Unterwegs zwischen Adria und Nordsee (3/4 m. 49 Bildern) (Reiseberichte)

TD, Montag, 07.10.2013, 19:06 (vor 4575 Tagen)

Hallo zusammen,

Teil 2 des Reiseberichts haben wir in Villach beendet, nach zwei Tagen in Italien geht es nun in den Norden.

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Tag 3: Villach - Hamburg

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Am frühen Morgen machen wir uns mit leerem Magen auf zum Bahnhof, um 5.26 Uhr fährt unser Zug. So früh gibt es weder im Hotel ein Frühstück noch hat ein Bäcker geöffnet. Und bevor sich nun jemand wundert, warum der Bahnhof von Villach in der Sonne liegt, während zwei Bilder später wieder Dunkelheit herrscht: das Bild vom Bahnhof entstand schon gestern Abend, aber „dramaturgisch“ passt es hier besser in den Reisebericht.

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Und hier steht er nun, der EC 172 „Vindobona“. Seit dem Jahr 1957 gibt es den Zuglauf von Wien über Prag und Dresden nach Berlin. Vindobona ist übrigens die lateinische Bezeichnung von Wien. Später wurde der Laufweg nach Hamburg verlängert und seit dem Fahrplanwechsel 2009 fährt der Zug sogar ab Villach. Der Zug ist damit nicht nur historisch gesehen ein Klassiker, sondern hat mit 1.459 Kilometern auch einen beachtlichen Laufweg.

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Ich muss zugeben, vor der Fahrt habe ich etwas Respekt. 16 Stunden und 22 Minuten in einem durchgehenden Zug habe ich mir noch nie zugemutet. Und ich habe bei der Planung wirklich gehadert, ob ich nicht irgendwo einen Zwischenstopp einlegen soll. Aber andererseits war da doch der Ehrgeiz, mal mit solch einem klassischen Langläufer durch Europa zu fahren - solange solche Erlebnisse noch möglich sind.

Nach der Erfahrung mit dem defekten Speisewagen vor zwei Tagen auf der Brennerstrecke ist die Skepsis wieder gewachsen; denn eigentlich habe ich heute voll auf die Zuggastronomie gesetzt. Gut Wasser haben wir genügend dabei, aber unser Proviant beschränkt sich auf eine Packung Kekse (ich kann übrigens als Notration Prinzenrolle empfehlen, kompakte Verpackung, passt gut zwischen Flaschen im Gepäck, ersetzt mit 400 Gramm eine Mahlzeit, gibt keine klebrigen Finger und selbst nach einer Woche bei Hitze im Rucksack sind höchstens der oberste und der unterste Keks zerbröselt – aber ich glaube ich habe zu viele Horrorgeschichten gelesen, dass Reisende irgendwo 4 Stunden im Zug festsaßen und schweife jetzt zu sehr ab).

Aber die Sorge ist unbegründet, der Speisewagen ist dabei und wird auch hier in Villach gerade bestückt.

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Wir beziehen nun ein Businessabteil. Wer das Businessabteil übrigens bei der DB reservieren will, sollte das Zauberwort "Managerabteil" kennen, denn so heißt das Abteil bei der DB. Bei der Buchung im Reisezentrum war die erste Aussage, dass der Zug kein Businessabteil habe, bis der Mitarbeiter dann nach einiger Suche auf das „Managerabteil“ gestoßen war.

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Jetzt geht es aber erst mal zum Frühstück in das Bordrestaurant. Der EC Vindobona besteht komplett aus ÖBB-Wagenmaterial, so wird der Speisewagen von der Cateringfirma „Henry am Zug“ bewirtschaftet.

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Wir werden heute Stammkunde des Speisewagens werden, den Anfang machen wir mit einem „Henry Frühstück“, bestehend aus einem Schinken-Käse-Croissant und einer Semmel mit Butter und Marmelade.

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Während der Fahrt am Wörthersee ist es noch dunkel, später im oberen Murtal und hier bei der Fahrt über den Semmering können wir die Landschaft wieder bei Tageslicht genießen. Wie es sich für einen internationalen Fernverkehrszug gehört, hat der Eurocity vergleichsweise wenige Halte und fährt auch mal 90 Minuten durch, so dass im Zug eine angenehme Ruhe herrscht.

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Die Fahrt von Wien auf der österreichischen Nordbahn durch das Marchfeld nach Břeclav und weiter nach Brünn ist dann landschaftlich eher langweilig.

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Nachdem wir in den letzten Tagen von der Sonne verwöhnt waren, machen sich nun erste Wolken am Himmel breit, hier über der Kathedrale von Brünn.

