Von EC Wawel, Zackenbahn und Premiumfernverkehr [1/5] 34 B. (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
eigentlich wollte ich ja nur die beiden privaten Bahnanbieter RegioJet und Leo-Express in Tschechien besuchen. Irgendwie habe ich es aber wieder fertiggebracht, dass daraus eine sechstägige Tour geworden ist. Angefangen hatte alles mit der Meldung, dass der EC Wawel eingestellt wird. Vom Bodensee gesehen liegen Breslau und Prag ungefähr in der gleichen Himmelrichtung, also müsste sich das ja irgendwie kombinieren lassen. Gut, außer dass man für den EC Wawel erstmal nach Hamburg kommen muss...
Und so möchte ich Euch nun auf eine erstklassige Rundfahrt durch Polen, Tschechien und Franken mitnehmen. Begleitet hatte mich mein Bruder, die Tour fand in der Woche nach Pfingsten statt.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/048-Wawel-Tschechien/48-000Karte.jpg)
Wir fahren von Konstanz über Zürich nach Hamburg und von dort mit dem EC Wawel nach Breslau. Anschließend geht es über die Zackenbahn und über Liberec nach Prag. Für einen Ausflug nach Ostrava nutzen wir RegioJet und Leo-Express und für die Fahrt nach Cheb den SuperCity Pendolino. Einen Aufenthalt in Nürnberg verbinden wir mit einem Abstecher in die Oberpfalz und in die Fränkische Schweiz bevor wir via Stuttgart zurück an den Bodensee fahren.
Tag 1: Konstanz – Zürich – Hamburg
Unsere Bahnreise beginnt mit einer Baustelle, für vier Tage ist Konstanz vom deutschen Bahnnetz abgeschnitten. Dieses Bild entstand am Vortag, als der Bahnübergang im Stadtgebiet für Züge, Fußgänger und Radfahrer noch passierbar war. An unserem Reisetag gibt es wegen Kanalarbeiten hier kein Durchkommen mehr.
Gut, wir könnten unsere Reise natürlich einfach ein paar Meter weiter in Konstanz-Petershausen beginnen, denn bis dorthin gibt es Zugverkehr. Andererseits bietet mir die Bahn ab Konstanz ein Europa-Spezial über Zürich nach Hamburg an, diesmal sogar ganz ohne Via-Vorgabe. Ein Europa-Spezial zwischen zwei deutschen Städten? - da kann ich nicht widerstehen. In meinem Übermut setze ich noch eins drauf und wähle statt des ICEs den EC 8 via Rheintal und Ruhrgebiet, das sollte sich aber als Fehler erweisen.
Der erste Reisetag beginnt mit den Morgennachrichten im Radiowecker, wonach der Bahnverkehr in Nordrhein-Westfalen nach heftigen Unwettern eingestellt sei. Na, das fängt ja gut an. Aber jetzt besteigen wir erstmal den SBB-Interregio nach Zürich und sehen dann weiter.
Nach einer entspannten Fahrt durch die Kantone Thurgau und Zürich haben wir in Zürich nun 40 Minuten Aufenthalt, die wir für den Einkauf von etwas Proviant und einen Besuch in der SBB-Lounge nutzen. Anschließend machen wie es uns im EC 8 bequem. Für 11 Stunden wird nun ein SBB-Großraumwagen unsere Heimat sein. Die Zugbegleiter müssen sich allerdings schon jetzt Klagen anhören, warum die SBB einen Zug auf die lange Reise schicken, bei dem schon am Abfahrtsbahnhof zwei von drei Toiletten in der ersten Klasse defekt sind.
Der Zug fährt die Strecke Zürich-Basel ohne Unterwegshalt, steht dann aber fahrplanmäßig knapp 30 Minuten in Basel SBB – eine gute Gelegenheit um auf den Bahnsteig nochmal etwas frische Luft zu schnappen.
Wir queren nun in Basel den Rhein und fahren dann durch die Oberrheinische Tiefebene gen Norden, beim Blick aus dem Fenster erhebt sich rechts der Schwarzwald.
