Bahnpolitik (Allgemeines Forum)
Lieber Oscar,
einige deiner Positionen teile ich nicht:
Es gibt keinen "Markt"; alle möchten dasselbe = für einen fairen Preis in einer fairen Zeit von A nach B.
Für einen ist der faire Preis wichtiger, für andere die faire Zeit.
Deswegen gibt es in vielen Nationen auch Fernbusse, die sind langsamer und vielleicht weniger komfortabel, dafür oft preiswerter als die Bahn. Und sowohl Bahnen als auch Fernbusse sind profitabel, da sie andere Kundenkreise bedienen.
2. Teilnetzbetreiber wie Arriva seien Konkurrenz
Sind sie auch. Natürlich ist auf Kundenebene kaum Konkurrenz möglich (abgesehen von vereinzelten Angeboten wie dem Metronom-Tagesticket (bei ausgeschriebenen Services) oder InterConnex (open access)). Die Konkurrenz findet auf höherer Ebene, beim Ausschreibungswettbewerb statt.
Tatsächlich ist der Betrieb besser geworden; ein 15-Minutentakt Arnhem-Doetinchem war in NS-Zeiten undenkbar.
Dann sehe ich das Problem nicht.
3. Infra und Betrieb könne man organisatorisch trennen
Warum sollte es denn nicht funktionieren? Findet eine Ausschreibungskonkurrenz statt, muss die Infrastruktur vom Betrieb getrennt werden, um einen diskriminierungsfreien Zugang zu gewährleisten und eine mögliche Quersubvention von defizitären Eisenbahnbetrieben des Incumbents zu verhindern.
4. Aufteilung des Schienennetzes würde den Zusammenhang nicht schäden
Welcher Zusammenhang?
5. Ersatz von Fixpersonal durch Flexpersonal wäre gewinntreibend
Das ist aber ein Problem, das es nicht nur bei der Eisenbahn gibt…
6. marktkonforme Unternehmen würden selber für das beste gegen niedrigsten Preis wählen.
Das Problem ist, der Staat muss sich entscheiden, ob er nur nach den Preisen entscheiden soll, nach der Lieferbarkeit ("deliverability") oder auch nach qualitativen Merkmalen. Das war auch der Grund für das Scheitern des InterCity West Coast-Franchising in Großbritannien 2012.
7. Betriebskosten und -qualität könne man auch ohne eigene Experten beurteilen
In den Verbünden und den Ministerien sitzen doch Experten!
8. offene EU-Ausschreibung sei notwendig
Besser, als den Verkehrsvertrag unter der Hand an einen örtlichen Betreiber zu geben und das dann z.B. zum S-Bahn-Desaster in Berlin führt.
9. mit dem Entwurf und dem Bau eines Zuges seien unterschiedliche Instanzen beauftragt
In Deutschland ist eher das Problem die Zulassung neu gebauter Züge, da sich die Normen ständig ändern. Klar war das zu Bundesbahnzeiten "besser", weil die Bundesbahn quasi ihre eigene Aufsichtsbehörde war, allerdings wurden auch solche "Innovationen" wie der Eschede-Radreifen damals entwickelt.
10. Unternehmen würden bei Ausschreibungen nach Ehrlichkeit bieten
Da hilft nur Sanktionieren, wenn sie es nicht tun…
Ich glaube, dass wir die aktuellen Probleme nicht wegen zu viel Wettbewerb und Marktwirtschaft haben, sondern eher wegen zu wenig davon. Früher war es auch nicht unbedingt besser, sondern vor allem anders.
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- HSL-Zuid Seifenoper (143): Fyra zum Mißgeschick verurteilt. -
Oscar (NL),
12.02.2013, 11:57
- Bahnpolitik - maxiboy, 13.02.2013, 21:07
- HSL-Zuid Seifenoper (143.1): Fahrplan IC Brüssel 2013 - Oscar (NL), 14.02.2013, 15:25