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Abgesehen von einem kurzen Abschnitt rund um Ústí nad Orlicí ist die Fahrt durch Tschechien landschaftlich unspektakulär. Es ist Mittagszeit und so statten wir dem Speisewagen mal wieder einen Besuch ab. In Wien hat das Speisewagen-Team gewechselt. Es ist überhaupt auf solch einer langen Fahrt interessant, wie Zugpersonal und andere Fahrgäste kommen und gehen. Bei der Bestellung erfahren wir, dass in der Küche immer wieder der Strom weg sei und wir deshalb mit dem Essen Geduld haben müssen. Nun gut, wir fahren ja noch 9 Stunden, da soll es auf ein paar Minuten mehr oder weniger nicht ankommen.
Es wird aber so langsam immer wärmer im Speisewagen (ohne Strom will wohl auch die Klimaanlage nicht) und nach einer Stunde vergeblichen Wartens auf Strom ändern wir die Bestellung und begnügen uns zwangsläufig mit Sandwichs.

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Nach dem Fahrtrichtungswechsel in Prag (Mist, jetzt ist das Abteil auf der Fahrt durch das Elbtal auf der falschen Seite) beginnt es zu regnen. Hier übrigens noch der Blick über die tschechische Hauptstadt bis hinüber zur Prager Burg.

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Nun, man kann nicht immer Wetterglück haben und bei strömendem Regen fahren wir durch den tschechischen Teil des Elbtals bzw. Labetals, wie der Fluss auf Tschechisch heißt. Nachdem wir die tschechisch-deutsche Grenze passiert haben, wird es etwas heller, aber bei Sonnenschein wäre die Fahrt durch die sächsische Schweiz natürlich noch schöner.

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Bad Schandau mit Aufzugsturm

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Schade, dass der Zug nicht über Dresden-Neustadt fährt und wir so um den „Canaletto-Blick“ auf die Altstadt gebracht werden, stattdessen fahren wir über Cossebaude und queren die Elbe weiter westlich.

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Aber es ist Kaffeezeit und im Speisewagen gibt es wieder Strom (hängt wohl mit der Stromversorgung in Tschechien zusammen). Und so gönnen wir uns nun einen Kaiserschmarrn, wirklich lecker. Andere Fahrgäste im Speisewagen machen aber den Fehler, erst ein Abendessen zu bestellen und den Kaiserschmarrn dann als Nachtisch ordern zu wollen – nur ist der Kaiserschmarrn bis dahin schon ausverkauft. Beliefert wird der Speisewagen übrigens auf der Rückfahrt erst wieder in Wien, d.h. auch morgen werden die meisten Fahrgäste im Speisewagen auf den Kaiserschmarrn verzichten müssen.

In Schleichfahrt geht es nun weiter nach Berlin. Wegen Bauarbeiten fahren wir an dem Tag planmäßig über die Stadtbahn, stehen aber zuvor noch eine ganze Weile am Grünauer Kreuz.

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Über diese Umleitung freue ich mich wirklich, denn so gibt es ja noch eine Sightseeingtour durch die Hauptstadt obendrauf. Wir sind nach dem Kaffee gleich im Speisewagen sitzengeblieben und haben nun die eigentlich als Mittagessen geplante Bestellung erneut aufgegeben. Und bei Rigatoni und Schinkenfleckerl rollen wir nun über die Museumsinsel, am Alexanderplatz vorbei und durch das Regierungsviertel. Dass wir mittlerweile 30 Minuten Verspätung haben, stört uns da gar nicht mehr. Und wenn es im Speisewagen jetzt auch noch richtige Gläser gäbe und das Bier nicht nur in Plastikbechern serviert würde, wäre die Fahrt perfekt.
Das Speisewagenteam hat ganz schön heftige Arbeitszeiten, die sind von Wien bis Hamburg fast 13 Stunden an Bord und morgen früh geht es gleich wieder zurück bis Wien.

Für weitere Bilder ist es nun zu dunkel und der Zug rauscht durch die Nacht. Und die Bahn meint es gut mit uns, denn am Ende werden es 35 Bonusminuten sein, bis wir Hamburg-Altona erreichen. Ich hatte eigentlich befürchtet, unterwegs nach einigen Stunden die Lust verlieren zu können und das Ende der Fahrt herbeizusehen – aber die lange Fahrt habe ich erstaunlich gut vertragen und hätte sogar noch ein Stück dranhängen können. Und nach knapp 17 Stunden endet nun meine bisher längste Zugfahrt in Hamburg-Altona.

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Und wir sind immer noch so fit, dass wir mit der S-Bahn noch eine kleine Runde zum Hamburger Hafen drehen können. Gestern noch waren wir in Venedig, heute früh in Villach, wird sind über das UNESCO-Weltkulturerbe Semmeringbahn gefahren, haben Prag gesehen, waren im Elbsandsteingebirge, sind durch Berlin gerollt und nun stehen wir hier – irgendwie irre.

Es geht gleich weiter...

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Unterwegs zwischen Adria und Nordsee (Fortsetzung Teil 3))

TD, Montag, 07.10.2013, 19:15 (vor 4575 Tagen) @ TD

Tag 4: Hamburg – Amrum – Sylt - Hamburg

So, neuer Tag, neue Reiseziele. Was macht ein Südlicht wie ich, wenn es schon mal in Hamburg ist? Es will ans Meer. Und hierfür fahren wir nun von Hamburg mit dem IC 2314 „Deichgraf“ in den Norden.

