Auf den Spuren alter Bahnstrecken.. (mvB) (Reiseberichte)

dwt, Montag, 22.10.2012, 14:08 (vor 4900 Tagen)
bearbeitet von dwt, Montag, 22.10.2012, 14:08

Da die Wettergötter uns so ein herliches Wochenende geschenckt haben (zumindest hier in Thürigen), nutze ich die Gelegenheit und fuhr mit dem Rad an der alten Bahnstrecke zwischen Sonneberg und Stockheim.

(Dazu eins vorweg: Deutsch ist nicht meine Muttersprache, also ich bitte euch kleine Fehler zu entschuldigen)

Die Bahnstrecke, die Sonneberg und Stockheim verbindet, ist zwischen 1886 und 1901 erbaut worden. Motivation hinter dem Bau war, Sonneberg mit der relativ naheliegenden Frankenwaldbahn bei Stockheim zu verbinden und Reisende den Umweg über Coburg/Lichtenfels zu ersparen.
Mehr dazu: hier und hier.

Da die Strecke die ehemalige innerdeutsche Grenze überquert, war es für durchgängiges Verkehr nach dem zweiten Weltkrieg Schluss. Bis zum Jahr 1967 fuhr Personenverkehr auf thüringische Seite. Was Verkehr auf bayerische Seite zwischen Stockheim und Burggrub betrifft, bin ich mir nicht so sicher.

Seit 2010 kann man aber wieder fast genau die gleiche Strecke hinterlegen – und zwar mit dem Fahrrad. Die Fahrradwege sind gut ausgebaut (durchgängig betoniert). Die einzigen Schwierigkeiten sind die Steigungen :)


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Kurz nach Sonneberg(Thür) Ost biegt die Strecke nach Neuhaus am Rennweg links in den Steinachtal ab. Hier ein Blick zurück Richtung Hauptbahnhof.


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Von der gleichen Position in der anderen Richtung. Die Strecke nach Stockheim fuhr gerade aus. Gleise sind hier noch teilweise vorhanden.


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Leider müssen wir gleich am Anfang von der Strecke abweichen, da Wohnhäuser am Ende der kleinen Straße im Bild gebaut worden sind. Der Fahrradweg führt über Malmerz und die neue B89-Verlängerung bevor wir wieder zu der alten Bahnstrecke gelingen. Bis zum Jahr 2000 waren die Gleise bis diesen Kreisverkehr noch vorhanden (gut auf Google Earth zu erkennen, wenn man die Bilder von 2001 anschaut).


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Weiter geht's Richtung Weidhausen/Föritz. Hier verlassen wir die Straße wieder.


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Man kann noch das ehemalige Gleisbett deutlich erkennen.


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Nach dem Abstecher hinter den Wohnhäusern müssen wir die B89 überqueren. Bahntechnisch ist hier gar nichts zu sehen. Nur der Streckenverlauf ist erkennbar.


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Hinter Föritz kommt eine Kurve Richtung Schwärzdorf.


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In diesem Einschnitt kurz vor Schwärzdorf kann man noch alte Bahnkonstruktionen erkennen...


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In Schwärzdorf gibt es noch eine sehr schöne Ziegelsteinbrücke. Hier das Blick von oben mit Schwärzdorf im Hintergrund.


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Die Brücke von der Straßenperspektive (Quelle: wikipedia)


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Nach Föritz kommt eine kleine Steigung, bevor es gewaltig bergab geht. Wir kommen mit gefühltem 100km/h in Neuhaus-Schierschnitz an. Wir überqueren die B89 noch mal. An dieser Stelle verlassen wir mal kurz die alte Bahnstrecke.


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Wir fahren weiter durch ein Wohngebiet und nach ca. 100m kommt wieder der Radweg bzw. die Bahnstrecke.


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Wir blicken hoch über den Dächern von Neuhaus-Schierschnitz. Die Farben sind herrlich an diesem schönen Herbstsonntag.


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Nach einem kurzen Stück ganz oben, geht der Radweg wieder bergab in das kleine Städtchen. Gerade aus sehen wir den Bahndamm und eine Brücke (mein Bild von dieser Position ist leider verschwommen). Der Höhenunterschied ist bemerkenswert - vielleicht gab es hier noch eine Brücke über die Straße? Nach der Brücke biegt der Radweg rechts ab. Wir fahren aber weiter gerade aus, dem alten Bahnhof auf der Spur.


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Da isse! Auf einem eher tristen Gebäude in einer Nebenstraße sehen wir die ersten Zeichen eines Bahnhofes auf der ehemaligen Strecke.


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Zurück am Radweg sieht man den Bahnhof ganz gut.


