Einmal Vydrovo skanzen und zurück (22 Bilder), Teil I (Reiseberichte)

Sören Heise, Region Hannover, Montag, 12.11.2012, 17:10 (vor 4878 Tagen)

Moin!

Vorwarnung: Dieser Beitrag handelt von einer Reise, die durch zwei Aktive eines Unterforums von Deutschlands führendem Eisenbahnforum organisiert wurde. Nachdem letztes Jahr die weiße Stadt an der Savemündung angesteuert wurde, war diesmal das Tal des schwarzen Wassers das Ziel.


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Der Schreibende begann die Reise mit der üblichen S-Bahn-Fahrt zum nächstgelegenen Hauptbahnhof. Dort war er rechtzeitig zur Stelle, um die Einfahrt des IC 2037 mitzuverfolgen. Dort nahmen er und sein Gepäck in einem Abteil des führenden Interregiosteuerwagens je einen Sitzplatz ein. Der pünktlichen Fahrt in die Nachbarstadt Braunschweig standen zwei ICEs im Weg, so daß ein dort zusteigender Forenkollege ein wenig länger warten mußte. Mit etwa 10 Minuten Verspätung verließen wir die Löwenstadt, um den Dresdner Anschluß nicht besorgt. Unser beider Gepäck wanderte in die Ablage und weiter ging die Fahrt durch die herbstliche Sonnenlandschaft.

In Magdeburg wollte die Lok mal ziehen, das wurde ihr zugebilligt und weiter ging die Fahrt durch die abwechslungsreiche Gegend vorbei an Petersberg und Collmberg hin zu den Weinbergen an der Elbe. Wolken kamen auf und die bange Frage, ob sie wohl auch im Herzen Europas die Sonne verdecken würden. In Dresden hieß es warten. So lange, daß Eutins größter Sohn noch nicht einmal im Reiseplan auftauchte. Das tat er aber ein paar Minuten vor der planmäßigen Ankunft. Da hatte sich die Sonne schon lange der Erddrehung gebeugt und war verschwunden.
Nach 100 Minuten Umsteigezeit ging es recht gemächlich durch die Dunkelheit, Hřensko/Herrnskretschen markierte den Übergang in die ehemalige Doppelmonarchie. Děčín/Bodenbach war der erste Halt in Tschechien. Ústí n.L. hl.n. der zweite und unser Abschied von Carl Maria. Denn es wartete das Abendessen.

Pivovar Na Rychtě heißt die kleine Brauerei, die wir nach Queren der oberleitungsbespannten Straße vor dem Hauptbahnhöflein Aussigs schon fast erreicht hatten. Die Platzreservierung war zwingend nötig, kostete aber wohl keine vier Euro. Gerde einmal doppelt so teuer waren zwei etwa bierfarbene Getränke und ein großer Teller Gulasch. Ein gastlicher, aber leider auch der lauteste Ort der Reise.


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1 Die Gabel war schneller als die Kamera.


Durch die Stadt ging es zurück zum Bahnhof, wo für 21:13 die Weiterreise bestellt war. Weniger Minuten zuvor kam aus Wallensteins Todesstadt der Rychlík 441 mit dem vornehm klingenden Namen Excelsior an, darin der Schlafkurswagen Eger - Banská Bystrica. Ein exzellenter Zweitklassschnellzugwagen wurde angesteuert. Acht Sitze je Abteil, Kunstledersitzbänke, Fenster zum Öffnen und Schließen. Alt, aber sehr gepflegt. Mit ihm ging es fünf Halte weiter. 22:41 hieß es aussteigen. Bis zur Weiterfahrt um 00:05 Uhr war ein wenig Zeit. Zeit, den recht leeren Bahnhof zu erkunden. Unterirdisch ist es saniert, das eigentliche Empfangsgebäude jedoch präsentiert sich leider nicht im Bestzustand. Grandi Stazioni Česká republika wird es richten.


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2 Während der Tscheche hier NEU liest, so liest der Skandinavist NEIN. Für LEO Express trifft irgendwie beides zu. Neu, weil Leošs Firma ab Dezember fahren will. Nein, weil der Frühstart durch Dokumente verhindert wurde.