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Der Intercity ist heute früh in Köln gestartet und fährt nach Westerland auf Sylt. An der Zugspitze führt er zwei Kurswagen nach Dagebüll Mole. Wir machen es uns aber im Großraumwagen am Zugschluss bequem – übrigens meine erste Begegnung mit einem modernisierten Großraumwagen.

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Ein Höhepunkt bei jeder Fahrt auf der Marschbahn: die Querung des Nord-Ostsee-Kanals über die Hochbrücke Hochdonn. Wir müssen uns nun so langsam entscheiden: laufen wir durch den Zug nach vorn zu den Kurswagen nach Dagebüll oder wollen wir in Niebüll zu Fuß umsteigen?

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Wir entscheiden uns für den Fußweg und wechseln über den Vorplatz des Bahnhofs zum Bahnhof „Niebüll neg“. neg steht für die Norddeutsche Eisenbahngesellschaft Niebüll. Und bald kommt ein neg-Triebwagen mit Generatorwagen und den beiden Kurswagen aus dem IC Deichgraf angefahren.

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Für gut 13 Kilometer fahren wir nun das Marschland nach Dagebüll und passieren dann die Fluttore des Deichdurchlasses zur Mole.

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Unsere Zugfahrt endet direkt auf der Mole, von hier verkehren Fähren nach Wyk auf Föhr und Wittdün auf Amrum.

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Wir entscheiden uns für die Fähre nach Amrum.

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Währenddessen hat der Triebwagen die Mole verlassen und die Kurswagen warten einsam auf die Rückfahrt...

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...während wir die Überfahrt genießen.

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Amrum gehört zu den nordfriesischen Inseln und ist die zehntgrößte Insel Deutschlands. Westlich der Dünen schließt sich der Kniepsand an. Er gilt zwar als einer der breitesten Sandstrände Nordeuropas, ist aber geologisch kein Teil der Insel, sondern eigentlich eine Sandbank.

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Wie es sich für Touristen gehört, schlendern wir etwas durch den Sand und spazieren durch die Dünen – hier mit Blick zum Leuchtturm von Amrum.

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Links der Bildmitte über den Dächern von Wittdün ist der Fähranleger zu erahnen. Dorthin geht es für uns nun zurück. Diesmal fahren wir aber nicht mit der Fähre,

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sondern mit dem "Adler-Express". Mit seinem Wasserstrahlantrieb ist die MS Adler-Express das schnellste Schiff an der Schleswig-Holsteinischen Wattenmeerküste.

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Mit ordentlichem Tempo umrunden wir nun den Kniepsand und nehmen Kurs auf Hörnum auf Sylt.

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Von der Südspitze Sylts fahren wir mit dem Bus weiter zum Bahnhof von Westerland. Die Busfahrt führt wunderschön durch die Heidelandschaft. Bilder davon gibt ‘s leider keine, dafür einen Minuspunkt für die Sylter Verkehrsgesellschaft für die Werbefolie auf den Busfenstern.

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Vor dem Bahnhof von Westerland begrüßen uns die „Reisenden Riesen im Wind" des Bildhauers Matin Wolke...

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...während die Empfangshalle noch an die zwanziger Jahre erinnert. Eröffnet wurde der Bahnhof 1927.

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Mit der Nord-Ostsee-Bahn (NOB) geht es nun für uns zurück nach Hamburg.

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Nach der Fahrt über die Insel...

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...fahren wir über dem 11 Kilometer langen Hindenburgdamm durch das Wattenmeer wieder auf das Festland.

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Ich kann es nicht lassen: noch ein Bild von der Fahrt über den Nord-Ostsee-Kanal.

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Zwar auch wieder nach Einbruch der Dunkelheit, aber eine Stunde früher als gestern, erreichen wir wieder Hamburg. Hier das Hamburger Rathaus.

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Und mit einem nächtlichen Blick über die Binnenalster beenden wir Tag 4 unserer Tour. Morgen geht es für uns weiter über Umwege in die Eifel, aber dazu demnächst mehr im vierten Teil.

Viele Grüße

Tobias

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Unterwegs zwischen Adria und Nordsee (Fortsetzung Teil 3))

Nordy, Montag, 07.10.2013, 20:34 (vor 4575 Tagen) @ TD


Ich kann es nicht lassen: noch ein Bild von der Fahrt über den Nord-Ostsee-Kanal.

Hallo Tobias,

vielen lieben Dank für Deinen Bericht und deine sehr schönen Bilder.

Wenn Ihr auf der Rückfahrt in Husum noch mal umgestiegen hättet ihr der N-O-K noch beeindruckender in Rendsburg überquert. http://www.rendsburger-hochbruecke.de/
Die Brücke, die Anfahrampe und die "Schleife" wurden übrigens gerade 100 Jahre alt. Solltest du dir vielleicht fürs nächste Mal mal vormerken. http://de.wikipedia.org/wiki/Rendsburger_Hochbr%C3%BCcke

Unterwegs zwischen Adria und Nordsee

Twindexx, St. Gallen (CH), Montag, 07.10.2013, 20:47 (vor 4575 Tagen) @ TD

Hoi TD,

Weiterhin ein toller Reisebricht. Mir ist jedoch noch aufgefallen, dass Du dich in der Karte bei Sagliains ein klein wenig vertippt hast. Da hat sich ein "i" an die falsche Stelle gemogelt.

