Angenehmes Reisen im spanischen Fernverkehr (Reiseberichte)

JumpUp, Dienstag, 14.05.2013, 22:48 (vor 4696 Tagen)

Zu Beginn möchte ich sagen, dass ich (trotz großer Lobhudelei und Schwärmereien von der RENFE) mir bewusst bin, wie wichtig ein vertaktetes Eisenbahnsystem mit anständigen Anschlüssen in alle Richtungen ist. Auf Grund der deutschen Mischung der Hochgeschwindigkeitzüge im Nahverkehr und Güterverkehr ist der Fernverkehr in Deutschland wahrscheinlich um einiges anspruchsvoller als bei den Spaniern, die nur 2-3 HGV Züge pro Stunde auf ihre Strecke schicken. Die dann auch noch losgelöst von Anschlüssen und jeglichem Mischverkehr verkehren.

Auf der anderen Seite ist eine Fahrt im Hochgeschwindigkeitszug AVE mit durchgehend 300 km/h für mehrere Stunden ein viel angenehmeres und stressfreieres Reisen als im ICE der Deutschen Bahn. Ich wünsche Euch viel Spass mit meinen Gedanken und Erlebnissen, wie man in Spanien mit der Bahn fährt. Leider gelten meine Erfahreungen nur für den Fernverkehr, der Regionalverkehr soll in Spanien nicht so pralle sein...

So ähnlich habe ich meine zahlreichen AVE Reisen erleben dürfen, hier einmal die Fahrt Sevilla-Barcelona:

Es ist Nachmittag in Sevilla Santa Justa, einem der ältesten Hochgeschwindigkeitsbahnhöfe in Spanien. Vor fast 20 Jahren wurde an ihm die erste Schnellfahrstrecke Madrid-Sevilla eröffnet. Trotz Nachmittag und eigentlich guter Pendlerzeit ist der Bahnhof zwar mit einigen Reisenden besucht, aber bei weitem nicht so voll oder hektisch wie es beispielsweiße in Frankfurt der Fall ist. Da in Sevilla stündlich nur 3-4 Fernzüge den Bahnhof verlassen, ist das der Bahnhof und die Wartehalle auch viel übersichtlicher.

Wahrscheinlich spielen sich die chaotischen Szenen nicht am Fernbahnhof sondern am benachbarten S-Bahn Bahnhof ab, genau weiß ich das nicht, da ich diesen noch nicht besucht habe.

In Spanien hat man an den HGV Bahnhöfen schlichtweg keine Hektik. Die Fahrgäste warten auf den Bänken bis ihr Zug aufgerufen wird, stellen sich dann am Check-In an um ihr Gepäck zu durchleuchten und gehen in aller Ruhe an den (schon am Gleis bereitgestellten) Fernzug.

Familien, die mit Gepäck und Kinderwagen in 2 Minuten (dank Verspätung) vom ICE auf Gleis 3 zum RE auf Gleis 19 hetzen sind einem in Spanien fremd. Hier gibt es weder Anschlüsse zwischen Fern-, und Nahverkehr, noch ist der Grundgedanke eines ITF irgendwo verankert. Der AVE macht vielmehr dem Flugverkehr konkurrenz.

Übrigens werden noch nichtmal durchgehende Tickets zwischen Regional- und Fernverkehrszügen verkauft, bis vor wenigen Jahren gab es selbst nur Fahrkarten für Direktverbindungen, Umsteigen war nur mit Stückeln möglich. Möchte irgendwer überhaupt umsteigen, frage ich mich? Von Sevilla kommt man stündlich nach Madrid und dreimal täglich nach Barcelona. Mit Zwischenhalten in Cordoba und Zaragoza ist doch praktisch alles abgedeckt, was der Normalspanier erreichen möchte.

Naja, jedenfalls in bester Ruhe, ohne den Stress der Deutschen Bahnhöfe, mache ich mich auf in ein Cafe um noch gemütlich einen Expresso zu trinken. Ich habe noch 20 Minuten Zeit bis mein AVE von Sevilla nach Barcelona fährt (natürlich direkt, man steigt in Spanien ja nicht um) und beobachte ein bisschen das Treiben. Trotz bester Rush Hour fällt mir die Ruhe und die fehlende Hektik sehr angenehm auf. Übrigens habe ich mein Reiseverhalten in Spanien auch selbst geändert. In Deutschland starre ich 20 Minuten vor Abfahrt meines ICE immer ins RIS vor lauter Panik auf Hinweise wie:

- IC XYZ heute ohne Wagen 9+10
- ICE ABC verkehrt heute nur einteilig ohne Wagen 31-38 (Schock! Das am Nachmittag um 17 Uhr!)

Aber all das interessiert mich hier in Spanien nicht. Ganz weinfach, weil die RENFE ihre AVE so, wie sie geplant sind auch einsetzt und über die Strecken schickt! Die AVE verkehren nicht umgekehrt gereiht, mit defekten Klimanalagen und Toiletten, oder gar verspätet!

