[BE] Charleroi: Métro léger & Geisterstrecken [3/3] (Reiseberichte)

Fabian318, Münster i. W., Freitag, 02.11.2012, 19:54 (vor 4888 Tagen)

Hallo,

nach einer kleinen Pause geht es nun mit dem dritten und dem letzten Teil weiter.

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Teil 1: http://www.ice-treff.de/index.php?id=203529
Teil 2: http://www.ice-treff.de/index.php?id=204103 & http://www.ice-treff.de/index.php?id=204104
Teil 3: *aktuell*

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Wir haben die Station Beaux-Arts verlassen und fuhren mit der M4 einmal um den Ring (gegen den Uhrzeigersinn), in Waterloo durch die unterirdische Wendeschleife und erreichten die neue Endstation Soleilmont:


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Wir sind dann weiter nach Soleilmont mit der M4. Bis Station Gilly war die Strecke schon länger in Betrieb, dieses Jahr wurde jedoch quasi ein kompletter Neubau bis Soleilmont eröffnet. Die im Rohbau bereits erstellte unterirdische Station Marabout wurde ausgebaut, die ebenfalls im Rohbau befindliche Station Sart-Culpart abgebrochen und an anderer Stelle in bescheidenerem Ausmaße neu erstellt. Hier wartet der bereits zu Anfang gezeigte 6103 auf einem Ausziehgleis.


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Mit 7404 kamen wir an. – Noch einer der Fahrzeuge mit „4-3-2-1“-Werbung.


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Ein Blick auf die gesamte Anlage. Die Bescheidenheit, nicht alles unterirdisch bauen zu müssen, tut durchaus gut und hat hier solch eine nette Station als Ergebnis gehabt. Links wird aus Metro aus- und in den Bus eingestiegen, rechts das ganze umgekehrt. So wird man nicht, ganz im Gegensatz zu uns, nass.


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4321, ach nee, 7404, fährt ab gen Stadtring, befährt ihn links herum und kommt 50 Minuten später wieder zurück. Unverkennbar, welche Farbe die Fahrzeuge unter der weißen Folie tragen.


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Zwei Fahrzeuge in der aktuellsten Lackierung...


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...erreichen die Station. Auf der Soleilmont-Strecke herrscht übrigens Linksverkehr, der Wechsel erfolgt direkt nach Verlassen des Stadtringes. Die Zahl links signalisiert übrigens die zulässige Geschwindigkeit, 17 km/h.


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Waterloo, der nordöstliche Bahnhof. Der Bahnsteig links ist weder erreichbar, noch in Betrieb, noch mit Gleis versehen. Links fahren die Züge nach Beaux-Arts über den Ring entgegen des Uhrzeigersinnes, also die Linien M1 und M4; rechts im Uhrzeigersinn die Linien M2 und M3. Da die Linie M3 am Wochenende nicht verkehrt (und wochentags mangels Gosselies-Strecke nur auf dem Ring), gibt es dann rechts also nur einen Stundentakt und überhaupt eine sehr ungleichmäßige Belastung des Stadtringes. Links hinter der Wand befindet sich die unterirdische Kehrschleife, über die die Linie M4 von Sud kommend Richtung Soleilmont (sozusagen in Blickrichtung) ausfädelt. Dort ist auch direkt die Rampe der niemals in Betrieb genommenen Strecke nach Centenaire und Châtelet sowie an der Kehrschleife die Rampe nach Gosselies, die aber nie mehr für diesen Zweck genutzt werden wird.


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Waterloo von außen. Außerordentlich bemerkenswert ist übrigens, dass sich das Verteilergeschoss (von dem aus sich wie gesagt sowieso nur ein einziger Bahnsteig erreichen lässt) unter der Gleisebene befindet. Man geht also eine lange Treppe herunter, erblickt durch Fenster bereits die Bahnsteigebene und darf anschließend wieder die Treppe nach oben laufen. Gibt es sonst noch irgendwo Tunnelbahnsteige, von denen aus es nur Treppen nach unten gibt?


