Mit Korridorzügen ins Stubaital (Reisebericht m. 82 Bildern) (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
heute möchte ich Euch auf eine winterlich-weihnachtliche Reise nach Österreich mitnehmen. Aus Anlass des Fahrplanwechsels war ich am Freitag und Samstag vor dem dritten Advent zwei Tage in den Alpen unterwegs. Hauptziel war die Mitfahrt in einem der letzten Korridorzüge zwischen Innsbruck und Lienz, die zum Fahrplanwechsel eingestellt wurden. Außerdem hatte ich bei der Gelegenheit noch einen Ausflug zur Stubaitalbahn eingeplant sowie die Fahrt mit dem letzten Railjet nach Lindau.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/043-Korridor-Stubaital/43-00Karte.jpg)
Die erstklassige Tour führt von Konstanz über Zürich und die Arlbergbahn nach Innsbruck, dann über die Brennerbahn und die Pustertalbahn nach Lienz in Osttirol und weiter nach Villach. Am zweiten Tag geht es über die Tauernbahn und die Unterinntalbahn nach Innsbruck, mit der Stubaitalbahn nach Fulpmes und schließlich wieder über den Arlberg und via Lindau und Friedrichshafen nach Konstanz.
Am Freitagmorgen um 9 Uhr geht es in Konstanz los. Ich bin vorsorglich einen Bus früher an den Bahnhof gefahren und kann so die Einfahrt des SBB-InterRegio beobachten. Schon seit Tagen haben wir hier Dauergrau und auch heute hängt wieder Nebel über der Stadt.
Eigentlich könnte ich mir mal Textbausteine für die am häufigsten genutzten Strecken und Züge anlegen, dann könnte ich den Reisebericht für solche Verbindungen wie Konstanz-Zürich einfach zusammenkopieren. Aber halt, heute gibt es etwas Neues zu entdecken, denn das KIS-Display (Kundeninformationssystem) im Wagen sehe ich das erste Mal in Betrieb.
Vor dem Zugfenster ist es neblig-grau, dann werfen wir mal einen Blick auf die Fahrkarte: eine Sparschiene für 5 Länder ist wohl auch nicht ganz alltäglich.
Hier die Auflösung für alle, die noch rätseln, wie ich auf 5 Länder komme: Deutschland und Schweiz sind klar, dann geht es im Transit durch Liechtenstein nach Österreich und dazwischen noch die Korridorstrecke durch Italien.
Eigentlich sind wir aber schon in Zürich angekommen, in der Bahnhofshalle befindet sich mit dem Zürcher Christkindlimarkt der größte Indoor-Weihnachtsmarkt Europas. Der Christkindlimarkt öffnet allerdings erst um 11 Uhr und so gibt es nur ein Bild vom Swarovski-Weihnachtsbaum.
Mit dem Railjet geht es nun weiter in Richtung Österreich.
In der ersten Klasse gibt es Oliven-Cracker und ein Verlängerter stimmt kulinarisch auf Österreich ein. Der Zürichsee und der Walensee präsentieren sich nebelverhangen...
...aber dann wird es zwischen Liechtenstein und Österreich heller und es folgt ein interessanter Wechsel zwischen Sonne und Nebel.
Weiter oben auf der Arlbergstrecke herrscht dann Sonnenschein. Unterwegs gibt es im Zug alles, was eine Fernreise so bietet: von In-den-falschen-Zugteil-Einsteigern über zwei vermeintliche Doppelreservierungen (einmal falscher Wagen, einmal falscher Zug) bis hin zu Frühaufstehern (15 Minuten vor Planankunft mit Koffern an der Tür).
Auf der Trisannabrücke
Pünktlich erreicht der Railjet Innsbruck und so bleibt nun fast eine Stunde Zeit bis zur Abfahrt des Zugs nach Lienz. Hier ein Blick in die Bahnhofshalle des Innsbrucker Hauptbahnhofs.
Und hier steht er nun: einer der letzten Korridorzüge von Innsbruck nach Lienz. Die Mitfahrt mit den Korridorzügen stand eigentlich schon lange auf meiner Wunschliste, aber bisher hatte es nie klappen wollen. Nachdem der Fahrplanwechsel und damit die Einstellung dieser Züge immer näher rückte, soll es am vorletzten Tag nun so weit sein.