Wer einmal die Ankunftstafel in Madrid betrachtet sieht sofort: Alles pünktlich im Fernverkehr! Auf der Strecke Madrid-Sevilla wird schon bei Verspätung von 5 Minuten der Fahrpreis komplett zurückerstattet. Dies ist ein Ansporn auch tatsächlich den Fahrplan einzuhalten, auch daher gibt es bei allen Fahrten auch einen Fahrzeitpuffer von 5-10 Minuten.

Jedenfalls sitze ich da und genieße die Ruhe, bis ich irgendwann bemerke, wie ruhig es tatsächlich ist!

Ja tatsächlich, es gibt keine Blechelse die den ganzen Tag Unsinn über den Bahnhöf brüllt! Mir wird auch schnell klar, weshalb es keine Ansagen gibt: Es gibt schlichtweg nichts anzusagen! Die Züge sind pünktlich, richtig gereiht, verkehren frühzeitig bereitgestellt am angegebenen Gleis und Anschlüsse, die man hätte Durchsagen können, gibt es ja gar keine. Hinweise auf Taschentiebe, den Nichtraucherschutz oder auch ein "Don't leave your luggage unattended" bekommt man in Spanien nicht serviert. Diesen Druck von allen Seiten irgendwelche Informationen aufnehmen zu müssen, ob es jetzt Verspätungen oder Gleiswechsel sind, ist man bei einer AVE Fahrt nicht ausgesetzt.

Nachdem ich den Kaffee ausgetrunken habe mache ich mich 10 Minuten vor Abfahrt in Richtung meines Gleis. Das Gleis steht nicht im Fahrplan sondern wird (ähnlich wie in Frankreich üblich) 20 Minuten vor Abfahrt an der Anzeigetafel bekanntgegeben, so kommt es auch nicht zu Gleisänderungen, gaz simpel eigetlich.

In den 10 Minuten fällt mir auf, dass ich in Spanien noch gar nicht im Bahnhof von Bettlern und Schnorrern angesprochen wurde, denen 1 € für die Fahrkarte fehlt, oder die gerne auf meinem Wochenticket mitfahren möchten - sehr angenehm!

Mit meinem Koffer mache ich mich auf zum Bahnsteig und muss kurz durch die Gepäckkontrolle. Hier wird (wie am Flughafen) das Gepäck einmal durchleuchtet und nach Sprengstoff untersucht. Komischerweiße wird nur der Koffer selbst durchleuchtet, sämtliches Handgepäck und der Mensch selbst werden nicht abgesucht. Aus diesen Gründen ist die Gepäckkontrollen wohl eine makulatur und in wenigen Sekunden vollbracht.

Im Gegensatz zum Flughafen packt mir beim AVE kein unbezahlter Sicherheitsmann an die Eier, weil ich dort ja ein Messer verstecken könnete :P

Über den Sinn der Gepäckkontrollen (die nur auf manchen Bahnhöfen stattfinden!) kann man daher natürlich streiten. Direkt nach der Gepäckkontrolle wird die Fahrkarte vor Betreten des Bahnsteiges kontrolliert und abgestempelt. Dadurch gilt auch hier: Keine Leergutsammler und Schnorrer ohne Fahrkarte im Zug oder am Bahnsteig!

Ich stelle mein Gepäck in die Gepäckablage im Zug und suche meinen Sitzplatz auf. Das Gefühl, dass man auch in der besten Pendlerzeit am Freitag Nachmittag nicht im Gang stehen muss, da ein Zugteil fehlt oder der vorige Zug ausgefallen ist, ist einfach berauschend!

Ausgeruht und entspannt, ohne Angst vor eine Zugräumung durch die Bundespolizei, einsteigen ist doch ein großer Mehrwert. Auch in der Urlaubszeit rettet einen die Sitzplatzreservierung vor unangenehmen Überraschungen und überfüllten Züge mit Stehplätzen wie in der S-Bahn. Dadurch, dass die AVE nur wenige bis gar keine Zwischenhalte haben hat man auch nicht diesen Betrieb im Gang von Reisenden, die alle 20 Minuten ein- und aussteigen.

Kurz vor der Abfahrt werden die Fahrgäste willkommen geheißen und das war es vorerst mit den Durchsagen.

Während man im ICE von Frankfurt nach Berlin alle 20 Minuten eine Laudatio mit den immer gleichen Sprüchen zu hören bekommt

(Thank you for choosing Deutsche Bahn today, Take care and goodbye; Über Ihre Anschlusszüge werde ich Sie rechtzeitig informieren; Good morning Ladies and Gentlemen; Sie haben Anschluss an die Regionalbahn nach Gelnhausen; The Bord Bistro is located in coach no 27; Der Zug ist außerplanmäßig zum Halten gekommen) hat man im AVE einfach Stille und kein Geplapper!

Als Vielfahrer kennt man sowieso seine Anschlüsse und kann das immer gleiche Geschwätz durch die Lautsprecher im ICE (das sich ja dazu noch nach jedem Halt wiederholt) nicht mehr hören. Im AVE kann ich nach dem Einstieg abschalten und muss erst wieder in 5 Stunden zum Ausstieg in Barcelona achtsam walten lassen.

