Patina: Hildesheim Hbf (45 Bilder), Teil 1 (Reiseberichte)

Sören Heise, Region Hannover, Samstag, 04.01.2014, 15:57 (vor 4486 Tagen)

Moin!

Fürs neue Jahr wünsche ich euch alles Gute und vor allem, daß ihr den Bahnhofsportraits treu bleibt! ;-)


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Wilhelm Stuckemeyer war Fuhrmann. Er war in der Bevölkerung so beliebt, daß sein Spitzname auf die Bahnstrecke überging, die ihn auf seiner Stammstrecke arbeitslos gemacht hatte: Haller Willem. Ebenjene Bahnstrecke führt von Bielefeld über Halle und Dissen-Bad Rothenfelde nach Osnabrück. Eröffnet wurde sie am 14. August 1886. Der niedersächsische Nordabschnitt zwischen Dissen und Osnabrück verlor am 2. Juni 1984 den Reiseverkehr, er wurde am 12. Juni 2005 wieder aufgenommen, derzeit fährt die Nordwestbahn. Dissen-Bad Rothenfelde ist nur mehr ein Haltepunkt, hier beginnt der durch die VLO (Verkehrsgesellschaft Landkreis Osnabrück) gepachtete Streckenteil.


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1 In ebenjenem Haltepunkt ist am 20. Juli letzten Jahres 643 309 auf der Fahrt von Bielefeld nach Osnabrück angekommen.


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2 Das Bahnhofsgebäude.


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3 Ansicht vom nahen Bahnübergang.


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4 Die Grenze zwischen DB und VLO.


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5 Fassadendetail.


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Drehen wir die Uhr zurück und begeben uns in die ferne Hauptstadt des Königreiches, zu dem Dissen bei Bahneröffnung schon nicht mehr gehörte. Dort saß seit 1837 der aufgrund der Erbfolgeregelung der Welfen aus dem großen London dorthin verpflanzte König und regierte Harz und Heide. Der Moderne gegenüber war er wenig aufgeschlossen. Die neue Eisenbahn hätte er am liebsten verhindert. Das ging aber nicht; so setzte er wenigstens durch, daß sich die Bahnstrecken seines Reiches nicht in seiner Hauptstadt kreuzten, sondern in einem Kuhdorf ein wenig weiter östlich, das Lehrte hieß. Anfänglich waren es genau zwei Bahnstrecken, die deshalb Kreuzbahn genannt wurden. Am Südzipfel des Kreuzes lag Hildesheim, die alte Bischofsstadt. Diese erhielt somit am 12. Juli 1846 Eisenbahnanschluß. Am 15. September 1853 erfolgte die Verlängerung der Strecke bis Nordstemmen an der Hannoverschen Südbahn.

Der Bahnhof - er lag ein wenig weiter südlich als der heutige Hauptbahnhof - teilte das Schicksal vieler Bahnhöfe der ersten Jahre: Er war schon bald zu klein. So erhielt Hildesheim am 6. Mai 1884 einen neuen Bahnhof. An den ersten Bahnhof erinnert noch heute das Empfangsgebäude. Aber tief in der hannoverschen Provinz. Denn man baute es in Hildesheim ab und in Dissen-Bad Rothenfelde wieder auf. 1961 erhielt Hildesheim ein neues Empfangsgebäude, das in der nächsten Zeit umgebaut wird, nachdem sich Pläne für einen Neubau zerschlagen haben.

Da (Sicherheitshinweis: Dieses Wort bezieht sich auf das erste im Vorabsatz genannte Jahr) hatte das Eisenbahnnetz um Hildesheim schon Zuwachs erhalten: Am 30. Juni 1875 fuhr der erste Reisezug über Derneburg nach Grauhof kurz vor Goslar (und weiter nach Vienenburg), am 1. Mai 1883 konnte erstmals die direkte Strecke nach Goslar genutzt werden. Am 16. August 1888 ging die erste Etappe der Strecke nach Braunschweig in Betrieb, am 1. Februar 1889 wurde die Lücke zwischen Hoheneggelsen und Groß Gleidingen geschlossen. Am 1. Mai 1893 schließlich folgte die Verbindungskurve, die direkte Züge nach Hannover über Sarstedt ermöglicht.