Mit dem Metropol aus Berlin wollten wir die nächste Etappe zurücklegen. Zusammen mit dem besagten Kurswagen, der als letzter Wagen lief, kam auch noch ein allerletzter Wagen. Denn dank guter Kontakte gelang es den beiden Organisatoren der Fahrt, den Kurswagen Praha - Neusohl auch normalen Reisenden zur Verfügung zu stellen. Für die Mehrheit der Unterforumsausflugsteilnehmer fuhr ein eigener Wagen mit!


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3 Ein Blick ins Abteil.


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4 Das Zuglaufschild dieses allerletzten Wagens stimmt nicht so ganz. Weder kam der Wagen bis Chvatimech noch gibt es dort eine Umspuranlage.


Hinter dem letzten Wagen also ging es weiter, am Metropol bis Břeclav/Lundenburg. Dort wurde rumrangiert und mitten in der Nacht der polnische Komponist dreisprachig angesagt. Für uns hieß es, vom Metropol Abschied zu nehmen und den Horehronec mit unserer Anwesenheit zu beehren. Diesen Schnellzug benutzte unser Wagen für bald fünf Stunden. Irgendwo hinter Bratislava erwachte ich. Der erste Blick aus dem Fenster zeigte gleich eine Lokomotive, eine 189 von Siemens. Hm. Morgennebel lag über der Landschaft, die langweiliger ist als Ostfriesland, fehlen ihr doch Deiche. In Palárikovo verließen wir die Hauptstrecke nach Ungarn, weitgehend eingleisig ging es zunächst in der Ebene, dann in leicht bergiger Landschaft weiter. In wechselnder Zusammensetzung wurde der Vorteil des Sitzwagens, lechts und rinks vernünftig aus dem Fenster schauen zu können, genossen und auch das Frühstück, sofern weder das Wasser einer Weiche zum Opfer fiel noch das Brot nicht nur Kümmel, sondern auch Schimmel hatte.


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5 Herbstliche Stimmung in Hronská Dúbrava, wo Anschluß nach Banská Štiavnica bestand.

In Zvolen bogen wir links ab. Wenig später war Arbeit angesagt. Der Zug wurde um drei Wagen gekürzt, die Elektrolok durch eine fahrdrahtunabhängige Maschine ersetzt und auch wir mußten vom Schlafwagen in einen der etwas ungepflegten slowakischen Sitzwagen wechseln.


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6 Die tschechische 242 284 ist vom Zug, die 757 002 vom SPD-Ortsverein Zvolen (der Name Altsohl dürfte unter den GenossInnen verpönt sein) noch nicht da: Lokwechsel in Banská Bystrica.

Die Fahrt dauerte verhältnismäßig kurz, zwischen dem zweiten und dritten planmäßigen Dieselhalt verließen wir den Zug. Extra für uns hielt man in Chvatimech, sonst fährt der Schnellzug dort um diese Jahreszeit durch.
Nach dem Extrawagen wartete hier unser Extrazug, auf der Čiernohronská železnica waren wir mit einem Sonderzug unterwegs.


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7 Irgendwas gibt's da zu fotografieren. Es war ein schöner großer Baum, ich habe ein paar Schienen im Vordergrund im Bild, was leider zu der Baumspitze Ungunsten ausging.


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8 So sah es dann ein paar Meter weiter aus, immer noch im Bahnhof Hronec, der von Normal- und Schmalspur (760 mm, was sonst?) erreicht wird.


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9 Mit weiteren Fotohalten, so dieser an einer Brücke, näherten wir uns dem Betriebsmittelpunkt, Čierny Balog.

Dort informiert ein kleines Museum über die Geschichte der Bahn und es stehen zahlreiche Fahrzeuge dort.


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10 Die offenen Wagen waren schon in der Vorplanung ausgeschieden.

Als nächstes Stand die im April wiedereröffnete Strecke nach Dobroč auf dem Programm.


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11 M21 004 hat Ausfahrt. Der Apfelbaum hat seine Blätter längst abgeworfen, aber noch nicht alle Früchte.


