Ein Tag im Werdenfels: Der Talent 2 (Reiseberichte)

JumpUp, Sonntag, 19.01.2014, 22:34 (vor 4471 Tagen)
bearbeitet von JumpUp, Sonntag, 19.01.2014, 22:36

Guten Abend,

viel Kritik und zahlreiche Probleme gab es mit dem Start des Werdenfels-Netz auf der Strecke München - Garmisch-Partenkirche - Mittenwald - Seefeld - Innsbruck mit seinen drei Abzweigungen nach Reutte in Tirol, Oberammergau und Kochel. Es wurden 37 Talent 2, im Volksmund auch Hamster genannt, bestellt, um diese Strecken zu befahren. 34 der Züge sind vierteiler, nur drei wurden als zweiteiler bestellt!

Heute (am Sonntag Nachmittag) unternahm ich einen Tagesausflug in die Region und fuhr einfach mal den ganzen Tag lang Talent 2 im Werdenfels um mir selbst von den Zügen, aber auch von dem neuen RB-Netz und Fahrplankonzept, einen persönlichen Eindruck machen zu können.

Da viele DSOler das Werdenfels-Netz selbst nicht persönlichkennen, hier eine Übersichtskarte:
http://www.regio-oberbayern.de/regio_oberbayern/view/mdb/regio_oberbayern/teilnetze/mdb...

Mein gesamter Bericht kommt weitestgehend ohne Bilder aus, ich möchte Euch nur meine Gedanken und Eindrück schildern.

Der neue Takt:

Derzeit wird ein Ersatzkonzept gefahren. Bis sämtliche 37 Talent 2 ausgeliefert und zugelassen sind, verkehren einige Züge lokbespannt als Dosto, mit 425/426 als Ersatz oder (im ÖBB Abschnitt) vermehrt mit Talent 1 aus dem Ausland. Der Grundtakt wird jedoch weitestgehend mit den neuen Zügen gefahren.
Es ist sehr schön, dass der gesamte Werdenfels-Takt auf die gleichen Fahrzeuge ausgelegt ist, nämlich einem vierteiligem Talent 2. Im Gegensatz zu anderen Netzen muss man keine Angst haben, dass statt dem Fünfteiler ein Dreiteiler (außerplanmäßig) am Bahnsteig steht - es gibt nämlich nur die Vierteiler!

Die drei zweiteiligen Züge sind (als gesonderter Umlauf) für die Strecke Murnau - Oberammergau angeschafft. Für den Betrieb werden zwei Triebfahrzeuge benötigt, während ein drittes als Reserve verweilt. Die Umläufe sind lediglich zu Überführungszwecken mal auf der anderen Strecke unterwegs. Im Allgemeinen lässt sich somit sagen, dass eigentlich nur ein Vierteiler am Bahnsteig warten kann!

Abgesehen auf den Abschnitt München - Tutzing (also der wichtigste Teil in Richtung Metropolregion) ist das gesamte Netz eingleisig ausgebaut. Durch diese Eingleisigkeit übertragen sich Verspätungen sehr schnell auf andere Züge. Die Fahrplaner haben der Ausschreibung zum Werdenfels ein raffiniertes Konzept zu Grund gelegt. Mit zahlreichen zusätzlichen Fahrten und Sprinterverbindungen sind die Abindungen der Städte mit der Bahn viel attraktiver geworden. Auf einzelnen Abschnitten gibt es einen neuen Halbstundentakt, auf anderen Abschnitten zusätzliche Sprinter und Verstärkerfahrten zur Pendlerzeit. Jedoch müssen die Pünktlichkeit und die Kupplungsvorgänge funktionieren, andernfalls können andere Züge (oder die S-Bahn ab Tutzing) Verspätungen bekommen!

Die Wendezeiten scheinen mir auskömmlich zu sein: In Reutte (mittelfristig werden die Züge ab Garmisch weiter bis Reutte oder Mittenwald durchgebunden) sind es 60 Minuten Wendezeit, in München etwa 30, in Oberammergau 20, in Murnau 20 und in Innsbruck sogar 1:20 h (den Rest habe ich gerade nicht auf dem Schirm)

Auch wenn die heißgeliebten n-Wagen und Dosto-Züge nun weitestgehend Geschichte sind: Die ursprüngliche Idee und das Fahrplankonzept im Werdenfels ist unglaublich genial und bietet viel Positives für die gesamte Region. Meiner Einschätzung nach sind die Fahrzeitpuffer gerade in den eingleisigen Abschnitten ausreichend, um kleine Verspätungen abfangen zu können. Wenn jedoch ein Baum im Gleis liegt, oder ein Triebzug komplett schlapp macht, kann leider auch der beste Fahrplan nichts mehr machen - dann ist die Strecke dicht.
Im Angesicht der reduzierten Infrastruktur solch ein ausgefeiltes Konzept auf die Beine zu stellen ist eine Meisterleistung - ich ziehe meinen Hut vor den Fahrplanern: Im regulären Betrieb gewinnt die gesamte Region an einer besseren Anbindung in Richtung München!

