Mehdorns Stuhl wackelt bedrohlich - Sensationshascherei? (Allgemeines Forum)
NIM rocks, Freitag, 27.03.2009, 20:02 (vor 6253 Tagen)
Servus,
es ist zur Zeit ja ganz oben in den Nachrichten, der Stuhl von Hartmut Mehdorn soll bedrohlich wackeln, hier ein Bericht vom Stern dazu.
Was haltet ihr von diesem ganzen Tamtam um die Spitzelaffäre?
MfG NIM rocks
Mehdorns Stuhl wackelt bedrohlich - Sensationshascherei?
Dan_P, St. Ilgen/Sandhausen, Freitag, 27.03.2009, 20:39 (vor 6253 Tagen) @ NIM rocks
Was haltet ihr von diesem ganzen Tamtam um die Spitzelaffäre?
Was ich davon halte? Man sollte die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Es kann ja nicht angehen, dass sich ein Unternehmen gegenüber seinen Mitarbeitern verhält wie ein Geheimdienst gegenüber den Bürgern. Es sagt keiner was, wenn bei begründeten Verdachtsmomenten ermittelt wird, jedoch sollten das die tun, die von Gesetzes wegen das Monopol dazu haben (für Manager: Das macht die Polizei im Auftrag der Staatsanwaltschaft, wobei letztere bei Eingang einer Anzeige aktiv wird). Massenaktionen wie diese, die herausgekommen sind, sind definitiv nicht drin, und ich denke, das Betriebsklima dürfte durch das von der Geschäftsführung entgegengebrachte Misstrauen entsprechend leiden.
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bye, Dan
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Meine Fotos im Netz - http://www.dans-photos.net/
Mehdorns Stuhl ist erdbebensicher gebaut *owt*
Steffen, Freitag, 27.03.2009, 20:57 (vor 6253 Tagen) @ NIM rocks
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... und was Besseres kommt bekanntlich nicht nach ;-))) owt
özFN, Freitag, 27.03.2009, 21:03 (vor 6253 Tagen) @ Steffen
Naja...
ExpressFreak, Freitag, 27.03.2009, 21:25 (vor 6253 Tagen) @ özFN
bearbeitet von ExpressFreak, Freitag, 27.03.2009, 21:26
...Mehdorn selbst könnte ein Rücktritt eigentlich sonst wo vorbei gehen. Möchte nicht wissen wie viele Millionen auf seinem Bankkonto schlummern. Von der Abfindung die er bekommen würde möchte ich erst garnichts wissen...
Grüße,
ExpressFreak
Naja...
Manitou, Sonntag, 29.03.2009, 01:21 (vor 6252 Tagen) @ ExpressFreak
Beim Rücktritt gibt es wohl keine Abfindung. Deswegen kleben die Bonzen an den Sesseln, bis man sie feuert. Aber irgendwie wird das meistens so hingedreht, daß sich die Abfindung nicht vernmeiden läßt. Auch bei Bonzen müßte es eine Möglichkeit geben, diese fristlos wegen einer groben Verfehlung zu entlassen (also ohne Abfindung). Aber dies traut man sich nicht, wahrscheinlich gibt es da zu viele "Leichen im Keller".
Mehdorns Stuhl ist erdbebensicher gebaut *owt*
BenjaRa, Samstag, 28.03.2009, 15:33 (vor 6252 Tagen) @ Steffen
bearbeitet von BenjaRa, Samstag, 28.03.2009, 15:34
Meinst Du?
Ich glaube der Potsdamer Platz ist eher nicht als Erdbebenregion bekannt...
Gruß
BenjaRa
Mehdorns Stuhl ist erdbebensicher gebaut *owt*
Steffen, Samstag, 28.03.2009, 15:36 (vor 6252 Tagen) @ BenjaRa
Meinst Du?
Ja, meine ich. Sonst wäre er schon längst zusammen gebrochen.
Ich glaube der Potsdamer Platz ist eher nicht als Erdbebenregion bekannt...
Aber danneben gibts einen U-Bahn-Tunnel *duck*
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Mehdorns Stuhl ist erdbebensicher gebaut *owt*
BenjaRa, Samstag, 28.03.2009, 15:40 (vor 6252 Tagen) @ Steffen
Meinst Du?
Ja, meine ich. Sonst wäre er schon längst zusammen gebrochen.
Abwarten...
Ich glaube der Potsdamer Platz ist eher nicht als Erdbebenregion bekannt...