Durch die Fahrscheinkontrolle am Bahnsteig läuft übrigens nicht alle 10 Minuten ein Zugbegleiter durch den Gang und fragt "Hier noch jemand zugestiegen?"

Nein, die Zusteiger wurden schon am Bahnsteig kontrolliert! Außerdem hat der AVE generell wenige Zwischenhalte. Die Halte Montabaur und Hamburg Dammtor sind in Spanien unbekannt.

Nach zwei Stunden Fahrt ohne Anhalten und Abbremsen, die Strecke ist ja durchgehend für 250-300 km/h gebaut, mache ich mich auf in das Bistro. Leider ist die gastronomische Versorgung im AVE sehr mau. Nur Stehplätze im Bistro, mehr als Getränke und Sandwiches werden nicht angeboten, schade eigentlich! Auf der anderen Seite funktioniert das Bistro einwandfrei; Keine ausgefallene Kühlung oder unvollständige Lieferung! Ja, selbst die Klimanalagen machen in Spanien nicht schlapp, obwohl auch dort Siemens Züge im Einsatz sind...

Noch ein kurzes Nickerchen und schon habe ich die 1100 km in unter 5 Stunden zurückgelegt, natürlich ist der Zug auf die Minute pünktlich in Barcelona! Dank großzügigen Aufenthaltszeitenin den Bahnhöfen gibt es im AVE nicht eine Gepäckschlacht wie im ICE, wo jeder seine Schrankkoffer irgendwo abstellt und damit Gänge und Türen blockert. Der AVE bietet ausreichende Ablagemöglichkeiten und da sowieso die meistenFahrgäste in Barcelona aussteigen, muss auch keiner drängeln. Außerdem drängeln nur Leute die es eilig haben, und da es in Barcelona sowieso keine Anschlüsse gibt und der Zug oünktlich ist, muss man auch nicht drängeln.

Ich hoffe, diese kleine Schilderung lässt ein bisschen Erahnen, wie man in Spanien im Fernverkehr verreist. In den nächsten Tagen stelle ich umfangreiche Reiseberichte mit vielen Bildern online, dieser als kleiner Vorgeschmack noch ohne Fotos :))

Angenehmes Reisen im spanischen Fernverkehr

Regiosprinter, Dienstag, 14.05.2013, 22:58 (vor 4696 Tagen) @ JumpUp

Hallo Jumpup,

vielen Dank für diesen kleinen Appetitanreger.
Bisher habe ich nur eine Fahrt mit dem Hochgeschwindigkeitsverkehr der RENFE unternommen, diese führt im Jahr 2007 von Madrid Atocha nach Barcelona.

Viele Grüße,
Klaus

Komm mal wieder runter

Sputnik, Overath, Dienstag, 14.05.2013, 23:04 (vor 4696 Tagen) @ JumpUp

Wahrscheinlich spielen sich die chaotischen Szenen nicht am Fernbahnhof sondern am benachbarten S-Bahn Bahnhof ab, genau weiß ich das nicht, da ich diesen noch nicht besucht habe.

Ich denke angenehmes Reisen in Spanien? Nur weil du mit nem Fernzug gefahren bist?

In Spanien hat man an den HGV Bahnhöfen schlichtweg keine Hektik. Die Fahrgäste warten auf den Bänken bis ihr Zug aufgerufen wird, stellen sich dann am Check-In an um ihr Gepäck zu durchleuchten und gehen in aller Ruhe an den (schon am Gleis bereitgestellten) Fernzug.

Wie auf´m Amt hier in Deutschland

Familien, die mit Gepäck und Kinderwagen in 2 Minuten (dank Verspätung) vom ICE auf Gleis 3 zum RE auf Gleis 19 hetzen sind einem in Spanien fremd.

Ja ne is klar

Ich habe noch 20 Minuten Zeit bis mein AVE von Sevilla nach Barcelona fährt (natürlich direkt, man steigt in Spanien ja nicht um)

Ja genau, in Spanien gibts von jedem Ort zu jedem Ort eine Direktverbindung

Aber all das interessiert mich hier in Spanien nicht. Ganz weinfach, weil die RENFE ihre AVE so, wie sie geplant sind auch einsetzt und über die Strecken schickt! Die AVE verkehren nicht umgekehrt gereiht, mit defekten Klimanalagen und Toiletten, oder gar verspätet!

Glaubst du doch selbst nicht

Nachdem ich den Kaffee ausgetrunken habe mache ich mich 10 Minuten vor Abfahrt in Richtung meines Gleis.

Und woher weißt du das es keine Ansagen auf den Bahnsteigen gab?

In den 10 Minuten fällt mir auf, dass ich in Spanien noch gar nicht im Bahnhof von Bettlern und Schnorrern angesprochen wurde, denen 1 € für die Fahrkarte fehlt, oder die gerne auf meinem Wochenticket mitfahren möchten - sehr angenehm!

Ist mir hier auch noch nicht passiert

Kurz vor der Abfahrt werden die Fahrgäste willkommen geheißen und das war es vorerst mit den Durchsagen.

