Luxus Pur: Privater Fernverkehr in Tschechien - LEO Express (Reiseberichte)

JumpUp, Mittwoch, 03.04.2013, 22:25 (vor 4737 Tagen)

Zwischen Prag und Ostrava in Tschechien gibt es seit einigen Monaten privaten Fernverkehr in gnadenloser Konkurrenz der Staatsbahn gegenüber. Kurioserweiße konkurrieren hier sogar zwei Private Anbieter um die Kundschaft. Somit kann der Kunde heute zwischen Prag und Ostrava aus folgenden Anbietern wählen:

CD Pendolino: Ein Neigetechnikzug der tschechischen Staatsbahn CD, verkehrt seit 2005
LEO Express: Seit einem halben Jahr mit neugebauten Flirts auf dieser Strecke unterwegs
RegioJet: Ein privater lobespannter IC der tschechischen Bus-, und Reisegesellschaft Student Agency, verkehrt seit November 2011


Des Weiteren verkehren noch lokbespannte Schnellzüge der CD mit längeren Fahrzeiten, die ich hier jetzt nicht beleuchten möchte.

Alle drei Anbieter bedienen mit ihren Verkehren noch im Vor-, und Nachlauf teilweiße weitere Stationen, dies stellt jedoch nicht das Hauptgeschäft dar! In meiner Vorstellung möchte ich mich auf die Strecke Prag-Ostrave beschränken.

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Die Strecke Prag-Ostrava isteine der wichtigsten im Land und auf weiten Teilen für bis zu 160 km/h und Neigetechnik ausgerüstet. Prag bildet als größte Stadt und kulturelles Zentrum Tschechiens eine Wirtschaftsmetropole für sich. Ostrava auf der anderen Seite ist auch bei den Tschechen selbst eine eher verachtete Stadt mit viel Industrie und Schadstoffen in der Luft, sie ist die drittgrößte Stadt im Land, wird jedoch wenig von Touristen besucht.

Die Fahrzeit beträgt bei allen drei Anbietern etwa drei Stunden zwischen Prag und Ostrava, bei unterschiedlichen Zwischenhalten.
In dem ersten Teil meines Berichts möchte ich den LEO Express vorstellen. Der Pendolino und RegioJet folgen in den kommenden Tagen. Viele von Euch werden diesen Zug schon auf der Innotrans bestaunt haben! Bitte beachtet, dass meine Bilder alle nicht professionell sind und ich nur mit einer kleinen Knipse fotografiert habe, was mir so untergekommen ist, auf Qualität der Bilder habe ich bei diesem Wetter keinen großen Wert gelegt :)

Zu erst einmal einige Bilder des Zuges von Außen aus Prag und Olomouc (dort lag so viel Schnee):


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Klassensystem:

Der LEO Express bietet drei Klassen an:

Premium

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First

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Economy

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Da in der Economy überall Fahrgäste waren, wollte ich diese nicht fotografieren, und so ist dieses unglückliche Bild nur entstanden


Auf meiner Fahrt benutzte ich für eine Stunde die Premiumklasse und danach eine Stunde im Kontrast die Holzklasse der Economy. Somit zu erst meine Erlebnisse aus der Premium:

Die Sitze sind wahrscheinlich das Bequemste, was mir bisher im Eisenbahnverkehr untergekommen ist. Die Premium besteht nur aus sechs Sitzplätzen und ist am Zugschluss untergebracht, mit einer Tür vom Rest des Fahrgastraums abgetrennt. Auf meiner Fahrt war ich der einzige Fahrgast in der Premium

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Der Sitz lässt sich per Knopdruck zurückfahren, so dass man auch bequem eine Runde schlafen kann

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Bisher kannte ich den Flirt mit der unbequemen Nahverkehrsaustattung, aber als Fernzuvariante bin ich sehr begeistert davon. Dieses Premiumabteil ist jeden Cent wert und für gepflegtes Reisen die beste Wahl. Im deutschen Fernverkehr ist es nicht möglich, die Sitze in solch eine angenehme und individuelle Position zu bringen. Durch die intime Wahl von nur sechs Sitzen kommt auch kein Großraumgefühl auf.

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Falls es mal kälter werden sollte:

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Bei 160 km/h ruckelt der Zug jedoch stark

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In der Premium bekommt man warme und kalte Getränke gratis. Ein warmes Essen mit Nachtisch ist auch im Preis mit inbegriffen. Hier einmal die Speisekarte der Mahlzeiten

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Der Schalter in Prag Hbf

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Auch in den Unterwegsbahnhöfen hat sich LEO Express in alte CD Schalter eingemietet

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Economy

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Auf der Innotrans sah das Ganze recht eng und unbequem aus. Da ich aber eine Stunde in der Economy saß konnte ich feststellen, dass der Komfort auch in der Holzklasse gegeben war: Verstellbare Sitze und ausreichend Beinfreiheit. Leider gibt es in der Economy keine Zwischentüren, so dass man von vorne bis hinten alles durchsehen und auch hören kann! Auch in diesen Flirts "schaufen" die Wagenübergänge in jeder Kurve, man denkt, ein alter Mann würde schwer atmen, es ist jedoch nur der Zug. Das man dieses Geräusch noch nicht beseitigen konnte, ist sehr schade.

In der Economy gab es übrigens auch die Bedienung am Platz, jedoch kostenpflichtig. Eine Bar oder Restaurant hatte der Zug nicht zu bieten. Das Zugpersonal war überaus freundlich und sprach auch englisch.

Der Leo Express verkehrt tagsüber alle zwei Stunden zwischen Prag und Ostrava und die Fahrkarten gibt es für die dreistündige Fahrt in der Premium schon für knapp 30 Euro, Essen und Trinken inkl.!
Die Economy kostet bei füher Buchung schon viel weniger (ca. 10 Euro für die dreistündige Strecke). Beide Preise sind unschlagbar günstig! Selbst für tschechische Verhältnisse ist der Fahrpreis im Verhältnis günstiger als auf anderen Strecken.

Die Fahrkarten kann man an den jeweiligen Schaltern, im Internet oder mit der eigenen Iphone App kaufen, sehr übersichtlich, aber leider nur in Landessprache! Der LEO Express hat einen eigenen Tarif: CD Fahrkarten, sowie andere internationale Tickets und Interrail werden nicht anerkannt.


Ich hoffe, der Bericht hat Euch etwas Freude bereitet, der nächste Teil behandelt den Pendolino der Staatsbahn!

Phillip


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