Komplett war das Netz damit noch nicht. Auch nicht, als 1896/1897 die Kleinbahn nach Hämelerwald in Betrieb ging. Diese sucht man heute vergeblich, 1956 endete der Reiseverkehr auf dem Nordabschnitt und 1964 auch zwischen Hildesheim und Hohenhameln. Die Strecke wurde anschließend abgebaut, die ersten Kilometer ab Hildesheim dienten noch einige Zeit als Industriegleis. Den letzten Zuwachs erhielt das Schienennetz rund um Hildesheim im Jahr 1991, als die eingleisige Kurve zwischen der Neubaustrecke Hannover - Würzburg und Hildesheim eröffnet wurde.

Mit Ausnahme der Strecke nach Goslar sind die Strecken um Hildesheim elektrifiziert: Am 29. Mai 1965 begann es mit der Verbindung Lehrte - Nordstemmen, am 30. Mai 1976 folgte die Strecke nach Braunschweig.


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Hildesheim ist Systemhalt der ICE-Linie von Berlin nach Frankfurt, daneben gibt es ab und an auch Züge des Nahverkehrs:
Stündlich der RE von Hannover nach Bad Harzburg, zweistündlich weiter nach Halle. Das sind 612er, zu anderen Stunde fahren 218er mit n-Wagen. Im Dezember übernimmt Erixx mit neuen Lints. Nach Vienenburg und weiter östlich muß dann wieder in Goslar umgestiegen werden.
Nach Hannover fährt auch die S-Bahn, die 424er oder 425er fahren stündlich über Sarstedt und stündlich über Lehrte.
Nach Braunschweig fahren einzelne Zugpaare, Baureihe 628. Irgendwann übernimmt irgendwer mit neuen Lirexen.
Nach Bodenburg und über Nordstemmen und Hameln nach Löhne fährt mittlerweile die Nordwestbahn mit 648ern aus dem Fahrzeugpool der LNVG. Manchmal mit, manchmal ohne Umstieg in Hildesheim.


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Dann breche ich hier ab, Teil 2 folgt sofort.

Patina: Hildesheim Hbf (45 Bilder), Teil 2

Sören Heise, Region Hannover, Samstag, 04.01.2014, 15:57 (vor 4486 Tagen) @ Sören Heise

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6 Schauen wir mal kurz in die Innenstadt. Mit dem Knochenhaueramtshaus rechts im Bild sehen wir das Paradebeispiel für niedersächsische Holzbaukunst der 1980er Jahre.


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7 Die Hauptschule am Alten Markt. Für Rheinländer: Alter Markt wird in der Fremde dekliniert, meine Wahl fiel auf dem Dativ.


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8 Die Michaeliskirche sollte man kennen.


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9 Die Bernwardssäule ist wegen der Domsanierung vorübergehend in ihre Heimatgemeinde zurückgekehrt.


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10 Eher unbekannt ist der Bundesadler an der Hauptpost.


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11 Das Postgebäude ist direkt mit dem Bahnhofsgebäude verbunden.


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12 Neben dem Eingang zur Post findet sich dieses Mosaik.


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13 Aber nun: Hildesheims Hauptbahnhof in seiner ganzen Pracht.


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14 Auch der Busbahnhof nebenan ist eine Baustelle.


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15 Ende Februar 2013 sah er noch so aus.


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16 Die Westfassade des Empfangsgebäudes von näher.


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17 Der Haupteingang.


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18 Jetzt und später mal.


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19 In der Halle.


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20 Ansicht zur Stadt.


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21 Auf Gleis 1 ist soeben 648 183 angekommen.


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22 Weiter westlich die Autozugverladestation.


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23 Blick westwärts. Rechts das ehemalige Bw.


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24 Die Treppe von Gleis 1.


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25 Der Personentunnel.


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26 Erinnerung an das mittlere Empfangsgebäude.


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27 Der Hintereingang.


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28 Östlich des Bahnhofs bietet eine Fußgängerbrücke einen erhöhten Standpunkt. Wir blicken geradeaus auf Gleis 2. Rechts davon die beiden Stumpfgleise, dann Gleis 3. Daran anschließend zwei aus Richtung Lehrte erreichbare Bahnsteige.


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29 Negativ denken: *zensiert*.
Positiv denken: Zeit, sich auf den Bahnsteigen umzusehen.


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30 Der Wartesaal.


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31 Daneben ein Betonklotz mit weiteren Erinnerungen ans mittlere Empfangsgebäude.


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32 Dessen Rückseite.


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33 Auf einem der Kopfgleise 628 643 nach Braunschweig.


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34 Blick nordwärts.


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35 Warten, wie es in den 1990ern modern war.


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36 Das Empfangsgebäude im Gegenlicht der tiefstehenden Wintersonne.