Über die Bewirtschaftung der ÖBB-Speisewagen hört man leider in letzter Zeit sehr viel negatives. Wie kann es sein, dass einige Artikel schon bei der Hinfahrt ausgehen? Das scheint nachdem was man so hört jedoch die Regel zu sein beim ÖBB-Caterer und keine Ausnahme.
Die SBB haben auch vor einigen Jahren lernen müssen, dass das mit dem Outsourcing der Bordgastronomie nicht funktioniert und mittlerweile hat die 100%-SBB-Tochter Elvetino wieder einen guten Service in die Züge gebracht.

Wir entscheiden uns für den Fußweg und wechseln über den Vorplatz des Bahnhofs zum Bahnhof „Niebüll neg“. neg steht für die Norddeutsche Eisenbahngesellschaft Niebüll. Und bald kommt ein neg-Triebwagen mit Generatorwagen und den beiden Kurswagen aus dem IC Deichgraf angefahren.

Ich hätte mich ja für die Rangierfahrt entschieden. ;-)


Grüsse aus der Ostschweiz.

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Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13, IR 15, IR 27 und IR 70:
Der SBB FV-Dosto.

Unterwegs zwischen Adria und Nordsee

IC Königssee, Montag, 07.10.2013, 21:44 (vor 4575 Tagen) @ Twindexx
bearbeitet von IC Königssee, Montag, 07.10.2013, 21:44

Na ja, das HAZ ein logistisches Problem hat kann man wirklich nicht leugnen. Selbst im RJ gehen ab Startbahnhof immer wieder Produkte aus, häufig hatte ich aber Glück und es wird nachgeliefert. Arbeitszeiten und Mitarbeiterumgang sind für meine Verhältnisse wohl auch verbesserungsbedüftig, aber hübsch ist das Personal schon. Und der Speisewagen bietet gutes Essen zu sehr fairen Preisen. Deshalb finde ich ihn auch insgesamt deutlich besser als DB Gastro.
Danke für den Bericht, im ÖBB Businessabteil kann man es wirkich aushalten.
MFG
IC Königssee

Unterwegs zwischen Adria und Nordsee (Fortsetzung Teil 3))

Alibizugpaar, Köln (im Herzen immer noch Göttinger), Montag, 07.10.2013, 23:16 (vor 4575 Tagen) @ TD

Eine sehr schöne Tour! Ich muß jetzt an den Zugnamen "Alpen-See-Express" denken.

Bei der Niebüller ´neg´ tut doch auch ein einsamer Jenbacher Ösi seinen Dienst. Habt Ihr ihm denn mal zugewunken und ein paar herzliche Grüße aus seiner alten Heimat überbracht? Der vermisst bestimmt seine Tiroler Berge - und hatte irgendwann einmal eine ähnlich weite Anreise wie Ihr.

http://www.klaus-jahn.com/main.php?g2_view=core.DownloadItem&g2_itemId=4009&g2_...

Schönen Dank & Gruß

Olaf

Unterwegs zwischen Adria und Nordsee (Fortsetzung Teil 3))

TD, Dienstag, 08.10.2013, 17:47 (vor 4574 Tagen) @ Alibizugpaar

Bei der Niebüller ´neg´ tut doch auch ein einsamer Jenbacher Ösi seinen Dienst. Habt Ihr ihm denn mal zugewunken und ein paar herzliche Grüße aus seiner alten Heimat überbracht?

Auf den hatte ich eigentlich insgeheim spekuliert und war dann etwas enttäucht, als der 628er um die Ecke kam. Na ja - dann bleibt ein Grund dort mal wieder hinzufahren...

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Unterwegs zwischen Adria und Nordsee (Fortsetzung Teil 3))

caboruivo, CH, Dienstag, 08.10.2013, 12:15 (vor 4574 Tagen) @ TD

Hallo TD

Ich komme nicht umhin, mich auch für diesen Bericht zu bedanken und ihn zu loben.
Wie war denn die Fahrt Wien-Prag? Lohnt sich diese?
Leider wird der Vindobona auch bald Geschichte sein. :'-(

Ganz toll waren die Amrum-Fotos, alte Erinnerungen wurden geweckt. Wittdün hat mir auch sehr gefallen, aber auch Nebel hat mich verzaubert, das ganz grosse Highlight nebst der Fährfahrt war der Leuchtturm.

Die Rangiererei in Niebüll hab ich auf mich genommen, gaanz speziell ist sie nicht, auf dem Hinweg fuhr ich allerdings per Bus.

Ich freue mich auf Teil 4 und den Ausflug in den Westen.

