Ein Tag im Schwarzwald (mit vielen Bildern) (Reiseberichte)

TD, Mittwoch, 17.10.2012, 17:41 (vor 4904 Tagen)

Hallo zusammen,

neben zahlreichen Ferntouren muss auch mal etwas Heimatkunde sein – und so wollte ich schon länger mal einige Strecken im Schwarzwald abfahren.

Am ersten Oktobersamstags waren die Voraussetzungen hierfür scheinbar perfekt, denn drei Faktoren sprachen für den Tag: der Wetterbericht kündigte einen sonnigen Herbsttag an, in Triberg wurde an dem Tag der Schwarzwaldbahn-Erlebnispfad eröffnet und für die nächsten Wochen war dies die vorletzte Gelegenheit, Schwarzwald- und Gäubahn ohne baustellenbedingten Schienenersatzverkehr zu befahren. Einzig, dass man wegen des Cannstatter Wasens Züge von und nach Stuttgart besser meiden sollte, hatte ich nicht bedacht. Aber dazu später mehr.

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Üblicherweise beginnen meine Reiseberichte in Konstanz, heute fahren wir aber mit dem Fahrrad nach Allensbach und beginnen dort die erstklassige Tour (ja, das ist da, wo die Umfragen herkommen). Wir fahren mit der Schwarzwaldbahn nach Triberg, wandern über den Schwarzwaldbahn-Erlebnispfad, fahren über die Kinzigtalbahn nach Freudenstadt, weiter über die Murgtalbahn nach Karlsruhe und über die Nagoldtalbahn und die Gäubahn zurück an den Bodensee.

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Es ist noch neblig, als wir in Allensbach am Bahnhof ankommen. Von hier aus fahren wir mit einem Interregio-Express auf der Schwarzwaldbahn nach Triberg.

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Die Monitore in der Schwarzwaldbahn werben schon seit längerer Zeit für den neuen Schwarzwaldbahn-Erlebnispfad und die Eröffnung am heutigen Tag. Allerdings werden wir später feststellen, dass mit dem Werbefoto etwas nicht stimmt, denn die Aussichtsplattform hat in der Realität ein anderes Aussehen.

Die Fahrt vom Bodensee durch den Hegau und entlang der Donau in den Schwarzwald verläuft angenehm und ohne besondere Vorkommnisse, zwischen Singen und Engen verlassen wir den Bodenseenebel und genießen die Morgensonne. Nur schade, dass kein Catering im Zug unterwegs ist, ein Kaffee wäre jetzt schön.

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Pünktlich um 9.17 Uhr erreichen wir Triberg. Die offizielle Eröffnung des Erlebnispfades mit Musik und Ansprachen ist erst um 10.30 Uhr – wir können den Pfad also noch vor dem großen Rummel in aller Ruhe anschauen.

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Rund um den Bahnhof laufen noch die Aufbauarbeiten und die Vorbereitungen für den Festakt, schließlich werden Verkehrsminister und Landrat erwartet.

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Der Schwarzwaldbahn-Erlebnispfad ist ein Bahnwanderweg mit insgesamt 16 Stationen, der sich in zwei Touren gliedert. Beide Routen sind etwa 6 Kilometer lang mit einer Gehzeit von je 2 Stunden. Man kann die Touren einzeln gehen oder miteinander verbinden. Mehr zum Erlebnispfad unter www.schwarzwaldbahn-erlebnispfad.de. Wir entscheiden uns für den „Unteren Erlebnisweg“ mit den Stationen 1 bis 7. Station 1 ist hier der Bahnhof Triberg mit der Denkmallokomotive 50 245.

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Dann beginnen wir die Wanderung direkt an den Gleisen. Wie man sieht, wurde hier bis kurz vor der Eröffnung noch gearbeitet, auch unterwegs werden uns noch Handwerker begegnen.

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Nachdem wir das Bahnhofsgelände verlassen haben, führt der Pfad bergabwärts entlang des Göttlerwegs zum unteren Dreibahnenblick.