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37 Die Bahnhofshalle.


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38 Bahnsteig 1. Die Laterne hat man paßgenau vorm großen I durchs Vordach gesetzt.


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39 Die Information.


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40 Werbepause.


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41 Informationsvitrine.


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42 Hier sieht man die keilformige Bahnhofsanlage. Links die Strecke nach Lehrte, rechts geht es nach Braunschweig und Goslar.
Auf der leeren Fläche hinterm Signal stand einst das Stellwerk Ho, das zusammen mit seinen Kollegen anno 2006 durch neue Technik abgelöst wurde, im HiFo von DSO zeigt Kay ein paar Aufnahmen der alten Stellwerke.


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43 Teleblick, links 424 036. Als er etwa zehn Minuten nach dieser Aufnahme Hildesheim verließ, saß ich drin.


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44 Ein neues Gesicht auf Hannovers S-Bahn ist 425 051. Wofür war der orangefarbige Streifen oben auf den Türen gut - den haben einige der Neuen?


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45 Mit dieser Ansicht von Gleis 6 verabschieden wir uns von Hildesheims Hauptbahnhof.


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Hildesheim Hbf. Ein Empfangsgebäude aus dem Jahr 1961, das im Laufe der letzten Jahre einiges an Patina angesetzt hat. Im Rahmen des begonnenen Umbaus wird sie verschwinden, das Empfangsgebäude zeitgemäßer werden. Ganz ehrlich: Der Bahnhof kann dadurch nur gewinnen.
Demnächst gibt es wieder ein Bahnhofsdoppel, der erste Teil vermutlich jetzt am Mittwoch.

Viele Grüße
Sören


PS: Die Hildesheim-Bilder entstanden am 28. Febuar und 21. Dezember des kürzlich vergangenen Jahres.

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Patina: Hildesheim Hbf (45 Bilder), Teil 2

telemaxx, Bremen, Hannover, Samstag, 04.01.2014, 17:19 (vor 4486 Tagen) @ Sören Heise
bearbeitet von telemaxx, Samstag, 04.01.2014, 17:19

Danke für das Portrait!

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44 Ein neues Gesicht auf Hannovers S-Bahn ist 425 051. Wofür war der orangefarbige Streifen oben auf den Türen gut - den haben einige der Neuen?

Die 425 sind im Gegensatz zu den 424 nicht barrierefrei. Die Angebotserweiterung der S-Bahn-Hannover wurde also durch fehlende Barrierefreiheit erkauft. Immerhin soll immer mindestens ein Wagen barrierefrei sein.

Patina: Hildesheim Hbf (45 Bilder), Teil 2

Regiosprinter, Samstag, 04.01.2014, 17:37 (vor 4486 Tagen) @ Sören Heise

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6 Schauen wir mal kurz in die Innenstadt. Mit dem Knochenhaueramtshaus rechts im Bild sehen wir das Paradebeispiel für niedersächsische Holzbaukunst der 1980er Jahre.


Hallo Sören,

vielen Dank für dieses und viele vorhergehende Portraits.
Muss es denn in der obigen Bildbeschriftung nicht "1880er-Jahre" heißen?
1980er erscheint mir arg jung...

Beste Grüße,
Klaus

Patina: Hildesheim Hbf (45 Bilder), Teil 2

Obitwo, Trier / Braunschweig, Samstag, 04.01.2014, 20:02 (vor 4486 Tagen) @ Regiosprinter

Das ursprüngliche Knochenhaueramtshaus war im 2. WK komplett zerstört worden und wurde in den 1980er Jahren rekonstruiert...

Patina: Hildesheim Hbf (45 Bilder), Teil 2

Christian_S, Samstag, 04.01.2014, 17:58 (vor 4486 Tagen) @ Sören Heise

Diesmal wieder ein Bahnhof, den ich selbst kenne. Danke Sören fürs Portrait, inklusive Innenstadtaufnahmen! Ich war selbst 2009 mal dort und überrascht über die doch sehr schöne alte Innenstadt mit ihren zahlreichen interessanten Bauwerken.

Patina: Hildesheim Hbf (45 Bilder), Teil 2

ICE11, Aachen, Samstag, 04.01.2014, 18:56 (vor 4486 Tagen) @ Sören Heise

Fürs neue Jahr wünsche ich euch alles Gute und vor allem, daß ihr den Bahnhofsportraits treu bleibt! ;-)

Ebenso, vor allem aber, dass Du treu bleibst die Portraits zu verfassen! ;-)
Danke für das aktuelle aus einer Stadt, die ich nun so gar nicht kenne!