Auslastung: Trotz meiner zahlreichen Fahrtem zur besten Wochendpendlerzeit am Sonntag Nachmittag waren keine der von mir genutzten Züge überfüllt, und dass obwohl ein Sonntag meist ein Großkampftag ist. Wahrscheinlich kommen die negativen Pressemeldungen über überfüllte Züge im Werdenfels von ausgefallenen Zugteilen.

Die Kapazitäten wurden (im Vergleich zu den Dosto und n-Wagen der letzten Jahre) im Rahmen dieser Ausschreibung nicht heruntergeschraubt. Auch wenn wir vom Franken-Thüringen-Express und vom RE Aachen - Siegen anderes gewohnt sind, dürfte die absolute Sitzplatzanzahl zur Penderzeit gerade durch die zusätzlichen Taktverdichter sogar über den Kapazitäten vor der Aussschreibung liegen.

Zur Infrastruktur ist anzumerken, dass zahlreiche Stationen im Werdenfels modernisiert wurden, oder noch umgebaut werden. Leider erkennt man auch, dass DB Netz zahlreiche Kreuzungsmöglichkeiten zurückgebaut hat. Gerade nach Oberammergau ist kein zusätzlicher Zugverkehr jeglicher Art möglich. Die Strecke ist mit ihrem Stundentakt zu 100 % ausgelastet. In Oberammergau gibt es keine Abstell- oder Umsetzmöglichkeit mehr.

Solange die Infrastruktur für das Fahrplankonzept ausreichend ist, möchte ich darüber nicht urteilen.


Die Züge: Der Talent 2

Der Talent 2 wird im DSO immer als Negativbeispiel für moderne Eisenbahn herangezogen. Er glänzt nunmal in fast jedem der Ausschreibungsnetzte durch Negativschlagzeilen:

- Kuplungsprobleme
- Kapazitäten (dafür kann der Talent 2 wenig)
- unbequeme Bestuhlung
- Zulassungsschwierigkeiten

etc. etc.

Jedoch muss man auch sagen, dass Hamster nicht gleich Hamster ist! In jedem RE-Netz haben die Hamster eine unterscheidliche Konfiguration und eine sehr individuelle Ausstattung. Es gibt sie in der Sparversion (siehe Saxonia mit 2+3 Bestuhlung), oder als Luxusvariante mit 1+2 in der 1. Klasse, Snackautomat und großzügigen Sitzabständen im gesamten Zug zwischen Cottbus und Frankfurt/Oder.

Daher nun einige Informationen zur Ausstattung der vierteiligen Hamster im Werdenfels-Netz. Die drei Zweiteilier sind noch nicht zugelassen, daher konnte ich sie nicht testen.

- Die allgemein unbeliebten Sitze vom Typ Match der Fa. Kiel sind auch im Werdenfels verbaut. Auch schon im Fugger-Express sorgte dieser Sitztyp für wenig Gegenliebe. Dank angenehmer Sitzabstände in der Reihenbestuhlung lässt sich die Fahrt aber ganz angenehm gestalten. In den vis-a-vis Plätzen der 2. Klasse ist es jedoch recht eng.

- 1. Klasse mit Leder, aber auch hier 2+2 bestuhlt.

- zwei Toiletten pro Vierteiler, dies dürfte ausreichend sein.

- Im Gegensatz zum Franken-Thüringen-Express sind in der 2. Klasse zahlreiche vis-a-vis Plätze mit vollumfänglichen und angenehmen Tischen ausgestattet. So hat ein Nahverkehrsfahrzeug auszusehen. Weshalb hat die BEG Rund um Nürnberg an stabilen Tischen gespart?

- Leider keine Mittelarmlehne in der 2. Klasse

- Bedarfshalt: Im Werdenfelsnetz kann man den Zug an einigen Stationen per Knopfdruck zum Halten lassen kommen

- Steckdosen auch hier an der Decke angebracht

- Auf den Tischen gibt es liebevoll gestaltete Übersichtspläne über die zu bereisende Strecke. Sehr schön!