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Unterwegs gibt es immer wieder Infotafeln und Wegweiser. Dieses Exemplar ist nicht zu übersehen, bei den kleineren Wegweisern ist die Tarnfarbe braun vielleicht nicht so glücklich gewählt.

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Wir haben Station 2 erreicht. Neben dem Dreibahnenblick geht es hier um das Thema Tunnelbau, der nicht nur mit Bildern und Grafiken veranschaulicht wird, sondern auch mit einer Kipplore.

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Jetzt geht es hinab zur weltgrößten Kuckucksuhr und dann recht steil bergan hinauf zur Station 3.

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Oben angekommen erwartet uns eine Einführung in das Thema Schienen und Schwellen.

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Jetzt ist es nicht mehr weit zur Station 4, dem Vierbahnenblick. Eine Plattform ragt über den Fels hinaus und eröffnet einen vierfachen Blick auf die Schwarzwaldbahn. In der Lokalpresse wurde der Steg mit dem Grand Canyon verglichen – das ist vielleicht etwas übertrieben, trotzdem gibt es hier einen tollen Ausblick.

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Ich bin sicher kein Fuzzy oder Trainspotter und habe als einzigen Fahrplan im Kopf, wann wir für die Weiterfahrt wieder am Bahnhof von Triberg sein müssen. Dass nun gerade der IC 2006 von Konstanz nach Dortmund vorbeikommt, ist ein reiner Zufallstreffer. Gut, dafür erwische ich ihn auch nur von hinten.

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Wir könnten jetzt im oder besser auf dem Wartesaal Platz nehmen und auf den nächsten Zug warten, stattdessen wollen wir aber gleich weiter zur nächsten Station.

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Am Gremmelsbacher Tunnel bei Station 5 geht es um das Hören. Am Fernsprecher kann man auf Knopfdruck verschiedenen Bahngeräuschen lauschen.

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Ebenso gehört auch die Plattform noch zu Station 5, hier gibt es den echten Sound vorbeifahrender Züge. Anschließend führt der Pfad noch ein Stück höher hinauf.

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Der Obere Dreibahnenblick ist Station 6. Auch hier wieder eine Plattform mit einem tollen Ausblick auf die Schwarzwaldlandschaft und die Bahnstrecke. Das Metallband am Boden verdeutlicht den Streckenverlauf.

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Unterhalb der Bildmitte ist die Aussichtsplattform von Station 4 zu sehen, dort waren wir vorhin.

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Ja, ich weiß, wieder nur von hinten. Ein Zug der Schwarzwaldbahn auf der Fahrt zum Bodensee (ich bin gerade zu faul um zu recherchieren, ob der Zug jetzt nach Konstanz oder Kreuzlingen fährt).

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Das da unten ist die Rückseite der weltgrößten Kuckucksuhr, in der Bildmitte ist Station 2 (die mit der Kipplore).

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Noch ein letzter Blick auf dieser Talseite, dann verschwindet der Pfad im Wald und führt uns zurück an den Bahnhof von Triberg.

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Die letzte Station auf unserer Tour ist das Denkmal für Robert Gerwig, den Erbauer der Schwarzwaldbahn. Das Denkmal ist schon etwas älter als der Erlebnispfad, es stammt aus dem Jahr 1887.

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Als wir wieder am Bahnhof von Triberg eintreffen, läuft das Festprogramm noch. Es gibt leckere Schwarzwälder Kirschtorte – da greifen wir gerne zu, zumal wir uns diese Stärkung im Gegensatz zu den anderen Festgästen mit der Wanderung schon verdient haben. Im Bahnhofsgebäude selbst gibt es noch eine Dauerausstellung zur Geschichte der Schwarzwaldbahn sowie ein Bahnkino.

Es geht gleich weiter...

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[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/

Ein Tag im Schwarzwald - Fortsetzung

TD, Mittwoch, 17.10.2012, 17:51 (vor 4904 Tagen) @ TD

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Man könnte sicher gut einen ganzen Tag auf dem Erlebnispfad verbringen, aber wir wollen auch noch ein bisschen Zugfahren. Uns so geht es jetzt mit dem IC 2370 weiter bis nach Hausach.