Gruss

--
Nur falsche Prinzen reiten auf dem Schimmel, richtige in der Lokomotive

Unterwegs zwischen Adria und Nordsee (Fortsetzung Teil 3))

TD, Dienstag, 08.10.2013, 18:01 (vor 4574 Tagen) @ caboruivo

Wie war denn die Fahrt Wien-Prag? Lohnt sich diese?
Leider wird der Vindobona auch bald Geschichte sein. :'-(

Darum stand der Vindobona ja auch auf meiner to-do-Liste...

Also der Abschnitt Wien-Prag ist nun einer der langweiligeren. Da sind die Strecken davor (Semmering) und danach (Elbtal) wesentlich interessanter. In Österreich führt die Strecke durch die Ebene des Marchfelds und in Tschechien erinnere ich mich auch nur an den im Bericht erwähnten kurzen Abschnitt um Ústí nad Orlicí, wo es vor dem Zugfenster etwas interessanter war, ansonsten fand ich die Strecke unspektakulär.

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Top! Aber nächstens ab in die Sansibar ;-))))

Blaschke, Dienstag, 08.10.2013, 23:01 (vor 4574 Tagen) @ TD
bearbeitet von Blaschke, Dienstag, 08.10.2013, 23:02

Moin!

Und hierfür fahren wir nun von Hamburg mit dem IC 2314 „Deichgraf“ in den Norden. Der Intercity ist heute früh in Köln gestartet und fährt nach Westerland auf Sylt.

Jup - einer DER Züge an hochsommerlichen Wochenend-Großkampftagen. Dann ist die Kiste schon im "Pott" rappelvoll. Und an den Halten danach wollen auch noch etliche Reisende mit. Und dann bekommt die DB ab und an nicht mal die Regelzugstärke zusammen, von Zusatzwagen ganz zu schweigen. Das ist dann Unterhaltung pur für den Fahrgast, der die Welt etwas entspannter sieht...

Auch eines DER Highlights des früheren deutschen IC-Wesens: Die mittägliche Rückfahrt des IC von Westerland gen Süden an Sommerferien-Samstagen. In Niebüll nach der Kuppelei mit 20 Minuten Verspätung raus, die Kiste rappelvoll trotz 13, 14, 15 Wagen, vorne brüllen die beiden 218er mit voller Leistung bei Streckenhöchstgeschwindigkeit. Dann am offenen Fenster die Dieselabgase einatmen (und die tobende Kundschaft fern halten). Die Leutchen waren ob der Verspätung schon erbost, ohne zu ahnen, dass der Fahrplan so großzügig war, dass man meist in Hamburg längst wieder plan war.

Ein Höhepunkt bei jeder Fahrt auf der Marschbahn: die Querung des Nord-Ostsee-Kanals über die Hochbrücke Hochdonn.

Die Brücke, die ihre Berühmtheit nicht zuletzt dem ebenso berühmten Fäkalien-Urteil verdankt. Worum es geht, erklärt sich mit etwas Nachdenken ja von allein ;-). Immerhin war sie sozusagen eine Art Vorreiter für die Einrichtung geschlossener Toilettensysteme in den Reisezugwagen.

Von der Südspitze Sylts fahren wir mit dem Bus weiter zum Bahnhof von Westerland. Die Busfahrt führt wunderschön durch die Heidelandschaft.

Da hättest Du unterwegs aber mal aussteigen sollen. An der Haltestelle "Wassertal, Sansibar". Dann links die Düne hoch und dann im Laden dort einkehren. Muß man auch einmal erlebt haben. Und wenn sie selbst so einen armen Schlucker wie mich reinlassen, dann Dich erst recht. Und für einen 3/4-Liter Wasser 6,50 € bezahlen (heute bestimmt noch teurer), ist doch auch nicht übel, da relativieren sich die Preise im Bordrestaurant aber ganz gewaltig... ;-)

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...fahren wir über dem 11 Kilometer langen Hindenburgdamm durch das Wattenmeer wieder auf das Festland.

Dass der immer noch so heißt, ist ein Unding. Münster hat seinen gleichnamigen Platz umbenannt, Hannover läßt 400 Straßennamen überprüfen (der Vorplatz des Landtages ist noch immer nach Hinrich Wilhelm Kopf benannt; unfaßbar!), aber seitens der Bahn hört man nix.

Schöne Grüße aus der Friedensstadt Osnabrück von

jörg

Top! Aber nächstens ab in die Sansibar ;-))))

Henrik, Mittwoch, 09.10.2013, 02:15 (vor 4574 Tagen) @ Blaschke

Und hierfür fahren wir nun von Hamburg mit dem IC 2314 „Deichgraf“ in den Norden. Der Intercity ist heute früh in Köln gestartet und fährt nach Westerland auf Sylt.

Jup - einer DER Züge an hochsommerlichen Wochenend-Großkampftagen. Dann ist die Kiste schon im "Pott" rappelvoll. Und an den Halten danach wollen auch noch etliche Reisende mit.

wie ja auch jetzt am letzten ..verlängerten hochsommerlichen Wochenende.
göttlich.
Wartezeit von ...5 Stunden am Hindenburgdamm! :D :D
SportClub gesehen am Sonntag?
eine Surflegende nach der anderen - göttlich.
Über Artland Dragons knappen Heimsieg gegen Alba Berlin wurde auch berichtet. ;)

Ein Höhepunkt bei jeder Fahrt auf der Marschbahn: die Querung des Nord-Ostsee-Kanals über die Hochbrücke Hochdonn.