Während man im ICE von Frankfurt nach Berlin alle 20 Minuten eine Laudatio mit den immer gleichen Sprüchen zu hören bekommt

Ja ja ja

(Thank you for choosing Deutsche Bahn today, Take care and goodbye; Über Ihre Anschlusszüge werde ich Sie rechtzeitig informieren; Good morning Ladies and Gentlemen; Sie haben Anschluss an die Regionalbahn nach Gelnhausen; The Bord Bistro is located in coach no 27; Der Zug ist außerplanmäßig zum Halten gekommen) hat man im AVE einfach Stille und kein Geplapper!

Die ach so tollen spanischen Züge

Als Vielfahrer kennt man sowieso seine Anschlüsse und kann das immer gleiche Geschwätz durch die Lautsprecher im ICE (das sich ja dazu noch nach jedem Halt wiederholt) nicht mehr hören. Im AVE kann ich nach dem Einstieg abschalten und muss erst wieder in 5 Stunden zum Ausstieg in Barcelona achtsam walten lassen.

Und wenn du verpennst? LOL

Nein, die Zusteiger wurden schon am Bahnsteig kontrolliert! Außerdem hat der AVE generell wenige Zwischenhalte. Die Halte Montabaur und Hamburg Dammtor sind in Spanien unbekannt.

Ziemlich logisch

Komm mal wieder runter

philundso, Dienstag, 14.05.2013, 23:07 (vor 4696 Tagen) @ Sputnik

Na, machst Spaß gleich wieder drauf einzumetzeln? Lass ihn sich doch über sein Erlebnis freuen.

Komm mal wieder runter

JumpUp, Dienstag, 14.05.2013, 23:46 (vor 4696 Tagen) @ philundso

Ich habe doch zu Beginn klargestellt, wie subjektiv dieser Bericht ist!

Mir ist die Fahrt jedoch sehr angenehm vorgekommen, gerade weil es am Bahnhof keine Hektik gab (und das Rennen von einem Gleis zum anderen ist nunmal in Deutschland ein tägliches Geschehen!) Ob sich der spanische HGV finanziell irgendwo lohnt, kann ich mir schlecht vorstellen - dafür sind die Strecken einfach sehr schwach ausgelastet.

Sputnik kann gerne einmal nach Spanien fahren und selbst einmal den Unterschied zwischen dem ICE und dem AVE ausprobieren! Wahrscheinlich sieht er dann, was ich meine.

Das Niveau sinkt immer weiter .........

Reisefuchs, Mittwoch, 15.05.2013, 07:51 (vor 4696 Tagen) @ philundso
bearbeitet von Reisefuchs, Mittwoch, 15.05.2013, 07:52

- kein Text -

Bitte nicht zerreden und zerkleinern

GUM, Mittwoch, 15.05.2013, 09:31 (vor 4696 Tagen) @ Sputnik

owT

--
Sicherheitshinweis: Lassen Sie Ihre Politiker nicht unbeaufsichtigt!
Security advice: Don't leave your politicians unattended!

Bitte nicht zerreden und zerkleinern

Sputnik, Overath, Donnerstag, 16.05.2013, 10:20 (vor 4695 Tagen) @ GUM

Meine Meinung isses aber

Komm mal wieder runter

mrhuss, FKON, Mittwoch, 15.05.2013, 11:17 (vor 4696 Tagen) @ Sputnik

Aber all das interessiert mich hier in Spanien nicht. Ganz weinfach, weil die RENFE ihre AVE so, wie sie geplant sind auch einsetzt und über die Strecken schickt! Die AVE verkehren nicht umgekehrt gereiht, mit defekten Klimanalagen und Toiletten, oder gar verspätet!

Glaubst du doch selbst nicht

Ich schon. Korrekte Wagenreihung ist nämlich keine Kunst, wenn es nirgendwo auf Unterwegsbahnhöfen Fahrtrichtungswechsel gibt.

Und bekanntermaßen gibt es in Deutschland a.) praktisch keine Reservefahrzeuge, so dass halt auch ein halb kaputter Zug auf die Strecke geschickt wird und b.) wurden die Klimaanlagen für die spanischen HGV-Züge nicht auf billig gebaut wie die bei uns.

Komm mal wieder runter

Benjamin.Keller, Mittwoch, 15.05.2013, 12:12 (vor 4696 Tagen) @ mrhuss

Ich schon. Korrekte Wagenreihung ist nämlich keine Kunst, wenn es nirgendwo auf Unterwegsbahnhöfen Fahrtrichtungswechsel gibt.

Na ja, da Madrid Atocha ja ein Kopfbahnhof ist und es gleichzeitig wie beschrieben auch Direktzüge vom Süden in den Osten gibt gibt es ja durchaus Potential für falsche Wagenreihung. Natürlich in einem anderen Ausmaße als beim sehr komplexen deutschen Schienen- und Liniennetz

Und bekanntermaßen gibt es in Deutschland a.) praktisch keine Reservefahrzeuge, so dass halt auch ein halb kaputter Zug auf die Strecke geschickt wird

Da habe ich immer einen anderen Eindruck. Wie werden denn die durch die häufigere Schallung "fehlenden" Züge ersetzt? Wie viele Züge fehlen eigentlich durch die Achsenproblematik?