- Mein Lieblingsbereich: Es gibt einen Ruhebereich im Hochflur an einem Zugende in der 2. Klasse. Dieser Ruhebereich ist durch eine Trenntür vom Rest der 2. Klasse abgetrennt. Wahrscheinlich der einzige moderne Triebwagen mit Trenntür innerhalb der 2. Klasse? Eine gute Idee.
In diesem Ruhebereich sind die "Pssst" und "Handy verboten" Zeichen in großer Stückzahl an jedem Fensterholm angebracht. Hier kann sich (im Gegensatz zum ICE) niemand herausreden, dass er den Ruhebereich nicht gesehen hat. Im Werdenfels ist der Ruhebereich nicht so unscheinbar! Und trotz guter Auslastung wurde diese Ruhezone auch eingehalten.
Die Sitzpolster sind im Ruhebereich invers gemustert, so dass auch hier der Unterschied zur gewöhnlichen 2. Klasse auffällt.
Mich hat es gefreut :)

Ruhebereiche sind auch aus dem Franken - Thüringen Express bekannt, hier jedoch in der Sparversion mit einem Aufkleber versteckt hinter der Gepäckablage. Weshalb geht es nicht immer so?


- Mit bunten Sitzpolster gibt es eine Kinderspielecke

- Für alle Sparfüchse, welche mal erstklassig reisen wollen: Innerhalb Österreich (nach Reutte und nach Innsbruck) ist die 1. Klasse deklassiert - die ÖBB hat im NV keine First.

- Leider sind die Mehrzweckbereiche etwas klein geraten. Jedoch hat man hier sich endlich ein anständiges Konzept einfallen lassen, um der Fahrradplage an den Wochenden Herr werden zu können. Während in all den anderen modernen Triebfahrzeugen in Deutschland die Fahrradfahrer mit ihrem Rad (bei hoher Auslastung) in den Türbereich oder in den Gang gequetscht werden, weil man das Fahrrad nicht abstellen kann, hat man (bekannt aus dem Fernverkehr der DB) Fahrradständer angebracht. Hier kann man das Fahrrad einhängen und es ist A) Gegen Umfallen gut festgezurrt und b) platzsparend verstaut.

Hier habe ich zwei Bilder (in schlechter Qualität), die Euch den Fahrradbereich zeigen. In der Mitte die "Regale" kann man herunterklappen und seine Ski dort abstellen. Sollten keine Fahrräder unterwegs sein, kann man die Klappsitze benutzten.

Witzig: Klappsitz und Fahrradständer in einem :)

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Ein Tag im Werdenfels: Der Talent 2

ICE11, Aachen, Montag, 20.01.2014, 00:41 (vor 4471 Tagen) @ JumpUp

Jedoch muss man auch sagen, dass Hamster nicht gleich Hamster ist! In jedem RE-Netz haben die Hamster eine unterscheidliche Konfiguration und eine sehr individuelle Ausstattung.

Wie würdest Du denn die Werdenfels-Hamster im Vergleich zu den RSX-Hamstern einordnen?

Ein Tag im Werdenfels: Der Talent 2

Turbonegro, Montag, 20.01.2014, 01:07 (vor 4471 Tagen) @ JumpUp
bearbeitet von Turbonegro, Montag, 20.01.2014, 01:08

Danke für deinen Bericht. Zur Infrastruktur möchte ich noch einige kleine Ergänzungen machen:

Abgesehen auf den Abschnitt München - Tutzing (also der wichtigste Teil in Richtung Metropolregion) ist das gesamte Netz eingleisig ausgebaut. Durch diese Eingleisigkeit übertragen sich Verspätungen sehr schnell auf andere Züge.

Zwichen Tutzing und Unterzeismering wurde die beiden paralellen eingleisigen Strecken nach Kochel und Weilheim zusätzlich mittels der neuen Üst Unterzeismering verbunden, sodass man nun weitere 2 Kilometer zweigleisig fahren kann, was die Kreuzung in Tutzing bei Verspätungen etwas stabiler macht.

Zwischen Murnau und Hechendorf liegt schon seit 1936 das zweite Gleis, was die Kreuzung in Murnau sehr dynamisch macht, sodass die Plankreuzungen des Stundentakts in Tutzing und Murnau im Verspätungsfall etwas abpuffert.

Außerdem wurde in den letzten Jahren konsequent das ESTW Garmisch ausgebaut, sodass zwischen Huglfing und Garmisch nur noch das elektromechanische Stw in Ohlstadt existiert, da streiten sich die Stellen, da zwei Außenbahnsteige errichtet werden sollen und die Kurve begradigt werden soll. Dann wäre aber der Zugang vom P&R zu lang und so streitet man sich noch heute.