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Durch einen kleinen Park hindurch ist direkt die Rampe der Centenaire-Strecke zu erreichen. Niemals in Betrieb genommen, aber voll funktionsfähig. Die Signale leuchten, dann und wann wird ganz offenbar Grünschnitt betrieben usw. Hier ist auch der etwas abenteuerlich anmutende Wechsel von Rechts- auf Linksverkehr zu sehen, wie es ihn auch nach Soleilmont im Tunnel gibt.


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Wieder am Bahnhof Sud lassen sich noch einige Fahrzeuge in der Abstellung...


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...sowie von Villette kommend ablichten.


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Man muss es leider sagen: Der schönste Ort Charlerois – wo man auf den Zug aus der Stadt heraus wartet.


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Wir haben aber noch einen Abstecher mit dem Bus zur nie in Betrieb gegangen Strecke Waterloo–Centenaire–Châtelet gemacht. Hier der zweite Bahnhof hinter Waterloo: Chet. Eine sehr unwirkliche Situation, in diesen Straßen eine Metrostation zu sehen. Aber sie ist ja offenbar aus guten Gründen auch nicht in Betrieb.


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Ein Rolltor versperrt den Zugang. Sonst ist alles normal beschildert, als würden hier tagein, tagaus Metros abfahren.


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Chet noch mal, von außen. Angeblich wurden zwischen Waterloo und Chet jüngst Personalschulungsfahrten durchgeführt und nicht gebrauchte Fahrzeuge abgestellt.


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Eine Metrostation passt einfach nicht in diese Umgebung.


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Nr. 4.


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Die nächste Station ist Pensée. Hier ist es noch einsamer und die ganze, kaputtvandalierte, Station wurde in einem Landhausstil errichtet.


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Blick Richtung Waterloo. Die unnötig engen Gleisbögen sind völlig normal, auch auf den in Betrieb befindlichen Strecken. Dies führt leider zu einer unkomfortablen Fahrt.


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Landhaus von außen.


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Landhaus aus Richtung Centenaire gesehen.


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Der Bahnhof Centenaire befindet sich unterirdisch und ist der letzte vollständig fertige Bahnhof dieser Strecke. Einige weitere Stationen und die Strecke sind noch im Rohbau errichtet. Viel lässt sich hier nicht sehen, aus nächster Nähe erkennt man aber noch den Schriftzug „M Centenaire“ über dem Eingang. Dies war es dann. Ein weiterer Besuch, nach Eröffnung der Straßenbahnstrecke nach Gosselies, wird sicher folgen.


Hiermit sind wir zum Abschluss gekommen und ich hoffe, es war nett zu lesen. Anmerkungen & Kritik sind jederzeit willkommen.

Viele Grüße
Fabian

[BE] Charleroi: Métro léger & Geisterstrecken [3/3]

Zuglaufschild, Alkmaar, Freitag, 02.11.2012, 20:55 (vor 4888 Tagen) @ Fabian318

Sehr vielen dank für deinen Super Beiträge!

Grüße,
Peter

Frage zu merkwürdigen Geschwindigkeiten

sflori, Samstag, 03.11.2012, 15:07 (vor 4888 Tagen) @ Fabian318

Danke für den interessanten Beitrag. :)

Mir sind schon in Brüssel neulich die merkwürdigen Geschwindigkeitslimits aufgefallen - 17 km/h oder auch 28 oder 39... Das ist sogar auf den Tachos in den Führerständen der Stadtbahnen schon markiert. Weiß jemand, was der Hintergrund davon ist?


Bye. Flo.

[BE] Charleroi: Métro léger & Geisterstrecken [3/3]

FloSch, München, Samstag, 03.11.2012, 15:23 (vor 4888 Tagen) @ Fabian318

Danke für den schönen Dreiteiler! Irgendwie echt traurig, wie man da viel Geld investiert hat was sich nie in irgendeiner Form lohnen wird :(
Aber auf jeden Fall sehr interessant!

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EU-Gelder???

Manitou, Freitag, 09.11.2012, 00:03 (vor 4882 Tagen) @ Fabian318

Wieviel EU-Gelder sind in diesem Projekt "versenkt" worden? Mußte Belgien etwas zurückzahlen?