Mangelerscheinungen

mrhuss, FKON, Mittwoch, 15.05.2013, 12:28 (vor 4696 Tagen) @ Benjamin.Keller

Und bekanntermaßen gibt es in Deutschland a.) praktisch keine Reservefahrzeuge, so dass halt auch ein halb kaputter Zug auf die Strecke geschickt wird

Da habe ich immer einen anderen Eindruck. Wie werden denn die durch die häufigere Schallung "fehlenden" Züge ersetzt? Wie viele Züge fehlen eigentlich durch die Achsenproblematik?

Die Achsen betreffen ja zunächst mal die 3er. Die fehlenden Züge äußern sich in einteilig verkehrenden Zügen, die sonst in Doppeltraktion gefahren wären. Das betrifft sowohl die Planung (man sehe sich z.B. den diesjährigen "Winterfahrplan" an) als auch spontan ausfallende Zugteile, was bekanntermaßen verhältnismäßig oft vorkommt. Abgesehen davon wurden ja seit Beginn der Achsendramatik massiv zusätzliche Ultraschallanlagen beschafft.

Bei den Einsern herrscht ja inzwischen auch etwas Mangel, was man daran erkennt, dass auf der Rollbahn/Rheinstrecke die ICE wieder durch lokbespannte Züge ersetzt wurden und es auch auf den großen Nord-Süd-Verbindungen immer mal wieder zeitweise mit zwei 120ern bespannte "fahrplanmäßige Ersatzzüge" gibt. Von dem Einser, der ohne Restaurant unterwegs war und den immer wieder vorkommenden Einsätzen von nicht-schweiztauglichen Zügen, die eigentlich nach Zürich oder Interlaken hätten fahren sollen mal ganz zu schweigen. Und während des Redesigns der Zweier konnte man auch dort nicht auf andere Zweier zurückgreifen, sondern hat einen Umlauf durch T ersetzt. Beim T sah es ja schon immer etwas besser aus. Aber da wurden ja auch von der Gäubahn welche abgezogen.

Und über die 3M müssen wir nicht wirklich reden, oder?

Angenehmes Reisen im spanischen Fernverkehr

AX-330, Mittwoch, 15.05.2013, 01:41 (vor 4696 Tagen) @ JumpUp

Nach zwei Stunden Fahrt ohne Anhalten und Abbremsen, die Strecke ist ja durchgehend für 250-300 km/h gebaut, mache ich mich auf in das Bistro.

Noch ein kurzes Nickerchen und schon habe ich die 1100 km in unter 5 Stunden zurückgelegt, natürlich ist der Zug auf die Minute pünktlich in Barcelona!

Da bekommt man Lust, den Migrationsprozeß umzukehren und sich als Lokführer bei der Renfe zu betätigen :-)

Im Dreier - dem besten Zug der Welt - ein paar Stunden lang mit 300 durch die Gegend fliegen, ist ja alles Siemens, AFB und LZB, ein kleines Endeverfahren zum Wachwerden, an den Bock ranbremsen und Feierabend... schlimmstenfalls die gleiche Strecke noch mal zurück...

Und nach drei Monaten würd ich durchdrehen und mir meine Tagesgüterzüge Mannheim-Hannover zurückwünschen.

Angenehmes Reisen im spanischen Verkehr (m. 4 B.)

mrhuss, FKON, Mittwoch, 15.05.2013, 11:54 (vor 4696 Tagen) @ JumpUp

Auf der anderen Seite ist eine Fahrt im Hochgeschwindigkeitszug AVE mit durchgehend 300 km/h für mehrere Stunden ein viel angenehmeres und stressfreieres Reisen als im ICE der Deutschen Bahn. Ich wünsche Euch viel Spass mit meinen Gedanken und Erlebnissen, wie man in Spanien mit der Bahn fährt. Leider gelten meine Erfahreungen nur für den Fernverkehr, der Regionalverkehr soll in Spanien nicht so pralle sein...

Geht so, ich kann da vom Raum Barcelona berichten, dort bin ich schon mit dem Catalunya Express unterwegs gewesen. Vom Komfort und der Haltepolitik her würde ich den in etwa mit einem IRE vergleichen und weitgehend vertaktet ist er auch. Wenn man sich weiter von den Metropolen entfernt sieht es aber mit dem Takt schon dünner aus, das fängt schon südlich von Reus an.

Hier ein Bild kurz nach dem Aussteigen in Reus, leider hab' ich nur eine Außenaufnahme zur Hand.

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Im übrigen gibt es auch in Spanien durchaus noch Strecken mit Mischverkehr, z.B. eben dort an der Mittelmeerküste fahren Breitspur-HGV-Züge von Barcelona nach Alacant/Alicante sowie Güterzüge nach Tarragona, wo sich ein ausgedehntes Industriegebiet befindet.

Einen solchen Breitspur-Fernzug sieht man auf diesem Bild rechts, allerdings handelt es sich hier um den Bahnhof Madrid Chamartin. Links steht der Elipsos nach Paris Austerlitz.