Eigentlich genieße ich Bahnreisen bei schönem Wetter durch leuchtende Landschaften. Allerdings ist es draußen sehr warm, angekündigt waren über 35 Grad. Wenn ich es richtig weiß, kühlt die Klimaanlage der SBB-Wagen die Innentemperatur nur in einem gewissen Verhältnis zur Außentemperatur – und dadurch ist es im Zug unangenehm warm. Ob und wie unser Zug durch das Ruhrgebiet kommen wird, ist zwar immer noch ungewiss, aber wir bleiben einfach mal sitzen und lassen die Chance verstreichen, in Mannheim umzusteigen via Frankfurt-Hannover nach Hamburg. Stattdessen queren wir nun erneut den Rhein und erreichen via Mainz das Mittelrheintal.
Wegen der Hitze kann ich die landschaftlich schöne Fahrt nicht so recht genießen, hier passieren wir gerade Burg Pfalzgrafenstein.
In Koblenz ist es noch sonnig und warm, bald darauf werden die Wolken dichter und ein paar Regentropfen machen sich am Zugfenster bemerkbar. Beim Halt in Bonn sehe ich auf der Anzeige am Bahnsteig, dass unser Zug umgeleitet werden wird. Kurz darauf gibt es dann auch im Zug die Information, dass der EC über Wuppertal fährt und die Halte im Ruhrgebiet entfallen.
Allerdings müssen wir in Köln zunächst 40 Minuten auf das Zugpersonal warten, bevor es dann recht langsam Richtung Wuppertal weitergeht. Ich bin eigentlich froh, dass wir überhaupt vorankommen, während andere Fahrgäste wegen der vielen defekten Toiletten lautstark einen Ersatzzug fordern.
Weiter im Norden ist es dann nicht mehr so warm und bei der schnellen Fahrt auf der Rollbahn und bei angenehmeren Temperaturen hebt sich die Stimmung langsam wieder.
Etwa eine Stunde verspätet erreichen wir schließlich Hamburg – angesichts der Unwetterschäden ist das eigentlich in Ordnung. Und ich bin um die Erfahrung reicher, dass man bei hochsommerlichen Temperaturen den SBB-EC besser meidet.
Und mit einem kleinen abendlichen Spaziergang durch Hamburg beenden wir den ersten Reisetag.
Es geht gleich weiter....
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Von EC Wawel, Zackenbahn und Premiumfernverkehr -Fortsetzung
Tag 2: Hamburg - Breslau
Heute steht der Eurocity „Wawel“ auf unserem Programm. Der Zug verbindet Hamburg und Berlin mit Breslau (Wrocław) und soll zum Fahrplanwechsel im Dezember eingestellt werden. Planmäßig besteht der Zug aus drei polnischen Wagen, wovon heute jedoch einer fehlt. Die beiden DB-Wagen verkehren nur bis Cottbus.
Noch kurz vorweg: mit Ausnahme von Breslau und Prag werde ich überwiegend die Ortsnamen in Landessprache verwenden aus rein praktischen Gründen, denn die kann ich bequem aus dem Fahrplan abschreiben.
Um kurz vor sieben Uhr geht es los, knapp acht Stunden werden wir nun mit dem Zug unterwegs sein. Den Namen „Wawel“ trägt der Zug eigentlich zu unrecht, denn der Wawel ist das Krakauer Königsschloss – doch nach Krakau fährt der Zug schon seit dem Jahr 2013 nicht mehr.
Wir beziehen unser Abteil und lassen nun die Landschaft am Zugfenster vorbeiziehen. Nach den Halten in Lüneburg und Uelzen geht es auf der Amerikalinie durch die Altmark und ab Stendal auf der Schnellfahrstrecke nach Berlin.
Nachdem wir Berlin passiert haben, geht die Fahrt weiter durch den Spreewald und die Lausitz nach Cottbus.
In Cottbus findet ein Lokwechsel auf eine polnische Diesellok statt und die beiden DB-Wagen werden abgehängt. Hier steigt auch das polnische Zugpersonal zu, wobei die deutschen Zugbegleiter bis zum Grenzbahnhof Forst ebenfalls noch an Bord sind.