Wie schon richtig festgestellt, sind viele Bahnsteige auf 76cm und damit auf die Einstiegshöhe der Triebwagen erhöht worden, was den Fahrgastwechsel beschleunigt. Leider ist in Farchant nur am Gleis 1 ein Bahnsteig vorhanden, sodass eine Verlegung der Kreuzung von Garmisch nicht möglich ist.

Auf der Strecke nach Oberammergau gibt es schon lange nur noch Bad Kohlgrub als einzigen Kreuzungsbahnhof, die Strecke könnte man mit viel Geld auch mal an den Stand einer brauchbaren Nebenbahn anpassen, den mit der Fahrzeit ist kein Blumentopf zu gewinnen. Ich denke es müsste möglich sein, die Strecke so zu beschleunigen, dass die Züge kurz nach halb in Murnau abfahren und kurz vor null in Oberammergau zu sein. Aber das kostet eben Geld.

Ein Tag im Werdenfels: Der Talent 2

Jens, Bayern/NRW, Montag, 20.01.2014, 22:47 (vor 4470 Tagen) @ Turbonegro


Zwischen Murnau und Hechendorf liegt schon seit 1936 das zweite Gleis, was die Kreuzung in Murnau sehr dynamisch macht, sodass die Plankreuzungen des Stundentakts in Tutzing und Murnau im Verspätungsfall etwas abpuffert.

Die Plankreuzung des Stundentaktes ist auch auf Hechendorf und nicht auf Murnau gelegt. aber dadurch ergibt sich natürlich der von die angesprochene schöne Puffer (als derzeitiger Fahrdienstleiter Ohlstadt bin ich ganz froh um diese Lange Kreuzungsmöglichkleit ;) )


Außerdem wurde in den letzten Jahren konsequent das ESTW Garmisch ausgebaut, sodass zwischen Huglfing und Garmisch nur noch das elektromechanische Stw in Ohlstadt existiert, da streiten sich die Stellen, da zwei Außenbahnsteige errichtet werden sollen und die Kurve begradigt werden soll. Dann wäre aber der Zugang vom P&R zu lang und so streitet man sich noch heute.


Man hat sich tatsächlich geeinigt, es wurde eine Zwischenvariante gefunden ;)
Das Stellwerk Ohlstadt hängt nicht vom Neubau der neuen Bahnsteige ab, eher von der Technischen Anbindung. Bisher war Ostern das Ziel der Umschaltung, es wird sich allerdings noch weiter verzögern (Auch wenn ich dann wieder auf mein Heimatstellwerk darf)

Danke auch von mir für den schönen Bericht ;)

Viele Grüße

Jens

Fazit

JumpUp, Montag, 20.01.2014, 07:55 (vor 4471 Tagen) @ JumpUp

Habe mein Fazit vergessen anzuhängen:

Alles in Allem finde ich das Werdenfels-Netz sehr gelungen. Hoffen wir, dass die Kupplungsvorgänge zuverlässiger werden. Denn gerade das Kuppel muss in solch einem anfälligem System funktionieren. Ich habe auch heute +5 in einem Zug gehabt, da wir in Tutzing nach dem Kuppeln nicht losgekommen sind.

Kurzfristig mag es noch Probleme wegen der Auslieferung der Fahrzeuge geben, so dass auch hier einzelne Fahrzeuge ausfallen oder nicht verfügbar sind.
Langfristig jedoch sehe ich bei diesem Netz eine sehr positive Zukunft. Wenn alle Teilstrecken mit ihrem angedachten Fahrplankonzept in einer guten Zuverlässigkeit unterwegs sind, sollte das Werdenfels ein Erfolg werden!

Danke :-) *owT*

GUM, Montag, 20.01.2014, 13:06 (vor 4471 Tagen) @ JumpUp

- kein Text -

--
Sicherheitshinweis: Lassen Sie Ihre Politiker nicht unbeaufsichtigt!
Security advice: Don't leave your politicians unattended!

Ein Tag im Werdenfels: Der Talent 2

sb, Montag, 20.01.2014, 08:04 (vor 4471 Tagen) @ JumpUp

Danke für Deine umfangreichen Beschreibungen. Anbei ein paar Anmerkungen zum heutigen Fahrplan und zu manchen früheren Entwicklungen.

Der neue Takt:

Derzeit wird ein Ersatzkonzept gefahren.

Aber meines Wissens nur fahrzeugtechnisch, nicht fahrplantechnisch?

