[BE] Charleroi: Métro léger & Geisterstrecken [2.1/3] (Reiseberichte)

Fabian318, Münster i. W., Montag, 15.10.2012, 09:58 (vor 4907 Tagen)
bearbeitet von Fabian318, Montag, 15.10.2012, 09:58

Hallo,

nachdem der erste Teil nur die Anreise abgehandelt hat, geht es hier nun mit den übrigen Teilen weiter.

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Teil 1: http://www.ice-treff.de/index.php?id=203529
Teil 2: *aktuell*
Teil 3:

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Zum besseren Mitverfolgen hier der Netzplan der Metro von Charleroi:

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Urheber: Maximilian Dörrbecker (Chumwa)
Lizenz: All OpenStreetMap data and maps are Creative Commons "CC-BY-SA 2.0" licensed

Ein Gleisplan findet sich dort: http://www.gleisplanweb.eu/Map.php?Map=Charleroi

Seit Anfang dieses Jahres sind die alten Liniennummern 54, 55, 88 und 89 nicht mehr in Benutzung und die Linien M1 bis M4 wurden eingeführt. Der alte Netzplan sieht so aus. Seit diesem Datum wurde auch der Innenstadtring zwischen Parc und Sud (Hauptbahnhof) geschlossen, statt als Hochbahn in einfachem besonderen Gleiskörper ausgeführt, und die Strecke von Gilly bis nach Soleilmont, ebenfalls eher stadtbahn- als metroartig ausgeführt, eröffnet.

Die Strecke zwischen Gosselies und Piges wird M3 heißen und soll 2013 mit einer komplett erneuerten Straßenbahnstrecke eröffnet werden. Zurzeit wird – im Uhrzeigersinn – auf dem Innenstadtring die Linie M3 in einem Vorlaufbetrieb unter der Woche betrieben. Bis zur Außerbetriebnahme zwecks Umbau war die Strecke nur als Betriebsstrecke zur Hauptwerkstatt in Jumet in Gebrauch.

Zum Innenstadtring: Dieser ist betrieblich ebenfalls interessant. Die Linien M1 und M4 befahren ihn gegen den Uhrzeigersinn. Beaux-Arts wird von der M1 ganz zum Schluss bedient. Beim Verlassen des Innenstadtringes wird von der M4 in einer unterirdischen Wendeschleife in der Station Waterloo gewendet. Die Linien M2 und M3 befahren ihn dagegen im Uhrzeigersinn, dabei halten sie sowohl zu Beginn als auch zu Ende ihrer Runde an der Station Beaux-Arts und bedienen sich der dortigen unterirdischen Wendeschleife.

Die Taktzeiten (wochentags—samstags—sonntags)
M1/M2: 30—60—60 (durch Überlagerung also 20—30—30, zu beachten aber die gegensätzliche Führung im Innenstadtring)
M3: 10/20—x—x
M4: 10—10—15

Auffallend ist die letzte Abfahrt der Bahnen bereits zwischen 19 und 20 Uhr, danach ist die Stadt „tot“, bis etwa 22 Uhr gibt es annähernd parallel zu den Metrolinien noch einen Ersatzverkehr mit Bussen.

Es ergibt sich insbesondere am Wochenende eine sehr ungleichmäßige Befahrung des Innenstadringes, samstags verkehrt im Uhrzeigersinn nur eine Fahrt pro Stunde (die M2), gegen den Uhrzeigersinn dagegen sieben Fahrten (M1 + M4). Zur gleichmäßigeren Auslastung des Ringes verkehrt daher die Linie M3 als Vorlaufbetrieb (siehe oben) und die Linie M2 wurde von Piges bis nach Anderlues, Monument verlängert.

Die ungenutzte aber seit 25 Jahren vollständig fertiggestellte Strecke nach Centenaire (und darüber hinaus teilweise im Rohbau) ist wahrscheinlich jedem bekannt. Dazu werden ganz am Schluss einige Bilder folgen. Außerdem sei der Link zur Wikipedia empfohlen: http://de.wikipedia.org/wiki/Stadtbahn_Charleroi

Kommen wir nun zu den Fotos, aufgrund des miserablen Wetters leider nicht in immer brauchbarer Qualität. Die Bildbeschreibungen wie immer unter den Fotos.

