Von FWB, Arosabahn und GlarnerSprinter (mit 60 Bildern) (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
bei meinem letzten Reisebericht zu den Rigi-Bahnen hatte ich erwähnt, dass ich ein zweimonatiges Schnupper-Halbtax der SBB habe. Ich hatte das Halbtax damals zum letztmöglichen Beginndatum gelöst, um im Winter noch etwas in den Schnee fahren zu können.
Und so habe ich jetzt noch ein paar mir unbekannte Strecken befahren. Die Touren sind nicht spektakulär, aber vielleicht interessiert sich trotzdem jemand für den Reisebericht. Zwei Tagestouren habe ich bisher in die Schweiz unternommen, hier nun die erste Tour. Und ein paar Tage gilt mein Schnupper-Halbtax noch. Wenn ich also morgen hier im Forum nicht antworte, bin ich wieder unterwegs ;)
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/044-Arosa-Linthal/44-00Karte.jpg)
Ziel der Tour waren die neuen Fahrzeuge der Frauenfeld-Wil-Bahn, die Strecke der Rhätischen Bahn nach Arosa und der GlarnerSprinter. Dafür geht es von Konstanz über Frauenfeld und Wil nach Chur und weiter nach Arosa und auf der Rückfahrt über Ziegelbrücke nach Linthal und über Zürich zurück. Die erstklassige Tour habe ich am Neujahrstag unternommen.
Zugegeben, es gehört etwas Überwindung dazu, am Neujahrstag morgens um sechs Uhr mit dem Fahrrad an den Bahnhof zu fahren, aber bei den vielen Feiertagen fällt einem ja irgendwann die Decke auf den Kopf. Den ersten und letzten Zug der Fahrt, den InterRegio von und nach Konstanz, spare ich diesmal aus, denn den habe ich schon in vielen Reiseberichten erwähnt.
Und so beginnen wir nun um 7.40 Uhr in Frauenfeld bei der meterspurigen Frauenfeld–Wil-Bahn (FW). Die knapp 17,5 Kilometer lange Strecke zwischen beiden Städten wurde 1887 eröffnet, die Endhaltestellen befinden sich jeweils auf den Bahnhofsvorplätzen. Seit letztem Jahr verkehren neue Stadler-Gelenktriebwagen auf der Strecke. Wer nochmals einen Eindruck der vorherigen Fahrzeuge bekommen möchte, findet hier einen Reisebericht von 2012.
Schon erstaunlich, welchen Komfort diese kleine Bahn bietet: die neuen Züge verfügen über eine 1. Klasse mit Leseleuchten und Steckdosen, außerdem haben die Züge gratis-Wlan und natürlich eine Klimaanlage.
Fast schade, dass die Fahrt nach einer knappen halben Stunde schon zu Ende ist. Wer ebenfalls mal nach Wil fahren möchte, nicht erschrecken, dass die Fahrplanauskunft der DB die Fahrtdauer der Strecke auf den ersten Blick mit 7 Stunden angibt. Das liegt daran, dass die DB Wil nicht kennt und als Wittlich interpretiert. Aber mit der Eingabe „Wil(CH)“ klappt‘s.
Beim morgendlichen Spaziergang durch die 18.000-Einwohner-Stadt kann sich das Wetter noch nicht zwischen Sonne und Regen entscheiden – aber der Wetterbericht soll Recht behalten, dass sich im Laufe des Tages die Sonne durchsetzen wird. Wil hat eine hübsche Altstadt...
...mit der Kirche St. Nikolaus...
...und dem Hof zu Wil, der auf eine 800-jährige Geschichte zurückblicken kann. Links davon das Gerichtshaus aus den Jahren 1607/09 und das Hauptmannshaus.
Jetzt geht es von Wil weiter nach Chur. Mit dem letzten Fahrplanwechsel wurde der Rheintal-Express nach Wil verlängert, und so geht es nun im Regio-Dosto durch die Ostschweiz.
Auf der Fahrt über St. Gallen an den Bodensee wird es zwischendurch etwas heller...
...und im Rheintal scheint die Sonne. In Chur steht dann der Wechsel zur Rhätischen Bahn (RhB) an. Die meisten Strecken der RhB kenne ich mittlerweile, aber die Arosabahn fehlt mir noch.
Die Stichstrecke beginnt auf dem Bahnhofsvorplatz von Chur. Allegra-Triebzüge mit mehreren Wagen im Schlepptau sind auf der 26 Kilometer langen Strecke im Einsatz.
In der ersten Klasse kann man dem Lokführer über die Schultern schauen.
Und zur Orientierung noch ein Blick auf die Streckenkarte auf dem Tisch.
Der erste Teil der Strecke führt mitten durch das Stadtgebiet und erinnert an eine Straßenbahnstrecke, hier beim Malteserturm.
Es wimmelt hier geradezu von orangegekleideten Mofafahrern mit Anhänger – da muss irgendwo ein Nest sein ;)
Nein, ich gebe es zu, die Bilder sind bei der Rückfahrt aus dem letzten Wagen entstanden, aber die passen an der Stelle eigentlich besser.
