Italien: Reisebericht aus dem .italo (Reiseberichte)
Endliche konnte ich den neuen Star auf der italienischen Schiene testen.
Den .italo von NTV. Mit 300 km/h schnellen, nagelneuen französischen Zügen
des Types AGV möchte man der Trenitalia Konkurrenz machen und fährt auf den
Schnellfahrstrecken von Turin über Mailand, Bologna, Florenz nach Rom,
Neapel und Salerno, seit einiger Zeit fährt man zusätzlich Venedig an.
Die Züge haben drei Klassen, die teilweise nochmal unterteilt in
Ruhe/Handy und Kinobereich sind. Ich nutzte den .italo nur für eine
halbstündige Fahrt von Napoli nach Salerno, das südlichste Stück auf dem
Streckennetz der Privatbahn. Auch dieses Stück wird auf einer vor wenigen
Jahren neu erbauten Schnellfahrstrecke gefahren.
Kurz vor der Abfahrt kaufte ich mir für die 2. Klasse (offiziell heißt die
2. Klasse dort natürlich nicht 2. Klasse sondern hat einen schicken
englischen Namen) für 15 Euro - am Tag vorher hätte es im Internet nur 10
Euro gekostet. Die Fahrscheinautomaten sind sehr bedienerfreundlich, und
haben einen ungewöhnlich großen Touchscreen (etwa die größe eines XXL TV
Geräts, den Sinn dieser Größe habe ich nicht wirklich verstanden). In den
meisten .italo Bahnhöfen gibt es ein eigenes großes Reisezentrum mit viel
Personal und angenehmen Wartemöglichkeiten.
Bei dem .italo ist jedes Ticket an die Person gebunden, mit Name versehen
und nicht übertragbar. Dies finde ich etwas schade, hat mich im weiteren
Reiseverlauf aber nicht gestört.
So wurde der Zug pünktlich in Neapel bereitgestellt. Wenn ich es richtig
gesehn habe, kam er gar nicht aus Norditalien, sondern der Zuglauf war nur
für die 37 Minuten Fahrzeit Napli-Salerno ausgelegt- wahrscheinlich möchte
man eine Leerfahrt vermeiden. Durch den kurzen Zuglauf war die Auslastung
auch sehr gering, nur wenige Fahrgäste fanden sich in dem Zug ein. Die
Sitze sind überaus bequem. Ich testete den Kinowagen. Er hat Bildschirme an
der Decke und die Beleuchtung ist etwas abgedunkelt. Auf den Bildschirmen
lief ein italienisches Nachrichtenprogramm - Kopfhörer hat der Zugbegleiter
gratis verteilt.
Obwohl die Strecke für 300 km/h ausgelegt ist, fuhren wir maximal 180 km/h
und kamen dennoch pünktlich in Salerno an, wahrscheinlich hat der .italo
keine bessere Trasse bekommen und muss so über die Schnellfahrstrecke
schleichen (ein IC mit vmax 200 km/h schafft Napoli-Salerno in 32 statt 37
Minuten!).
Die Sitze sind sehr bequem und der Zug ist bei 180 km/h sehr laufruhig
gewesen. Gerne fahre ich bei meinem nächsten Italienbesuch wieder mit
diesem Zug, auch wenn ich zugeben muss, dass der Trenitalia Konkurrent ETR
500 (Frecciarossa) in der 2. Klasse mit mehr Beinfreiheit und noch
bequemeren Sitzen punkten kann.
Ein Minuspunkt für den .italo ist das fehlende Bordrestaurant oder Bistro,
lediglich einen Süßigkeiten und Kaffeeautomaten (wohl zu sehr angenehmen
Preisen!) gibt es in der Mitte des Zuges.
Sehr stark ist der Kontrast natürlich zu dem deutschen privaten Fernverkehr mit dem HKX. Während dieser nur auf Preis und billig aus ist, hat der .italo ein low-cost Geschäft in Verbindung mit hohem Service in der Premiumklasse geschaffen. Auch das viele Personal, die neuen Automaten, die Lounges und der enge Fahrplan sprechen eher für das italienische Produkt. Bei dem .italo wurde einmal richtig viel Geld investiert und nicht Second-Hand Ware problematisch aufbereitet.