Bis sämtliche 37 Talent 2 ausgeliefert und zugelassen sind, verkehren einige Züge lokbespannt als Dosto, mit 425/426 als Ersatz oder (im ÖBB Abschnitt) vermehrt mit Talent 1 aus dem Ausland.

Nach dem Ersatz der Dosto-Wendezüge durch Talent2 sinkt meines Wissens die Platzzahl?

Durch diese Eingleisigkeit übertragen sich Verspätungen sehr schnell auf andere Züge. Die Fahrplaner haben der Ausschreibung zum Werdenfels ein raffiniertes Konzept zu Grund gelegt.

Ob das wirklich so raffiniert ist, wenn die Verstärker-RB in Murnau bzw. Weilheim bis zu 15 Minuten stehen, um die Expresszüge überholen zu lassen – mit all den unschönen Abhängigkeiten im Verspätungsfall, bezweifle ich doch sehr stark.

Mit zahlreichen zusätzlichen Fahrten und Sprinterverbindungen sind die Abindungen der Städte mit der Bahn viel attraktiver geworden.

Das ist prinzipiell richtig, bringt aber bei den regelmäßigen Verspätungen nur wenig, weil dadurch die Anschlüsse weniger verlässlich sind als vorher.

Jedoch müssen die Pünktlichkeit und die Kupplungsvorgänge funktionieren, andernfalls können andere Züge (oder die S-Bahn ab Tutzing) Verspätungen bekommen!

Während das Kuppeln des ET423 in Neufahrn (bei Freising) nur ca. 2 Minuten benötigt, brauchen die Talent2 ca. 5 bis 6 Minuten; unverständlich ist mir beim Bahnhof Tutzing, warum das Lichtsperrsignal erst nach Halt des aufkuppelnden Zugteiles zum Aufkuppeln frei geschalten wird – im Gegensatz zu den Flügelungen in Neufahrn (bei Freising) (S1) und Holzkirchen (BOB).

Auch wenn die heißgeliebten n-Wagen und Dosto-Züge nun weitestgehend Geschichte sind: Die ursprüngliche Idee und das Fahrplankonzept im Werdenfels ist unglaublich genial und bietet viel Positives für die gesamte Region.

Zustimmung, die ursprüngliche Idee war Top – aber die Umsetzung (sprich das genaue Fahrplankonzept) ist ein Flop.

Im Angesicht der reduzierten Infrastruktur solch ein ausgefeiltes Konzept auf die Beine zu stellen ist eine Meisterleistung - ich ziehe meinen Hut vor den Fahrplanern:

...auch dafür, dass im Angebot von DB Regio zu wenig Pufferzeiten berücksichtigt wurden und es schon in der Theorie (Jahresfahrplan 2014) zu Haltausfällen in Ohlstadt und Iffeldorf sowie unsinnigen Taktintervallen auf der Außerfernbahn (KBS 965) kommen musste?

Im regulären Betrieb gewinnt die gesamte Region an einer besseren Anbindung in Richtung München!

?

Auslastung: Trotz meiner zahlreichen Fahrtem zur besten Wochendpendlerzeit am Sonntag Nachmittag waren keine der von mir genutzten Züge überfüllt, und dass obwohl ein Sonntag meist ein Großkampftag ist.

...aber nur im "richtigen" Winter, nicht bei Temperaturen um 0°C...

Wahrscheinlich kommen die negativen Pressemeldungen über überfüllte Züge im Werdenfels von ausgefallenen Zugteilen.

Während der Expressfahrten (RE) hakt es gewaltig bei den RB-Fahrten, insbesondere während der Hauptverkehrszeiten.

Zur Infrastruktur (...)

Gerade nach Oberammergau ist kein zusätzlicher Zugverkehr jeglicher Art möglich. Die Strecke ist mit ihrem Stundentakt zu 100 % ausgelastet. In Oberammergau gibt es keine Abstell- oder Umsetzmöglichkeit mehr.

Die Ammergaubahn (KBS 962) sollte bereits vor über 10 Jahren einen neuen Kreuzungsbahnhof in Altenau erhalten. Soweit ich mich erinnern kann, hat DB Netz genau in das Trassee des zweiten Gleises Fahrleitungsmasten plaziert, als BEG und DB Regio sich auf diese Maßnahme bereits verständigten, um die Anschlüsse in Murnau (angedacht war ein Knoten mit kurzen Umsteigezeiten) zu optimieren; die Kantenzeit Murnau – Altenau wäre dann 30 Minuten gewesen (netto ca. 26 bis 27 Minuten, da der Kreuzungshalt Bad Kohlgrub nach Altenau verschoben worden wäre).

