Von Katalonien nach Deutschland mit dem Zug (12 Bilder) (Allgemeines Forum)
Am Sonntag bin ich von Figueres in Spanien bis nach Braunschweig mit TGV und ICE unterwegs gewesen. Hier ein kleiner Bericht:
Nach einer Woche entspannenden Urlaubs und dem Besuch bei Bekannten sollte es am Sonntag um 10:20 Uhr in der spanisch-katalonischen Stadt Figueres mit dem TGV losgehen. Der neue Bahnhof Figueres-Vilafant liegt am westlichen Stadtrand und wird sowohl durch den AVE (Richtung Barcelona, Turista Klasse als AVANT) als auch vom TGV (Richtung Paris) angefahren.
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Da an spanischen AVE-Bahnhöfen das Gepäck wie am Flughafen durchleuchtet wird, empfiehlt es sich, früh genug am Bahnhof zu sein. An diesem Tag reichten 20 Minuten locker aus, für Leute die erst 10 Minuten vor Abfahrt des Zuges am Bahnhof ankamen, wurde es eng. In der Warteschlange (oder eher dem Warteknäuel) war neben katalanisch, spanisch und französisch auch englisch, niederländisch und deutsch zu hören. Also wirklich ein internationaler Zug.
Der Doppelstock-TGV 9702 wartete auf Gleis 6. Man musste am Bahnsteig sein Ticket einem Mitarbeiter der SNCF zeigen. Ich hatte bis Paris über voyages-sncf.com gebucht und mein Ticket in deutscher Sprache ausgedruckt. Daher bekam ich auf deutsch den Hinweis wo sich der gebuchte Wagen 13 befindet. Guter Service!
Am Gleis gegenüber stand ein AVE, welcher nach 53-minütiger Fahrt aus Barcelona Sants um 09:58 Uhr in Figueres Vilafant eingetroffen war. Direkte Verbindungen zwischen Barcelona und Paris ohne Umsteigen in Figueres soll es ja eventuell ab Oktober geben.
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Bis Paris hatte ich 1.Klasse im Loisir-Tarif im oberen Fahrgastraum einen Fensterplatz gebucht. Es ging also zunächst eine etwas steile Treppe hinauf. Der Wagenübergang befindet sich dann auch im oberen Fahrgastraum. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber für mich ok.
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Die Sitze waren sehr bequem und verfügten über genügend Beinfreiheit. Jede Reihe war mit drei Sitzen (1+2) ausgestattet. In der 2.Klasse (leider kein Foto) gab es vier Sitze je Reihe (2+2) und der Sitzkomfort war meiner Meinung nach etwas schlechter als im 2.Klasse-Bereich eines ICE, aber noch weitaus besser als in deutschen Dosto-RE. Stauraum für Gepäck war sowohl in der 1. als auch in der 2.Klasse ausreichend vorhanden. Sowohl an den Wagenenden, als auch in der Mitte der Wagen. Die Zugansagen erfolgten durchgängig bis Paris dreisprachig (französich, spanisch, englisch).
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Die Auslastung war auf dem ersten Teilstück von Figueres bis nach Narbonne sehr hoch. Ich würde 90% in der 1. und ebenfalls 90% in der 2.Klasse schätzen. Der Grund ist - meiner Meinung nach - auch in der Konzentration der Reisenden auf derzeit nur zwei tägliche Verbindungen je Richtung zu suchen . So stiegen zahlreiche katalanischsprechende Fahrgäste in Perpignan und Narbonne aus und vergleichsweise wenige Menschen in seit Perpignan doppelt so langen Zug ein. Zwischen Valence und Paris war die Auslastung dann auf ca. 60% in der 2.Klasse und 50% in der 1.Klasse gesunken. So zumindest mein Eindruck nach einem kleinen "Rundgang" durch den Zug.
Schon 10 Minuten nach der Abfahrt fuhren wir in den Tunnel unter den Col de Perthus ein und befanden uns in Frankreich. Weitere 10 Minuten später erreichten wir Perpignan, wo unser Zug mit einem bereits wartenden Zugteil vereinigt wurde. Zwischen Perpignan und Montpellier näherte sich die Bahnlinie abschnittsweise der Mittelmeerküste auf wenige hundert Meter.
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Eine Hochgeschwindigkeitsstrecke ist zwischen Perpignan und Montpellier zwar geplant, aber erst vor einigen Wochen kam eine Regierungskommission im fernen Paris zum Schluss, der Neubau im Südosten Frankreichs könne aus finanziellen Gründen erst nach 2030 anvisiert werden. Da der Zug also die "normale" Strecke befuhr (und auch in nächster Zukunft wohl noch befahren wird), konnte ich viel von der Landschaft sehen. Neben Pinienwäldern und Weinbaufeldern konnte man immer wieder den Strandbesuchern quasi beim Baden zusehen.
