Ein Neuruppiner Bilderbogen (Reiseberichte)

Sören Heise, Region Hannover, Samstag, 25.01.2014, 15:04 (vor 4465 Tagen)

Guten Tag,

nach ausgedehnten Wanderungen durch die Mark Brandenburg sind wir in Neuruppin angekommen. Die Stadt verfügt heutzutage mit Neuruppin West und Neuruppin Rheinsberger Tor über zwei Eisenbahnstationen. Zwischen ihnen liegt der ehemalige Hauptbahnhof.


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Laut Kursbuchkarte ist Neuruppin heute ein einfacher Durchgangsbahnhof. Einstmals jedoch konnte man Neuruppin aus fünf Richtungen mit dem Zug erreichen.

Abgebaut ist die Bahnstrecke nach Paulinenaue, an der Strecke Hamburg - Berlin gelegen. Die Paulinenaue-Neuruppiner-Eisenbahn-Gesellschaft eröffnete ihre einzige Strecke am 11. September 1880. Sie hatte ihren Endbahnhof in Neuruppin im Süden der Stadt. Zum Sommerfahrplan 1970 endete der Reiseverkehr, anno 2008 wurden die letzten Gleise entfernt.

Die Paulinenauer Strecke war die erste in Neuruppin. Das nahe Berlin erreichte man nur per Umweg. Daher bestand nach Fertigstellung der Bahnstrecke von Berlin nach Kremmen ein Interesse, diese Strecke nach Neuruppin zu verlängern. Hierfür und für den Weiterbau nach Wittstock gründete sich 1896 die Kremmen-Neuruppin-Wittstocker Eisenbahn-Aktien-Gesellschaft. Am 1. Februar 1899 wurde der Reiseverkehr aufgenommen, kurz nach dem Güterverkehr. In Neuruppin hielt man zweimal, am Rheinsberger Tor, im Nordosten der Stadt gelegen, und am eigentlichen Bahnhof, im Nordwesten, ein wenig außerhalb. Hier entstand auch das Betriebswerk.
Die Bahnstrecke wurde von Wittstock aus verlängert, am 1. Februar 1912 bis Freyenstein und am 14. April desselben Jahres nach Meyenburg an der Strecke von Pritzwalk nach Güstrow. Zum Sommerfahrplan 1967 endete der Reiseverkehr zwischen Wittstock und Meyenburg, die Teilstrecke ist schon lange abgebaut.

Aller guten Dinge sind drei, daher kommt nun die Ruppiner Kreisbahn AG ins Spiel. Sie war Bauherr und Betreiber der Bahnstrecke von Neustadt (Dosse) an der Bahnstrecke Berlin - Hamburg über Neuruppin nach Herzberg (Mark), wo sie an die Strecke der Löwenberg-Lindower Kleinbahn AG anschloß. Der Reiseverkehr, der schon länger in Neuruppin gebrochen wurde, endete am 9. Dezember 2006, zuletzt fuhr hier die Prignitzer Eisenbahn. Im Jahresfahrplan 2013 verkehrten zwischen Neuruppin und Herzberg zeitweilig wieder Züge. Zwischen Oranienburg und Löwenberg wurde der Bahndamm umgegraben, so daß der Ausflugsverkehr nach Rheinsberg nicht den gewohnten Weg nehmen konnte, sondern über diese Strecke umgeleitet wurde.

Im Jahr 1913 fusionierten die Ruppiner Kreisbahn AG und die Kremmen-Neuruppin-Wittstocker Eisenbahn-Aktien-Gesellschaft zur Ruppiner Eisenbahn AG. Diese sollte bis zur Übernahme durch die Reichsbahn im Jahr 1949 bestehen, zuvor hatte sie die beiden anderen Gesellschaften übernommen: 1921 die nunmehr als Löwenberg-Lindow-Rheinsberger Eisenbahn aktive Firma und 1923 die Paulinenauer Bahn.