Die Züge: Der Talent 2

Da im Werdenfelsnetz nur der Abschnitt München-Pasing – Gauting mit 160 km/h befahrbar ist – eigentlich waren hier nur 140 km/h angedacht, aber die dürftigen Pufferzeiten machten 2013 eine zweite Oberbauverbesserung auf 160 km/h erforderlich –, ruckelt der Talent2 nur auf diesem kurzen Abschnitt bekannermaßen unangenehm; auf den anderen Abschnitten ist der Fahrkomfort bequem.

- Mein Lieblingsbereich: Es gibt einen Ruhebereich im Hochflur an einem Zugende in der 2. Klasse. Dieser Ruhebereich ist durch eine Trenntür vom Rest der 2. Klasse abgetrennt. Wahrscheinlich der einzige moderne Triebwagen mit Trenntür innerhalb der 2. Klasse? Eine gute Idee.

Zustimmung. Eigentlich sollte ein der Zuglänge entsprechender Ruhebereich 2.Klasse zu jedem Regional- und Fernzug gehören. Bedauerlicherweise ist selbst die Kennzeichnung desselben in den ICE-Zügen so spärlich, dass sie nur manchen Stammfahrgästen auffallen.

Ein Tag im Werdenfels: Der Talent 2

lokuloi, Montag, 20.01.2014, 12:55 (vor 4471 Tagen) @ sb

Danke für Deine umfangreichen Beschreibungen. Anbei ein paar Anmerkungen zum heutigen Fahrplan und zu manchen früheren Entwicklungen.

Danke auch von meiner Seite zu den Eindrücken, die weitgehend meinen entsprechen. Wobei ich fairerweise dazusagen muss, dass sie beim Selbst-mitfahren nur am Wochenende entstanden und von den Beobachtungen her aus der abendlichen HVZ stammen.

Der neue Takt:

Derzeit wird ein Ersatzkonzept gefahren.


Aber meines Wissens nur fahrzeugtechnisch, nicht fahrplantechnisch?

Gute Frage. Ich hatte das Konzept ursprünglich so verstanden, dass auch in Richtung Außerfern regelmäßig geflügelt wird, und nicht nur die Wochenend-Sprinter. Es kann aber auch sein, dass ich das missverstanden hab.

Bis sämtliche 37 Talent 2 ausgeliefert und zugelassen sind, verkehren einige Züge lokbespannt als Dosto, mit 425/426 als Ersatz oder (im ÖBB Abschnitt) vermehrt mit Talent 1 aus dem Ausland.


Nach dem Ersatz der Dosto-Wendezüge durch Talent2 sinkt meines Wissens die Platzzahl?

Bisher konnte ich als Dostozug nur den RE M Hbf ab 18:13 beobachten. Da kann man nicht gerade sagen, dass er aus allen Nähten platzt ;), von dem her sollten da zwei Talente auch ausreichen.

Durch diese Eingleisigkeit übertragen sich Verspätungen sehr schnell auf andere Züge. Die Fahrplaner haben der Ausschreibung zum Werdenfels ein raffiniertes Konzept zu Grund gelegt.


Ob das wirklich so raffiniert ist, wenn die Verstärker-RB in Murnau bzw. Weilheim bis zu 15 Minuten stehen, um die Expresszüge überholen zu lassen – mit all den unschönen Abhängigkeiten im Verspätungsfall, bezweifle ich doch sehr stark.

Da stellt sich natürlich die Frage: wie hättest es du gemacht?

Die Verstärker-RB südlich Weilheims sind natürlich eher dazu geeignet die kleinen Orte an Weilheim, Murnau und Garmisch anzubinden. Auch zu diesen Orten dürfte es eine gute Anzahl an Pendlern geben. Eher weniger geeignet sind sie sicherlich dafür, bis nach München durchzufahren. Dafür kann man dann auf die REs umsteigen.

Auslastung: Trotz meiner zahlreichen Fahrtem zur besten Wochendpendlerzeit am Sonntag Nachmittag waren keine der von mir genutzten Züge überfüllt, und dass obwohl ein Sonntag meist ein Großkampftag ist.


...aber nur im "richtigen" Winter, nicht bei Temperaturen um 0°C...

Wahrscheinlich kommen die negativen Pressemeldungen über überfüllte Züge im Werdenfels von ausgefallenen Zugteilen.


Während der Expressfahrten (RE) hakt es gewaltig bei den RB-Fahrten, insbesondere während der Hauptverkehrszeiten.


