Côte d’Azur & Wilhelm Tell [3/3] Reisebericht m. v. Bildern (Reiseberichte)

TD, Sonntag, 09.09.2012, 17:18 (vor 4943 Tagen)

Gestern waren wir in Teil 2 in Locarno angekommen, heute am letzten Tag der Tour fahren wir nach Hause.

Tag 4: Locarno – Flüelen – Luzern - Konstanz

Der Weg vom Hotel zum Bahnhof führt uns wieder über die Piazza Grande. Die große Box auf dem Platz ist wohl noch ein Überbleibsel des internationalen Filmfestivals von Locarno, welches vor wenigen Tagen hier stattgefunden hat.

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Wir machen uns etwas zeitiger auf den Weg zum Bahnhof, weil sich unerwartet noch ein Tarifproblem ergeben hat. Die Fahrt hatte ich nämlich vor einigen Wochen am SBB-Schalter in Konstanz gebucht, dort hatte man mir nach einem Blick auf den Kalender eine 9-Uhr-Tageskarte verkauft („Sie fahren ja an einem Mittwoch, da gilt die Karte“). Nun habe ich gestern Abend im Hotel zufällig erfahren, dass hier heute ein Feiertag ist, nämlich Auffahrt (Mariä Himmelfahrt) und wir nun keine gültige Fahrkarte haben, da die 9-Uhr-Tageskarte nicht an Sams-, Sonn- und Feiertagen gilt, da steht auch groß drauf.
„Ja, heute ist Feiertag. Nein, die 9-Uhr-Tageskarte gilt heute nicht. Nein, die können Sie nicht umtauschen, es steht doch ‚keine Erstattung‘ drauf“ – gut dass es nicht bei dieser Auskunft bleibt. Nachdem ich die Reservierung zeige und versichere, dass mir beides zusammen für den heutigen Tag verkauft wurde, ruft der Schaltermitarbeiter irgendwo an und schreibt uns dann die Tageskarte auf der Rückseite gültig – Problem gelöst. Wobei: den Vermerk auf der Rückseite werden wir gar nicht benötigen, denn kein Zugbegleiter merkt, dass die Fahrkarte heute gar nicht gilt.

Bevor ich nun erkläre, warum wir überhaupt eine Reservierung für einen schweizerischen Binnenzug haben, muss ich eine Warnung aussprechen: wer schon den GoldenPass Panoramic zu touristisch fand, der lese bitte nicht weiter, denn der Tourismusfaktor lässt sich noch steigern und das nennt sich Wilhelm-Tell-Express Premium.

Der Wilhelm-Tell-Express ist kein eigener Zug, sondern ein Kombiangebot mit Bahnfahrt über den Gotthard und Schifffahrt über den Vierwaldstättersee. Es gibt ein Standardangebot mit Fahrt im Panoramawagen und ein Premiumangebot mit Fahrt im Salon Liberté, einem „weltexklusiven Drehstuhlwagen“. Beide Wagen sind in einen regulären InterRegion über den Gotthard eingereiht.

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Im Salon Liberté sind Sitze, wie man sie aus dem ICE kennt, aber einzeln oder paarweise auf einem Drehgestell montiert. Auf Knopfdruck drehen sich die Sitze wahlweise rechts- oder linksherum um die eigene Achse. Und an der Decke sind Monitore für eine Multivisionsschau installiert.

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Der Wagen wird von einer eigenen Reisebegleiterin betreut. Als wir unsere reservierten Sitzplätze suchen wollen, erfahren wir von ihr, dass es heute außer uns nur zwei weitere Fahrgäste im Wagen geben wird und wir somit eine großzügige Sitzplatzauswahl haben.

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Nach der Einweisung in die Bedienung der Drehstühle bekommen wir Funk-Headsets für den Ton der Multifunktionsschau.

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Ein Welcome Drink und ein Gipfel sind inklusive.

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Auf der eigentlichen Gotthardstrecke beginnt dann das Programm, zur Einstimmung gibt es klassische Töne der Wilhelm Tell Ouvertüre.