Aber danneben gibts einen U-Bahn-Tunnel *duck*
Das ist ein Argument! Genauer gesagt, ein ganzes Tunnelsystem: S-Bahn, Fernbahn Nord-Süd-Tunnel, U-Bahn U2, U-Bahn nicht in Betrieb...macht insgesamt 4 Tunnel.
;)
Mehdorns Stuhl ist erdbebensicher gebaut *owt*
Maggus, Ravensburg (Württ), Samstag, 28.03.2009, 19:38 (vor 6252 Tagen) @ Steffen
Ich würde gerne mal wissen, welchen Kleber Onkel Harti denn für seinen Stuhl benutzt. Vielleicht einer aus dem eigenen Haus??
Zu der Sache mit dem Kleber
ICE 1502, Sonntag, 29.03.2009, 16:19 (vor 6251 Tagen) @ Maggus
Die Sache mit dem Kleber wurden schon vor zwei Monaten von der Satiresendung extra3 erkannt und geklärt:
http://de.truveo.com/NDR-Extra-3-Spiel-den-Mehdorn-Podcast-vom/id/1064619614
(Das mit dem Kleber kommt ganz zum Schluss)
Mehdorns Stuhl wackelt bedrohlich - Sensationshascherei?
mrhuss, FKON, Samstag, 28.03.2009, 14:49 (vor 6252 Tagen) @ NIM rocks
Was haltet ihr von diesem ganzen Tamtam um die Spitzelaffäre?
Viele Manager und Spitzenpolitiker sind schon wegen viel weniger zurückgetreten (worden). Die Geschichte mit den E-Mails bringt das Fass zum Überlaufen.
Meiner Meinung nach hätte man Mehdorn schon vor Jahren feuern sollen, als er öffentlich gesagt hat, dass Bahnfahrten über 4h eine Zumutung sind. Was soll man von einem Bahnchef halten, der von Mannheim nach Berlin lieber das Flugzeug nimmt?
Gerade jetzt wo der Börsengang gescheitert ist gehört jemand dort hin, der sich seiner volkswirtschaftlichen Verantwortung bewusst ist.
Großes Kino! Ich bin ENTZÜCKT!
Blaschke, Samstag, 28.03.2009, 15:12 (vor 6252 Tagen) @ NIM rocks
bearbeitet von Blaschke, Samstag, 28.03.2009, 15:13
Servus,
Was haltet ihr von diesem ganzen Tamtam um die Spitzelaffäre?
Hallo,
ein schönes Spektakel für's Publikum.
Und lenkt so wunderbar ab von den Themen, die vielleicht mal ansprechenswert wären:
- Wie geht's mit den ICE-Achsen weiter?
- Wie geht's mit der Bahnreform weiter?
- Wie geht's überhaupt mit dem Land weiter angesichts von sogenannten "Wirtschaftskrisen"?
Man könnte - gerade vor Wahlen - so viele herrliche Diskussionen führen; über die Bimmelbahn und den IC um die Ecke oder auch über das Grundsätzliche mit der Frage, ob unser ganzes Wirtschaftssystem vielleicht mal einer Revolution bedarf. Und dabei könnte man sogar über die Wahlen an sich nachdenken (z.B. ob selbsternannte "Volksparteien" noch eine Zukunft haben oder ob die Linke dem Land nicht doch ganz gut tut - ist sie doch vermutlich der letzte Schutz vorm Aufstand des Pöbels). Und und und...
Stattdessen wird mit Inbrust und Herz über Mehdorn gerichtet oder verteidigt. Und über die Deutung von Dingen diskutiert, die allesamt längst passiert sind. Dabei ist das doch längst völlig wurscht, ob er bleibt oder nicht. Zu melden hat er eh nix mehr. Und ein anderer hätte es bis zur Bundestagswahl (und darüber hinaus?) genauso wenig.
Und so wird dem Plebs ein nettes Schauspiel geboten; wie ich schon bei DSO schrieb, vermisse ich zum ersten Mal seit langem nicht mehr den "Denver-Clan" oder "Dallas".
Möge das Theaterstück uns noch eine Weile unterhalten!
Ich bin da zuversichtlich: Solange sich noch genug Leute daran erregen können, wird sich die Plüschetage zusammen mit den Regierenden und den Gewerkschaftern beim gemeinsamen Sekt-, Kaviar- und Hummerverspeisen genüsslich über die Aufregungen des Volkes amüsieren. Wie bei 9Live: Schimpfen tun sie alle, anrufen niemand - und trotzdem macht der Sender Millionengewinne. Warum also sollte er den Sendebetrieb einstellen? So ist's mit dem "Mehdornismus" auch: Solange er genügend Aufmerksamkeit und Meldenswertes bietet, muss man ihn ja nicht beenden!