Die Fahrt führte zunächst über eine Viehweide. Eine Kuh nahm Reißaus vorm Zug, ein Ochse hätte liebend gerne seiner Angebeteten einen Fotografen auf den Hörnern präsentiert. Das aber konnte der Bauer verhindern.


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12 In Dobroč war ein Foto mit Kirche möglich. Wer es nicht hat, hat, wie man sieht, nichts versäumt.


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13 Auf der Rückfahrt wurde erneut der Sportplatz passiert, wo die Bahnstrecke zwischen Tribüne und Spielfeld vorbeiführt, gesichert durch fernbediente Tore.


Wieder in Čierny Balog, ging es als geschobene Fahrt in vierbeiniger Begleitung nach Vydrovo. Dort befindet sich ein Waldmuseum mit zahlreichen holzbezogenen Ausstellungsstücken.


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14 Bei einer Waldbahn steht natürlich Holz im Vordergrund. Mittlerweile ist göttlicher Beistand wieder erlaubt.


Einige reisten mit dem Zug zurück nach Čierny Balog, andere gingen auf den Waldlehrpfad. Dort steht unter anderem, wie unser kompetenter Reiseleiter herausfand, der erste Holzhubschrauber der Slowakei. Da ich mich lieber Bodenständigerem widmete, habe ich von dem leider kein Bild.


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15 Stattdessen die Talstation einer mobilen Seilbahn. Betreiber ist, wie man sieht, das Kommando Spezialkräfte. Steyr dürfte der Tarnname für Speyer sein.


Mangels Zug mußte es nun zu Fuß zurückgehen, in der Hoffnung, daß die Zugrückfahrer das Mittagessen nicht alleine verzehrten, war es doch mittlerweile schon nach vierzehn Uhr.


Fortsetzung folgt.

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Verstehen Sie Bahnhof!
Europa: Linkliste Fahrplantabellen und mehr

Einmal Vydrovo skanzen und zurück (22 Bilder), Teil II

Sören Heise, Region Hannover, Montag, 12.11.2012, 17:14 (vor 4878 Tagen) @ Sören Heise

Fortsetzung.


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16 Der Haltepunkt Vydrovo Skanzen hat selbstverständlich ordnungsgemäß eine Haltepunktafel. Aber die ist irgendwie seltsam.


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17 Im Ortsbereich verläuft die Strecke parallel zur Straße, im Hintergrund ein Denkmal an den Slowakischen Nationalaufstand.


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18 Spanferkel gab's. Mit Knödeln und Rotkohl. Lecker. Hinterher wurde der ein oder andere Schnaps benötigt.


Anschließend dreiteilte sich die Gruppe. Ein Quartett wählte den Fußweg nach Bries, ein Duett den Sechzehnuhrbus. Der Rest fuhr kurz nach 17 Uhr über den Berg.
Die Wege vereinten sich wieder am Bahnhof von Brezno, wo wir auf den Horehronec warteten. Im Wagen, der planmäßig nicht dabei ist, ging es nach Banská Bystrica. Dort warteten die Schlafwagen, leider mit zu wenig Gulaschsuppe und im Sonderwagen mit ohne Heizkraft.
Durch die frühe Dunkelheit ging es denselben Weg zurück. Galánta verpaßt ich diesmal nicht, aber die Töne aus Kodálys Noten habe ich noch immer nich im Ohr.


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19 Zurück ist der Kurswagen in drei Zügen unterwegs: Horehronec von Banská Bystrica bis Bratislava, weiter bis Pardubice im Metropol. Die letzten Meter bis Prag werden dann mit dem Frühschnellzug Bezejmenný zurückgelegt, so daß man nicht schon morgens um vier da ist.

In Praha hl.n. aber stiegen wir nicht aus, sondern fuhren noch mit zum Stützpunkt des Schlafwagenbetreibers JLV. Ein Frühstück in der Kantine und ein kleiner Rundgang standen dort auf dem Programm. Mit der Straßenbahn (sonntagmorgens alle 10 Minuten) ging es zum Museum und zu Fuß weiter zum Hauptbahnhof.


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20 Ein Detail der Südfassade des Hauptbahnhofs.