Schon 1905 war eine Verbindung von der Paulinenauer Strecke zum Bahnhof der anderen Bahnen gebaut worden, im Jahr 1930 endete der Verkehr zum Paulinenauer Bahnhof. Er ist heute noch erhalten, ich war allerdings nicht da. Ebenfalls noch erhalten ist Neuruppins Hauptbahnhof, es halten allerdings seit 1999 keine Züge mehr. Einige Aufnahmen aus der Betriebszeit auf berliner-bahnen.de. Stattdessen wurde im Jahr 2000 wenige 100 Meter westlich der Haltepunkt Neuruppin West eingeweiht. Die Bezeichnung Hauptbahnhof kam zwischen 1929 und 1934 auf und verschwand zwischen 1961 und 1964 wieder, obwohl es in Neuruppin weitere Stationen gab. Genauer kann ich das leider nicht eingrenzen.

Der Zugverkehr ist eintönig geworden, den Gesamtverkehr auf dem RE 6 (Berlin - Neuruppin - Wittenberge) bestreiten heute Dieseltriebwagen der Baureihe 646, die im örtlichen Bahnbetriebswerk umsorgt werden. Werktags besteht ein Stundentakt, allerdings werden manche Haltestationen nur zweistündlich bedient. Am 30. Juli 2013 nutzte ich die Linie auf mehr als ihrer damaligen Gesamtlänge. Von Berlin kommend fuhr ich bis Neuruppin West, besuchte anschließend Hauptbahnhof und Innenstadt und verließ selbige am Rheinsberger Tor in Richtung Wittenberge.


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1 Zwischen den beiden Stationen passiert der Zug den ehemaligen Hauptbahnhof ohne Halt.


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2 Vom Haltepunkt West ein Blick zurück. Überm blauen Auto der Hauptbahnhof.


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3 Mein Zug fährt weiter in Richtung Wittstock.


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4 Stadteinwärts.


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5 Mit Bushaltestelle.


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6 Auf der anderen Seite das Bahnbetriebswerk.


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7 Ansicht mit Stellwerk.


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8 Gesamtansicht.


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9 Der Hauptbahnhof von der Straßenseite.


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10 Der ehemalige Eingang.


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11 Gleisseite. Im Anbau einstmals das Befehlsstellwerk.


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12 Blick gen Westen mit Bahnsteigrest und Bahnbetriebswerk.


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13 Ansicht von der anderen Gleisseite.


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14 Hinter der Kurve folgt bald der Haltepunkt Rheinsberger Tor.


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15 Die Bahnhofstraße.


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16 Ein Blick zurück.


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17 Herrschaftliche Architektur.


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18 Die Feuerwache.


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19 Das Schinkeldenkmal hinter der Marienkirche. Der bedeutende Architekt wurde 1781 in Neuruppin geboren.


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20 Die Marienkirche vor dem Schinkeldenkmal.


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21 Theodor Fontane. Der Apotheker wurde 1819 in Neuruppin geboren, ist einer breiteren Öffentlichkeit als Schriftsteller bekannt.
Ein nicht ganz so berühmter Sohn der Stadt war Adam Struensee, 1708 in Neuruppin geboren. Er ist Struensees Vater.


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22 Die Klosterkirche St. Trinitatis. Der Chor wurde 1246 fertiggestellt, die Türme 1905.


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23 Der Ruppiner See.


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24 Der Altar.


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25 Haltepunkt Rheinsberger Tor.


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26 Ohne Bus. Das Türmchen soll ans Schloß Rheinsberg erinnern.


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27 Blick südwärts. Wenig später führt die Strecke über den Ruppiner See, unmittelbar danach zweigt die Strecke nach Herzberg nach links ab.


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28 In der Gegenrichtung der Haltepunkt.


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29 Ein Blick nordwärts.


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30 Südwärts.


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31 Es war einmal.


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32 Das Empfangsgebäude. Drin sitzt der Bürgerbahnhof, ein touristeninformierender Fahrkartenschalter.


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33 Nicht mehr wichtig.