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11 Das Postgebäude ist direkt mit dem Bahnhofsgebäude verbunden.

Sehe ich das richtig, da kurz vor der Unterführung - ein Drive-in-Briefkasten? Was es nicht alles gibt!

Drive-in-Briefkasten

EC 178, Samstag, 04.01.2014, 20:08 (vor 4486 Tagen) @ ICE11

Danke, Sören, für das Portrait.

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11 Das Postgebäude ist direkt mit dem Bahnhofsgebäude verbunden.

Sehe ich das richtig, da kurz vor der Unterführung - ein Drive-in-Briefkasten? Was es nicht alles gibt!

Spontan fällt mir ein Drive-in-Briefkasten vor dem Dortmunder Hbf ein. Und bestimmt gibt es noch viel mehr davon. ;-)

EC 178

Patina: Hildesheim Hbf (45 Bilder), Teil 2

Zugfahrer, Sonntag, 05.01.2014, 21:27 (vor 4485 Tagen) @ Sören Heise

Meisterhaft bebildert und berichtet. Bis in die 70er Jahre ist wohl noch die Straßenbahn von Hannover nach Hildesheim gefahren, die Wendeschleife war am jetzigen Busbahnhof.

Re:

Sören Heise, Region Hannover, Montag, 06.01.2014, 08:35 (vor 4484 Tagen) @ Zugfahrer

Meisterhaft bebildert und berichtet. Bis in die 70er Jahre ist wohl noch die Straßenbahn von Hannover nach Hildesheim gefahren, die Wendeschleife war am jetzigen Busbahnhof.

Danke! Hinter Sarstedt war schon 1958 Schluß. Nachfolgend fuhr die Üstra noch einige Jahrzehnte den "SEV", bevor die Konzession an den heutigen Regionalverkehr Hildesheim überging.


Turbonegro: Kein Problem. ;-)


Viele Grüße
Sören

Typisch DB AG

Lumi25, Samstag, 04.01.2014, 22:43 (vor 4486 Tagen) @ Sören Heise

Warum hat man nicht das alte Bahnhofsgebäude samt Bahnsteig benutzt? Stattdessen klatscht man einen neuen Bahnsteig davor. Man sieht das hässlich aus...

Frische Sammelantwort

Sören Heise, Region Hannover, Sonntag, 05.01.2014, 12:21 (vor 4485 Tagen) @ Sören Heise

Moin,

vielen Dank für die Kommentare.

Lumi25: Vermutlich hat man das durchgehende Hauptgleis genommen.

Telemaxx: Genau. Der Warnstreifen wurde erst in Hannover angebracht. Per Mail wurde ich übrigens darauf hingewiesen, daß hier bei der S-Bahn der orange Streifen die Nicht-Barrierefreiheit kennzeichnet, während es bei der Üstra der rollstuhltaugliche Einstieg ist.

Klaus/Obitwo: Genau, das heutige Knochenhaueramtshaus ist eine Rekonstruktion aus den 1980ern, das Original war aus dem 16. Jh.

Christian: Schöne Innenstadt? Nunja. Es gibt ein paar alte Bauwerke, die nach dem Krieg wiederaufgebaut wurden, aber eine durchgehend alte Bebauung kenne ich nur vom Südostrand der Altstadt, außerhalb der Touristenströme.

Drive-in-Briefkasten: Würde das wörtlich genommen nicht einen kaputten Briefkasten und ein kaputtes Auto bedeuten? ;-)
Das ist tatsächlich einer, bei mir fast um die Ecke gibt's einen gelben und einen blauen direkt nebeneinander.


Nächste Woche dann ein Doppelschlag, anfangs wird's tierisch. Bis dann!

Viele Grüße
Sören

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Verstehen Sie Bahnhof!
Europa: Linkliste Fahrplantabellen und mehr

Frische Sammelantwort

Turbonegro, Sonntag, 05.01.2014, 14:28 (vor 4485 Tagen) @ Sören Heise

Hallo,

vielen Dank für dein wie immer gelungenes Portrait. Es tut mir leid, aber am meisten hat mich dieses Mal nicht irgendein Bild, sondern der Link zum Hifo von DSO mit dem alten elektromechanischen Stellwerk Hildesheim fasziert und mich an meine ehemalige E43-Zeit zurückerinnert, vielen Dank fürs verlinken, hätte ich sonst nie gesehen...

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