Vor dem Aus: Plauens unterer Bahnhof (30 Bilder) (Reiseberichte)

Sören Heise, Region Hannover, Mittwoch, 27.11.2013, 17:51 (vor 4524 Tagen)

Moin!

Am 22. Oktober ging es nach Plauen. Die Metropole des Vogtlandes verfügt über zwei größere Bahnhöfe. An der Elstertalbahn liegt der untere Bahnhof. Nach einem längeren Weg bergauf durchs Stadtzentrum kommt man zum oberen Bahnhof. In diesem Beitrag werden wir uns dem unteren Bahnhof widmen.


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Das Verkehrsangebot ist übersichtlich geworden: Zweistündlich hält die Vogtlandbahn von Gera nach Weischlitz, ebenfalls zweistündlich die Vogtlandbahn von Weischlitz nach Gera. Das macht montags bis freitags 16 Züge. Einstmals gab es durchgehende Schnellzüge von Berlin ins böhmische Bäderdreieck und sogar nach Wien. Seit Anfang der 1980 verkehren nur noch Nahverkehrszüge.

Die Geschichte der Elstertalbahn, mit sächsischem Namen GWz, beginnt im Jahr 1868 mit der Gründung eines Vereins, der sich für eine Bahnstrecke durchs Elstertal einsetzte. Weischlitz als südlicher Endpunkt stand recht bald fest (Anschluß an die Strecke Plauen - Eger), im Norden wurde es Wolfsgefärth, gelegen an der Strecke Gera - Saalfeld. Nachdem die Konzessionen erteilt waren (der Südteil der Linie führt durch Sachsen, im Norden durch Reuß ältere Linie, wo gerade Heinrich XXII. regierte. Es dürfte allgemein bekannt sein, daß alle männlichen Reußen Heinrich heißen. Irgendwann fing man wieder bei eins an zu zählen), begannen im Jahr 1872 die Bauarbeiten. Die Eröffnung der Bahnstrecke erfolgte in drei Etappen im Jahr 1875: Wolfsgefärth - Greiz am 17. Juli, am 8. September die Fortsetzung bis Plauen und am 20. September der Rest bis Weischlitz.

Im Jahr 1892 wurde die Strecke nach Wolfsgefärth aufgegeben und die Strecke bis zum sächsischen Bahnhof in Gera durchgebunden. Mittlerweile haben aber Bauarbeiten begonnen, die die "Neubaustrecke" mit einer maroden Brücke überflüssig lassen werden. Stattdessen wird wie schon bis 1892 auf den ersten Kilometern hinter Gera die Saalfelder Strecke benutzt werden.

Zu erwähnen ist noch die von 1923 bis 1970 im Reiseverkehr bediente Bahnstrecke von Plauen-Chrieschwitz nach Lottengrün (LPC), deren Züge in Plauen bis zum unteren Bahnhof verkehrten.


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1 Mit VT 09 haben wir soeben den unteren Bahnhof erreicht.


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2 Man strebt dem Ausgang entgegen.


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3 Kilometerstein. Der Nullpunkt ist in Gera Süd.


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4 Noch eineinhalb.


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5 Das Empfangsgebäude ist vernagelt, sieht aber sonst ziemlich gut aus. Das erste Empfangsgebäude wurde 1945 zerstört, erst 1967 das neue eingeweiht.


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6 Der heutige Hauptausgang.


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7 Gullydeckel.


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8 Die Nordausfahrt.


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9 Gesamtansicht. Signal G hat einen seltsamen Standort.


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10 Der alte Güterschuppen. Die Berufsausbildung Tiefbau/Gleisbau findet längst anderswo statt.


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11 Das Empfangsgebäude von der anderen Seite.


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12 Hier die Südausfahrt ohne ablenkenden Zug. Irgendwo da steht Stellwerk II.


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13 Von der Straßenseite. Vernünftigere Aufnahmen scheiterten an der tiefstehenden Sonne.


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14 Die Uhr.


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15 Bis vor einigen Jahren konnte man den unteren Bahnhof per Straßenbahn erreichen. Noch liegt noch das Gleis.


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16 Heute fährt der Stadtbus. Keiner der mit dem Zug angekommenen Reisenden fuhr mit.


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17 Stellwerk I und Wasserturm an der Nordausfahrt.


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Wir begeben uns nun auf den Weg zum oberen Bahnhof. Dabei fährt uns der eine oder andere Straßenbahnwagen vor die Kamera. Die Aufnahmen wurden bereits bei DSO im Straßenbahnforum gezeigt.


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18 Im Verlauf der Hofer Straße kreuzt die Straßenbahn zur Südvorstadt die Elstertalbahn.


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19 Mein erstes Straßenbahnwagenbild in Plauen. Wagen 207 auf Linie 6 nach Waldfrieden steht in der Haltestelle auf der Neuen Elsterbrücke. Der Turm gehört zum Schloß. Eine schloßnahe Straße trägt sogar den slawischen Namen Hradschin.