Schöne Grüße aus der Friedensstadt Osnabrück vom
blaschke
Mehdorn-Affäre: Versuch einer sachlichen Betrachtung
heinz11, Samstag, 28.03.2009, 16:56 (vor 6252 Tagen) @ Blaschke
Hallo miteinander,
Servus,
Was haltet ihr von diesem ganzen Tamtam um die Spitzelaffäre?
Hallo,
ein schönes Spektakel für's Publikum.
Ich halte das Ganze weder für Tamtam noch für ein Spektakel zur Volksbelustigung. Die Bahn hat immerhin in den letzten drei (!) Jahren das Postgeheimnis, das Fernmeldegesetz, die Pressefreiheit, das Betriebsverfassungsgesetz und nicht zuletzt die Persönlichkeitsrechte der Mitarbeiter systematisch verletzt.
Bis zu 150.000 (in Worten: einhundertfünfzigtausend) E-Mails pro Tag gefiltert, z.T. umgeleitet, gelöscht und gegen Mitarbeiter verwendet. Ziel: Kritische Journalisten, Gewerkschafter und Politiker ausschalten. 173.000 Mitarbeiter mehrfach rechtswidrig gerastert. Und das alles unter dem Deckmantel der Korruptionsbekämfung.
Das ist schlichtweg hochkrimell und es sind alles Straftatbestände. Mir jedenfalls ist das nicht egal, als Bahnmitarbeiter wäre es mir das erst recht nicht. Verschärfend kommt hinzu, das es ein hundertprozentiger Staatsbetrieb ist. Was für Betroffenheitsgesänge wären angestimmt worden, wenn ein Privatunternehmen Rechtsbrüche in diesen Volumina und Zeitrahmen begangen hätte.
Die Aktionen waren lt. Süddeutscher Zeitung von Mehdorns rechter Hand, Dr. Alexander Hedderich, Leiter Konzernentwicklung und ehemals wissenschaftlicher Mitarbeiter am Gießener Lehrstuhl für Verkehrswissenschaft von Professor Gerd Aberle, veranlaßt worden. HM trägt dafür auf jeden Fall die politische sowie betriebliche, und wahrscheinlich auch strafrechtliche Verantwortung.
Die Antworten auf die Frage:
- Wie geht's mit den ICE-Achsen weiter?
bleibt er zusätzlich schuldig. Das verschlechtert seine Lage zunehmend.
Die Antwort auf die Frage:
- Wie geht's mit der Bahnreform weiter?
ist von dem blassen Verkehrsminister, der eigenmächtig die Bahnreform abgeblasen hat, m.M. nach nicht zu erwarten. Eine Staats- und Beamtenbahn, wo jeder Möchtergernverkehrsexpertenpolitiker reinredet, will ich auch nicht zurück.
heinz
Mehdorn-Affäre: Versuch einer sachlichen Betrachtung
Steffen, Samstag, 28.03.2009, 17:16 (vor 6252 Tagen) @ heinz11
Och, Heinz, so ein paar Komforteinschränkungen kann man doch als DB-Mitarbeiter hinnehmen, oder nicht!?
P.S.: Natürlich gebe ich Dir in allen Punkten recht bzw. sehe es ähnlich. Dennoch gehe ich nicht davon aus, dass Mehdorn zurücktritt oder fliegt (äh - er fliegt schon, freiwillig sogar, mit dem Fluzeug - aber eben nicht aus seinem Amt), weil er - warum auch immer - mit dem Amt als "Bahnchef" fest verwachsen ist.
Der Gipfel ist, finde ich, dass er nicht zugibt, was eigentlich schon bekannt ist, sondern konzequent das Gegenteil behauptet. Das klingt verdächtig nach Lügen...
--
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Mehdorn-Affäre: Versuch einer sachlichen Betrachtung
BenjaRa, Samstag, 28.03.2009, 18:12 (vor 6252 Tagen) @ Steffen
Och, Heinz, so ein paar Komforteinschränkungen kann man doch als DB-Mitarbeiter hinnehmen, oder nicht!?
sehr witzig.
ist von dem blassen Verkehrsminister, der eigenmächtig die Bahnreform abgeblasen hat, m.M. nach nicht zu erwarten. Eine Staats- und Beamtenbahn, wo jeder Möchtergernverkehrsexpertenpolitiker reinredet, will ich auch nicht zurück.
Die wird es auch nicht mehr geben, das wäre sehr unwahrscheinlich.
