Eine Weihnachtsreise ins Erzgebirge 2/2 (mit vielen Bildern) (Reiseberichte)
Gestern waren wir in Teil 1 in Annaberg-Buchholz angekommen, hier setzen wir den Reisebericht nun fort.
Tag 3: Annaberg-Buchholz – Karlsbad – Cheb – Augsburg
Das eigentliche Ziel unserer Reise war das Erzgebirge, bei der Reiseplanung für die Rückfahrt kam mir dann die Idee, noch einen Bogen über Tschechien einzubauen, zumal mir die Fahrplanauskunft als direkte Verbindung den Franken-Sachsen-Express vorschlägt, dessen Neigetechnik nicht jedermanns Sache ist. Und so fahren wir auf der Nebenbahnstrecke über Vejprty nach Chomutov. Die Strecke wird nur an Wochenenden befahren mit gerade einmal zwei Zugpaaren – und so hat die Fahrt einen gewissen Seltenheitswert.
Nur das Wetter spielt nicht so recht mit, in strömendem Regen stapfen wir durch Schneematsch vom Hotel zum unteren Bahnhof von Annaberg-Buchholz.
Ein Desiro der Erzgebirgsbahn wird uns über den Erzgebirgskamm nach Chomutov an den nordböhmischen Fuß des Erzgebirges bringen. Den ersten Teil der Strecke bis nach Cranzahl kennen wir bereits von gestern, auf dem Pöhlbachviadukt zwischen Bärenstein und Vejprty queren wir dann die deutsch-tschechische Grenze. Ab Vejprty ist auch eine tschechische Zugbegleiterin an Bord.
Eine Mischung aus Schnee und Regen begleitet uns auf der Fahrt. Bei meiner Reiseplanung wurde mir als Argument für diese Streckenwahl genannt, die Strecke noch mitzunehmen, solange hier noch Züge fahren. Und wie man beim nachfolgenden Bild sieht, ist diese Sorge in Anbetracht der Auslastung wohl berechtigt (sofern es nicht am miesen Wetter lag, dass nur eine einstellige Zahl an Fahrgästen im Zug war).
Gut, dass es hier keine Oberleitung gibt, denn die wäre bei dem Wetter bestimmt schon heruntergekommen und hätte dieser außergewöhnlichen Fahrt ein frühes Ende gesetzt. Immer wieder bremst der Zug nämlich ab und kurz darauf ist zu hören, wie schneebeladene Äste gegen die Fenster schlagen oder am Zugdach rauschen.
Eine wirklich ungewöhnliche und beeindruckende Fahrt am Sonntagmorgen. Die morbide Strecke, verfallene Bahnhofsgebäude, die Schneemassen, das Bangen, ob auf den Strecken durch den dichten Wald nicht irgendwann doch ein Ast runterkommt, Haltepunkte im Nichts, an denen niemand ein- oder aussteigt – das hat was.
In Chomutov entlässt der Desiro seine Fahrgäste in den Schnee. Mit einem Schnellzug (Rychlík) fahren wir nun weiter nach Karlsbad (Karlovy Vary).
Im Abteilwagen fahren wir durch das Tal der Eger (Ohře) nach Westen. Hier im Tal ist es zwar auch noch weiß, aber die Warmfront aus dem Westen ist in Form von Regen schon angekommen.
Ich muss zugeben, bei der Ankunft am Bahnhof von Karlsbad erschrickt man zunächst. Denn der heruntergekommene Bahnhof passt so gar nicht zu dem noblen und weltberühmten Kurort.
Karlsbad ist berühmt für seine Thermalquellen und ist schmuck herausgeputzt mit seinen Kolonnaden, Bädern und historischen Gebäuden, die sich entlang des Flusses Teplá erstrecken. Allerdings macht der Spaziergang durch strömenden Regen und dicken Schneematsch wenig Spaß, die Stadt muss ich nochmals für eine Sommertour einplanen. Der Einkauf von Karlsbader Oblaten als Mitbringsel darf nicht fehlen, außerdem gibt es auch einen kleinen Weihnachtsmarkt, wo wir noch Trdelník-Gebäck erstehen.