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Die Tageskarte für das gesamte wallonische Netz. Leider nur ein besserer Kassenzettel. Der Kauf gestaltete nicht ganz unkompliziert, da der sprach Mitarbeiter kein einziges Wort Englisch, Niederländisch oder Deutsch sprach und ich kaum ein Wort Französisch. „2 x 1 Jour“ auf einen Zettel geschrieben half dem Problem jedoch schnell ab.


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Da sind wir an der Vorderseite des Bahnhofs angekommen. Im strömenden Regen fährt der 6103 von der Rampe vom Bahnhof Villette kommend herunter. Dieses Fahrzeug ist in den 1980er Jahren an der Küste verunglückt; in dichtem Nebel fuhr der 6102 mit hoher Geschwindigkeit auf. Angeblich hat der 6103 dem 6102 die Front gespendet, für den 6103 wurde dann eine neue produziert...? Sehr schön übrigens, noch Fahrzeuge in original SNCV-Orange (Société nationale des chemins de fer vicinaux, ehem. Nationale Kleinbahngesellschaft) zu sehen.

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Die Signale, sehr einfach. Vorsignale vor Halt zeigenden Signalen gibt es offenbar so nicht, es wird einfach eine entsprechend geringere Geschwindigkeit signalisiert, so dass rechtzeitig angehalten werden kann.


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Die Strecke der M1/M2 nach Anderlues ist die erste vollständig fertig gestellte Metrostrecke in Charleroi. Am Bahnhof Pétria endet die Metrostrecke und es wird auf eine Überlandstraßenbahnstrecke bis nach Anderlues gewechselt. Dies ist, neben der Kusttram, das letzte Überbleibsel des einst riesigen belgischen Überlandstraßenbahnnetzes.
Hier, an der Haltestelle Jonction direkt am Depot, war bei dieser Fahrt ein Fahrzeug- und Fahrerwechsel notwendig, vorne steht das neue Fahrzeug zur Weiterfahrt.

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Anderlues, Monument. Die eigentliche Endstelle ist ein kurzes zweigleisiges Stück an der Chaussée de Charleroi, die Strecke wird anschließend wieder eingleisig und hier im Hintergrund neben dem Unterwerk beginnt wiederum ein zweigleisiges Stück, welches zum Kehren genutzt wird. Das Fahrzeug aus dem vorigen Bild setzt hier gerade wieder ein.

Fortsetzung in Teil 2.2.

Teil 2.2/3

Fabian318, Münster i. W., Montag, 15.10.2012, 09:59 (vor 4907 Tagen) @ Fabian318

Forzsetzung von Teil 2.1/3.


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Die Einsatzhaltestelle an der Chaussée de Charleroi. Dort zweigt die Strecke wieder von der Hauptstraße ab, durchfährt den Ort und führt am Dépot Anderlues vorbei. Anschließend geht es für die letzten beiden Haltestellen vor dem Beginn der echten Metrostrecke (Pétria) wieder eingleisig neben der Chaussée de Charleroi her.


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Auf der Rue de la Station kam uns an der gleichnamigen Haltestelle einer der Fahrzeuge mit der Werbebeklebung für die Neuordnung des Liniennetzes (Liniennummern M1 bis M4) und den Ringschluss entgegen.


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Die Signalisierung für die eingleisigen Abschnitte entstammt noch den SNCV-Zeiten: Das Signal wird eingeschaltet, links bekommt das Fahrzeug grün, rechts verhindert das rote Signal nachfolgende Fahrten. In Gegenrichtung wird gleichzeitig alles auf rot und am Ende der Eingleisigkeit wieder alles ausgeschaltet. Simpel, aber es funktioniert offenbar.

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Dieser „ancienne“ (ehemalige) Bahnhof ist jener von Anderlues.


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Am Betriebshof Anderlues hatten wir dann richtig Glück: Fahrzeug 6141 wurde erst kürzlich (vermutlich für den Mehrbedarf wegen der kommenden Wiederinbetriebnahme der M3 nach Gosselies) reaktivert und sogar neu in SNCV-Farben lackiert.