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In der Bahnhofsunterführung von Hausach begrüßt uns Werbung für die Schwarzwald-Modellbahn. Die Modellbahn kennen wir allerdings schon...

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...deshalb spazieren wir Richtung Kinzigtal und trödeln die knappe halbe Stunde Wartezeit hier ab.

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Bahnhof Hausach

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Von Hausach geht es nun mit einem Regioshuttle der Ortenau-S-Bahn (OSB) auf der Kinzigtalbahn hinauf nach Freudenstadt.

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Die Strecke führt landschaftlich reizvoll entlang der Kinzig und durch mehrere Tunnel durch die Schwarzwaldlandschaft. Strecke und Fluss sind nicht zu verwechseln mit den gleichnamigen Pendants in Hessen. Allerdings ist bei der Fahrt etwas der Wurm drin, der Zug kommt schon mit leichter Verspätung in Hausach an, dann sind zwei Schranken nicht geschlossen und auf der Steigung zwischen Alpirsbach und Loßburg-Rodt gibt es wegen Überhitzung der Motoren einen Halt auf freier Strecke. Der Lokführer steigt aus um irgendwelche Filter zu reinigen, dann geht die Fahrt weiter und mit einer 10-minütigen Verspätung erreichen wir den Hauptbahnhof von Freudenstadt.

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Hauptbahnhof Freudenstadt

Die OSB endet in Freudenstadt, von hier gibt es Verbindungen nach Eutingen im Gäu (die historische Gäubahn) und nach Karlsruhe. Die Bahnstrecke nach Karlsruhe führt in einem Bogen um die Innenstadt von Freudenstadt. Und so verlassen wir den Hauptbahnhof auf der Straßenseite um zu Fuß durch die Innenstadt zum Haltepunkt Freudenstadt Stadt zu laufen.

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Freudenstadt hat den größten bebauten Marktplatz Deutschlands, allerdings ist hier gerade Kunsthandwerkermarkt, deshalb gibt es nur ein Bild vom Rathaus, im Hintergrund erkennt man die berühmten Arkadengänge rund um den Marktplatz.

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Mit einer Karlsruher Stadtbahn setzen wir die Reise nun fort und fahren auf der Murgtalbahn hinunter ins Rheintal. Hier in Freudenstadt Stadt ist der höchste Punkt der Strecke.

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Schade, dass wir keinen Eilzug erwischt haben und nun gut eineinhalb Stunden bis Karlsruhe unterwegs sind, das ist dann doch lang.

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Auch diese Strecke ist landschaftlich reizvoll, es geht teilweise schluchtartig durch das enge und bewaldete Tal der Murg, auch mehrere Tunnel säumen die Strecke. Leider zeigt sich das Wetter nun nicht mehr so strahlend, wie hier über Forbach ziehen Wolken auf.

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In Karlsruhe kommen wir auf dem Bahnhofsvorplatz an, es bleibt etwas Zeit, um im Bahnhof die Proviantvorräte aufzufüllen, dann geht es auf Gleis 9 zum IRE Richtung Stuttgart. Wir nehmen im Oberdeck des Doppelstockwagens Platz, allerdings haben hier Festbesucher des Canstatter Wasens deutliche Spuren hinterlassen. Überall fährt Müll herum, Flaschen kullern durch den Wagen, ausgelaufene Getränke machen sich auf dem Fußboden breit – vom Zustand der Toiletten ganz zu schweigen. Aber gut, die Fahrt durch das Pfinztal nach Pforzheim dauert ja nur 20 Minuten.

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Der nächste Umsteigebahnhof ist Pforzheim. Das Empfangsgebäude steht unter Denkmalschutz und erinnert an die Wirtschaftswunder- und Bundesbahnzeit.

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Bei Wikipedia lese ich, dass es einst eine Schnellzugverbindung von Frankfurt über Pforzheim und Horb nach Konstanz gab. Tja, die Zeiten ändern sich – stattdessen steigen wir für die Heimfahrt nun in die „Kulturbahn“ ein Regioshuttle von DB ZugBus Alb-Bodensee.