Und auch Herr Tiefensee wird sich mit dem Thema nicht mehr herumschlagen müssen, ob blass oder nicht, denn der Börsengang wurde auf das Jahr 2013 verschoben (Im Amt wird er wohl nicht bleiben nach der Wahl).
Wie geht's überhaupt mit dem Land weiter angesichts von sogenannten "Wirtschaftskrisen"?
Die folgenden Ausführungen zu diesem Punkt sind doch sehr weit hergeholt.
Erst einmal sind die Auswirkungen der Wirtschaftskrise (das ist Fakt, die brauchst du nicht in " zu setzen) noch gar nicht beim Verbraucher angekommen, das stellt zumindest die letzte Ausgabe vom Politbarometer (ZDF, gestern) fest.
Der "Aufstand des Pöbels" ist also aufs Erste abgewendet.
Zum anderen hätte eine Abkehr von den "Volksparteien" und Hinwendung zur LINKEN dramatische Auswirkungen: Neben wirtschaftlichem Komplettniedergang hätte auch die Bahn arg zu leiden: 10 Jahre Bahnreform wären dahin; mit ihr verschwunden sind Taktfahrpläne, Netzinvestitionen, Angebotsqualität, Verkehrszuwächse und Wettbewerb; Merkmale, die die Bahn von heute prägen und zum Vorzeige-Bahnunternehmen in Europa machen (jaja, die Schweiz ist besser, aber außer Attac weiß wohl jeder, dass man das nicht vergleichen kann). Wie das endet, sehen wir ja am Beispiel Reichsbahn.
So ist's mit dem "Mehdornismus" auch: Solange er genügend Aufmerksamkeit und Meldenswertes bietet, muss man ihn ja nicht beenden!
Was ich damit sagen will: Die aktuelle Diskussion ist wichtig und richtig und alles andere als Volksbelustigung. Dass zur Zeit Themen wie Wirtschaftskrise (die bisher noch lange nicht jeden erreicht hat), Achsentausch (da gibt es sowieso nichts neues zu berichten - die Achsen werden halt weiter intensiv geprüft) und Linksrutsch (was eigentlich gar kein Thema ist) in den Hintergrund rutschen, ist wohl selbstverständlich.
Gruß
BenjaRa
Mehdorn-Affäre: Versuch einer sachlichen Betrachtung
heinz11, Samstag, 28.03.2009, 20:12 (vor 6252 Tagen) @ BenjaRa
bearbeitet von heinz11, Samstag, 28.03.2009, 20:12
Wie geht's überhaupt mit dem Land weiter angesichts von sogenannten "Wirtschaftskrisen"?
Die folgenden Ausführungen zu diesem Punkt sind doch sehr weit hergeholt.
Da drückst Du Dich aber sehr wohlwollend aus. Ganz bewußt habe ich die Überschrift meiner Antwort auf den Beitrag von @ blaschke so gewählt und bin deshalb nicht auf diese Thesen eingegangen.
Zitat von @ blaschke: "Und dabei könnte man sogar über die Wahlen an sich nachdenken (z.B. ob selbsternannte "Volksparteien" noch eine Zukunft haben oder ob die Linke dem Land nicht doch ganz gut tut - ist sie doch vermutlich der letzte Schutz vorm Aufstand des Pöbels)."
Diese These ist schlichtweg abenteuerlich und, mit Verlaub, hochgradig schwachsinnig. Eher befeuern die Linken den Pöbel. Oskar Lafontaine diskutiert in einer Art und Weise, die ihn als Mitglied des Zentralkommittees der SED qualifiziert hätten. Und ich weiß, wovon ich rede! Deshalb habe ich beschlossen, mich nicht auf dieses Niveau zu begeben und auf diesen Teil des Beitrages nicht zu antworten.
10 Jahre Bahnreform wären dahin; mit ihr verschwunden sind Taktfahrpläne, Netzinvestitionen, Angebotsqualität, Verkehrszuwächse und Wettbewerb; Merkmale, die die Bahn von heute prägen und zum Vorzeige-Bahnunternehmen in Europa machen (jaja, die Schweiz ist besser, aber außer Attac weiß wohl jeder, dass man das nicht vergleichen kann). Wie das endet, sehen wir ja am Beispiel Reichsbahn.
Das möchte ich auch nicht aufgeben.
heinz
Mehdorn-Affäre: Versuch einer sachlichen Betrachtung
Blaschke, Montag, 30.03.2009, 17:46 (vor 6250 Tagen) @ BenjaRa
Wie geht's überhaupt mit dem Land weiter angesichts von sogenannten "Wirtschaftskrisen"?