In Zary sehe ich eine junge Dame mit einem kleinen Wägelchen auf dem Bahnsteig, die ich allerdings aufgrund ihrer Alltagskleidung nicht recht einordnen kann. Kurze Zeit später kommt die Dame in Uniform durch den Wagen und verteilt kostenlos Waffelriegel und Getränke. Nach diesem einmaligen Einsatz verschwindet die Uniform wieder und den Rest der Fahrt verbringt die Dame in zivil. Später steigt dann noch eine richtige Minibar zu.
Sehr gemütlich rollen wir nun auf der Dieselstrecke zwischen Żary und Węgliniec durch Niederschlesien. Die Klimaanlage im Zug arbeitet tadellos und mit maximal 50 Stundenkilometern geht es gemächlich durch Wald, Wiesen und Dieselwolken – eine herrliche Fahrt.
In Węgliniec geht die Diesellok vom Zug, die weitere Strecke ist elektrifiziert. Mit deutlich höherer Geschwindigkeit fahren wir nun weiter nach Breslau.
Und hier ist der stolze 2-Wagen-EC in Breslau angekommen. Mein letzter Breslau-Besuch liegt drei Jahre zurück, damals war der Bahnhof noch eine große Baustelle. Insofern bin ich gespannt, wie sich der Bahnhof verändert hat.
Das Ergebnis der Sanierung kann sich sehen lassen, sowohl von innen als auch von außen ist der Bahnhof ein Schmuckstück.
Nachdem ich Breslau schon kenne, gibt es diesmal nur einen kleinen Rundgang über den Marktplatz (Rynek).
Da es morgen schon wieder recht früh weitergeht, habe ich ein Hotel in Bahnhofsnähe gewählt, deshalb kommen wir nun am Abend nochmals am Bahnhof vorbei. Mit dem Bild des nächtlich beleuchteten Bahnhofs beenden wir den zweiten Reisetag.
Die Fortsetzung folgt in den nächsten Tagen.
Viele Grüße
Tobias
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Mal wieder SPITZE! Freue mich auf Fortsetzungen!
- kein Text -
Allerdings zuviel Kritik an den SBB in Teil 1.
Hallo!
Sowas gehört unterbunden.
Und ich bin um die Erfahrung reicher, dass man bei hochsommerlichen Temperaturen den SBB-EC besser meidet.
An den restlichen Tagen allerdings auch ;-). Leider aber werden uns diese Wagen ja noch 'ne Weile erhalten bleiben. Aber ich muß mich zum Glück nun nicht mehr drüber grämen... ;-)
Geschockte Grüße über soviel SBB-Kritik Dritter
von jörg
;-))))
SBB!
Leider aber werden uns diese Wagen ja noch 'ne Weile erhalten bleiben. Aber ich muß mich zum Glück nun nicht mehr drüber grämen... ;-)
Geschockte Grüße über soviel SBB-Kritik Drittervon jörg
;-))))
Ich finde diese Wagen nach wie vor Spitze. In der 1. Klasse sind die Sitze besser. In der zwoten Klasse kann man es bei 50 % Auslastung auch aushalten. Das Restaurant ist natürlich noch top.
Von EC Wawel, Zackenbahn und Premiumfernverkehr -Fortsetzung
Hallo, sind die hier verbauten Fahrgastinformationsanzeiger die baugleichen, die auch bei der Deutschen Bahn verbaut sind? Sehen so gleich aus.
Von EC Wawel, Zackenbahn und Premiumfernverkehr -Fortsetzung
Hallo, sind die hier verbauten Fahrgastinformationsanzeiger die baugleichen, die auch bei der Deutschen Bahn verbaut sind? Sehen so gleich aus.
Hallo,
ich habe meine Bilder durchgeschaut, habe aber von Breslau kein Bild mit der Anzeigetafel in größerer Auflösung.
Dafür habe ich aber noch ein Bild aus Posen gefunden. Die Anzeigetafeln sehen tatsächlich sehr ähnlich aus, ob sie wirklich baugleich sind, weiß ich nicht.
![[image]](http://up.picr.de/18849308us.jpg)
Viele Grüße
Tobias
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