Einem weniger Bahninteressierten ist es wohl nur schwer vermittelbar, was an dem Zug außergewöhnlich ist. Die Kombination aus Wagen und Strecke und der geschichtliche Hintergrund haben mich aber doch gereizt, einmal mitfahren zu wollen.
Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde das damalige Tirol geteilt und Südtirol wurde Italien zugeschlagen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es dann Bestrebungen der deutschsprachigen Bevölkerung Südtirols, wieder an Österreich angegliedert zu werden. Stattdessen wurde jedoch im Rahmen der Pariser Friedenskonferenz am 5. September 1946 das Gruber-De-Gasperi-Abkommen (Pariser Abkommen) zwischen Italien und Österreich geschlossen, das Schutzbestimmungen für die deutschsprachige Bevölkerung vorsieht. Der Vertrag umfasst aber auch den freien Personen- und Güterdurchgangsverkehr auf dem Schienenweg zwischen Nord- und Osttirol. In der Folge wurde zwischen Innsbruck und Lienz ein Korridorverkehr eingerichtet. Die Korridorzüge fuhren ohne offiziellen Halt durch Italien und waren mit Binnenfahrscheinen zu nutzen. Der Begriff „Korridorzug“ stammt noch aus einer Zeit, als die Züge im „privilegierten Durchgangsverkehr“ versperrt und ohne Grenzkontrollen durch ein fremdes Land befördert wurden, der Aus- und Zustieg im Transitland war seinerzeit verboten. Diese Zeiten sind aber vorbei und so halten die heutigen „Korridorzüge“ auch in Italien.
Der REX 1875 verkehrt nur freitags und fährt somit heute zum letzten Mal. Der Zug besteht aus drei Abteilwagen 2. Klasse und wird von einem Mehrsystem-Taurus (Reihe 1216) gezogen.
Soweit ich sehe, findet sich zumindest auf dem österreichischen Abschnitt für jeden Fahrgast ein eigenes Abteil; für die nächsten dreieinhalb Stunden mache ich es mir hier bequem.
Der Nachfolger des Zuges steht schon in den Startlöchern bzw. wirbt im Zug für sein Angebot.
Nach der Fahrt über die Arlbergbahn folgt nun mit der Brennerbahn eine weitere landschaftlich interessante Gebirgsstrecke. Durch mehrere Täler windet sich die Bahn in die Höhe und überwindet dabei eine Höhendifferenz zwischen Innsbruck und Brenner von knapp 800 Metern.
Die Schatten werden immer länger und die kurzen Tage haben es so an sich, dass es für weitere Bilder nun zu dunkel wird. Am Grenzbahnhof Brenner verabschiedet sich das österreichische Zugpersonal und italienische Kollegen übernehmen den Zug.
In Franzensfeste füllt sich der Zug dann kräftig und es gibt vorübergehend auch Stehplätze auf dem Gang. Überhaupt wird der Zug auf dem italienischen Abschnitt gut genutzt, spätestens im Grenzbahnhof Innichen leert sich der Zug dann aber wieder und der nun zugestiegene österreichische Zugbegleiter macht erstmal in der Hälfte der Abteile das Licht aus.
Während anfangs noch die Bergspitzen in der Sonne geleuchtet haben, ist es mittlerweile stockdunkel und nur an den Bahnhöfen oder bei den Blitzen des Stromabnehmers an der Oberleitung ist zu sehen, dass hier im Hochpustertal etwas mehr Schnee liegt.
In Lienz ist bis zur Weiterfahrt nun eine Dreiviertelstunde Zeit, das reicht für einen kleinen Bummel über den Lienzer Adventmarkt.
Mit einem Regionalzug in Form eines Talents geht es dann auf den letzten Abschnitt des Tages, nämlich über die Drautalbahn nach Villach. Unterwegs ändert sich die Zuggattung und schließlich kommen wir als S 1 in Villach an.
Auch hier gibt es noch einen kleinen Abstecher in die Altstadt, allerdings schließt der Adventmarkt schon. Und damit endet der erste Reisetag. Die schnellste Verbindung von Konstanz nach Villach geht übrigens über Ulm-München und dauert knapp 9 Stunden, die Variante via Innsbruck-Lienz bietet aber 3 Stunden mehr Bahnfahrt.
Es geht gleich weiter...
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