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Auch die Strecke der Nagoldtalbahn ist landschaftlich ganz nett, wir folgen der Nagold flussaufwärts durch das bewaldete Tal, dann geht es durch den Hochdorfer Tunnel hinauf auf die Gäuebene und ab Eutingen schließlich auf der Gäubahn hinab ins Neckartal bis zur Endstation Horb.

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In Horb hätten wir eigentlich Zeit, um hinauf in die Altstadt zu laufen. Wir kommen aber nur bis zur Brücke über den Neckar, dann beginnt es zu regnen und wir kehren deshalb um zum Bahnhof. Auf dem Fahrplan steht eigentlich der Gäubahn-IC nach Singen, da wir nun aber schon am Bahnhof stehen, können wir auch mit einem verspäteten Regionalexpress weiter bis Rottweil fahren.

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Die Entscheidung mit dem Regionalexpress bereue ich aber bald schon, nicht nur, weil ich die Baureihe 425 mit der armseligen ersten Klasse ohnehin nicht sonderlich mag, sondern auch, weil im Zug viel Partyvolk vom Canstatter Wasen unterwegs ist und sich gerade eine Auseinandersetzung zwischen angetrunkenen Jugendlichen anbahnt. Nur gut, dass eine Gruppe der Streithammel in Oberndorf aussteigen muss.

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In Rottweil steigen wir schließlich in den nachfolgenden Intercity um – die Ruhe, die gepolsterten Sitze, herrlich. (Nein, das sind nicht meine Füße).

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Der letzte Umstieg der heutigen Tour steht in Singen an, eine gute Viertelstunde fahren wir nun mit dem Seehas, einem SBB-Flirt, zurück zum Ausgangspunkt der Tour in Allensbach.

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Und schließen wollen wir die nette Schwarzwaldtour mit der beleuchteten Nikolauskirche von Allensbach.

Viele Grüße vom Bodensee

Tobias

PS: Meine früheren Reiseberichte gibt’s unter www.bahnreiseberichte.de.

Ausnahmsweise hänge ich noch etwas Werbung an, denn nachdem nun erstmal alle Reiseberichte abgearbeitet sind, finde ich jetzt wieder mehr Zeit für dieses Projekt:
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Ein Tag im Schwarzwald - Danke!

Sören Heise, Region Hannover, Mittwoch, 17.10.2012, 19:09 (vor 4904 Tagen) @ TD

Moin!

Besten Dank für den Bericht. Wie üblich ein hochwertiger Bericht aus einer schönen Ecke Deutschlands, leider ein wenig weit weg von hier.

Die Murgtalbahn und die Freudenstädter Innenstadt wollte ich im Rahmen meines Freudenstadt-Hauptbahnhofsportraits (kommt irgendwann) mit abhandeln, da spielte mir der ICE aber einen Strich durch die Rechnung, so daß mir Hin- und Rückfahrt über Stuttgart am sichersten erschienen. Da hatte ich aber den Eilzug eingeplant, eben weil mir die normale S-Bahn im Murgtal zu bummelig ist.


*kuckuck*


Viele Grüße, Sören

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Verstehen Sie Bahnhof!
Europa: Linkliste Fahrplantabellen und mehr

Ein Tag im Schwarzwald

Ww, Seelze, Mittwoch, 17.10.2012, 22:07 (vor 4904 Tagen) @ TD
bearbeitet von Ww, Mittwoch, 17.10.2012, 22:08

Hallo,wie immer:Toller Bericht!Danke!

Vielen Dank auch von mir!

oppermad, Wuppertal/Wunstorf, Mittwoch, 17.10.2012, 23:19 (vor 4904 Tagen) @ TD

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Herzlichen Dank!

Regiosprinter, Mittwoch, 17.10.2012, 23:31 (vor 4904 Tagen) @ TD

- kein Text -

Super

sflori, Donnerstag, 18.10.2012, 22:25 (vor 4903 Tagen) @ TD

Hab die Tour (ohne Bahnpfad) auch schon genau so gemacht - nur nicht so schön in Fotos festgehalten! ;) Darum Danke für das Wecken der schönen Erinnerungen!


Bye. Flo.

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