Gera - der Hauptbahnhof der Reußen (40 Bilder), Teil 1 (Reiseberichte)
Moin!
Gefallen hat er mir nicht, Geras Hauptbahnhof. Aber vom Zustand her muß er sich nicht verstecken, das keineswegs. Ich besuchte ihn an am 22. Oktober des vergangenen Jahres - ein eigentlich geplanter Zweitbesuch fiel einer Zugverspätung zum Opfer, da dadurch der Anschluß vom IC an die Erfurter Bahn in Leipzig mißlang.
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Die Erfurter Bahn ist mittlerweile der führende der drei SPNV-Anbieter in Gera. Sie bedient stündlich die Hauptstrecke von Leipzig über Pegau, Zeitz, Crossen, Gera und Weida nach Saalfeld. Ferner alle ein oder zwei Stunden die Strecke über Göschwitz nach Weimar sowie alle zwei Stunden die Strecke über Weida, Zeulenroda und Mehltheuer nach Hof. Auf dem als Elster-Saale-Bahn vermarkteten Netz kommen ausschließlich Regioshuttles zum Einsatz.
Gerade einmal zweistündlich sieht man die Vogtlandbahn. Sie fährt durchs Elstertal über Greiz nach Weischlitz - von März bis November ist wegen Bauarbeiten schon in Chrieschwitz Schluß. Eingesetzt werden Desiros.
Rote Würmer (so klassifizierte anno 2000 ein Schaffner kurz vor Hildesheim die Baureihe 612) bedienen die Hauptachse durch Südost-Thüringen. Zweistündlich von Göttingen kommend, fährt man ab Erfurt über Göschwitz und Gera bis Gößnitz, dort wird nach Glauchau und Gwickau geflügelt. Ebenfalls zweistündlich kommt man aus Würzburg und flügelt bereits in Gera. Entweder geht’s durchs schöne Elstertal nach Greiz oder über Schmölln (bis hierhin besteht ein Stundentakt gemeinam mit den Zügen nach Glauchau und Zwickau) ins thüringische Altenburg.
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Den Überblick über die Eisenbahngeschichte Geras beginnen wir abseits des Hauptbahnhofes. Denn östlich der Innenstadt, am Bahnhof Gera-Pforten, verkehrte einstmals die Schmalspurbahn nach Wuitz-Mumsdorf. Die Gera-Meuselwitz-Wuitzer Eisenbahn-AG war ein international tätiges Unternehmen, ihre gerade einmal 31 Kilometer lange Strecke berührte gleich drei Staaten: Preußen, Sachsen-Altenburg und Reuß jüngerer Linie. Seit dem 12. November 1901 verkehrte die Bahn. 1949 erfolgte die Verstaatlichung, 1969 kam das plötzliche Ende. Ein schweres Unwetter am 3. Mai wurde zum Anlaß genommen, den Westabschnitt stillzulegen. Zum Jahreswechsel endete auch der Restbetrieb.
Damit kommen wir zur Normalspur. Ich verzichte nachfolgend auf die Nennung der beim Bahnbau beteiligten Staaten. Gera war bis 1918 Hauptstadt des Fürstentums Reuß jüngerer Linie, das 1859 seinen ersten Eisenbahnanschluß erhielt, mit der Eisenbahn von Weißenfels über Zeitz in die Hauptstadt. 1873 folgte die Verbindung Zeitz - Leipzig. Am Jahresende 1871 wurde die Strecke über Weida und Saalfeld nach Eichicht (heute Kaulsdorf, zwischen Saalfeld und Probstzella) verlängert.
Am 29. Juli 1876 wurde die Weimar-Geraer Bahn von Bachstein dem Betrieb übergeben, 1895 erfolgte die Verstaatlichung. Wie auch auf der Strecke Leipzig - Saalfeld wurde das zweite Gleis nach dem 2. Weltkrieg demontiert und später nur teilweise wiederaufgebaut.
Schon vorher, Ende Dezember 1865, hatte die Gößnitz-Geraer Eisenbahn-Gesellschaft ihre Bahnstrecke zwischen den namensgebenden Städten dem Verkehr übergeben und Gera somit an die Industriestädte Westsachsens angeschlossen. Bereits zum 1. Januar 1878 erfolgte die Verstaatlichung, hier war es die Sächsische Staatsbahn; die vorgenannten Strecken waren in preußischer Hand. Die Strecke endete in Gera im Sächsischen Bahnhof, heute Gera Süd.
Bleibst noch die Elstertalbahn nach Weischlitz. Der Nordabschnitt bis Greiz wurde am 17. Juli 1875 in Betrieb genommen, die Züge nutzten bis Wolfsgefärth die Strecke nach Saalfeld mit. Am 8. September erfolgte die Verlängerung bis Plauen und am 20. September der Restabschnitt bis Weischlitz, wo Anschluß an die Strecke von Plauen nach Eger (Cheb) besteht. Jetzt muß ich doch nochmal auf die Ländernamen zu sprechen kommen, denn in Gera nahm die Bahn ihren Anfang im preußischen Bahnhof. Das gefiel den Sachsen nicht, sie bauten eine eigene Bahnstrecke zum Sächsischen Bahnhof und nahmen diese am 1. Dezember 1892 in Betrieb. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, daß es derzeit konkrete Planungen gibt, den sächsischen Abschnitt aufgrund einer abgängigen Brücke aufzugeben und bis Wolfsgefärth wieder die preußische Bahnstrecke zu nutzen. In Thüringen sieht man das wohl nicht so dogmatisch, 2016 soll die neue Verbindung fertig sein.
Geras heutiges Empfangsgebäude wurde 1881 errichtet. 1911 entstand die Bahnsteighalle, inmitten der 2005 bis 2007 modernisierten und entfeinerten Gleisanlagen wirkt sie wie ein Fremdkörper. Zur selben Zeit wurde auch das Empfangsgebäude modernisiert (bereits 1963 wurde das Äußere entfeinert - hier eine ältere Ansicht, hier eine größere Version) und erhielt der Bahnhof wieder direkten Anschluß zur Straßenbahn. Heute präsentiert sich Geras Hauptbahnhof modern, aber irgendwie ein wenig überdimensioniert. Den Beinamen trägt er seit dem Jahr 1920.
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1 Beginnen wir unseren Rundgang auf dem Bahnhofsvorplatz. Dort befindet sich unter bunten Dächern der Busbahnhof.
2 Das Hauptportal.
3 Ein Blick auf den Bahnhofsvorplatz. Leerstand.
4 Die Abfahrtsanzeige unterscheidet nach Bus, Straßenbahn und Eisenbahn.
5 Dann gibt es noch einen Nordeingang.
6 Was auch immer das sein mag. Allerdings ist Gera offenbar ein attraktiver Arbeitsort, die beiden Autos kommen aus Hessen.
Geht gleich weiter, sind mal wieder zu viele Zeichen.
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