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Schließlich verschwand die Küste aus dem Sichtfeld und der Zug erreichte Nimes. 50 Minuten später, insgesamt drei Stunden und 18 Minuten nach dem Start meiner Reise fuhr der TGV im Bahnhof von Valence-TGV ein, dem letzen Halt vor Paris Gare de Lyon.
Es ist ein Kreuzungsbahnhof mit zwei Ebenen.
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Von nun an änderte sich ganz allmählich die Vegetation entlang der Strecke, weniger Nadel- dafür mehr Laubbäume. Es ging Richtung Norden, weg vom Mittelmeer: Schon tauchten die ersten Wolken am bisher wolkenlosen Himmel auf... Kurz nach der Abfahrt in Valence wurden zum ersten und einzigen Mal während der Fahrt die Fahrscheine kontrolliert. Anschließend begab ich mich ins Bordbistro. Bei ca. 300km/h genoß ich ein Glas Rotwein und bestellte mir gleich ein Metro-Ticket für Paris dazu (Am-Platz-Service wie in der 1.Klasse eines ICE gab es übrigens nicht). Paris Gare de Lyon erreichte der TGV 10 Minuten vor der planmässigen Ankunft bereits um 10:43h. Somit blieb genug Zeit, die Eindrücke fotografisch festzuhalten. Der Bahnsteig füllte sich recht schnell. Da ich im hinteren Zugteil gesessen hatte, dauerte es gut und gerne 10 Minuten um den Bahnsteig zu verlassen. Im Hintergrund ist der Eingang zum "Le train bleu"-Restaurant zu erkennen.
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Schon am Bahnsteig wurde sehr übersichtlich auf die verschiedenen Ausgänge und Möglichkeiten der Weiterreise hingewiesen. Ich hatte mich für die Metro (und nicht den Bus) entschieden und folgte den Hinweisen zur M1.
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Endlich am Anfang des Bahnsteigs angekommen, wurden die Reisenden durch drei grimmig dreinschauende bewaffnete Soldaten "in Empfang" genommen. Wie ich später erfahren habe, gab es an diesem Tag wohl eine Terrordrohung. Deswegen die Abschreckung.
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Der Übergang zum Gare de l'Est (Metro 1 bis Bastille, dann Metro 5 bis Gare de l'Est) gestaltete sich problemlos. Schon um 16:20 Uhr stand ich vorm ICE 9557, welcher mich nach Mannheim bringen sollte und sah den Lokführer in den Zug einsteigen. Irgendwie kam er mir bekannt vor...
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Tja, leider begann mit der Deutschen Bahn auch der problematische Teil der Reise. Denn als alle Passagiere im nahezu ausgebuchten (zumindest 2.Klasse) ICE saßen und auf die Abfahrt warteten, kam die Durchsage, dass der Lokführer (den ich schonmal in einer TV-Reportage im hr-Fernsehen bewundern durfte) ein Problem mit der Bremse festgestellt habe. Etwa 40 Minuten nach der eigentlichen Abfahrtszeit, wurden die Reperaturversuche dann abgebrochen und ICE 9557 fiel an diesem Tag aus. Von da an habe ich keine Fotos mehr gemacht.
Glücklicherweise hatte der TGV gen Stuttgart mit der Abfahrt gewartet und so stieg ich mit anderen Fahrgästen (Reiseziel Mannheim/Frankfurt) in diesen Zug um. Die Fahrt bis Karlsruhe verbrachte ich dann stehend bei bis zu 320km/h. Allerdings durchaus launig, denn im Bordbistro des TGV war keine schlechte Stimmung und auch das Personal der SNCF trug seinen Teil dazu bei. Man schaffte es, die Verspätung soweit einzudämmen, dass in Karlsruhe ein Massenumstieg in den ICE 100 möglich wurde. Im ICE 100 dann teilweiser Ausfall der Klimaanlage und ähnliches. Die Ansage über Anschlüsse nach Frankfurt kurz vor Einfahrt in Mannheim gelang dem Zugbegleiter nur auf deutsch, weshalb ich - auch dank DB-Navigator-App - zum "Retter" für zwei Australierinnen avancierte. Da ich Bekannte in Mannheim habe und mein Anschluss ins heimische Braunschweig eh schon weg war (letzte Verbindung), ließ ich den Abend lieber mit einer Pizza gemeinsam mit Freunden ausklingen. Ich machte mich dann am Montag morgen auf den restlichen Weg. Mit einem ICE gen Braunschweig. Auch dieser Zug erreichte Braunschweig leider wegen Oberleitungsstörungen zwischen Hildesheim und Göttingen mit 24 Minuten Verspätung...
Soweit mein Bericht...ich hoffe es hat Spaß gemacht, ihn zu lesen.