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Nein, die Zusteiger wurden schon am Bahnsteig kontrolliert! Außerdem hat der AVE generell wenige Zwischenhalte. Die Halte Montabaur und Hamburg Dammtor sind in Spanien unbekannt.

Camp de Tarragona! Das entspricht ziemlich genau einem doppelt so großen Limburg Süd mit halb so vielen Fahrgästen. ;-)

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Nach zwei Stunden Fahrt ohne Anhalten und Abbremsen, die Strecke ist ja durchgehend für 250-300 km/h gebaut, mache ich mich auf in das Bistro. Leider ist die gastronomische Versorgung im AVE sehr mau. Nur Stehplätze im Bistro, mehr als Getränke und Sandwiches werden nicht angeboten, schade eigentlich!

Dann musst Du halt Preferente fahren. ;-) Da ist eine verhältnismäßig gute, an Flugzeugessen erinnernde und am Platz servierte Mahlzeit inbegriffen, inklusive Wein und Sekt.

Außerdem hättest Du dann in die Lounge gedurft, wie hier die in Camp de Tarragona:

[image]

Auf der anderen Seite funktioniert das Bistro einwandfrei; Keine ausgefallene Kühlung oder unvollständige Lieferung! Ja, selbst die Klimanalagen machen in Spanien nicht schlapp, obwohl auch dort Siemens Züge im Einsatz sind...

Zwischen ICE3 und Velaro E hatte Siemens ja auch einige Zeit, die Klimaanlagen zu verbessern, außerdem wurden die dort von vornherein auf spanische Temperaturverhältnisse ausgelegt.

Ich hoffe, diese kleine Schilderung lässt ein bisschen Erahnen, wie man in Spanien im Fernverkehr verreist.

Was in der Tat sehr angenehm ist! Aber Deutschland ist halt weder Spanien noch Frankreich. Gäbe es z.B. bei uns eine Reservierungspflicht und keine BC100 wäre die Bahn für mich gleich deutlich unattraktiver...

Zu bedenken

JanZ, HB, Mittwoch, 15.05.2013, 12:17 (vor 4696 Tagen) @ JumpUp

Ich frage mich, ob dein Beitrag so gemeint war, dass die DB alles Beschriebene genau so machen müsste wie die Renfe. Es hat halt alles seine zwei Seiten:

  • Spanien ist kein klassisches "Bahnland": Es gibt schon lange ein gut ausgebautes Fernbusnetz, und Barcelona-Madrid ist die meistbeflogene Strecke in Europa
  • Dass keine Züge überfüllt sind, liegt natürlich an der Reservierungspflicht, die sich vermutlich in D nicht durchsetzen lässt.
  • Die "übersichtlichen Bahnhöfe" und die wenigen Betriebsstörungen liegen natürlich zum großen Teil an den wenigen Verbindungen. Mit 2-3 Zügen pro Tag zwischen Großstädten würdest du in D niemand vorm Ofen hervorlocken.
  • Ebenso vermutlich die Bahnsteigsperren und erst recht die Sicherheitskontrollen. Bettler und Schnorrer gibt es in Spanien genug, nur eben nicht auf den Bahnhöfen.
  • Was soll der Vorteil von getrennten Fahrkarten für Fern- und Nahverkehr sein?
  • Ansagen gab es in den AVE, mit denen ich gefahren bin, durchaus, nur eben nicht für Anschlusszüge, weil es ja offiziell gar keine Umsteiger gibt.

Ich habe meine Fahrten mit dem AVE auch sehr genossen, aber da war ich eben Tourist und nicht Pendler, und da hat man völlig andere Bedürfnisse und Erwartungen. Dazu kommen noch Dinge wie die andere Siedlungsstruktur in Deutschland. Insofern: Ja, manches ist in Spanien besser, aber nicht alles davon kann man auf Deutschland übertragen.

Angenehmes Reisen im spanischen Fernverkehr

Benjamin.Keller, Mittwoch, 15.05.2013, 12:28 (vor 4696 Tagen) @ JumpUp

Naja, jedenfalls in bester Ruhe, ohne den Stress der Deutschen Bahnhöfe, mache ich mich auf in ein Cafe um noch gemütlich einen Expresso zu trinken. Ich habe noch 20 Minuten Zeit bis mein AVE von Sevilla nach Barcelona fährt (natürlich direkt, man steigt in Spanien ja nicht um) und beobachte ein bisschen das Treiben.

Da lobe ich mir doch das deutsche Bahnfahren: da kann ich auch zu Fuß zu Hause losgehen und sitze 15 Minuten später ohne den Stress einer Fahrkartenkontrolle, Sicherheitskontrolle und überflüssigen Wartezeit in meinem ICE :)

Ja tatsächlich, es gibt keine Blechelse die den ganzen Tag Unsinn über den Bahnhöf brüllt! Mir wird auch schnell klar, weshalb es keine Ansagen gibt: Es gibt schlichtweg nichts anzusagen! Die Züge sind pünktlich, richtig gereiht, verkehren frühzeitig bereitgestellt am angegebenen Gleis und Anschlüsse, die man hätte Durchsagen können, gibt es ja gar keine. Hinweise auf Taschentiebe, den Nichtraucherschutz oder auch ein "Don't leave your luggage unattended" bekommt man in Spanien nicht serviert. Diesen Druck von allen Seiten irgendwelche Informationen aufnehmen zu müssen, ob es jetzt Verspätungen oder Gleiswechsel sind, ist man bei einer AVE Fahrt nicht ausgesetzt.