Mittlerweile völlig durchnässt machen wir uns wieder auf den Weg hinauf zum Bahnhof und warten im Gebäude auf den nächsten Schnellzug nach Cheb.
Wieder für eine knappe Stunde können wir nun im Abteilwagen Platz nehmen, wir sind die einzigen Fahrgäste in diesem Wagen. In Cheb haben wir dann eine Dreiviertelstunde Aufenthalt, die wir für einen kurzen Abstecher bis zum Markplatz nutzen.
Auch hier gibt es – klar, was wohl – wieder einen Weihnachtsmarkt.
Hier regnet es nicht mehr, so macht eine Stadtbesichtigung doch mehr Spaß. Links vom Weihnachtsbaum ist eines der Wahrzeichen von Cheb zu sehen, der historische Häuserblock Stöckl.
Mit der Vogtlandbahn geht es nun hinüber nach Marktredwitz. Dort haben wir einen 3-Minuten-Übergang auf Franken-Sachsen-Express - dazu sollte der Zug jetzt aber auch pünktlich abfahren. Mit 4 Minuten Verspätung verlassen wir schließlich Cheb, aber es geht alles gut, der Franken-Sachsen-Express wartet in Marktredwitz.
Jetzt fahren wir doch noch ein Stückchen auf der Sachsen-Franken-Magistrale. Für die kurze Strecke ist die Schaukelei in der BR 612 auch auszuhalten. Schade, dass es schon wieder dunkel ist, denn landschaftlich ist die Strecke durch das Pegnitztal ja sehr schön. Ach, waren das noch Zeiten, als man im IC-Abteil von Dresden nach Stuttgart fahren konnte...
Wieder etwas vor der Planzeit kommen wir in Nürnberg an. Jetzt gibt’s aber keinen Weihnachtsmarkt mehr, stattdessen schauen wir lieber in der DB Lounge vorbei.
Die Heimfahrt wäre auch an einem Tag möglich gewesen. Aber erst nach Mitternacht anzukommen und dann noch die Unsicherheit, wie das Wetter werden würde und im schlimmsten Fall irgendwo mitten in der Nacht zu stranden, haben bei der Reiseplanung den Ausschlag gegeben, heute nur noch bis Augsburg zu fahren. Unser IC ist der einzige ohne weiße Bemerkung auf der Anzeigetafel, na, das ist doch ein gutes Zeichen (wobei das andere nicht alles Verspätungen sind, sondern vielfach auch nur Hinweise auf Zugteilungen).
Im Abteilwagen fahren wir weiter durch die Dunkelheit. Durch die Lage der Weihnachtstage ist dieser Sonntagabend völlig entspannt und wieder kommen wir vor der Planzeit an. Ich glaube das ist meine erste Reise, bei der wir mehr Verfrühungen als Verspätungen haben.
Ein Weihnachtsmarkt geht noch, und jetzt kurz bevor um 21 Uhr der Augsburger Christkindlesmarkt schließt, gibt es vor der eindrucksvollen Kulisse des Rathauses kein Geschiebe und Gedränge mehr.
Und mit dem Bild des Augsburger Doms beschließen wir den dritten Reisetag.
Es geht gleich weiter...
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Eine Weihnachtsreise ins Erzgebirge 2/2 Fortsetzung
Tag 4:Augsburg - Allensbach
Heute ist Heiligabend, da wollen wir nicht zu spät nach Hause kommen. Deshalb geht es gleich um sieben Uhr mit dem TGV bis nach Ulm.
Die Idee, nicht im Hotel zu frühstücken, sondern das Frühstück in den TGV zu verlegen, bewährt sich allerdings nicht. Eigentlich bin ich ja ein Freund der Bordgastronomie und kann das Frühstück bei der DB oder auch im Railjet nur empfehlen - aber für eine Fahrt im TGV werde ich das nächste Mal doch den Bahnhofsbäcker bevorzugen. Ein Heißgetränk, ein Gebäckstück und wahlweise ein Smoothie oder einen Joghurt wird es dort auch geben, und selbst ein Stehcafé im Bahnhof wird es mit dem Charme des TGV-Bistros wohl aufnehmen können.