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Wir nutzen die Technik und drehen den Stuhl mal zum Fenster...

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...während es nun auf den Bildschirmen Streckenkunde gibt.

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„Welcome Package mit einem wertvollen Souvenir“. In der Box ist übrigens auch ein Gutschein für ein 3-Gang-Menü für die anschließende Schiffsfahrt.

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Insgesamt laufen 3 oder 4 Filmchen zur Gotthardbahn und beleuchten unterschiedliche Aspekte der Strecke wie Bau, Streckenführung, Betrieb und Unterhalt sowie zum Gotthard-Basistunnel.

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Schnell den Sitz gedreht, die Kirche von Wassen ist zu sehen.

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Historische Filmaufnahmen zeigen die Arbeit der Streckenläufer

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Wer möchte darf eine Postkarte schreiben, das Porto übernehmen die SBB. Ein Apfel darf zum Touristenglück nicht fehlen.

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Nein, das ist kein Film, so sieht es vor dem Zugfenster tatsächlich aus.

Ob es diese Art von Touristenzug wirklich braucht, mag jeder für sich entscheiden. Wer lieber aus dem Zugfenster schaut und die imposante Landschaft sehen möchte, ist im Panoramawagen wahrscheinlich besser aufgehoben. Wer Freude an technischen Spielereien hat, dem wird der Salon Liberté sicherlich gefallen.
Ich bin vor einigen Jahren schon einmal in dem Wagen gefahren, damals wurde das Angebot noch unter dem Namen PanGottardo vermarktet. Von der früheren Fahrt ist mir noch in Erinnerung, dass die Sitze damals auf der Fahrt durch die Kehrtunnel automatisch gedreht wurden und immer nach Norden ausgerichtet waren. Wenn der Zug einen Kehrtunnel durchfahren hat, hat sich der Wagen somit um den Fahrgast gedreht, man saß plötzlich rückwärts und konnte so die Bögen miterleben. Diese Funktion scheint es nicht mehr zu geben und so haben die Drehsessel nach meinem Geschmack viel von ihrem Reiz verloren. Mitunter kommt man sich ein bisschen kindisch vor, wenn man auf Knopfdruck mit dem Stuhl im Kreis fährt – aber Spaß macht‘s trotzdem!

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In Flüelen heißt es nun Umsteigen auf das Schiff. Hätte man den Wilhelm-Tell-Express auch ohne Schifffahrt buchen können, hätte ich das wahrscheinlich gemacht. Aber in den hinteren Teil des Zugs zu wechseln und die Schifffahrt verfallen lassen, will ich dann doch nicht. Und rückblickend gesehen war die Schifffahrt doch ganz schön. Der Schiffsanleger befindet sich nur wenige Schritte vom Bahnhof entfernt.

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Flüelen liegt am Urnersee, einem Arm des Vierwaldstättersees. Fast 3 Stunden schippern wir nun mit dem Schaufelraddampfer bis ans andere Ende des Sees nach Luzern.

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Besonders eindrucksvoll ist der erste Teil der Fahrt, die Landschaft mit den hoch aufragenden Bergen rechts und links erinnert an einen Fjord.

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Zwischenhalt in Vitznau. Hätten wir nicht schon andere Pläne, würde hier die Vitznau-Rigi-Bahn locken. Oben an den Steigelfadbalm-Dossen ist übrigens die größte Schweizerfahne der Welt zu sehen, die jedes Jahr zum Nationalfeiertag hinauf auf 1685 Höhenmeter gebracht wird.

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Unser Raddampfer erreicht Luzern

Wir nutzen nun einen Aufenthalt, um auf den üblichen Touristenpfaden einen kleinen Eindruck von Luzern zu bekommen. Mitten durch die Stadt fließt die Reuss, über die die berühmte Kapellbrücke führt.

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Die Jesuitenkirche am Ufer der Reuss ist die älteste große Barockkirche der Schweiz

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Kapellbrücke mit Wasserturm

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Blick über die Reuss, im Hintergrund das Château Gütsch

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Es geht gleich weiter...

