Durch den Eurotunnel nach Schottland. 2/4 mit 49 Bildern (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
in Teil 1 des Reiseberichts waren wir in Glasgow angekommen. Nun geht es weiter, heute gibt es allerdings viel Landschaft und wenig Zug.
Tag 2: West Highland Line (Glasgow – Mallaig – Glasgow)
Heute wollen wir die West Highland Line befahren. Die Strecke wurde 2009 von den Lesern eines britischen Magazins zur schönsten Bahnstrecke der Welt gewählt und führt über 260 Kilometer durch Westschottland zum Fischerhafen Mallaig.
Zunächst werfen wir nochmal einen Blick durchs Hotelfenster zu den Gleisen von Glasgow Central (wenn nur die blöde Kindersicherung am Fenster nicht wäre und sich das Fenster ganz öffnen ließe)...
...dann laufen wir zu Fuß durch die Stadt, denn die Züge nach Mallaig fahren vom anderen Bahnhof Glasgow Queen Street ab. Mist, es regnet in Strömen.
Der Bahnhof Queen Street ist von außen unscheinbar, hinter dieser Fassade...
...verbirgt sich eine ausgewachsene Bahnhofshalle. Es gibt Bahnsteigsperren, die wir mit unserem Britrail-Pass nicht passieren können. Aber es findet sich immer Personal, welches uns Ein- oder Auslass gewährt.
Ein Dieseltriebwagen „Super Sprinter“ (Class 156) wird uns heute für rund 10 Stunden (je 5 Stunden für Hin- und Rückfahrt) durch Schottland transportieren. Die Strecke nach Mallaig wird von der Bahngesellschaft First ScotRail betrieben.
Der Zug führt nur zweite Klasse. Sitzplatzreservierungen sind auf die Sitzlehnen gesteckt und werden gewissenhaft wieder befestigt, falls sie runterfallen – auch wenn der Sitzplatz eingenommen ist oder der reservierte Streckenabschnitt längst vorbei ist. Die Wagen sind übrigens nicht durchnummeriert, sondern haben Buchstaben. Wir sind in Wagen A.
Als Andenken nehme ich mein Schildchen mit, vorsorglich aber in einem unbeobachteten Augenblick, denn ich begehe dabei offenbar eine schwere Straftat. Heißt es doch im Kleingedruckten „Please DO NOT remove this label or you may be charged a penalty fare of £ 200. You may also be charged a penalty fare of £ 50 for unauthorised occupation of this seat”. (Ob das auch eine Lösung für das leidige Thema mit den Bahncomfort-Sitzplätzen wäre?) [Das Thema gab es gerade schon, aber der Reisebericht war schon geschrieben].
Es regnet und regnet – der erste Teil der Strecke ist deshalb hauptsächlich von Regentropfen am Zugfenster geprägt. Die Strecke verläuft zunächst entlang der Küste an der Clyde-Mündung und zweigt dann in die Highlands ab. Aber nun hört es wenigstens auf zu regnen und wir können die Strecke genießen.
Nachdem wir Loch Lomond passiert haben, beginnt der Aufstieg durch die Täler Glen Falloch und Strath Finnan zum Rannoch Moor.
Die Stationen an der Strecke sind sehr gepflegt und hübsch anzusehen.
Wir fahren nun durch das „karge und düstere“ Rannoch Moor – irgendwie passt das Wetter zu der Beschreibung im Reiseführer. Die Landschaft des Hochmoors ist geprägt von Sümpfen, Bächen und Seen und kaum besiedelt. Von Menschenhand ist die Landschaft kaum berührt – bis auf die Bahnlinie natürlich. Hier passieren wir auch die Station Corrour, die als eine der abgelegensten Bahnstationen der Welt gilt und nicht über eine Straßenanbindung verfügt. Mit 408 Höhenmetern ist die Station auch der höchstgelegene Bahnhof Großbritanniens.
Vorbei am Loch Treig geht es nun im Glen Spean wieder hinab an die Küste nach Fort William. Hier gibt es einen Fahrtrichtungswechsel, außerdem steigen viele Touristen zu, die den zweiten, ebenfalls spektakulären Teil der Strecke miterleben wollen. Neben den Regelzügen gibt es auf diesem Streckenabschnitt auch touristische Züge mit Dampfbetrieb.
Nach der Fahrt über den Caledonian Canal mit seinen Schleusen...
...führt die Strecke zunächst am Ufer von Loch Eil entlang.
Und dann gerät einer der Höhepunkte der Strecke ins Blickfeld: das Glenfinnan-Viadukt. Das knapp 400 Meter lange Viadukt mit 21 Bögen ist aus mehreren Filmen bekannt, so überquert der „Hogwarts-Express“ in mehreren Harry Potter-Filmen das Viadukt.
Vom Viadukt aus eröffnet sich ein Blick auf Loch Shiel.
Die Bahnhofsschilder entlang der Strecke sind zweisprach sowohl in Englisch als auch in Schottisch-gälisch.
In Arisaig passieren wir die westlichste Bahnstation Großbritanniens, danach erreicht die Strecke die Westküste. Die ist allerdings im Dunst nur zu erahnen.
Dann ist die Endstation Mallaig erreicht. Der Zug bleibt hier stehen und wird uns in knapp zwei Stunden wieder zurückbringen. Mallaig ist ein Dorf mit rund 800 Einwohnern und war früher ein reiner Fischereihafen, mittlerweile hat der Ort auch Bedeutung als Fährhafen.
Aber auch auf den Bahntourismus hat sich der Ort gut eingestellt, es gibt Gastronomie, Läden und Souvenirshops. Und so tun wir es den übrigen Fahrgästen gleich: nach Fish and Chips machen wir ein paar Bilder vom Hafen, laufen zweimal im Kreis, essen ein Eis und begegnen überall den bekannten Gesichtern aus dem Zug.
Den Blick auf die Inseln...
...können wir uns wegen des Nebels nur anhand der Infotafel vorstellen.
Fortsetzung folgt gleich...
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