Erst einmal sind die Auswirkungen der Wirtschaftskrise (das ist Fakt, die brauchst du nicht in " zu setzen) noch gar nicht beim Verbraucher angekommen, das stellt zumindest die letzte Ausgabe vom Politbarometer (ZDF, gestern) fest.
Der "Aufstand des Pöbels" ist also aufs Erste abgewendet.
Abgewendet? Deiner Theorie folgend ist er ja noch nicht da gewesen, sondern dürfte dann kommen, wenn die "Wirtschaftskrise" angekommen ist.
Außerdem bleiben die Anführungsstriche :-). Für mich ist die "Wirtschaftskrise" keinesfalls "Fakt"! Sondern ein völlig normaler, systemimmanenter Schrumpfungsprozeß nach all den Übertreibungen der letzten Zeit. Das System lebt vom auf- und ab, je schneller und steiler es aufwärts geht, desto "dramatischer" geht's auch wieder bergab. Früher gab's als Bremse für solche Extremkurve immer noch den Bereich "Soziales" - im Aufschwung wurde viel Geld für Soziales in die Hand genommen, was dann den Finanzspielern fehlte, im Abschwung schützte der Sozialbereich vor allzu heftigen Folgen. Nun ist "sozial" allerdings seit der Wende zu einem Schimpfwort mutiert. Und erst jetzt, 20 Jahre später, entsinnt man sich wieder, dass das Wort und das Füllen mit Inhalt vielleicht doch nicht so schlecht ist.
Zum anderen hätte eine Abkehr von den "Volksparteien" und Hinwendung zur LINKEN dramatische Auswirkungen: Neben wirtschaftlichem Komplettniedergang hätte auch die Bahn arg zu leiden: 10 Jahre Bahnreform wären dahin; mit ihr verschwunden sind Taktfahrpläne, Netzinvestitionen, Angebotsqualität, Verkehrszuwächse und Wettbewerb; Merkmale, die die Bahn von heute prägen und zum Vorzeige-Bahnunternehmen in Europa machen (jaja, die Schweiz ist besser, aber außer Attac weiß wohl jeder, dass man das nicht vergleichen kann). Wie das endet, sehen wir ja am Beispiel Reichsbahn.
Wieso hätte? Die Hinwendung zu "Radikalen", egal in welche Richtung, ist selten gut bekommen. Allerdings ist es mit denen wie mit der Wirtschaft an sich: Sie werden als Korrektor gebraucht. Nachdem sie ihre Aufgabe erfüllt haben, können sie dann auch wieder verschwinden. Oder gut bürgerlich werden. Gefährlich wird es dann, wenn sie die Oberhand übernehmen oder zu viele Stimmenanteile bekommen. In ihrer Aufgabe als Korrektor tun die Linken dem Land gut. Solange sie nicht größer werden. Das aber hat die Politik und haben wir in der Hand, das zu verhindern.
So ist's mit dem "Mehdornismus" auch: Solange er genügend Aufmerksamkeit und Meldenswertes bietet, muss man ihn ja nicht beenden!
Was ich damit sagen will: Die aktuelle Diskussion ist wichtig und richtig und alles andere als Volksbelustigung.
Was ist daran wichtig, zu diskutieren, ob Mehdorn bleibt oder geht? Er würde, wenn er geblieben wäre, eh nix mehr ausrichten können für's Unternehmen. Politisch tot. Die Diskussion DAHINTER ist doch interessant. Wie verhindern wir derartige Datenmißbräuche, Ausspähaktionen - und vielleicht: Wie ist es denn in anderen Großfirmen? Alle ein Hort der Rechtsstaatlichkeit? Und nur bei der Bahn geht's zu wie im Wilden Westen? Wer bitte glaubt denn sowas?
Dass zur Zeit Themen wie Wirtschaftskrise (die bisher noch lange nicht jeden > erreicht hat),
Auch mal ne Theorie. Warten wir mit den Gedanken, bis es soweit ist.
Linksrutsch (was eigentlich gar kein Thema ist)
Aber hallo. Die Abkehr vom System der letzten 20 Jahre ist genaugenommen DAS Thema der Zukunft... Die Frage ist nämlich, was nun? Das eine System ist gescheitert, das andere jetzt auch. Und nu? Den "dritten Weg" suchen, wie schon 1990 von manchen geplant? (Ich behaupte, den gab es schon; man müßte ihn nur wiederbeleben)
in den Hintergrund rutschen, ist wohl selbstverständlich.
Deswegen ist's aber noch lange nicht vernünftig...