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Fortsetzung Côte d’Azur & Wilhelm Tell [3/3]

TD, Sonntag, 09.09.2012, 17:26 (vor 4943 Tagen) @ TD

Für das letzte Stück des Heimwegs wählen wir nicht den schellen Weg über Zürich, sondern den schönen Weg mit dem Voralpen-Express nach Romanshorn. Der Zug verkehrt im Stundentakt als InterRegio und wird gemeinsam von Schweizerischer Südostbahn und den SBB betrieben.

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Die Lok des Voralpen-Express trägt ein Werbekleid

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„Wie kann man sich denn freuen, bei schönem Wetter im Zug zu sitzen?“ sagte mir vor einigen Jahren mal ein Bekannter im Zug, als ich mich über den Sonnenschein draußen gefreut hatte. Aber ich bleibe dabei: bei Sonnenschein macht das Zugfahren mehr Spaß – noch dazu, wenn man durch eine solche traumhafte Landschaft fährt. Auf der Fahrt im Voralpen-Express reiht sich eine schöne Landschaft an die nächste, hier fahren wir gerade am Ufer des Vierwaldstättersees.

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Streckenkarte auf dem Tisch

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Und der nächste See: wir passieren den Zugersee

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Jetzt geht’s den Berg hoch...

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... und die Hochmoorlandschaft von Rothenthurm zieht am Fenster vorbei.

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Und weiter führt die Strecke an den Zürichsee.

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Auf dem Seedamm von Rapperswil fahren wir dann über den Zürichsee. Unterwegs bauen wir allerdings etwas Verspätung auf und auch beim nächsten Halt in Rapperswil stehen wir auffällig lange. Hinzu kommen sonderbare Manöver, wir fahren kurz rückwärts, halten an, fahren vorwärts an, halten nochmals und dann geht’s erst los.

Wir fahren nun durch den über 8 Kilometer langen Rickentunnel und erreichen auf der anderen Seite das Toggenburg. Eine Durchsage bestätigt nun, was ich bereits geahnt habe: es gibt eine technisches Störung an der Lok. In Herisau heißt es deshalb umsteigen, am Gleis gegenüber steht schon eine Ersatzgarnitur bereit. Das Umsteigen geht zwar recht flott, aber trotzdem haben wir mittlerweile 10 Minuten Verspätung. Soll es uns nun so ergehen wie bei der der letzten Tour, dass wir hunderte Kilometer durch Europa fahren und dann kurz vor der Haustür noch etwas schief geht?

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Jetzt fahren wir aber erst mal über das Sitterviadukt, die höchste Eisenbahnbrücke der Schweiz.

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Nach dem Halt in St. Gallen ist nun bald der heimische Bodensee wieder zu sehen.

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Ankunft mit der Ersatzgarnitur in Romanshorn

Und es kommt wie befürchtet, in Romanshorn ist der Anschluss weg. Das ist bei dem Halbstundentakt auf der Strecke kein Weltuntergang, aber dadurch ist auch unser schneller Anschlussbus in Konstanz weg, wir werden eine fast Stunde später zu Hause ankommen - und damit wieder alle Klischees erfüllen: ist doch klar, wer mit der Bahn verreist kommt nicht pünktlich an...

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Ein knallgelber GTW mit Werbung für einen Radiosender bringt uns nun nach Kreuzlingen.

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In Kreuzlingen steigen wir ein letztes Mal um, wiederum ein GTW von Thurbo bringt uns über die Grenze. Von der Fahrt habe ich allerdings keine Bilder mehr, denn die verbringen wir stehend vor der Tür. Nicht, weil es keine Sitzplätze mehr gibt, sondern weil ich beim Blick auf den Fahrplan festgestellt habe, dass noch eine kleine Chance besteht, den ursprünglichen Anschlussbus in Konstanz noch zu erreichen. Und tatsächlich, nach einem Spurt durch die Bahnhofsunterführung kommen wir zeitgleich mit dem Bus an der Bushaltestelle an. Und somit: Ende gut – Alles gut.

Viele Grüße

Tobias


PS: Meine früheren Reiseberichte gibt es hier.

