Auf nach Delmenhorst! (30 Bilder) (Reiseberichte)

Sören Heise, Region Hannover, Mittwoch, 05.02.2014, 15:55 (vor 4454 Tagen)

Moin!

Eine gewisse Verwunderung war es schon, die sich meiner bemächtigte, als mir im Nachdruck des Winterkursbuches 1937/1938 der Bahnhofsname Delmenhorst Hbf entgegengrinste. Positiv denken: Da wolltest Du doch schon immer mal schauen, wie's nach dem Aussteigen aussieht. Also ergriff ich am vorletzten Tag des Januars 2014 die Chance, die sich mir bot.


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Zu sagen, daß Delmenhorst zwischen Bremen und Oldenburg liegt, hieße, Eulen nach Athen zu tragen. Also lasse ich es. Das Eisenbahnzeitalter begann jedenfalls, wie euch aus dem Oldenburg-Beitrag sicherlich noch erinnerlich ist, am 14. Juli 1867 mit Eröffnung der Bahnstrecke von Bremen nach Oldenburg, diese wurde 1980 elektrifiziert.
Noch im Reiseverkehr betrieben wird die südwestlich abzweigende Strecke über Vechta Richtung Osnabrück. Am 1. Mai 1898 ging der Nordabschnitt von Delmenhorst nach Vechta in Betrieb, 1899/1900 folgte der Südabschnitt von Lohne nach Hesepe an der Oldenburger Südbahn. Die kurze Strecke zwischen Vechta und Lohne ist bereits seit 1888 in Betrieb und war Teil der Strecke von Ahlhorn.

Südwärts führt die am 6. Juni 1912 eröffnete Strecke nach Harpstedt, durch die Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahn betrieben. 1967 endete der Reiseverkehr - die Pendlerströme führen nach Bremen. Das ist per Bus oder Auto schneller erreichbar als via Delmenhorst. Als Folge wurde 1970 die direkte Verbindung zum Delmenhorster Personenbahnhof entfernt, die DHE schließt seitdem nur noch an den Güterbahnhof an. An dessen Ostkopf befindet sich das DB-Stellwerk Df.

Erst relativ spät wurde die Bahnstrecke nach Lemwerder, nördlich Delmenhorsts an der Weser gelegen, eröffnet. Seit 1900 war geplant worden, aber erst am 1. November 1922 war Eröffnung. Mit Ende des Winterfahrplans endete am 27. Mai 1962 der zuletzt spärliche Reiseverkehr. Das Kenning-Buch zur DHE schreibt, daß die Einbindung der Strecke in den Personenbahnhof mit der Höherlegung der Hauptstrecke aufgegeben wurde. Dazu gleich. Ende 2009 wurde der Nordabschnitt der Strecke stillgelegt, ob der südliche Teil noch befahrbar ist, ist mir unbekannt.

Die Höherlegung der Bahnstrecke Delmenhorst - Oldenburg. Davon wußte ich gar nichts, wunderte mich nur übers Aussehen des Bahnhofs. Wikipedia schweigt sich aus, der Bahnhof ist wohl nicht relevant genug. Zum Glück gibt's die Seite der Stadt Delmenhorst, in der dortigen Chronik lesen wir: Im Jahr 1978 konnte ein großes Bauprojekt in Delmenhorst abgeschlossen werden: Die Höherlegung der Eisenbahnlinie. Damit verbunden war nicht nur der Neubau des Bahnhofs, sondern auch der Ausbau der Nord-Süd-Tangente mit Stedinger Straße, Friedrich-Ebert-Allee und Hasporter Damm. Diese Veränderungen des Stadtbildes ermöglichten eine weitere schnelle Verkehrsanbindung. Somit wäre das Baujahr des heutigen Bahnhofs geklärt, früher gab es ein richtiges Empfangsgebäude, das sich im Internet allerdings recht rar macht, aber z.B. hier zu finden ist.

Die heutigen Bahnanlagen sind auf den einschlägigen Seiten zu studieren, wie es 1934 aussah, sieht man auf einer Karte in der Deutschen Fotothek, hier in der Suche "Delmenhorst Meßtischblatt" eingeben, dann kommt sie.