Die Brücke, die ihre Berühmtheit nicht zuletzt dem ebenso berühmten Fäkalien-Urteil verdankt. Worum es geht, erklärt sich mit etwas Nachdenken ja von allein ;-). Immerhin war sie sozusagen eine Art Vorreiter für die Einrichtung geschlossener Toilettensysteme in den Reisezugwagen.

..der Nahverkehrszüge.

Von der Südspitze Sylts fahren wir mit dem Bus weiter zum Bahnhof von Westerland. Die Busfahrt führt wunderschön durch die Heidelandschaft.

Da hättest Du unterwegs aber mal aussteigen sollen. An der Haltestelle "Wassertal, Sansibar". Dann links die Düne hoch und dann im Laden dort einkehren. Muß man auch einmal erlebt haben. Und wenn sie selbst so einen armen Schlucker wie mich reinlassen, dann Dich erst recht. Und für einen 3/4-Liter Wasser 6,50 € bezahlen (heute bestimmt noch teurer), ist doch auch nicht übel, da relativieren sich die Preise im Bordrestaurant aber ganz gewaltig... ;-)

Sansibar ist doch eh eher so ne Touristenattraktion,
dann doch lieber zu Gosch und vor allem zu Leysieffer (ist doch als Osnabrücker eh Pflicht!).

...fahren wir über dem 11 Kilometer langen Hindenburgdamm durch das Wattenmeer wieder auf das Festland.

Dass der immer noch so heißt, ist ein Unding. Münster hat seinen gleichnamigen Platz umbenannt, Hannover läßt 400 Straßennamen überprüfen (der Vorplatz des Landtages ist noch immer nach Hinrich Wilhelm Kopf benannt; unfaßbar!), aber seitens der Bahn hört man nix.

Man hört sehr viel von der Bahn, klare deutliche Worte, es gibt keinen Anlass, den Namen des Dammes zu ändern.
Wozu auch?

Die Enthüllungen über die mutmaßliche doch recht unrühmliche Vergangenheit des Herrn Kopf ist grade mal etliche Tage alt,
da jetzt völlig überstürzt eine schnelle Umbenennung zu fordern, davor kann man nur warnen!
Das machen nur unserer größten Feinde, die Feinde der FDGO, die Linksextremisten.
Sämtliche demokratischen Vertreter setzen auf eine gründliche Überprüfung der Vorwürfe.
Der Platz ist eh nicht unter dem Namen bekannt, man kennt ihn nicht - da kommts dann auch nicht auf den Tag drauf an - die Umbenennung wird eh kommen, vielleicht ja dann, wenn selbiger als Standort für die Baustelleneinrichtung für den Landtagsumbau genutzt wird! :D
Der Trammplatz ist ein Name, kennt jeder, gar inzwischen weltweit, zumindest eurovisionscweltweit! :D
Ein typischer großer Veranstaltungsort.
Herrns Tramms Verfehlungen sind nicht ganz so arg wie die von Herrn Kopf, wenn überhaupt,
Umbenennung wird aber auch hier wohl kommen.
Na, ......immerhin gibts in dem schönen Gebäude an diesem Platz seit wenigen Tagen kein Zigeunerschnitzel mehr! ..auch kein Rotationseuropäerschnitzel
echt toll! Respekt! Schöne neue political correcte Welt.

entsprechende derlei Enthüllungen über Hindenburgs vermeintlicher Vergangenheit gab es bislang nie.

Werden die ganzen Helmut-Schmidt-Plätze und Straßen und Schulen jetzt auch alle umbena....
eeehhhhm.
Und Derrick - dürfen wir das noch sehen? Oder haben die Grünen uns das schon verboten?

(OT:) Anderes Inselende und ohne TV kein Derrick ;-)

Blaschke, Mittwoch, 09.10.2013, 07:21 (vor 4574 Tagen) @ Henrik
bearbeitet von Blaschke, Mittwoch, 09.10.2013, 07:22

Mahlzeit!

SportClub gesehen am Sonntag?

Geht nicht mangels Fernsehen... ;-)

Über Artland Dragons knappen Heimsieg gegen Alba Berlin wurde auch berichtet. ;)

Jo, die Jungs da aus der Kleinstadt leisten anständige Arbeit.

Sansibar ist doch eh eher so ne Touristenattraktion,
dann doch lieber zu Gosch und vor allem zu Leysieffer (ist doch als Osnabrücker eh Pflicht!).