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Auch ein etwas betagter Bus der TEC Charleroi war zu sehen.


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Ein Blick auf das Dépot. Wegen der Bauarbeiten an der Gosselies-Strecke ist dies der einzige über die Schiene erreichbare Betriebshof. Die Hauptwerkstatt Jumet ist zurzeit nur per Tieflader erreichbar. Dort wird die ehemals reine Betriebsstrecke zur Linie M3 mit besonderem Gleisköprer als Straßenbahn ausgebaut. Die Ausfädelung erfolgt an der Station Piges der M1 und M2, die gebaute Tunnelrampe am Bahnhof Waterloo wird hierfür nicht mehr genutzt werden.


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Beaux-Arts im Nordwesten des Stadtringes ist der umfangreichste Tunnelbahnhof im Netz. Die Züge der Linie M2 und später M3 kommen vom Bahnhof Sud, Vilette, Ouest hierhin, durchfahren den Bahnhof ohne Halt und nutzen eine unterirdische Wendeschleife um in Gegenrichtung zu halten und ihre Ziele erreichen zu können.


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Sogar ein Ausstellungsgleis gibt es.


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Die andere Blickrichtung. Ganz links das Gleis zur Wendeschleife, das Gleis ganz rechts wird nicht mehr planmäßig befahren.


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Oben halten auch eine Menge Busse.


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Beaux-Arts aufs Dach gestiegen. Links geht es nach Ouest, Villette und Sud, geradeaus nach Piges, Gosselies und Anderlues. Die M1 im Bild befährt den Stadtring gegen den Uhrzeigersinn und fährt Beaux-Arts erst ganz zum Schluss an. Die M2 käme von links, durchfährt die Station zuerst ohne Halt, nutzt die Wendeschleife, hält und fährt geradeaus in Blickrichtung nach Piges, Pétria und zurzeit noch Anderlues weiter.


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Und zur Abwechslung noch ein Bus.


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Von der Station Beaux-Arts bietet sich dieser Blick auf das Schönste, was uns von der Stadt zu Gesicht kam. Ein kleiner Rundgang war wegen der „Schönheit“ der Stadt und des Wetters nicht wirklich lohnenswert. Wir sehen den Belfried von Charleroi, Teil des Unesco-Weltkulturerbes „Belfriede in Belgien und Frankreich“.


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Der Eingang. Wunderschön.


Mit diesem wunderhübschen Vorgeschmäckle auf Mehr machen wir hier erstmal Pause und setzen unsere Charleroi-Bereisung in Teil 3 letztmalig fort.

Bis dahin freue ich mich über alle Anmerkungen, Kritik und Kommentare.

Gruß
Fabian

Weitere kleine Rückfrage! -;)

Thalyseo, Mittwoch, 02.01.2013, 18:29 (vor 4828 Tagen) @ Fabian318

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Die andere Blickrichtung. Ganz links das Gleis zur Wendeschleife, das Gleis ganz rechts wird nicht mehr planmäßig befahren.

Galt dieses evtl. als "Wartegleis", also dass die Züge, die die etwaig besetzte Wendeschleife benutzen wollten, dort warten konnten?

So etwas wurde in den 90er im Kölner Netz gebaut (= Haltestelle "Herler Straße" in Köln-Buchheim).

Kleine Rückfrage!

Thalyseo, Mittwoch, 02.01.2013, 18:23 (vor 4828 Tagen) @ Fabian318

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Anderlues, Monument. Die eigentliche Endstelle ist ein kurzes zweigleisiges Stück an der Chaussée de Charleroi, die Strecke wird anschließend wieder eingleisig und hier im Hintergrund neben dem Unterwerk beginnt wiederum ein zweigleisiges Stück, welches zum Kehren genutzt wird. Das Fahrzeug aus dem vorigen Bild setzt hier gerade wieder ein.

Darf man(n) sich das so wie Wendeanlage in Köln-Thielenbruch vorstellen?

Dort ist auch ein ganz kleines Stück eingleisig - warum auch immer - bevor vier Gleise zu den ingesamt zwei Mittelbahnsteigen abweichen.

Allerdings dürfte die dortige "Außenwendeschleife" auch noch aktiv sein.

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