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Das Verkehrsangebot läßt sich in vier Linien zusammenfassen:
Das hochwertigste Angebot ist die stündliche Verbindung von Bremen über Oldenburg und Leer nach Emden. Zweistündlich fährt ein Intercity (von Leipzig - Hannover, Baureihe 101, sieben Wagen), zweistündlich ein RE (von Hannover, Baureihe 146, sieben Wagen). Meistens geht es von Emden weiter nach Norddeich. Betreiber ist die Deutsche Bahn, der restliche Reiseverkehr liegt in den Händen der Nordwestbahn. Von Bremen quer durch die Hühner- und Eierfabriken des Oldenburger Münsterlands nach Osnabrück fährt sie mit Lints, diese fahren ab und an auch einen Direktzug Bremen - Wilhelmshaven. Ferner betreibt sie die beiden Regio-S-Bahn-Linien, die von Bremen nach Nordenham und über Oldenburg nach Zwischenahn führen. Hier kommen ihre Elektrotriebwagen der Baureihe 440 zum Einsatz, das sind Drei- oder Fünfteiler. Habt ihr nicht gedacht, daß man zu Delmenhorst so viel schreiben kann, oder? ;-) Jetzt aber die Bilder.


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1 Um kurz nach zwölf verläßt der Intercity nach Emden den Bahnhof Delmenhorst. Mein Niedersachsenticket wurde als Fahrschein akzeptiert. So soll es auch sein.


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2 Hinterm Bahnhof das Jute-Center. Der Name erinnert an die Textilindustrie. Einstmals in Delmenhorst heimisch, sitzt sie heute in Dhaka.


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3 Gesamtansicht der Personenbahnhofs westwärts.


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4 Blick ostwärts vom Bahnsteigende. Beachte die Sonderform des Signals am Gleis 2. Da hinten irgendwo kommt der Güterbahnhof.


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5 Ein Blick hinüber zu Gleis 1 mit seiner Bahnsteigkante.


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6 Treppe.


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7 Am heutigen westlichen Bahnsteigende bietet sich diese Ansicht.


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8 Einen Halbkreis später sieht es so aus.


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9 Hinunter. Horst ist hier kein Schimpfwort, sondern der Stadtbus.


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10 Unter den Gleisen sieht es aus, als ob man im Empfangsgebäude wäre.


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11 Der Bahnhof von Norden gesehen.


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12 Wieder drin.


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13 Der Haupteingang.


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14 Busbahnhof.


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15 Ein Blick hin zum Bahnhof.


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16 Nahe des Bahnhofs die Marienkirche.


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17 Horst 18.


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18 Weil er so schön ist, nochmal der Bahnhof.


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19 Hoch nach Gleis 1.


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20 Hinterm Busbahnhof die Stadtkirche nebst dazugehöriger Stadt.


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21 Nordwolle.


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22 648 377 war von Osnabrück nach Bremen unterwegs. Die Züge dieser Linie bedienen Gleis 1.


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23 Der Mittelbahnsteig dient den Zügen auf der Hauptstrecke.


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24 So 440 347 nach Bad Zwischenahn.


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25 Von dort kam wenig später 440 222.


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26 Da steht er am Bahnsteig. Nicht versprayt, da darf es auch ein zweites Bild sein.


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27 Der Zugang zum Mittelbahnsteig.


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28 Bahnsteigansicht.


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29 Vorsignalwiederholer.


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30 Mit 648 497 nach Osnabrück (revisionsdaten.de sieht ihn bei Erixx) verabschieden wir uns.


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Soweit Delmenhorst. Nicht umwerfend, aber eindeutig positiver als erwartet, mein Eindruck. Bleibt die Frage, von wann bis wann der Bahnhof als Hauptbahnhof lief - im genannten Kursbuch ist das auch nur bei den Reichsbahntabellen der Fall, 1939 fehlt der Zusatz.

Damit verabschiede ich mich bis zum Wochenende. Unser Ziel ist dann ein mittlerweile fernverkehrsloser Hauptbahnhof in Thüringen.


Viele Grüße
Sören

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