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34 Die Sonne ist wieder da.


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35 Das alte Bahnsteigdach.


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36 Informationen.


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37 Die halbe Stunde nähert sich, die Bahnsteige füllen sich.


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38 Einer jedenfalls.


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39 Der Zug kommt.


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40 Steigen wir ein und genießen wir die Fahrt durch den Sommertag.


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Viele Grüße
Sören

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Verstehen Sie Bahnhof!
Europa: Linkliste Fahrplantabellen und mehr

obligatorische Spiegelung

Alibizugpaar, Köln (im Herzen immer noch Göttinger), Samstag, 25.01.2014, 16:47 (vor 4465 Tagen) @ Sören Heise

32 "Das Empfangsgebäude. Drin sitzt der Bürgerbahnhof, ein touristeninformierender Fahrkartenschalter."


Hallo Sören,

da hast Du mich mit diesem Foto aber für einen kurzen Moment total verwirrt. Ich dachte, was das denn für ein merkwürdiger Bau ist, innen hohl und taghell und da soll auch noch der Fahrkartenschalter drin stecken? Ein entkernter Bahnhof mit Gardinen an den Fenstern?

Naja, nach 10 Sekunden erkannte ich dann die Spiegelung. Voll drauf reingefallen.

Scheint eine ganz hübsche Ecke dort oben zu sein.

Danke für den Rundgang und Gruß!

Olaf

Wann fährt der Zug? Der Fahrplan ist geheim!

Giovanni, Samstag, 25.01.2014, 23:09 (vor 4465 Tagen) @ Sören Heise

http://www.deutschebahn.com/de/presse/verkehrsmeldungen/5673778/bbmv20140122.html?start...
http://www.moz.de/heimat/lokalredaktionen/neuruppin/neuruppin-artikel/dg/0/1/1238487/

Veröffentlicht hat die Bahn den neuen Fahrplan, der seit heute gelten soll, bisher noch nicht. Auch in der Fahrplanauskunft ist noch der alte Fahrplan hinterlegt - und der Fahrplanänderungen-Newsletter schweigt sich aus.

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Wo Logik aufhört fängt das DB-Preissystem an.
2.4.4: "Eine Fahrkarte für eine höhere Produktklasse berechtigt [...] auch zur Beförderung in einer niedrigeren Produktklasse."
Ein Doppelstock-RE ist 4.631,5mm hoch - ein ICE1-Speisewagen nur 4.295mm ;)

Wann fährt der Zug? Der Fahrplan ist geheim!

RB18901, Sonntag, 26.01.2014, 22:39 (vor 4464 Tagen) @ Giovanni

http://www.deutschebahn.com/de/presse/verkehrsmeldungen/5673778/bbmv20140122.html?start...
http://www.moz.de/heimat/lokalredaktionen/neuruppin/neuruppin-artikel/dg/0/1/1238487/

Veröffentlicht hat die Bahn den neuen Fahrplan, der seit heute gelten soll, bisher noch nicht. Auch in der Fahrplanauskunft ist noch der alte Fahrplan hinterlegt - und der Fahrplanänderungen-Newsletter schweigt sich aus.

Ich habe gerade den RE 18640 gefunden. Fährt am Wochenende um 0:46 Uhr ab Spandau ab.

http://reiseauskunft.bahn.de/bin/traininfo.exe/dn/265983/193583/152376/12473/80?ld=9687...

Re:

Sören Heise, Region Hannover, Sonntag, 26.01.2014, 13:32 (vor 4464 Tagen) @ Sören Heise

Moin,

danke für die Kommentare. Sind nicht so viele, fällt auch die Antwort kürzer aus.


Giovanni: Eine seltsame Sache.

Olaf: Du hast eine Spiegelung erkannt. Ich auch, nachdem Du mich darauf hingewiesen hast.
Die Gegend ist ganz nett, ja. Nicht spektakulär, aber trotzdem einen Besuch wert. Oder auch zwei.


Viele Grüße
Sören

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