Schöne Grüße von
jörg
Mehdorn-Affäre: Versuch einer sachlichen Betrachtung
heinz11, Samstag, 28.03.2009, 19:54 (vor 6252 Tagen) @ Steffen
Och, Heinz, so ein paar Komforteinschränkungen kann man doch als DB-Mitarbeiter hinnehmen, oder nicht!?
Korrektur: Ich bin kein DB-Mitarbeiter. Zitat:"Mir jedenfalls ist das nicht egal, als Bahnmitarbeiter wäre es mir das erst recht nicht." Sorry, wenn ich mich nicht klar genug ausgedrückt habe.
P.S.: Natürlich gebe ich Dir in allen Punkten recht bzw. sehe es ähnlich. Dennoch gehe ich nicht davon aus, dass Mehdorn zurücktritt oder fliegt (äh - er fliegt schon, freiwillig sogar, mit dem Fluzeug - aber eben nicht aus seinem Amt), weil er - warum auch immer - mit dem Amt als "Bahnchef" fest verwachsen ist.
Da bin ich mir zwar mittlerweile nicht mehr so sicher, aber es stimmt, er wirkt schon wie fesgeschraubt an seinem Sessel.
Der Gipfel ist, finde ich, dass er nicht zugibt, was eigentlich schon bekannt ist, sondern konzequent das Gegenteil behauptet. Das klingt verdächtig nach Lügen...
Da gebe ich Dir absolut recht!
heinz
Mehdorn-Affäre: Versuch einer sachlichen Betrachtung
Steffen, Samstag, 28.03.2009, 20:25 (vor 6252 Tagen) @ heinz11
Och, Heinz, so ein paar Komforteinschränkungen kann man doch als DB-Mitarbeiter hinnehmen, oder nicht!?
Korrektur: Ich bin kein DB-Mitarbeiter. Zitat:"Mir jedenfalls ist das nicht egal, als Bahnmitarbeiter wäre es mir das erst recht nicht." Sorry, wenn ich mich nicht klar genug ausgedrückt habe.
Nein, Du hast Dich nicht unklar ausgedrückt ;)
Ich meinte nicht Dich, sondern ganz allgemein DB-Mitarbeiter, von denen man "Komforteinschränkungen" wie diese doch verlangen kann. Und natürlich muss das ironisch verstanden werden^^
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Mhdrn-Affäre: Versuch einer sachlichen Betrachtung
GUM, Sonntag, 29.03.2009, 22:10 (vor 6251 Tagen) @ heinz11
Hallo miteinander,
Servus,
Was haltet ihr von diesem ganzen Tamtam um die Spitzelaffäre?
Hallo,
ein schönes Spektakel für's Publikum.
Ich halte das Ganze weder für Tamtam noch für ein Spektakel zur Volksbelustigung. Die Bahn hat immerhin in den letzten drei (!) Jahren das Postgeheimnis, das Fernmeldegesetz, die Pressefreiheit, das Betriebsverfassungsgesetz und nicht zuletzt die Persönlichkeitsrechte der Mitarbeiter systematisch verletzt.
Ich möchte (und muß) mich Heinz11 leider anschließen.
Das ist schlichtweg hochkrimell und es sind alles Straftatbestände. Mir jedenfalls ist das nicht egal, als Bahnmitarbeiter wäre es mir das erst recht nicht. Verschärfend kommt hinzu, das es ein hundertprozentiger Staatsbetrieb ist. Was für Betroffenheitsgesänge wären angestimmt worden, wenn ein Privatunternehmen Rechtsbrüche in diesen Volumina und Zeitrahmen begangen hätte.
Hartmut M*hdürn ist aber -leider- nur die Spitze des Eisberges und aus diesem Grunde hat er sich mit Wissen der (Noch-) Bundesregierung so lange halten können.
neben diesen Tatbeständen, die alleine schon eine fristlose Entlassung und auch Schadenersatzansprüche rechtfertigen hat Herr M*hdurn sicherlich seine Verdienste:
+ durch die neue Ausstattung seines Sicherheitsdienstes in den S-Bahnen der Großräume hat er zu einer weiteren Militarisierung unseres Landes beigetragen. Anfangs mit "roten Barretts" unterwegs wie Heeres-Soldaten, laufen diese nunmehr mit überlangen schlagstäcken und Handschellen durch die Züge.
So tritt man als Unternehmen seinen Kunden gegenüber nicht auf, wenn nicht noch weitere Persönlichkeitsdefizite (harmlos) oder auch eine politische Absicht (weniger harmlos) dahinterstehen.
Manche treten inzwischen auch kaugummikauend und schreiend den Kunden gegenüber. Welche Wohltat sind da die "normalen" Servicemitarbeiter der S-Bahn, die freundlich grüßen, ihren Kontrolleursausweis zeigen und keine Kunden anschreien.