Okay, "Gosch" ist genehmigt ;-). Ich hatte diesbezüglich allerdings nur die nördlichste Fischbude Deutschlands im Kopf, was unserem Reisenden dann aber den Weg zum anderen Ende der Insel beschert hätte. Wobei: Da hätte er dann unterwegs auch aussteigen können: zum Einkaufen in Kampen ... ;-)

Leysieffer: Habe ich, wie Du richtig schreibst, ja in Osnabrück schon! Da will ich ja, wenn ich in der Ferne bin, nicht unbedingt das Einheimische sehen/genießen - dann könnte ich ja auch gleich zu Hause bleiben. Immer schlimmm, wenn man im Ausland ist, aber dort alles so sein soll wie zuhause. Wehe, auf Malle fehlt mal die BILD. Warum fahren die Leutchen dann überhaupt weg?

Und Derrick - dürfen wir das noch sehen?

Nur mit Untertiteln und Warnhinweisen.

Aber da ich die Glotze abgeschafft habe, ist mir das eh egal ^^

Schöne Grüße von

jörg

Zwischen Hřensko und Wittdün

Sören Heise, Region Hannover, Montag, 07.10.2013, 20:38 (vor 4575 Tagen) @ TD

Moin!

Danke für die Reiseschilderung.

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Herrnskretschen/Hřensko. Wer's nicht kennt.

Schade, dass der Zug nicht über Dresden-Neustadt fährt und wir so um den „Canaletto-Blick“ auf die Altstadt gebracht werden, stattdessen fahren wir über Cossebaude und queren die Elbe weiter westlich.

Och, das Kraftwerk bei Cossebaude ist auch ganz nett. ;-) Pumpspeicherwerk Niederwartha.

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Ah, eine richtige Fähre.
Die modernen Doppelender mit dem Heck in der Mitte sind nicht mein Ding. Aber es ist schon Jahre her, daß ich zuletzt in der Gegend war, die Großtanten auf Föhr sind wohl auch schon zehn Jahre tot. Und noch länger her ist der letzte Amrum-Urlaub.

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Früher standen da direkt vorm Ort noch viele Strandkörbe. Mittlerweile ist das Gebiet (hatte auch einen Namen, komme ich nicht drauf) wohl komplett zugeweht.

Schade, daß ihr „nur” in Wittdün wart. Nebel wäre typischer, ist Wittdün doch eine Neugründung vom Ende des 19. Jahrhunderts. Und hatte mal eine Eisenbahn auf den Kniepsand (Bildlink).

Föhr wäre, wenn auch eisenbahnlos, sicher auch eine Reise wert. Oder eine geführte Wanderung von Föhr nach Amrum oder zurück. Wenn's die noch gibt.


Viele Grüße,
Sören

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Verstehen Sie Bahnhof!
Europa: Linkliste Fahrplantabellen und mehr

Zwischen Hřensko und Wittdün

ICE11, Aachen, Montag, 07.10.2013, 22:22 (vor 4575 Tagen) @ Sören Heise

Hach - bei den Bildern von Amrum schmelze ich dahin...... Vielen Dank dafür! :-)

Ah, eine richtige Fähre.
Die modernen Doppelender mit dem Heck in der Mitte sind nicht mein Ding.

Im Mai sind wir hin nach Amrum mit der "Rungholt" (auf dem Foto), zurück mit der "Schleswig-Holstein" gefahren und hatten so den direkten Vergleich. Beide haben ihre Vor- und Nachteile. Die älteren Fähren haben im Salon noch ein Flair, das man gar nicht so richtig beschreiben kann, während die neuen doch eine Spur steriler wirken. Gut ist, dass auf den neuen Fähren der Restaurant-Bereich eindeutig von den "nur Sitzplätzen" abgetrennt ist und man nicht alle naselang einen Kellner am Tisch stehen hat, wie auf den alten Schiffen. Ebenfalls schön bei den neuen sind die großen Panoramafenster nach vorne bzw. hinten raus und noch ein Vorteil ist dass man durch die mittig liegende Brücke auch auf dem Außendeck nach vorne gucken kann (im Gegensatz zu den alten Fähren) und grundsätzlich ein Teil des Oberdecks im Windschatten liegt. Meinem Gefühl nach waren die Motorgeräusche und Vibrationen im Salon der "Schleswig-Holstein" jedoch wesentlich unangenehmer als auf der "Rungholt". Dass man in die neuen Schiffe vom Autoverkehr unabhängig einsteigen kann fiel für uns jetzt nicht so ins Gewicht, da wir mit dem Auto draufgefahren sind.

Früher standen da direkt vorm Ort noch viele Strandkörbe. Mittlerweile ist das Gebiet (hatte auch einen Namen, komme ich nicht drauf) wohl komplett zugeweht.

Südspitze?

Föhr wäre, wenn auch eisenbahnlos, sicher auch eine Reise wert. Oder eine geführte Wanderung von Föhr nach Amrum oder zurück. Wenn's die noch gibt.

Gibts noch, in der Saison teils mehrere am Tag.