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20 Auf Linie 3 nach Neundorf Wagen 240. Er hat soeben auf der Reichenbacher Straße die Elstertalbahn unterquert. Irgendwo hier soll der neue Haltpunkt Plauen Mitte gebaut werden, der den Reisezughalt im unteren Bahnhof ablösen wird. Ob es der Elstertalbahn hilft?


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21 Die wichtigste Haltestelle heißt Tunnel. Sie liegt an der Nordspitze der Altstadt. Wagen 203 fährt zur Südvorstadt. Beachte die Wartegelegenheiten für Einzelreisende.


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22 Auf dem Nachbargleis Wagen 207 nach Neundorf. Links die Stadt-Galerie, Plauens Beitrag zu innerstädtischen Einkaufszentren mit meist minder denn mehr phantasievollen Namen.


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23 Wagen 228 in arbeitswagenorange auf Linie 6. Die Matrixanzeigen mit ihrer Schrift gefallen mir.


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24 Ein Gleisdreieck ermöglicht Fahrten in alle drei Richtungen. Im Hintergrund wohl Wagen 224.


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25 Da hoffte der Reisende aus der Ferne auf Abwechslung von der wohlschmeckenden KT4D-Einheitskost.


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26 Er wurde nicht enttäuscht. Wagen 301 mit Vater und Sohn schien auf Fahrschulfahrt zu sein. Wir sind in der Neundorfer Straße, ein wenig oberhalb von Rathaus und Lutherkirche.


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27 Wagen 240. Diesmal auf der Linie 1 zum Oberen Bahnhof. In Richtung Neundorf fuhr sie nicht. Ein seltsamer Fahrplan mit drei Linien, die tagsüber nur in einer Richtung unterwegs sind. Nicht das beste meiner nicht allzuguten Bilder, aber das schöne Rathaus sollte mit aufs Bild.


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28 Nach Neundorf fährt auf Linie 3 Wagen 220. Man sieht die starke Steigung vom Tunnel her.


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29 Zurück am Tunnel. Die 227 kommt von oben und fährt gleich runter ins Elstertal. Auf Linie 5 geht es dann zur Südvorstadt.


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30 In der Bahnhofstraße begegnen sich Wagen 240 nach Waldfrieden und Wagen 207, der zum oberen Bahnhof fährt.


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In einer Woche besuchen wir den oberen Bahnhof und dazwischen einen der unbekannteren Hauptbahnhöfe Deutschlands.

Bis dahin verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
Euer Sören


Literaturhinweis:
Wilfried Rettig, Die Eisenbahnen im Vogtland, Band 1. Entwicklung, Hauptstrecken, Fahrzeuge, Bahnbetriebswerke und Hochbauten. Freiburg (Breisgau) 2001.
Wilfried Rettig, Die Eisenbahnen im Vogtland, Band 2. Neben- und Schmalspurstrecken, Bahnanlagen, Unfälle, Anekdoten. Freiburg (Breisgau) 2002.

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Verstehen Sie Bahnhof!
Europa: Linkliste Fahrplantabellen und mehr

Plauen hat eine Straßenbahn?

JumpUp, Mittwoch, 27.11.2013, 19:19 (vor 4524 Tagen) @ Sören Heise

Ich bin ja recht verwundert, dass eine doch recht übersichtliche Stadt wie Plauen ein eigenes Straßenbahnsystem hat. Davon können viele andere Städte dieser Größe nur träumen :)

Plauen hat eine Straßenbahn mit ehemals 6 Linien!

R 450, Mittwoch, 27.11.2013, 19:32 (vor 4524 Tagen) @ JumpUp

Soll sich wegen der großen Steigungen angeboten haben.

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Für eine europaweit einheitliche Symmetrieminute http://de.wikipedia.org/wiki/Symmetrieminute und http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Lampart
Explanation in English: https://en.wikipedia.org/wiki/Symmetry_minute

Genau das habe ich mich auch gefragt

JanZ, HB, Mittwoch, 27.11.2013, 19:38 (vor 4524 Tagen) @ JumpUp

- kein Text -

Plauen hat eine Straßenbahn?

ICE11, Aachen, Mittwoch, 27.11.2013, 20:00 (vor 4524 Tagen) @ JumpUp

Ich bin ja recht verwundert, dass eine doch recht übersichtliche Stadt wie Plauen ein eigenes Straßenbahnsystem hat. Davon können viele andere Städte dieser Größe nur träumen :)

In diesem Zusammenhang muss man wohl auch die Geschichte betrachten. In der DDR war man bei der bedingungslosen Umstellung auf die "Gummibahn" zurückhaltender als im Westen. Habe neulich noch im Netz eine Liste der Städte in der Bundesrepublik gesehen, die nach 1945 ihr Tramnetz stillgelegt haben, das waren mehr als 50 Städte und etliche in der Größenordnung Plauens.

Plauen hat eine Straßenbahn?

JanZ, HB, Mittwoch, 27.11.2013, 20:52 (vor 4524 Tagen) @ ICE11

Habe neulich noch im Netz eine Liste der Städte in der Bundesrepublik gesehen, die nach 1945 ihr Tramnetz stillgelegt haben, das waren mehr als 50 Städte und etliche in der Größenordnung Plauens.