EU-Gelder???

Fabian318, Münster i. W., Freitag, 09.11.2012, 01:06 (vor 4882 Tagen) @ Manitou

Wieviel EU-Gelder sind in diesem Projekt "versenkt" worden? Mußte Belgien etwas zurückzahlen?

EU-Gelder? Das dürfte doch schon sooooo alt sein. Eher Gelder aus Belgien selbst, weil ja in die Premetro in Flandern (Antwerpen) investiert wurde, musste natürlich auch die Wallonie "ihre" Metro bekommen.

[BE] Charleroi: Métro léger & Geisterstrecken [3/3]

Thalyseo, Mittwoch, 02.01.2013, 18:52 (vor 4827 Tagen) @ Fabian318

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Waterloo, der nordöstliche Bahnhof. Der Bahnsteig links ist weder erreichbar, noch in Betrieb, noch mit Gleis versehen.

Hier würde sich in meinen Augen jedoch das zusätzlich Gleis anbieten. Der Mittelbahnsteig wird doch recht schmal und könnte dann bis zur Wand gezogen werden.

Dort ist auch direkt die Rampe der niemals in Betrieb genommenen Strecke nach Centenaire und Châtelet sowie an der Kehrschleife die Rampe nach Gosselies, die aber nie mehr für diesen Zweck genutzt werden wird.

Ich bin sehr gespannt, was bei der Planfeststellung als Ergebnis festgestellt wird. Wahrscheinlich wird das Netz nicht mehr ausgebaut werden, aber dennoch wäre es schön, wenn wenigstens die bereits bestehende Infrastruktur genutzt würde.

Das französische Wikipedia bietet hierzu eine schöne Übersicht.

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Waterloo von außen. Außerordentlich bemerkenswert ist übrigens, dass sich das Verteilergeschoss (von dem aus sich wie gesagt sowieso nur ein einziger Bahnsteig erreichen lässt) unter der Gleisebene befindet. Man geht also eine lange Treppe herunter, erblickt durch Fenster bereits die Bahnsteigebene und darf anschließend wieder die Treppe nach oben laufen. Gibt es sonst noch irgendwo Tunnelbahnsteige, von denen aus es nur Treppen nach unten gibt?

Ich denke, dass das langfristig nicht mehr zulässig sein wird, da es ja doch diskriminierend für mobilitätseingeschränkte Menschen ist. Womöglich sind es auch diese notwendigen Nachrüstungen/Installationen, die das Projekt so kostenaufwendig werden lassen.

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Eine sehr unwirkliche Situation, in diesen Straßen eine Metrostation zu sehen. Aber sie ist ja offenbar aus guten Gründen auch nicht in Betrieb.

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Eine Metrostation passt einfach nicht in diese Umgebung.

Ich weiß nicht, ob ich dem so zustimmen würde:
Oftmals folgt ja die Agglomeration erst der Erschließung durch Metro/S-Bahn (z. B. Köln-Chorweiler). Natürlich sind das nicht immer die "bevorzugte Wohngegend" (und oftmals bilden sich so erst soziale Brennpunkte), aber allein die daraus resultierende Agglomeration berücksichtigend, finde ich das nicht ganz von der Hand zu weisen.

Interessant finde übrigens auch die gezogenen Parallelen zur Metro Léger in Antwerpen, wo es offensichtlich auch nie realisierte Strecken gibt. Allerdings sind die wahrscheinlich auch nie gebaut worden (?).

Der Fuhrpark erscheint mir in Antwerpen etwas betagter, zumal die Gleise in Antwerpen auffallend schmal sind.

In Antwerpen wird m. E. oft die Bezeichnung "Métro" verwendet, wobei "Prémétro" nicht angemessen wäre, da ein "Umbau" ja nicht geplant zu sein scheint. Streng genommen ist die Bezeichnung ja auch nicht verkehrt, denn es wird ja zwischen "Métro Lourd" und "Léger" unterschieden.

Tolle Chronik; Thalyseo dankt! :)

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