Unterwegs zwischen Adria und Nordsee (3/4 m. 49 Bildern)

Jens, Bayern/NRW, Dienstag, 08.10.2013, 22:12 (vor 4574 Tagen) @ TD


Und wir sind immer noch so fit, dass wir mit der S-Bahn noch eine kleine Runde zum Hamburger Hafen drehen können. Gestern noch waren wir in Venedig, heute früh in Villach, wird sind über das UNESCO-Weltkulturerbe Semmeringbahn gefahren, haben Prag gesehen, waren im Elbsandsteingebirge, sind durch Berlin gerollt und nun stehen wir hier – irgendwie irre.

Nicht irre... faszinierend. Einfach Wortlos faszinierend.

Danke für die schönen Teilreiseberichte.

Top!

Blaschke, Dienstag, 08.10.2013, 22:22 (vor 4574 Tagen) @ TD

Mahlzeit!

Ich muss zugeben, vor der Fahrt habe ich etwas Respekt. 16 Stunden und 22 Minuten in einem durchgehenden Zug habe ich mir noch nie zugemutet.

Sowas macht Spaß... Mir waren selbst solche Fahrten meistens dann noch zu kurz ;-). Dortmund - Rijeka, Hamburg - Narbonne und Hamburg - Bourg-St. Maurice im bummeligen Autoreisezug/UEx sind mir noch gut in Erinnerung. Und da ging es dann immer auch direkt mit dem Gegenzug wieder mit zurück (im Falle Narbonne sehr zum Erstaunen des Personals, dass nur schwer verstehen konnte, dass der Weg das Ziel ist...). Nicht zu vergessen der Nachtzug Mailand - Amsterdam, wo es galt, möglichst die ganze Strecke ohne Schlaf(!) zu erleben (Abfahrt Mailand 21:00 Uhr, Ankunft Amsterdam 12:30 Uhr; bis auf gut 3 Std. Schlaf die ganze Fahrt erlebt...)

ich kann übrigens als Notration Prinzenrolle empfehlen, kompakte Verpackung, passt gut zwischen Flaschen im Gepäck, ersetzt mit 400 Gramm eine Mahlzeit, gibt keine klebrigen Finger und selbst nach einer Woche bei Hitze im Rucksack sind höchstens der oberste und der unterste Keks zerbröselt

Y E S !!!! Seit Jahrzehnten bewährt... ;-)

Nun, man kann nicht immer Wetterglück haben und bei strömendem Regen fahren wir durch den tschechischen Teil des Elbtals bzw. Labetals, wie der Fluss auf Tschechisch heißt.

Ooch, manchmal kann das aber auch ganz reizvoll sein, wenn die Wolken da so am Berg hängen oder alles leicht vernebelt ist.

Das Speisewagenteam hat ganz schön heftige Arbeitszeiten, die sind von Wien bis Hamburg fast 13 Stunden an Bord und morgen früh geht es gleich wieder zurück bis Wien.

Bei solchen Arbeitszeiten wünsche ich mir immer, dass die, die sowas am Schreibtisch planen, auch mal gefälligst selbst mitfahren. Und zwar nicht nur einmal, sondern mal ein paar Wochen. Danach würden die Pläne bestimmt anders gestaltet...

Andererseits ist mancher über solche Arbeitszeiten auch gar nicht böse. Ich erinnere mich an eine Diskussion über die 24-Std.-Dienste bei der Feuerwehr. Die wollte die Gewerkschaft mal abschaffen, aber die Feuerwehrleute liefen sturm - die 48 Std. Pause wäre dann natürlich auch weg gewesen.

Ich habe mal vor Jahren gelesen, dass das Gastropersonal des EC "Mimara" Zagreb - Berlin auf der kompletten Strecke an Bord geblieben sei. 18 Std. hin, 4 Std. "Pause" in Berlin und dann 18 Std. zurück am nächsten Tag - so hat man die 35-Std. Woche an 2 Tagen erfüllt.

Und die Bahn meint es gut mit uns, denn am Ende werden es 35 Bonusminuten sein, bis wir Hamburg-Altona erreichen.

Vernünftig! Internationale Fernzüge haben Verspätung zu haben!!! (ganz ernsthaft!). Nichts ist schlimmer, als pünktlich anzukommen. Damals mit dem UEx aus Rijeka hatten wir über 2 Std. Das war genial. Früher als Bub hatte man immer am Bahnhof gestanden und sich bei solchen Verspätungen gedacht, au Backe, was mag da auf der Fahrt wohl alles passiert sein. Und jetzt saß man selbst in einem solchen Zug und sah, wie andere schauten, was es mit dem Zug wohl auf sich habe. Unvergessen die Frage am Düsseldorfer Hbf an den Schaffner: "Kommt der Zug aus Köln?" - "Nein, aus Kroatien!"

Ich hatte eigentlich befürchtet, unterwegs nach einigen Stunden die Lust verlieren zu können und das Ende der Fahrt herbeizusehen – aber die lange Fahrt habe ich erstaunlich gut vertragen und hätte sogar noch ein Stück dranhängen können.

Ging mir auch immer so. Danach fühlte ich mich immer ein bißchen melancholisch und traurig, weil auf solchen Fahrten ist nichts schlimmer als das Ankommen.


Schöne Grüße von

jörg

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