Das nehme ich bei weitem nicht so negativ wahr wie du.

In den 10 Minuten fällt mir auf, dass ich in Spanien noch gar nicht im Bahnhof von Bettlern und Schnorrern angesprochen wurde, denen 1 € für die Fahrkarte fehlt, oder die gerne auf meinem Wochenticket mitfahren möchten - sehr angenehm!

Ich finde, so etwas gehört zu einer offenen Gesellschaft. Die Einhegung derer, die es sich leisten können in ihre Malls, ihre Verkehrsknoten, ihre Gated Communities und die Aushegung aller, die irgendwie anders sind nach draußen finde ich eine widerliche Entwicklung. Wenn es Armut gibt sollte man auch gezwungen werden sie zu sehen. Wenn man sie nicht möchte solle man die Armut politisch verhindern - und sie nicht wegsperren.
Nach einem Euro gefragt zu werden hat noch niemandem geschadet.

Mit meinem Koffer mache ich mich auf zum Bahnsteig und muss kurz durch die Gepäckkontrolle. Hier wird (wie am Flughafen) das Gepäck einmal durchleuchtet und nach Sprengstoff untersucht. Komischerweiße wird nur der Koffer selbst durchleuchtet, sämtliches Handgepäck und der Mensch selbst werden nicht abgesucht. Aus diesen Gründen ist die Gepäckkontrollen wohl eine makulatur und in wenigen Sekunden vollbracht.

Die Anschläge auf die Cercanias durch Islamisten wie auch die Anschläge der ETA wurden/werden eben für gewöhnlich mit großen Kofferbomben verübt. Ein Messer (das man erst bei einer Personenkontrolle finden kann) hat an Bord eines Flugzeugs eben ein viel größeres Bedrohungspotential als an Bord eines Zuges, der unabstürzbar auf Gleisen verkehrt.


Danke für den Bericht, ich kenne nur den ebenfalls sehr guten Nahverkehr in Madrid und deine Schilderungen machen Lust, den HGV auch mal irgendwann auszuprobieren!

Durchsagen

mrhuss, FKON, Mittwoch, 15.05.2013, 12:43 (vor 4696 Tagen) @ Benjamin.Keller

Ja tatsächlich, es gibt keine Blechelse die den ganzen Tag Unsinn über den Bahnhöf brüllt!

Das nehme ich bei weitem nicht so negativ wahr wie du.

Die Ansagen an den Bahnhöfen hierzulande finde ich auch nicht schlimm. Nur nehmen die Ansagen IN den Zügen doch gelegentlich überhand. Man fahre z.B. mal von Baden-Baden nach Frankfurt, da hat der Zub durch die relativ kurzen Fahrzeiten und relativ vielen Anschlüsse kaum mal Zeit Luft zu holen. Das ganze dann noch mal auf Englisch inklusive des Hinweises, dass man im 3er den Zugteil nur in den Bahnhöfen wechseln kann und in Mannheim der Hinweis auf den planmäßigen Aufenthalt bis :36. Falls es mal wieder Verwirrung gibt, weil Zugzielanzeiger oder Blechelse falsch sind oder auch nur manche Leute nicht lesen können, muss natürlich noch gesagt werden, dass man sich im ICE sosundso nach XYZ befindet. Und wenn zwischen Willkommen und vor dem nächsten Halt tatsächlich noch Zeit ist, dann ist das garantiert die Kaffeezeit im Bordrestaurant. ;-)

Durchsagen

Zugfahrer, Mittwoch, 15.05.2013, 22:42 (vor 4695 Tagen) @ mrhuss

Eines fehlt noch:
Das Vorlesen der Speisekarte auf Deutsch und Englisch. Das ist Lärmterror pur.

Durchsagen im Zug

Sputnik, Overath, Donnerstag, 16.05.2013, 10:24 (vor 4695 Tagen) @ mrhuss

Man fahre z.B. mal von Baden-Baden nach Frankfurt, da hat der Zub durch die relativ kurzen Fahrzeiten und relativ vielen Anschlüsse kaum mal Zeit Luft zu holen.

Na ich hab es in letzter Zeit eher selten erlebt das noch Anschlüsse durchgesagt werden. Nur bei Verspätungen und ausserplanmäßigen Anschlusszügen wurden Anschlüsse durchgesagt.