Die Strecke erreicht nun den Fluss Plessur...
...und die Haltestelle Chur Stadt am Plessurquai. Links oben ist der Hofbezirk zu sehen.
Nun geht es noch ein kurzes Stück an der Plessur entlang...
...dann wird aus der Straßenbahn eine Gebirgsbahn. „1000 Höhenmeter in 1 Stunde“ lautet die Kurzbeschreibung der Strecke. Wenn man im Januar zur Rhätischen Bahn fährt, erwartet man eigentlich ein verschneites Winterwunderland. Und tatsächlich wird es draußen langsam weiß.
Auf der weiteren Fahrt durch das Schanfigg gewinnt die Strecke weiter an Höhe und führt dabei über zahlreiche Brücken, durch Tunnel und Lawinenschutz-Galerien.
In der Ferne ist dann der Langwieser Viadukt zu sehen. Die Bogenbrücke ist mit einer Länge von 284 Metern die größte Brücke im Netz der RhB und zählt als weltweit erste betonierte Eisenbahnbrücke dieser Größe zum Kulturgut von nationaler Bedeutung.
In Höhe von 62 Metern geht es nun über Plessur und Sapünerbach. Erbaut wurde die Brücke in den Jahren 1912 bis 1914 von der damaligen Chur-Arosa Bahn, welche später in die Rhätische Bahn integriert wurde.
Es geht gleich weiter...
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Von FWB, Arosabahn und GlarnerSprinter (Fortsetzung)
Endpunkt der Strecke ist der Luftkurort Arosa auf 1.739 Höhenmetern. Arosa lebt überwiegend vom Tourismus, 2.200 Einwohnern stehen 4.500 Gästebetten gegenüber und im Ort ist viel internationales Publikum unterwegs. Zu den Sehenswürdigkeiten gehören das Post- und Telefongebäude, das für die Architektur der 1940er-Jahre steht...
...und die Dorfkirche.
Die Bahnlinie unterquert das Ortsgebiet im Arosa-Tunnel. Ja, ich weiß, mit rotem Zug wäre der Blick von der Poststraße über dem Tunnelportal noch schöner, aber man kann nicht alles haben.
Im Sommer ist hier der Obersee, der sich im Winter zu einer Eisbahn verwandelt.
Ebenfalls am Obersee liegt auch der Bahnhof. Der Kopfbahnhof wurde so konzipiert, dass er auch in einen Durchgangsbahnhof umgestaltet werden könnte, sofern es zu einer Verlängerung der Bahnlinie käme.
Mittlerweile wurde rangiert, so dass sich die Wagen wieder am Zugschluss befinden. Diesmal wähle ich nicht den Triebwagen, sondern den 1.Klasse-Wagen am Zugschluss. Ich spekuliere darauf, dass die anderen Fahrgäste zu faul sind, bis zum letzten Wagen nach hinten zu laufen und ich ungestört bzw. ohne andere Fahrgäste zu stören trotz der winterlichen Temperaturen das Fenster aufmachen kann. Der Plan geht nicht ganz auf und es verirren sich doch vier Mitreisende in den Wagen, aber trotzdem gibt es jetzt noch ein paar Bilder am offenen Fenster.
Zugkreuzung in Litzirüti
Die Bahnhöfe an der Strecke wurden 1914 eröffnet und als Chalets ausgeführt in ortsüblicher Bauweise. Jeder der Bahnhöfe trägt einen Sinnspruch, hier am Bahnhof Peist „Es eilt die Zeit, Mensch, sei bereit.“
So, dass war es aber nun mit den Winterbildern, zurück in Chur herrscht wieder das Grün vor. Mit einem Regio-Dosto geht es nun nach Ziegelbrücke.
Ich weiß gar nicht, wie viele Bilder von der Strecke am Walensee ich schon in Reiseberichten eingebaut habe, aber bei dem Ausblick kann ich mich nicht bremsen.
Ziegelbrücke ist ein kleiner Ort, der hauptsächlich als Bahnknoten bekannt ist, da hier von der Bahnstrecke Zürich-Sargans die Linien nach Rapperswil und Linthal abzweigen. Und genau das ist das letzte Ziel für heute, nämlich die Stichstrecke nach Linthal.
Für die Hinfahrt wähle ich die S 6 aus Rapperswil nach Linthal, ein Doppelstocktriebzug der S-Bahn Zürich.
Die Strecke wurde in zwei Abschnitten 1859 und 1879 eröffnet und führt durch das Glarner Unterland und im Tal des Flusses Linth am Fuße des Vorderglärnisch nach Glarus und weiter durch das Glarner Großtal nach Linthal.
Durch die Tallage ist die Strecke landschaftlich nicht spektakulär, aber ganz nett. Nur verabschiedet sich jetzt die Sonne schon aus dem Tal und große Teile liegen bereits im Schatten.