Auf der Fahrt wird es langsam hell und blauer Himmel kündigt sich an. Gestern Abend in Augsburg war es schon warm, nun erleben wir einen geradezu frühlingshaften Heiligabend.
Für die Fahrt durch Oberschwaben an den Bodensee geht es nun weiter mit einem IRE in Form einer BR 611. Auch heute Morgen sind nur wenige Reisende unterwegs und die schnelle Fahrt ist sehr entspannt.
Unterwegs ist die Sonne aufgegangen und die Wallfahrtskirche Birnau oberhalb der Bodenseegürtelbahn strahlt in der Morgensonne. Auch links lohnt der Blick über den morgendlichen Bodensee.
In Radolfzell lösen wir für die letzten Meter unserer Reise noch Fahrkarten, denn Sparpreise gelten ja nur bis 10 Uhr des Folgetags. Dann rollt auch schon der IRE der Schwarzwaldbahn ein, der uns wieder nach Allensbach bringt. Hier gibt es nun ein Wiedersehen mit dem fremden Erste-Klasse-Wagen, mit dem unsere Reise begonnen hat.
Und damit endet nun unsere Bahnreise. Diese blöde Warmfront hätte auch noch einen Tag warten können und uns in Tschechien etwas besseres Wetter bescheren können, aber ansonsten war es eine tolle Reise und bahnseitig hat alles perfekt geklappt. Dafür vielen Dank an alle Bahnmitarbeiter, die während der Feiertage arbeiten müssen.
Und zum Schluss bleibt mir nur noch zu sagen...
Frohe Weihnachten wünscht
Tobias
PS: Meine früheren Reiseberichte, inzwischen 30 an der Zahl, gibt’s unter www.bahnreiseberichte.de.
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Karlsbad: Neues Empfangsgebäude
Guten Tag Tobias,
besten Dank auch für diesen Reisebericht.
Der obere Bahnhof in Karlsbad (der nur Karlovy Vary heißt, also ohne oben) soll demnächst ein neues Empfangsgebäude bekommen. Ich dachte, im Tschechienforum sei ein Beitrag dazu, den finde ich aber nicht.
Viele Grüße, Sören
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![[image]](https://up.picr.de/48317654tz.jpg)
Verstehen Sie Bahnhof!
Europa: Linkliste Fahrplantabellen und mehr
Ganz herzlichen Dank für den schönen Bericht!
Hallo,
wie immer sehr schön geschrieben und mit passenden Bildern: KLASSE!!!
Ich wünsche auch dir/euch eine schöne restliche Weihnachtszeit, einen guten Rutsch ins neue Jahr und würde mich sehr freuen, wieder Reiseberichte hier vorzufinden!
Herzliche Grüße,
Dirk
Karlsbad: Grandi stazioni
Doch noch gefunden: Die italienische Grandi stazioni zeichnet für den zukünftigen Umbau verantwortlich.
Gruß Sören
Eine Weihnachtsreise ins Erzgebirge 2/2 Fortsetzung
Danke für den Bericht!
Habt Ihr Euch in Karlsbad noch Becherovka gekauft? -)
Sehr schön. Danke.
- kein Text -
Klasse! Danke!
Mahlzeit Tobias,
ein sehr schöner Bericht und klasse Bilder. Ihr habt Eueren Ausflug genossen, das merkt man.
Die Piste Chomutov - Veiperty sind Regiosprinter und ich vor 5 Jahren mal gefahren, da stand zum Fahrplanwechsel die Reduzierung aufs Wochenende an. Es war also noch Planverkehr. Verbunden damit ist ein herrlicher Lapsus meinerseits. Es geht ins Ausland, also den Ausweis eingepackt (für mich damals eher die Ausnahme!). Ab nach Nürnberg, auf Regiosprinter gewartet (kam 5 min vor Abfahrt des RE aus Augsburg an und hatte noch die Ruhe, sich was zu essen zu holen...), dann weiter bis Marktredwitz und Cheb...
