Mit dem VT642 zum Breslauer Weihnachtsmarkt (Reiseberichte)
Neulich habe ich mal das Angebot Dresden-Breslau-Express, eine Kooperation von DB Regio und PKP PR, ausprobiert und bin zum Weihnachtsmarkt in die schlesische Metropole Breslau/Wroclaw gefahren.
Der sog. RE100 verkehrt 3x täglich zwischen Dresden und Breslau, es kommen für Polen zugelassene VT642 zum Einsatz. Zwischen Dresden und Görlitz sind die Züge seit neuestem Bestandteil des RE1-Taktes, halten also auch in Dresden-Mitte, Radeberg usw. In Polen handelt es sich dann zwar auch um Regionalzüge, seit Fahrplanwechsel aber mit noch weniger Halten. Die Fahrt dauert knapp 3 1/2 Stunden, was eine gute Stunde kürzer ist als der IR im Jahre 2000 bzw sogar fast 2 Stunden kürzer als der IR im Jahre 2003.
Da ich abends keine Möglichkeit mehr gehabt hätte, per Bahn nach hause zu kommen, habe ich mich entschlossen, mein Auto in Dresden zu parken. Aufgrund des Striezelmarktes kam ein Parken in der Innenstadt bzw Hbf-Gegend nicht in Frage. Umso günstiger, dass der RE nach Breslau auch in Dresden-Klotzsche hält, was passenderweise auch am nächsten an der Autobahn liegt. Also habe ich dort geparkt.
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Der Dresden-Breslau-Express im tief verschneiten Klotzsche
Als ich zustieg, war der VT gut gefüllt, einen Platz durch dazusetzen zu bekommen ist aber kein Problem. Beim nächsten Halt in Radeberg änderte sich das, dort stiegen ca. 200 Grundschüler samt ihrer Lehrer ein, was den Triebwagen an seine Kapazitätsgrenze brachte. Umfallen konnte jedenfalls niemand mehr. Glücklicherweise fuhren die Schüler aber nur bis zum nächsten Halt Arnsdorf, sodass es ab dort wieder überschaubarer wurde.
So ging es gemütlich dahin durch die tief verschneite Landschaft der Oberlausitz.
Die automatischen Ansagen im Zug finden übrigens während der gesamten Fahrt auf deutsch und polnisch statt.
In Görlitz steigen fast alle Reisende aus. Lediglich etwa 5 oder 6 Reisende fahren weiter über die Grenze, jedoch fand in Görlitz auch ein Zustieg von ca. 15 Reisenden (hauptsächlich Polen, die wohl in Görlitz einkaufen waren) statt. Außerdem wechselt in Görlitz das Zugpersonal, hier übernehmen Tf und 2 ZuB von PKP PR. Das Übergabegespräch zwischen den Tf findet mehr oder weniger mit Händen und Füßen statt aufgrund der Sprachbarriere.
Rumpelnd und mit niedriger Geschwindigkeit geht es über den Neißeviadukt herüber nach Zgorzelec, dem früheren Görlitzer Stadtteil Moys. Es handelt sich um ein Gleisdreieck, nach Südosten zweigt hier die 1922-1946 elektrifizierte Strecke nach Breslau über Lauban ab. Relikte der früheren Elektrifizierung sieht man in Zgorzelec noch immer, mehrere Fahrleistungsmasten samt Auslegern sind unverändert dort stehen geblieben.
Kurze Zeit später hält der Zug dann in Zgorzelec-Miasto (Moys-Stadtbahnhof), wo dann wieder ein erheblicher Zustieg stattfindet. Die große Beinfreiheit ist nun also wieder vorbei.
In Kohlfuhrt/Wegliniec wurden die IR früher wieder auf E-Lok umgespannt, der VT braucht hier nur einen kurzen Halt. Auf der anderen Seite des großen Bahnhofsgebäudes stand der EC "Wawel" nach Hamburg, welcher hier gerade umgespannt wurde.
Nun geht es über die niederschlesische Magistrale immer mehr ost-/südostwärts mit 120 km/h voran. Lediglich 2 La-Stellen an Bahnübergängen mit 10 oder 20 km/h drücken die Durchschnittsgeschwindigkeit. In Bunzlau/Boleslawiec wird der Zug dann richtig voll, es sind nur noch einzelne Plätze frei, ab Liegnitz/Legnica dann so gut wie gar keiner mehr.
Die Strecke ist mittlerweile gut ausgebaut, doch auch hier wie in Deutschland vielerorts von Schallschutzmauern "eingezäunt", was die Sicht manchmal ein wenig trübt. Dennoch ist es eine angenehme Fahrt trotz harter Nahverkehrssitze.
Der Breslauer Vorortbahnhof Lesnica befindet sich im Bauzustand und wird nur mit sehr niedriger Geschwindigkeit (dürften 20 km/h gewesen sein) befahren. Der Planhalt dort fällt also gar nicht weiter auf. Anschliessend wird noch im Nowe Dwor gehalten, bevor durch eine Verbindungskurve und durch Kreuzungsbauwerke der Breslauer Hbf nahezu pünktlich erreicht wird.
Das Polen ein sehr katholisches Land ist merkt man bereits am Bahnsteig:
Die Bahnhofshalle wurde aufwendig saniert und macht einen guten Eindruck, ist jedoch noch teilweise durch Absperrbänder etwas eingeschränkt benutzbar. Versorgungsmöglichkeiten, Geldautomat und Wechselstube sowie natürlich die verschiedenen Fahrkartenschalter sind aber allesamt vorhanden und geöffnet.
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Der Hauptbahnhof im letzten Tageslicht
Sehr zu empfehlen ist der Breslauer Weihnachtsmarkt, der rund um das imposante Rathaus stattfindet. Viele nette kleine Buden mit viel Platz zum flanieren machen den Besuch zu einem wirklich lohnenswerten Erlebnis, vor allem vor der Kulisse der wirklich wunderschön und farbenfroh restaurierten Innenstadt rund um den Markt. Breslau war 1945 ja zur Festung erklärt worden und in dessen Folge stark zerstört. Umso erfreulicher zu sehen, was im Laufe der Jahre wieder schönes darauf gemacht wurde!
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Rathaus mit der Glühweinpyramide, dem Mittelpunkt des Weihnachtsmarktes
Zurück ging es dann mit dem abendlichen RE nach Dresden. Abfahrt in Breslau ist 18:35, also durchaus zu einer guten Zeit für Pendler und Weihnachtsmarktbesucher, weshalb ich einen vollen Zug erwartete. Zu meinem Glück war dieser aber aus 2x642 gebildet, ein 642 steht also tagsüber in Breslau. Trotz 2 VT war der Zug wieder gut besucht, etwa zu 75%, würde ich schätzen. Landschaftlich gab es nun keine Höhepunkte mehr, war es doch längst dunkel. Pünktlich lief die Fahrt ab, in Zgorzelec-Miasto wurde der Zug erwartungsgemäß fast komplett leer, lediglich etwa 10 Leute fuhren mit über die Neiße. In Görlitz wird der hintere VT planmäßig abgehängt. Mit 1x642 und ca. 50 neu zugestiegenen Fahrgästen ging es dann wieder unter DB-Regio-Führung nach Dresden, wo ich pünktlich ankam und mein Auto schon wartete.
Fazit: Breslau ist immer eine Reise wert, unbedingt aber mehr Zeit einplanen als ich das getan habe!
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