Auf den ersten -dann von der Politik mit großem Bedauern zur Kenntnis genommenen- Übergriff der sog. Sicherheitsleute kann man leider nur warten.
+ das Versehen auch billigster Fahrausweise (z. B. Wochenendticket)mit Ausweispflicht führen zu einer (weiteren) psychologischen Aufwertung des Staates. Denn neben seinem Fahrausweis braucht man (zumindest den AGB's der Bahn folgend) auch noch ein staatliches Dokument, damit ein privatrechtlicher Fahrausweis gültig wird. Eigentlich Unsinn hoch 2, aber politisch gewollt. Paßt in eine Politik, die mißtrauisch dem Bürger gegenüber ist und den Staat überhöht. Ganz zu schweigen vom neuen Personalausweis 2.0.
Die "Ausweispflicht" wurde übrigens vom Regierungspräsidium Darmstadt genehmigt, zwei Mitarbeiter wurden wegen anderer Vergehen inzwischen wohl aus dem Verkehr gezogen.
http://www.faz.net/s/Rub8D05117E1AC946F5BB438374CCC294CC/Doc~E449B46EE15CF41E686EDED986...
(kann man auch googeln: Bahn Mitarbeiter Regierungspräsidium liefert einen Haufen Treffer)
+ die Einführung von Videoüberwachung in den Zügen soll die Bevölkerung weiter gefügig machen und Mißtrauen säen. Der angebliche anlaß (der sog. U-Bahn-Schläger), der als Rechtfertigung dienen sollte, konnte aber nicht durch die Videoüberwachung gefaßt werden, sondern weil er aus einem anderen Grudn am selben Tag bei der Polizei auffällig war.
Dies sind alleine schon drei Gründe, warum Hr. Mhdn sicherlich so lange gehalten wird, wie es überhaupt möglich ist. Ganz vergessen habe ich seine "Verdienste" um die Arbeitsmarktpolitik, als Billiglöhnerei über eine zwischengeschaltete Scheinfirma auch bei der Bahn Einzug hielt.
Und das ist das wirklich Problematische: Herr MN hat genau das Mißtrauen und die Kontrolle gegen die Bürger durchgesetzt und hoffähig gemacht, die eigentlich einer demokratischen Gesellschaft unwürdig sind.
Als "Bahnfan" und Kunde bleiben mir und uns allen nur "kleine" Gegenmaßnahmen:
+ Beim telefonischen Fahrkartenverkauf immer nach dem HInweis, dass Gespräche mitgehört werden könne sagen, dass man den Stasi-Schnüffler oder Mithörer ausschalten solle.
+ Wo immer möglich die Selbstbedienung vermeiden. Ein Unternehmen mit vielen Mitarbeitern ist besser als eines aus Automaten und einer womöglich nicht ganz rechtstreuen Führung.
Und für mich vielleicht auch ganz selbst wichtig:
Das Bahnfahren trotz allem nicht von solchen dubiosen Machenschaften versauen lassen. Und bei der Wahl an die möglichen Änderungen denken. Ich spreche immer von "Freiheitskoalition wählen", wenn ich persönlich zum Wählen der kleinen Parteien Grün, gelb oder auch dunkelrot aufrufe !!
Mehdorn-Affäre: Versuch einer sachlichen Betrachtung
Blaschke, Montag, 30.03.2009, 17:58 (vor 6250 Tagen) @ heinz11
bearbeitet von Blaschke, Montag, 30.03.2009, 17:59
Hallo miteinander,
Servus,
Was haltet ihr von diesem ganzen Tamtam um die Spitzelaffäre?
Hallo,
ein schönes Spektakel für's Publikum.
Ich halte das Ganze weder für Tamtam noch für ein Spektakel zur Volksbelustigung. Die Bahn hat immerhin in den letzten drei (!) Jahren das Postgeheimnis, das Fernmeldegesetz, die Pressefreiheit, das Betriebsverfassungsgesetz und nicht zuletzt die Persönlichkeitsrechte der Mitarbeiter systematisch verletzt.
Bis zu 150.000 (in Worten: einhundertfünfzigtausend) E-Mails pro Tag gefiltert, z.T. umgeleitet, gelöscht und gegen Mitarbeiter verwendet. Ziel: Kritische Journalisten, Gewerkschafter und Politiker ausschalten. 173.000 Mitarbeiter mehrfach rechtswidrig gerastert. Und das alles unter dem Deckmantel der Korruptionsbekämfung.
Das ist schlichtweg hochkrimell und es sind alles Straftatbestände.
