeitgemäße Bahnhofsarchitektur vorgestellt wurde (Martin Schack, Neue Bahnhöfe. Empfangsgebäude der Deutschen der Bundesbahn 1948 - 1973, Berlin 2004, S. 174). Das Gebäude ist recht einfach gehalten mit dominierender Schalterhalle und wird nach der aktuell erfolgenden Renovierung der Fensterfront hoffentlich wieder ein Schmuckstück, 2012 war es recht vernachlässigt.
Hier und hier zwei Ansichten des Bauwerks von 1877, auf dieser Postkarte sieht man wohl die Nachkriegszeit. Sieht eigentlich ganz gut erhalten aus bis auf den Mittelteil.

Am 16. August 2012 besuchte ich den Bahnhof zum ersten Mal, am 9. Juli 2013 zum zweiten und am 31. Juli 2014 zum dritten Mal. Wir beginnen den Rundgang im Jahr 2012.


Da mache ich mal einen Schnitt, Teil 2 folgt gleich.


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