Und auch viele größere, wie z.B. Recklinghausen mit über 100.000 Einwohnern und Münster mit fast 300.000 :-(.

Plauen hat eine Straßenbahn?

Ede, Mittwoch, 27.11.2013, 21:29 (vor 4524 Tagen) @ JanZ

Und auch viele größere, wie z.B. Recklinghausen mit über 100.000 Einwohnern und Münster mit fast 300.000 :-(.

Hamburg ist noch größer!!

da gibt es Städte mit noch weniger Einwohnern

safe go, Chemnitz, Donnerstag, 28.11.2013, 08:42 (vor 4524 Tagen) @ JumpUp

Halberstadt, Frankfurt (Oder), Görlitz, (Gotha, Nordhausen)

Die letzten beiden habe ich in Klammern gesetzt, da ja teilweise eine Weiterführung als (touristisch vermarktbare) Überlandstraßenbahn besteht.
Gerade in Gotha war ich ja erstaunt, dass der städtische Busverkehr zum Teil mit Doppelstockbussen abgewickelt wird.

Signal G

Alexander, Mittwoch, 27.11.2013, 19:26 (vor 4524 Tagen) @ Sören Heise

Hi,

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9 Gesamtansicht. Signal G hat einen seltsamen Standort.

für mich sieht es so aus, dass Signal G den Reisendenüberweg zu Gleis 2 sichert.
Dadurch kann auf Gleis 1 ein Zug einfahren, während auf Gleis 2 schon einer steht.

Viele Grüße

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Es gibt Menschen, die geizen mit ihrem Verstand wie andere mit ihrem Geld. (Wilhelm Busch)

Signal G

JanZ, HB, Mittwoch, 27.11.2013, 19:39 (vor 4524 Tagen) @ Alexander

für mich sieht es so aus, dass Signal G den Reisendenüberweg zu Gleis 2 sichert.
Dadurch kann auf Gleis 1 ein Zug einfahren, während auf Gleis 2 schon einer steht.

Erinnert mich an Dorsten, da wird es so ähnlich gemacht. M.W. allerdings nicht mit einem Hauptsignal, sondern einem Sh (? - Ich muss bei Gelegenheit mal nachgucken).

Signal 40ZR51 in Kreiensen ähnlich

michael_seelze, Donnerstag, 28.11.2013, 00:56 (vor 4524 Tagen) @ JanZ

- kein Text -

Signal G

Manitou, Sonntag, 01.12.2013, 01:01 (vor 4521 Tagen) @ JanZ

Bei der DR gab es als Lichtsignal keine Schutzhaltsignale. Das Lichtsperrsignal (Doppelrot) wurde nicht mehr neu angewendet. Es gab aber hauptsignale, die nur Hl 13 (Halt) signalisieren konnten und mit Ra 12 (Fahrt/Zustimmung für Rangierabteilungen), Zs 1 (Ersatzsignal) oder Kennlicht (Signal ungültig, Weiß bei dunkelgeschaltetem Hauptsignal) kombiniert wurden. Dabei wurden aber zwei Rot-Laternen (Haupt- und Ersatzrot) eingebaut.
Somit konnte das Signal G den Einfahrweg beendet (kurze Einfahrt) oder ungültig geschaltet eine lange Einfahrt zulasen.

Vor dem Aus: Plauens unterer Bahnhof (30 Bilder)

fabs, Braunschweig, Mittwoch, 27.11.2013, 19:41 (vor 4524 Tagen) @ Sören Heise

Wie immer (auch wenn ich es nur selten schreibe): Vielen Dank für die Bilder!

Zu Bild 9:
Ich habe mir mal Luftbilder angesehen, auf denen man vermuten(!) kann, dass sich die Überleitung von Gleis 1 nach Gleis 2 am westlichen Bahnhofsende (Bild 4) früher einmal deutlich hinter dem heutigen befand.
Meine Vermutung daher: Es stand ein weiteres Signal deutlich weiter westlich. So war es möglich, bei Zugkreuzungen den westwärts fahrenden Zug vor dem Reisendenüberweg anzuhalten und somit den auf Gleis 2 stehenden (oder zeitlich danach einfahrenden) Zug trotzdem noch zu erreichen.

Wie gesagt: Eine Vermutung von mir - ich war noch nie vor Ort!

Viele Grüße
fabs

Nachtrag: Als ich den Beitrag verfasst habe, waren die anderen zum gleichen Thema noch nicht da. Ich sollte in Zukunft zeitnah auf "OK - Eintragen" klicken...

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Es gibt Dinge im Leben, die dich schnell aus der Bahn werfen können!
Zugbegleiter zum Beispiel...

Danke!

Sören Heise, Region Hannover, Donnerstag, 28.11.2013, 10:32 (vor 4524 Tagen) @ Sören Heise

Moin,

danke für die Kommentare.

Ja, Plauen hat eine Straßenbahn. Seit 1894. Und seit 1995 auch einen Stadtbus.

Und vielen Dank für die Hinweise zum Signal G.

Viele Grüße
Sören

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