Ich hab davon gehört, ja. Andererseits ein kleiner Screenshot von heute Morgen:

[image]

Das schaut eigentlich ganz gut aus. Prinzipiell kann es also schon funktionieren. Der Fahrplan ist nicht „unfahrbar“.

Ciao,
Uli

Pünktlichkeit

BahnCard100First, Hamburg, Montag, 20.01.2014, 20:37 (vor 4471 Tagen) @ lokuloi

Die Pünktlichkeit liegt laut DB Regio Oberbayern zwischen 72 und 84 % derzeit. Siehe auch ProBahn Oberbyern Qualitätskontrolle QUAK http://www.pro-bahn.de/quak/result.php?strecke=mm

Zugüberholungen im Werdenfels sind Unfug

sb, Freitag, 24.01.2014, 17:24 (vor 4467 Tagen) @ lokuloi
bearbeitet von sb, Freitag, 24.01.2014, 17:25

Ob das wirklich so raffiniert ist, wenn die Verstärker-RB in Murnau bzw. Weilheim bis zu 15 Minuten stehen, um die Expresszüge überholen zu lassen – mit all den unschönen Abhängigkeiten im Verspätungsfall, bezweifle ich doch sehr stark.


Da stellt sich natürlich die Frage: wie hättest es du gemacht?

Die Verstärker-RB südlich Weilheims sind natürlich eher dazu geeignet die kleinen Orte an Weilheim, Murnau und Garmisch anzubinden. Auch zu diesen Orten dürfte es eine gute Anzahl an Pendlern geben. Eher weniger geeignet sind sie sicherlich dafür, bis nach München durchzufahren. Dafür kann man dann auf die REs umsteigen.

Die Beförderungszeiten (Summen aus Fahr- und Haltezeiten) unterscheiden sich zwischen RE und RB um etwa 10 Minuten – bei einem 30-Minuten-Abstand der RB-Züge benötigen stündlich verkehrende RE also keine Überholungen – die Auswahl der Zugkreuzungen ist schon diffizil genug.

Ein Umstieg entlang der gleichen Strecke ist bei diesem kleinen Zeitunterschied zeitlicher Unfug; die RE haben die Aufgabe, die RB zu entlasten und für Reisende zwischen den Knotenbahnhöfen die Reise angenehmer zu gestalten.

Außerdem provoziert ein Abwarten oder Verlegen von Zugüberholungen erst recht Folgeverspätungen und ein Aufschaukeln im Bereich dieser langen eingleisien Strecke.

Ein Tag im Werdenfels: Der Talent 2

R 450, Montag, 20.01.2014, 21:55 (vor 4470 Tagen) @ sb

Ergänzung zur Ammergaubahn, solange sich an der Lage der Kreuzungsstelle nichts ändert, beträgt die Umsteigezeit in Murnau 13-15 Minuten. Hiermit kann man keinen Pendler dazu bewegen, vom Auto auf den Zug umzusteigen!

--
Für eine europaweit einheitliche Symmetrieminute http://de.wikipedia.org/wiki/Symmetrieminute und http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Lampart
Explanation in English: https://en.wikipedia.org/wiki/Symmetry_minute

Ein Tag im Werdenfels: Der Talent 2

Jens, Bayern/NRW, Montag, 20.01.2014, 22:56 (vor 4470 Tagen) @ sb


Ob das wirklich so raffiniert ist, wenn die Verstärker-RB in Murnau bzw. Weilheim bis zu 15 Minuten stehen, um die Expresszüge überholen zu lassen – mit all den unschönen Abhängigkeiten im Verspätungsfall, bezweifle ich doch sehr stark.

Wie schon von meiem Vorschreiber bemerkt steigen die meisten von den langsamen auf die schnellen Züge um, das weitergeben der Verspätungen war tatsächlich in den letzten Wochen ein Problem, bessert sich aber langsam und stetig.


Während das Kuppeln des ET423 in Neufahrn (bei Freising) nur ca. 2 Minuten benötigt, brauchen die Talent2 ca. 5 bis 6 Minuten; unverständlich ist mir beim Bahnhof Tutzing, warum das Lichtsperrsignal erst nach Halt des aufkuppelnden Zugteiles zum Aufkuppeln frei geschalten wird – im Gegensatz zu den Flügelungen in Neufahrn (bei Freising) (S1) und Holzkirchen (BOB).

Weil nur so das Lichtsperrsignal bedient werden darf (und je nach Stellwerkstechnik auch nur kann). Es gibt hierbei Ausnahmen, bei der S-Bahn wie so oft und bei einzelnen Bahnhöfen durch die Örtliche Richtlinie.