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Ich bin kein Expert wenn es um Bahntechnik geht, aber das sah nach irgendwas bemerkenswertes aus. Abstellgleis vielleicht? Schwer zu erkennen unter dem Gebüsch.


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Wir verlassen Neuhaus-Schierschnitz und begegnen unseren alten Freund wieder: die B89. Wir nähern uns der thüringisch-bayerischen Grenze.


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Bis vor 23 Jahren war es hier Schluss. Rechts befand sich auch eine große Minensperre.


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Hier der Kolonnenweg ist klar zu erkennen.


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Grenzstein. Auf der anderen Seite stand „HW“ – weißt jemand was die Kürzel bedeuten?


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Bedeutsamer Ort. Gleich nach diesem Schild kommen wir in Burggrub an.


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Am Ortseingang Burggrub befindet sich ein Fabrik. Die Gleise verliefen rechts daneben Richtung Burggrub Stadt.


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Wir nähern uns dem ehemaligen Bahnhof Burggrub.


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Dort befindet sich eine Anzeigetafel mit Wanderwegen von vor der Wende. Der Verlauf der Strecke durch Neuhaus-Schierschnitz ist deutlich zu erkennen.


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Im Nachmittaglicht sieht das Dorf herrlich aus.


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Ehemalige Bahnhof Burggrub. In Burggrub ist allerdings mehr erbaut worden als in den anderen Städten und der Streckenverlauf ist daher schwer zu erkennen. Die Strecke überlebt aber in den Straßennamen: Bahnhofsstraße, Bahnhofssiedlung, usw.


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Hinter Burggrub fahren wir wieder an der B89 entlang. Hier eine „Actionshot“ von der Fahrradperspektive ☺


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Anfang der Verbindungskurve zur Frankenwaldbahn bei Haßlach.


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Im Gebüsch sieht man noch Eisenbahnreste.


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Wir sind kurz vor Haßlach und deshalb auch dem Ende unserer Tour. Hier noch ein Bild von der Verbindungskurve.


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Frankenwaldbahn.


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Das letzte Stück Verbindungskurve. Hier kann man sich die Strecke wirklich vorstellen.

Der Radweg ist wirklich einer Reise wert. Allerdings würde ich Sonneberg nach Stockheim empfehlen, und nicht andersrum. Der Rückweg gestern war zum Teil extrem schwer!

Auf den Spuren alter Bahnstrecken.. (mvB)

Ösi, Montag, 22.10.2012, 14:24 (vor 4900 Tagen) @ dwt

Grenzstein. Auf der anderen Seite stand „HW“ – weißt jemand was die Kürzel bedeuten?

Meine Vermutung: Königreich Bayern. Bei HW habe ich keine Ahnung, vielleicht Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach?

Auf den Spuren alter Bahnstrecken.. (mvB)

Mumin, Montag, 22.10.2012, 14:40 (vor 4900 Tagen) @ dwt

Wunderschöner Bericht, vielen Dank! Bemerkenswert neben all den bahnaffinen Aspekten ist für mich vor allem die Karte auf dem Gedenkschild an der früheren deutsch-deutschen Grenze, die Ex-Jugoslawien mal eben so dem Westen zuschiebt. Ob es da wohl schon einen Historikerstreit drüber gegeben hat?? ;-)

Auf den Spuren alter Bahnstrecken.. (mvB)

GibmirZucker, Dienstag, 23.10.2012, 01:05 (vor 4899 Tagen) @ Mumin

Ob es da wohl schon einen Historikerstreit drüber gegeben hat?? ;-)

Könnte im Fall Jugoslawiens aufgrund der Blockfreiheit zwar sein, aber schlimmer ist, dass auch Albanien zum Westen "gehört". Merkwürdige Strichführung, ist mir übrigens erst durch deinen Kommentar aufgefallen, wird bei den anderen Schildern (Probstzella etc.) wohl auch so sein.

Auf den Spuren alter Bahnstrecken.. (mvB)

PhilippK, Dienstag, 23.10.2012, 15:50 (vor 4899 Tagen) @ Mumin
bearbeitet von PhilippK, Dienstag, 23.10.2012, 15:50

die Ex-Jugoslawien mal eben so dem Westen zuschiebt. Ob es da wohl schon einen Historikerstreit drüber gegeben hat?? ;-)

Bevor hier der Historikerstreik ausbricht: auf der Karte ist nicht die Grenze zwischen West und Ost, sondern der Eiserne Vorhang eingezeichnet. Und das meiner Ansicht nach korrekt: http://de.wikipedia.org/wiki/Eiserner_Vorhang

Ansonsten: Danke für den netten Bericht :-)

Gruß, Philipp

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