Nach gut 40 Minuten ist der Endbahnhof Linthal erreicht. Die S-Bahn wird in 25 Minuten zurückfahren, aber ich habe mir einen anderen Zug für die Rückfahrt ausgesucht. Und so bleibt nun etwas Zeit um mich am Bahnhof und im 1.000-Einwohner-Dorf umzusehen. Die Gegend ist sehr ländlich, schon beim Aussteigen hat man das Läuten von Kuhglocken im Ohr.
Der Bahnhof von Linthal wurde seinerzeit noch von der Schweizerischen Nordostbahn eröffnet. Um das Jahr 1900 gab es Überlegungen, die Strecke als „Tödi-Greina-Bahn“ bis nach Biasca an der Gotthardbahn zu verlängern, diese Idee wurde 1963 von einem Aktionskomitee erneut aufgegriffen, aber lest selbst:
Während für die Bahn Linthal der Endpunkt ist, geht es im Sommerhalbjahr auf der Straße von hier über den Klausenpass in den Kanton Uri.
Die andere Blickrichtung in das Glarner Großtal liegt noch in der Sonne, hier das Dorf Rüti. Die Wasserkraft der Flüsse Linth und Marglenbach führte hier einst zur Ansiedlung einer Textilindustrie mit Baumwollspinnerei und Wollweberei.
So, jetzt aber zurück an den Bahnhof. Hinter dem Bahnhofsgebäude steht eine große Halle. Heute am Feiertag herrscht hier kein Betrieb, aber Infotafeln künden vom Güterumschlag.
Ich hatte in Zürich schon häufiger der GlarnerSprinter gesehen, heute will ich nun endlich mal mitfahren. Der RegioExpress bietet eine schnelle Verbindung zwischen Glarnerland und Zürich. Werktags endet die Verbindung in Schwanden, an Wochenenden gibt es einzelne Verbindungen nach und ab Linthal. Und so geht es jetzt ab Linthal im NPZ Domino direkt nach Zürich.
Über mangelnde Beinfreiheit kann man sich hier wahrlich nicht beschweren.
Draußen ist es mittlerweile dunkel, aber auch so hat die Fahrt entlang des Zürichsees ihren Reiz, wenn am gegenüberliegenden Ufer die erleuchteten Orte strahlen.
Und mit der Ankunft des GlarnerSprinters in Zürich endet dieser Reisebericht. Für mich geht es nun mit einem InterRegio wieder zurück nach Konstanz, aber das hatten wir ja schon so oft...
Viele Grüße und einen schönen Sonntag
Tobias
PS: Meine früheren Reiseberichte gibt’s unter www.bahnreiseberichte.de.
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Ein schöner Traum?
Nachdem ich im August die Greina-Hochebene persönlich in Augenschein genommen habe, bin ich eigentlich ganz froh, dass dort keine Schienen liegen...
Ansonsten wie immer ein natürlich ein sehr schöner Bericht, vielen Dank!
Ein schöner Traum?
Nachdem ich im August die Greina-Hochebene persönlich in Augenschein genommen habe, bin ich eigentlich ganz froh, dass dort keine Schienen liegen...
Hallo
Die würden auch nicht im Hochtal liegen, sondern weit drunter.
http://retro.seals.ch/cntmng?type=pdf&rid=sbz-002:1906:47:48::65&subp=hires
http://retro.seals.ch/cntmng?type=pdf&rid=sbz-002:1906:47:48::78&subp=hires
Somit also keine Gefahr!
Gruss Guru
Ein schöner Traum?
Achso, na dann, OK. Aber die Dateien habe ich leider nicht öffnen können. "Hinweis: Das Quellformat ist nicht pdf."
Von FWB, Arosabahn und GlarnerSprinter (Fortsetzung)
Hallo
Vielen Dank für die schönen Bilder!
Ich finde es toll, dass du herausgefunden hat, dass auch Bahnen abseits der Glacierberninagoldenpassrouten existieren.
Diese Bahnen sind klein, aber fein und auch ein typisches Produkt der Schweiz.
Während für die Bahn Linthal der Endpunkt ist, geht es im Sommerhalbjahr auf der Straße von hier über den Klausenpass in den Kanton Uri.
Der Kanton Uri beginnt übrigens schon weit unterhalb der Passhöhe des Klausens!
Du kannst einen Glarner nie schwerer beleidigen, als wenn du ihm sagst, die Glarner seien Langschläfer, sonst würde der Urnerboden Glarnerboden heissen:
http://www.urnerboden.ch/sites/sage.php
Gruss Guru
Ein schöner Traum?
Achso, na dann, OK. Aber die Dateien habe ich leider nicht öffnen können. "Hinweis: Das Quellformat ist nicht pdf."
Komisch, gehts so:
http://retro.seals.ch/digbib/voltoc?rid=sbz-002:1906:47:48&e=47&id=browse&i...
Heft 5 und 6, neue schweizer eisenbahnprojekte
Ein schöner Traum?
Ja, funktioniert, danke!