Und ganz zum Schluss möchte ich noch etwas Werbung machen für das Bahnreise-Wiki.de – ich freue mich über Mitautoren!

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Fortsetzung Côte d’Azur & Wilhelm Tell [3/3]

oppermad, Wuppertal/Wunstorf, Sonntag, 09.09.2012, 17:56 (vor 4943 Tagen) @ TD

Moin,

vielen herzlichen Dank für den schönen und interessanten Bericht sowie die Bilder!

Ist ja Wahnsinn, eine in der Schweiz produzierte Verspätung von 10 Minuten. Vor einiger Zeit bin ich von Basel nach Zürich gefahren, da waren 3 Sekunden nach Zeigerschlag die Türen zu und nach weiteren 3 Sekunden ging die Fahrt los und das bei jedem Halt! Ich wollte in Zürich schon protestieren, als ein Zug wegen Mitnahme verspäteter Beförderungsfälle mi 40 (!) Sekunden "Verspätung" abfuhr;-) Die Lokstörung hätte auch anders ausgehen können, so zumindest meine Erfahrungen bei anderen Unternehmen in einem anderen Land, womit nicht nur die DB AG gemeint ist.

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, q. e. d..

Mit freundlichen Grüßen,

Dirk

Fortsetzung Côte d’Azur & Wilhelm Tell [3/3]

sflori, Sonntag, 09.09.2012, 19:14 (vor 4943 Tagen) @ oppermad

vielen herzlichen Dank für den schönen und interessanten Bericht sowie die Bilder!

Dem möchte ich mich anschließen. Wieder ein großartiger Bericht! :) Tnx.


Bye. Flo.

Fortsetzung Côte d’Azur & Wilhelm Tell [3/3]

GUM, Mittwoch, 12.09.2012, 17:00 (vor 4940 Tagen) @ sflori

vielen herzlichen Dank für den schönen und interessanten Bericht sowie die Bilder!


Dem möchte ich mich anschließen. Wieder ein großartiger Bericht! :) Tnx.


Bye. Flo.

Vielen Dank für den Bericht.

Vielen Dank für den schönen Bericht!

Twindexx, St. Gallen (CH), Montag, 10.09.2012, 00:25 (vor 4942 Tagen) @ TD

Hoi,

Wir machen uns etwas zeitiger auf den Weg zum Bahnhof, weil sich unerwartet noch ein Tarifproblem ergeben hat. Die Fahrt hatte ich nämlich vor einigen Wochen am SBB-Schalter in Konstanz gebucht, dort hatte man mir nach einem Blick auf den Kalender eine 9-Uhr-Tageskarte verkauft („Sie fahren ja an einem Mittwoch, da gilt die Karte“). Nun habe ich gestern Abend im Hotel zufällig erfahren, dass hier heute ein Feiertag ist, nämlich Auffahrt (Mariä Himmelfahrt) und wir nun keine gültige Fahrkarte haben, da die 9-Uhr-Tageskarte nicht an Sams-, Sonn- und Feiertagen gilt, da steht auch groß drauf.
„Ja, heute ist Feiertag. Nein, die 9-Uhr-Tageskarte gilt heute nicht. Nein, die können Sie nicht umtauschen, es steht doch ‚keine Erstattung‘ drauf“ – gut dass es nicht bei dieser Auskunft bleibt. Nachdem ich die Reservierung zeige und versichere, dass mir beides zusammen für den heutigen Tag verkauft wurde, ruft der Schaltermitarbeiter irgendwo an und schreibt uns dann die Tageskarte auf der Rückseite gültig – Problem gelöst. Wobei: den Vermerk auf der Rückseite werden wir gar nicht benötigen, denn kein Zugbegleiter merkt, dass die Fahrkarte heute gar nicht gilt.