Dachte ich. Hinter Schirnding Kontrolle. Ich zeige meinen Ausweis, und der tschechische Kollege schüttelt den Kopf. Ausweis abgelaufen - 2006. Toll, und nun? Frank kramt ein paar Brocken tschechisch zusammen (den Rest in Deutsch) und erklärt, daß er nur bis Veiperty will. In vier Stunden bin ich schon wieder weg. Der tschechische Grenzer hat wahrscheinlich gewiehert vor Lachen, aber nur innerlich, äußerlich winkt er mich gelangweilt durch.
In Cheb holen wir uns Fahrkarten bis Veiperty. Irgendwie verschlucke ich das Ypsilon am Ende von "Veiperty" und die Dame an der Fahrkartenausgabe weist mich freundlich drauf hin, daß es "Veiper- tiiii" heißt.
Okay, die Tour gemacht. Bei der Wiedereinreise in Veiperty dasselbe Problem. Der tschechische Kollege schüttelt den Kopf, und die deutsche Grenzerin fragt ganz erstaunt: "Wie sind Sie da überhaupt reingekommen?" Irgendwie rede ich mich raus, komme um das übliche Bußgeld herum, verspreche hoch und heilig, gleich morgen mir einen neuen Ausweis ausfertigen zu lassen...
Na gut, es wurden 2 Monate draus.
Später kam mir die Idee: Ich werde einfach zu selten kontrolliert. Da geht es mir völlig ab, wann mein Ausweis abläuft.
Nur: Die Idee habe ich einen Monat später in den USA begraben. Da war ich innert vier Tagen dran - zum Drogencheck. Ich paßte wohl in deren Raster. Aber mein Paß war gültig. Und außer Koffein war bei mir nichts zu finden.
Schöne Grüße aus Ansbach
Frank
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"Die Ferne ist ein schöner Ort,
doch wenn ich da bin, ist sie fort.
Die Ferne ist wo ich nicht bin,
ich geh und geh und komm nicht hin."
(Silly, mit der leider viel zu früh verstorbenen Tamara Danz)
Großartig!^^ Auch von mir vielen Dank!
- kein Text -
Vielen Dank für die schönen Bilder und eine Frage
ich hatte vorher schon vor mal in diese Region zu fahren soweit es den Auslandspart betrifft. Dein Bericht hat mich jetzt noch mehr motiviert. Eine Frage habe ich allerdings dennoch.
Hat man in Karlsbad und in allen anderen Bereichen wo Du sonst noch warst, die Chance sich mit Deutsch oder Englisch zu verständigen oder ist das aussichtslos?
Vielen Dank für die schönen Bilder und eine Frage
Hat man in Karlsbad und in allen anderen Bereichen wo Du sonst noch warst, die Chance sich mit Deutsch oder Englisch zu verständigen oder ist das aussichtslos?
Hallo,
also bei allen meinen Reisen durch Europa zwischen Spanien und Polen, Niederlande und Kroatien bin ich bisher mit Englisch (und Deutsch) zurechtgekommen – ich muss allerdings dazu sagen, dass ich Fahrkarten meist vorher kaufe, entweder online oder per Agentur, und deshalb zu den Sprachkenntnissen an Bahnschaltern nichts sagen kann.
Für den kleinen Ausflug nach Tschechien braucht es keine Sprachkenntnisse, zumal man in Cheb und Karlsbad ohnehin auf (deutsche) Touristen eingestellt ist. Da brauchst Du Dir wirklich keine Sorgen zu machen. In Karlsbad gab es am Bahnhof sogar Ansagen auf Deutsch, und in den grenzüberschreitenden (deutschen) Zügen ohnehin.
Viele Grüße und gute Reise
Tobias
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