Offene Gesellschaft

heinz, Freitag, 17.05.2013, 12:42 (vor 4694 Tagen) @ Benjamin.Keller

Ich finde, so etwas gehört zu einer offenen Gesellschaft. Die Einhegung derer, die es sich leisten können in ihre Malls, ihre Verkehrsknoten, ihre Gated Communities und die Aushegung aller, die irgendwie anders sind nach draußen finde ich eine widerliche Entwicklung. Wenn es Armut gibt sollte man auch gezwungen werden sie zu sehen. Wenn man sie nicht möchte solle man die Armut politisch verhindern - und sie nicht wegsperren.

Dem stimme ich voll und ganz zu. In einer Gesellschaft, in der nur noch die Schönen, Reichen und Gesunden zu sehen sind, läuft etwas grundlegend falsch. Eine offene Gesellschaft muss den Anblick von Armut aushalten können (oder noch besser: etwas Wirksames dagegen unternehmen). Das Aussperren nicht gewünschter Gesellschaftsmitglieder aus der schönen neuen Hochglanzwelt ist widerlich und zeugt von Misanthropie. Außerdem: Betteln gehört seit jeher zur städtischen Kultur, ob man das mag oder nicht. Es soll ja auch Bettler geben, die das freiwillig und aus Überzeugung tun und jede staatliche Unterstützung ablehnen.

Andere Rahmenbedingungen

Frankfurt (Main) Süd, Mittwoch, 15.05.2013, 14:16 (vor 4696 Tagen) @ JumpUp

Zunächst mal vielen Dank für Deinen Bericht. Ich stimme Dir in vielem zu. Du sagst ja selbst, dass sich vieles vom Positiven nicht 1:1 auf D übertragen lässt. Ich will das mal noch ein bisschen ausführen:

Spanien hat eine völlig andere Siedlungsstruktur als Deutschland. Die Entfernungen sind größer, und zwischen den Metropolen finden sich große Räume, die fast menschenleer sind. Der Vergleich der Bevökerungsdichten (D: 230 Ew/km²; E: 94 Ew/km²) sagt eigentlich noch zu wenig aus, da sich die Bevölkerung in E noch sehr viel stärker auf wenige Metropolregionen konzentriert: Insgesamt leben im Land 47 Mio. Menschen, davon allein 6,3 Mio. im Großraum Madrid, 5 Mio. im Großraum Barcelona, Valencia 1,4 Mio., Sevilla 1,3 Mio., Bilbao 1,1 Mio.). Diese Metropolregionen verteilen sich wiederum sehr schön gleichmäßig über das Land (die größte in der Mitte, der Rest kreisförmig mit großen Abständen am Rand). Zu den Entfernungen: Madrid-Barcelona: über 600 km, Sevilla-Barcelona: ca. 1000 km.

Zwischen diesen Metropolregionen herrscht gähnende Leere. Die abseits gelegenen Provinzstädtchen sind im Vergleich zu den wenigen großen Ballungsräumen so klein, dass eine Ingolstadt-Diskussion in Spanien völlig undenkbar wäre. Auch an der Autobahn Madrid-Barcelona gibt es Teilstrecken von 50 km ohne Ausfahrt, weil da schlichtweg nichts ist, was eine Ausfahrt rechtfertigen würde. Gut, wo entlang der neuen HGV-Strecken doch ein paar Menschen auf etwas konzentrierterem Haufen leben, baut man Bahnhöfe à la Montabaur, aber die Leute dort freuen sich, wenn da zweimal am Tag ein Zug hält, und kämen nie auf die Idee, einen Systemhalt aller Züge zu verlangen. Und für die Bahn machen end-to-end-Verbindungen unter diesen Voraussetzungen auch deutlich mehr Sinn als ein vertaktetes Netz.

Dann ist das HGV-Netz in Spanien (schon wegen der unterschiedlichen Spurweiten) komplett vom Altnetz getrennt (abgesehen von den Umspuranlagen) und auch (außer Barcelona-Figueres) frei von Güterverkehr. Da kann nicht so furchtbar viel schiefgehen. (BTW: der Bau des HGV-Anschlusses in Barcelona war aber eine größere Katstrophe, die zu monatelangen ungeplanten und ungesteuerten massiven Behinderungen im Nahverkehr führte. Aber im Betrieb läuft es rund.)

Schließlich: Vor Einrichtung der HGV-Verbindungen war der Schienen-FV in Spanien eine Katastrophe. Sehr wenige Verbindungen, meist alte, schäbige Züge, und vor allem meist teurer und langsamer als die verschiedenen Betreiber der (leistungsfähigen und gut funktionierenden) privaten Fernbus-Verbindungen. Wer es sich leisten konnte, ist zwischen den Großstädten geflogen, der Rest ist Bus bzw. Auto gefahren. HGV war dort ein viel größerer Entwicklungssprung als in D.

Achja, nochwas, dass an den Bahnhöfen und in den Zügen relativ wenig los ist, liegt natürlich auch an der massiven Wirtschaftskrise. RENFE hat vor kurzem schon die Preise im AVE erheblich gesenkt, um den massiven Fahrgastrückgang wenigstens aufzuhalten. Gut, dass die Spanier in den letzten 25 Jahren extrem viel ins HGV-Netz investiert haben. In nächster Zeit wird da nicht mehr viel nachkommen können.

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