Im Bahnhof wurde zunächst die Bardotka angebetet, bevor man anderer Zerstreuung zustrebte. Es ging für mich auf eine kleine Runde durch die Station.


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21 Draußen vor der Tür der Nichtbahnbus nach Mnichov und rechts ein Bus für gescheitelte Reisende.


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22 Auf einem Stumpfgleis gen Norden stand 480 002 von Leojet und wartete auf Reisende. Seltsam, daß die Bahnsteigenden aus Schotter auf Gleisniveau bestehen.


Ansonsten wurde die Sonntagsruhe durch Werbelokschen, Stadtelefanten und Regionovæ unterbrochen. Und die Sonntagsruhe im Schnellzug über Pilsen nach Cheb durch einige deutsche Reisende. Eisenbahnfreunde, aber sonst normal. Wenige von denen stiegen schon in Beroun aus und fuhren zurück nach Prag, der Rest blieb drin. Mies wurde es für die erst in Mies: Hinter Stříbro war nämlich Max Krtek im Novemberregengrau zugange. Das bedeutete, bis Marienbad mit dem Bus zu fahren. Die Laune sank vollends in den Keller, als sich herausstellte, daß der Nürnberger Pendolino in Cheb die paar Minuten (25 oder so) nicht gewartet hatte. Also Voglandbahn (Zivil-Bupo mit dem üblichen Beuteschema) und Safran (nicht aus Mund, sondern aus Dresden, aber wider Ersarten Sitzplätze für alle). In Nürnberg dann Bekanntschaft mit DB Schönred, die den Entfall von neun der elf Direktverbindungen Nürnberg - Hannover als Entfall in Einzelfällen verkaufte. Also Aufenthalt von 16:15 bis 17:30 Uhr, im Zug noch Sitzplatzwechsel wegen Reservierung. Wieder daheim, kratzt der Hals.


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Viele Grüße, Sören


Gegenüber DSO ist dieser Beitrag in mehreren Punkten geändert.

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Verstehen Sie Bahnhof!
Europa: Linkliste Fahrplantabellen und mehr

Ich verstehe hier nun Bahnhof!

Reisender, München, Montag, 12.11.2012, 17:30 (vor 4878 Tagen) @ Sören Heise

Danke für den ungewöhnlichen Reisebericht und die schönen Fotos.

Nur was ist "Vydrovo skanzen"? Google findet es nicht und fragt: "Meinten Sie: Vydrova skanzen"?

Die Suche in Wikipedia ergibt einen Treffer. Geht es hier um die Schwarzgranbahn?

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Foto: ICE 3 "Ingolstadt" in Köln Hbf

Haltepunkt!

Sören Heise, Region Hannover, Montag, 12.11.2012, 17:39 (vor 4878 Tagen) @ Reisender

Grüß Gott,

das ist ein Haltepunkt. ;-)

Vydrovo skanzen ist korrekt und die Schwarzgranbahn (eine alte ungarische Karte nennt den Fluß Schwarzwasser) hast Du richtig ergoogelt.


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Das Stationsschild mit Fahrplanaushang.


Viele Grüße, Sören

Danke!

Matze86, München, Montag, 12.11.2012, 19:02 (vor 4878 Tagen) @ Sören Heise

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Ďakujem!

SC Pendolino, Montag, 12.11.2012, 21:00 (vor 4878 Tagen) @ Sören Heise

Dobrý deň,

to bol pekný výlet na Slovensko, ďakujem Sörenovi!

Najlepši je vlak Bezejmenný - rozumiem :)

Ein schöner Ausflug, an der CHZ war ich als kleiner Junge zuletzt im Jahre 1996 - vieles erkenne ich dennoch wieder. Danke für Deinen Bericht!

Viele Grüße
SC Pendolino

Skanzen = Freilichtmuseum

EC 178, Dienstag, 13.11.2012, 09:19 (vor 4878 Tagen) @ Sören Heise

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Danke für den sehr schönen Bericht. Toll!

EC 178, Dienstag, 13.11.2012, 09:20 (vor 4878 Tagen) @ Sören Heise

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