Im Angesicht der reduzierten Infrastruktur solch ein ausgefeiltes Konzept auf die Beine zu stellen ist eine Meisterleistung - ich ziehe meinen Hut vor den Fahrplanern:


...auch dafür, dass im Angebot von DB Regio zu wenig Pufferzeiten berücksichtigt wurden und es schon in der Theorie (Jahresfahrplan 2014) zu Haltausfällen in Ohlstadt und Iffeldorf sowie unsinnigen Taktintervallen auf der Außerfernbahn (KBS 965) kommen musste?

Die Haltausfälle in Ohlstadt sind ja durch die Bahnsteigproblematik verursacht (wer auch immer da jetzt den Schwarzen Peter hat). Die Fahrzeiten sind unabhängig davon immer gleicht.


Viele Grüße

Jens

Ein Tag im Werdenfels: Die Abenteuerbahn (SZ)

sb, Sonntag, 26.01.2014, 12:49 (vor 4465 Tagen) @ JumpUp
bearbeitet von sb, Sonntag, 26.01.2014, 12:50

(Süddeutsche Zeitung, 25.01.2014)

"Die Abenteuerbahn

(…)

(…) „Das Koppeln in Tutzing funktioniert fast nie reibungslos“, sagt von der Osten. (…) „Beim Ankoppeln fällt manchmal sogar ein gesamtes Zugteil aus“, sagt von der Osten.

Um acht Uhr hat die Werdenfelsbahn an diesem Morgen bereits 14 Minuten Verspätung – was fast schon normal ist. Osten erzählt von falschen Ansagen, verrückten Anzeigetafeln, ein Fahrgast neben ihm berichtet vom sarkastischen Kommentar eines Lokführers: „Leider hat das Ankoppeln heute einwandfrei funktioniert, so dass wir planmäßig weiterfahren können.“

Jana Bergander sammelt mittlerweile die Verspätungsminuten. Die lässt sie sich an einer Infobox am Münchner Hauptbahnhof bestätigen. Dreimal hat ihr Vater schon die Bahn angeschrieben und um Entschädigung geben. „Bis jetzt haben wir noch nie etwas bekommen“, sagt sie. Die neuen Züge findet sie „total unbequem“. Nach einer Stunde Fahrt tut ihr der Rücken weh. (…)

(…) Karl Brandner aus Eschenlohe fährt Erster Klasse, damit er im Zug ungestört arbeiten kann. Zwecklos. „Es rüttelt und vibriert, da kann ich nicht mal auf dem Pad tippen“, schimpft Brandner und wackelt mit seinen Händen in Schreibmaschinenhaltung über seinem Klapptisch, um die Situation zu veranschaulichen. Außerdem seien die Plätze viel zu eng. Für Koffer gebe es auch in der Ersten Klasse kaum Stauraum, Reisende stapeln ihr Gepäck auf den Sitzen. Dafür zahlt Brandner ordentlich. „Das wäre auch okay, wenn die Leistung stimmt“, sagt er. Bloß: Vormittags kann er keine Termine mehr ausmachen – wegen der Verspätungen. Die Wut im Bauch macht ihn kreativ: „Ich habe jetzt angefangen, eine Excel-Statistik zu führen“, sagt Brandner. „Vielleicht kann ich die ja mal irgendwo vorlegen.“

Von der Osten sitzt mit drei anderen Fahrgästen in der Querulantenloge, wie er es nennt. Das Quartett führt ein Kunststück vor: Die Tischchen mit integriertem Mülleimer. Wird der Tisch hochgeklappt, öffnet sich zugleich die Abfallklappe, der Inhalt entleert sich auf den Fahrgast. „Da steckt bestimmt ein tieferer Sinn dahinter“, witzelt von der Osten. Er steigt wie die meisten anderen am Münchner Hauptbahnhof aus. 14 Minuten Verspätung an diesem Freitag. Die Rückfahrt, das weiß Osten, könnte wieder ein Abenteuer werden."

Ein Tag im Werdenfels: Die Abenteuerbahn (SZ) online

sb, Sonntag, 26.01.2014, 22:38 (vor 4464 Tagen) @ sb
bearbeitet von sb, Sonntag, 26.01.2014, 22:39

(Süddeutsche Zeitung, 25.01.2014)

"Die Abenteuerbahn

(…)"

endlich auch online verfügbar:

[image]
(Foto: Süddeutsche Zeitung, 25/26.01.2014)

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