Durch 100 Täler und über den Oberalppass – 1/2 (m. 40 B) (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
nachdem ich Euch kürzlich auf eine mehrtägige Reise nach Österreich und Ungarn mitgenommen habe, wollen wir nun den Deutschland-Pass für eine Tagestour in die Schweiz nutzen, bevor es dann noch einmal für eine Woche durch 6 Länder geht. Eigentliches Ziel war die Centovallibahn - und da es gerade gepasst hat, haben wir auch noch eine Fahrt über den Oberalppass eingebaut. Die erstklassige Tour fand Mitte August statt.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/038-Centovalli-Oberalppass/38-Karte.jpg)
Wir fahren von Konstanz via Zürich nach Brig, weiter nach Domodossola und mit der Centovallibahn mit einem Zwischenstopp in Intragna nach Locarno. Nach einer Pause in Bellinzona geht es via Göschenen und Andermatt nach Disentis und über Chur zurück nach Konstanz.
Wie bei meinen letzten größeren Schweiz-Touren geht es wieder mit dem ersten Zug um 5.24 Uhr in Konstanz los. Und wieder fährt so früh kein Bus, so dass es mit dem Fahrrad an den Bahnhof geht. Aber das kennt Ihr ja schon alles, deshalb spare ich mir, den ersten Teil der Reise nochmals zu beschreiben. Wer darauf nicht verzichten will, findet unter www.bahnreiseberichte.de mehrere Berichte mit unzähligen Bildern von Thurbo-GTW zwischen Konstanz und Weinfelden...
Jedenfalls sitzen wir nun in einem IC-Doppelstockwagen und fahren von Weinfelden über Zürich nach Brig. Die Tour beginnt schon etwas holprig mit einer Signalstörung bei Winterthur. Und nach dem Fahrtrichtungswechsel in Zürich stehen wir dann wenig später für eine knappe Viertelstunde mit einer Lokstörung in Zürich-Altstätten. Da wir in Brig aber eine Übergangszeit von einer halben Stunde haben, können wir das locker nehmen.
Interessant finde ich den Halt in Bern, denn danach ist das Publikum im Zug wie ausgetauscht. Während bisher überwiegend Pendler und Geschäftsleute mit Schlips im Zug waren, bevölkern nun Freizeitreisende und Ausflügler mit Wanderschuhen den Zug. Hier fahren wir übrigens gerade am Thunersee entlang, jetzt geht es bald in den Lötschberg-Basistunnel.
Auf Gleis 3 sind wir in Brig angekommen, nebenan auf Gleis 4 geht es nun in Kürze weiter...
...mit dem EC 37 aus Genf nach Venedig. Der ETR 610 der SBB bringt uns durch den Simplontunnel, in der Mitte des knapp 20 Kilometer langen Tunnels queren wir die schweizerisch-italienische Grenze. Während dieser Zeit finden Bauarbeiten im Kehrtunnel Varzo statt mit Schienenersatzverkehr – aber Glück gehabt, Züge vor 10.15 Uhr kommen noch durch.
Durch das Val d’Ossola erreichen wir Domodossola. Hier wechseln wir nun zum unterirdischen Bahnhof der Società subalpina di imprese ferroviarie (SSIF).
Hier wartet bereits einer der eigentümlichen Panoramazüge. Nachdem ich bereits Züge kenne, wo man mit Streckenblick hinter, unter oder über dem Lokführer sitzen kann, gibt es hier eine neue Variante, nämlich neben dem Lokführer sitzen zu können.
Die Fahrt auf Meterspur durch das Valle Vigezzo in die „100 Täler“ (Centovalli) ist landschaftlich sehr schön und führt durch bewaldete Täler, Tunnel und Schluchten. Der Sonnenstand und die Fensterneigung führen allerdings dazu, dass ich von der Strecke kaum brauchbare Bilder zeigen kann.
Auf dem italienischen Abschnitt wird die Bahn „Vigezzina“ genannt, in der Schweiz dann „Centovallibahn“. Die Grenze quert die Bahn bei Camedo.
Da ich auch noch andere Fahrzeuge auf der Centovallibahn kennenlernen möchte, steigen wir in Intragna aus. Aber auch der 900-Einwohner-Ort selbst ist einen Besuch wert.
Mit 65 Metern hat die Kirche San Gottardo den höchsten Kirchturm Tessins. Die Kirche aus dem Jahr 1722 ist eines der Wahrzeichen des Ortes.
Das zweite Wahrzeichen von Intragna ist das 80 Meter hohe Eisenbahnviadukt der Centovallibahn. Ja, ich weiß, mit Zug wäre das Foto noch schöner - aber im Zweifel entscheide ich mich lieber fürs Mitfahren als fürs Fotografieren.
Mit einem Triebwagen der Ferrovie autolinee regionali ticinesi (FART) fahren wir weiter nach Locarno. Der Zug hat zwar keine Panoramafenster – aber dafür Fenster zum Öffnen!
Die Bahnstrecke verlässt das eigentliche Centovalli und führt nun durch das Maggiatal hinunter nach Locarno. Die letzten zweieinhalb Kilometer verlaufen dann unterirdisch.
Im Bahnhof von Locarno erblicken wir dann wieder das Tageslicht. Locarno selbst kenne ich schon (da waren wir letztes Jahr), deshalb geht es jetzt gleich weiter...
...mit der S 20 nach Bellinzona. Auf der S-Bahn-Linie fahren FLIRT-Triebzüge von TILO (Treni Regionali Ticino Lombardia), ein Tochterunternehmen von SBB und Trenitalia.
Nach gut 20 Minuten Fahrzeit erreichen wir Bellinzona. Der Hauptort des Kantons Tessin gehört mit seiner Festungsanlage aus drei mittelalterlichen Burgen zum UNESCO-Welterbe. Beim Bummel durch die Altstadt wähnt man sich fast in Italien.
Über den Gassen und Plätzen der Altstadt erhebt sich das Castelgrande, die älteste und mächtigste der drei Burgen von Bellinzona.
Mit einem Lift geht es von der Fußgängerzone bequem hoch in die Burganlage, von wo aus man einen tollen Blick über die Altstadt und zur Burg Montebello hat.
Nun geht es für uns wieder an den Bahnhof, mit einem InterRegio fahren wir auf der Gotthardbahn nach Göschenen.
Neben Signal- und Lokstörungen können die SBB übrigens auch Klimaanlagenausfälle ;) Jedenfalls ist damit erklärt, warum der Panoramawagen auf dem Bild so leer ist. Wir harren noch etwas in dem Wagen aus, während immer mehr Fahrgäste den Wagen wechseln.
Bis zum Gotthardtunnel überwinden wir nun rund 900 Höhenmeter und rauschen am Stau auf der Autobahn vorbei. Anschließend geht es für rund 15 Kilometer durch den Gotthardtunnel. Am Nordportal des Tunnels in Göschenen steigen wir aus und um in die Matterhorn Gotthard Bahn – aber dazu demnächst mehr in Teil 2.
Sonnige Grüße und ein schönes Wochenende
Tobias
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