Eben! Da hat aber nicht nur oben einer gesessen und alles selbst gemacht. Offenkundig muss es ja in der Plüschetage etliche "Mitmacher" gegeben haben, sonst funktioniert's nicht. Und DARÜBER müßte dann gesprochen werden.
So aber arbeitet sich alles an Mehdorn ab, er ist der Skalp, der der Öffentlichkeit hingehalten wird. Das ist auch völlig in Ordnung. Was ich nur beklage: I.d.R. ist die Diskussion nach einem Rücktritt dann beendet. Getreu dem Motto: Das Geschwür ist weg, alles in Butter. Nur über die Prophylaxe wird dann nicht mehr gesprochen: Warum konnte alles soweit gedeihen? Wie ist es möglich, dass das Ganze derartige Ausmaße angenommen hat? Wer hat alles mitgemacht? Und warum? Wie wollen wir das in Zukunft verhindern? DAS sind Fragen, die meines Erachtens gestellt werden müßten! Aber was wird passieren? Vermutlich nicht viel: Aufatmen, dass Mehdorn weg ist. Und gut ist's. Ein bißchen wenig.
Damit aber über die o.g. Fragen gar nicht erst groß nachgedacht wird und auch möglichst niemand auf die Idee kommt, sie zu stellen, gibt's eben in den Medien die "Mehdorn-Festspiele". Das garantiert Abwechslung und Unterhaltung. Und überlagert eine Diskussion um die wirklich wichtigen Dinge. Und genau DAS kritisiere ich.
Wie beim Krebskranken: Ab ins Krankenhaus, Geschwür raus, Aufatmen. Nachfragen nach Gründen der Erkrankung? Lieber nicht; könnten unangenehme Ergebnisse bei rauskommen. Dafür dann lieber auf dem Balkon die nächste Kippe anstecken. Dasselbe beim Herzinfarktpatienten - nur dass es dann die Pommes ist.
Schöne Grüße von
jörg
So ist es halt!
Frank Augsburg, Ansbach, Samstag, 28.03.2009, 23:13 (vor 6252 Tagen) @ Blaschke
Hallo zusammen,
man kann über Hartmut Mehdorn denken, wie man will, urteilen wie man will usw. Letztlich tut er nur das mit seiner Führungsriege, wozu er berufen wurde. Ab an die Börse, um jeden Preis. Und wenn nicht jetzt, dann eben nächstes Jahr oder wann auch immer. Für dieses Ziel wird alles "fit" gemacht, danach alles "ausgerichtet". Herr Tiefensee kann da von sich geben, was er mag, gefragt wird er am Ende ohnehin nicht - falls er dann noch da sein sollte.
Und wenn Hartmut Mehdorn zurücktreten sollte, heute, oder morgen oder kommende Woche, oder irgendwann - na meine Güte, dann kommen eben andere, die genau den Stiefel weitermachen: Hauptsache, die Zahlen stimmen, der Rest ist egal.
Seit der Zeit eines Herrn Dürrs haben sich Tausende was dazu verdient, ob nun Taschengeld oder goldene Nase, um das, was mal funktioniert hat, schön kleinzuhauen.
Immerhin stelle ich vorsichtig gesagt leise Ansätze zum Umdenken fest: Auch wenn abgebaute Überholungen nicht mehr aufgebaut werden, so bleiben doch wenigstens bestehende Weichen drin. Es wird drüber nachgedacht, neue Anschlüsse zu schaffen, und so weiter...
Ihr werdet sehen, es wird damit wieder verdient, ob nun Taschengeld oder goldene Nase.
Derzeit haben wir einen Zustand, der niemanden zufriedenstellen kann. Nur hängt dieser wirklich nur an Hartmut Mehdorn fest? Ich denke nein. HM hat nur das "Pech", zu der Zeit Vorstandsvorsitzender zu sein. Nicht mehr und nicht weniger. Begonnen hat der ganze Mist schon eher und enden wird das mit der Ära Mehdorn noch lange nicht.
Folglich bin ich in der Frage, ob Hartmut Mehdorn nun was wußte oder nicht, ob er was dafür konnte oder nicht, vollkommen entspannt.
Ich befürchte, nach Hartmut Mehdorn wird es nicht besser, sondern schlechter.
Viele Grüße aus Ansbach
Frank
--
"Die Ferne ist ein schöner Ort,
doch wenn ich da bin, ist sie fort.
Die Ferne ist wo ich nicht bin,
ich geh und geh und komm nicht hin."
(Silly, mit der leider viel zu früh verstorbenen Tamara Danz)
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