Mariä Himmelfahrt ist kein nationaler Feiertag in der Schweiz, daher gilt dieser Tag bei den SBB als national tätiges Unternehmen überall als normaler Mittwoch. Deshalb hat sich auch kein Zugbegleiter für den Vermerk interessiert. Mariä Himmelfahrt ist nur in einzelnen Kantonen oder Gemeinden ein Feiertag. Ich musste da auch immer zur Schule oder zur Arbeit.
Ein ähnlicher Fall ist der erste November. Dieser Tag ist im Kanton St. Gallen ein Feiertag, national ist es keiner. Daher fahren in der Stadt und im Kanton St. Gallen an diesem Tag alle Busse nach Sonntagsfahrplan, die SBB bieten aber das volle Programm mit allen HVZ-Verstärkern.

Übrigens ist Mariä Himmelfahrt nicht Auffahrt, Auffahrt ist Christi Himmelfahrt. Und Christi Himmelfahrt ist dann wieder ein nationaler Feiertag.

Zum einfacheren Verständnis: http://de.wikipedia.org/wiki/Feiertage_in_der_Schweiz (Besonders der Teil über die Regelungen bei überregional tätigen Unternehmen, wo die SBB extra erwähnt werden, ist hier von Belang)


Von den Goodies, die du im Salon Liberté bekamst, bin ich ja schwer beeindruckt, dass unsere Bundesbahnen so etwas bieten. Nur Schade, dass die Stühle nicht mehr in den Kehren drehen. Das war eigentlich das gewisse Extra dieses Wagens.

Die SBB besitzen noch neben dem Salon Liberté drei weitere exklusive moderne Salonwagen. Die zwei Salon de Luxe und den Salon Forum. Der Salon de Luxe kommt beispielsweise bei Staatsbesuchen zum Einsatz (ja, in der Schweiz werden ausländische Würdenträger nicht in der Limosine vom Zürcher Flughafen nach Bern befördert, sondern per SBB-Extrazug).
Und natürlich können alle diese vier Wagen gemietet werden: RailAway-Broschüre

Für das letzte Stück des Heimwegs wählen wir nicht den schellen Weg über Zürich, sondern den schönen Weg mit dem Voralpen-Express nach Romanshorn. Der Zug verkehrt im Stundentakt als InterRegio und wird gemeinsam von Schweizerischer Südostbahn und den SBB betrieben.

Ab Dezember 2013 wird die SOB den Zug alleine betreiben. Die Wagen werden dann vollständig in SOB-Besitz übergehen und es wird keine Umläufe mehr mit SBB - Re 4/4 II geben, die SOB wird alle Loks selbst stellen.

Auf dem Seedamm von Rapperswil fahren wir dann über den Zürichsee. Unterwegs bauen wir allerdings etwas Verspätung auf und auch beim nächsten Halt in Rapperswil stehen wir auffällig lange. Hinzu kommen sonderbare Manöver, wir fahren kurz rückwärts, halten an, fahren vorwärts an, halten nochmals und dann geht’s erst los.

Wir fahren nun durch den über 8 Kilometer langen Rickentunnel und erreichen auf der anderen Seite das Toggenburg. Eine Durchsage bestätigt nun, was ich bereits geahnt habe: es gibt eine technisches Störung an der Lok. In Herisau heißt es deshalb umsteigen, am Gleis gegenüber steht schon eine Ersatzgarnitur bereit. Das Umsteigen geht zwar recht flott, aber trotzdem haben wir mittlerweile 10 Minuten Verspätung. Soll es uns nun so ergehen wie bei der der letzten Tour, dass wir hunderte Kilometer durch Europa fahren und dann kurz vor der Haustür noch etwas schief geht?

Da war die Lok wenigstens schon am richtigen Ort, in Herisau ist nämlich eine der beiden Werkstätten der SOB. Deshalb stand die Reservekomp. schon bereit. Es tut mir Leid für dich, dass du dadurch eine derartige Verspätung bekommen hast. Ich kann dich aber trösten, ich bin auch mal mit dem VAE aus Luzern mit zehn Minuten Verspätung in St. Gallen angekommen und ich fuhr auch in der ersten Klasse ;-)
Wie es dazu kam:
In Wattwil konnten wir erst mit +5' abfahren, weil der Gegenzug verspätet war. Als wir dann zwischen Mogelsberg und Degersheim gleich nach einem kleinen Tunnel eine Schnellbremsung machten, konnte ich gleich sehen, dass sich vor uns auf dem Gleis einige Esel befanden. Der Lokführer rief einem Bauern zu, der neben einer Scheune am arbeiten war. Währenddessen lief der Zugbegleiter fluchend durch den Wagen nach vorne. Es war zu erfahren, dass der Gegenzug seine Verspätung auch schon wegen diesen Eseln erhalten hatte. Nachdem dann der Lokführer mit dem Bauern zusammen die Esel vom Gleis getrieben hatte, konnten wir wieder weiterfahren.

Und es kommt wie befürchtet, in Romanshorn ist der Anschluss weg. Das ist bei dem Halbstundentakt auf der Strecke kein Weltuntergang, aber dadurch ist auch unser schneller Anschlussbus in Konstanz weg, wir werden eine fast Stunde später zu Hause ankommen - und damit wieder alle Klischees erfüllen: ist doch klar, wer mit der Bahn verreist kommt nicht pünktlich an...

Es wird in der Schweiz nunmal nur maximal drei Minuten gewartet. Trotzdem wurden in der Schweiz während den ersten sechs Monaten in diesem Jahr 98.3% aller Anschlusszüge erreicht. Das sind 0.5 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Es tut mir Leid für dich, dass du einen der 1.7% der Fälle erleben musstest, in denen der Anschluss nicht erreicht wurde.
Auch wir kochen nur mit Wasser. Allerdings hast du bei deinen diesjährigen Reisen in der Schweiz offensichtlich aussergewöhnlich viel Pech.

In Kreuzlingen steigen wir ein letztes Mal um, wiederum ein GTW von Thurbo bringt uns über die Grenze. Von der Fahrt habe ich allerdings keine Bilder mehr, denn die verbringen wir stehend vor der Tür. Nicht, weil es keine Sitzplätze mehr gibt, sondern weil ich beim Blick auf den Fahrplan festgestellt habe, dass noch eine kleine Chance besteht, den ursprünglichen Anschlussbus in Konstanz noch zu erreichen. Und tatsächlich, nach einem Spurt durch die Bahnhofsunterführung kommen wir zeitgleich mit dem Bus an der Bushaltestelle an. Und somit: Ende gut – Alles gut.

So ging doch alles noch gut aus, super!


Grüsse aus der Ostschweiz.

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Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13, IR 15, IR 27 und IR 70:
Der SBB FV-Dosto.

Vielen Dank für den schönen Bericht!

TD, Montag, 10.09.2012, 20:52 (vor 4942 Tagen) @ Twindexx

Vielen Dank für die ausführlichen Erläuterungen und Ergänzungen!

Auch wir kochen nur mit Wasser. Allerdings hast du bei deinen diesjährigen Reisen in der Schweiz offensichtlich aussergewöhnlich viel Pech.

Ja, ich hatte dieses Jahr eine kleine Pechsträhne, zwar keine dramatischen Störungen, aber halt Kleinigkeiten, die einen Perfektionisten wie mich etwas fuchsen.
Und ich traue mich gar nicht es zu sagen, aber ich war zwischenzeitlich noch einen Tag in der Schweiz unterwegs und auch da lief es nicht ganz pefekt... - ein Reisebericht kommt demnächst noch, das dauert aber noch ein bisschen.

Viele Grüße über die Grenze

Tobias

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Vielen Dank für den schönen Bericht!

Fabian318, Münster i. W., Montag, 10.09.2012, 21:09 (vor 4942 Tagen) @ TD

Erstmal vielen Dank für den klasse Bericht! In die Region so zwischen Marseille, Monaco und Ventigmiglia zieht es mich auch die ganze Zeit schon, müsste ich ebenso mal mit einer Fahrt im TGV aus Frankfurt machen.

Und ich traue mich gar nicht es zu sagen,

Aber das darfst du doch auch gar nicht sagen, bei der erstklassigen SBB kann schließlich nichts schiefgehen. *scnr*

Gruß
Fabian

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