Gleislos: Miltenberg Hbf (47 Bilder), Teil I (Reiseberichte)
Grüß Gott!
Ein stillgelegter Hauptbahnhof? Gibt es das überhaupt in Deutschland? Damit meine ich nicht Hauptbahnhöfe, die im Zuge umfangreicher Neutrassierungen durch neue ersetzt worden sind oder deren Lage verändert wurde. Denn davon gibt es ein paar. Nein, ich rede von einem Hauptbahnhof, der stillgelegt wurde, ohne daß er durch einen neuen ersetzt wurde. Ja, so etwas gibt es.
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Miltenberg liegt am Main, in der Südwestecke Frankens, nahe der Grenze zu Hessen und zu Baden-Württemberg. Es ist meines Wissens die einzige Stadt Deutschlands, die ihren Hauptbahnhof verloren hat. Um die Gründe zu verstehen, müssen wir einen kurzen Blick in die Eisenbahngeschichte werfen.
Im November 1876 erreichte die Eisenbahn Miltenberg. Die Staatsbahn Bayerns eröffnete da eine Strecke aus Aschaffenburg, die einen Bahnhof am westlichen Rand der Altstadt erhielt. Vier Jahre später ging die Nebenbahn nach Amorbach in Betrieb, seit 1899 ist sie durchgehend ins badische Seckach (Strecke Neckarelz - Osterburken) in Betrieb. Hierdurch wurde Miltenbergs Bahnhof zum Kopfbahnhof.
In zwei Etappen wurde von Miltenberg aus der Lückenschluß nach Wertheim, auch das in Baden, eröffnet: 1906 und 1912. Wertheim selber hatte seit 1868 schon Anschluß nach Lauda.
Zurück zur Strecke Miltenberg - Wertheim: Diese verläuft durchgehend am rechten (hier nördlichen) Mainufer, das zu Franken gehört. Und das (nicht Franken, sondern die rechtsmainische Führung) ist das Problem. Von Osten her konnte man die Strecke nicht in den Bahnhof (von dem ich nicht weiß, wann er zum Hauptbahnhof erhoben wurde) einführen, da war die Altstadt im Weg. Die ohnehin erforderliche Mainbrücke wurde daher nördlich des Bahnhofes errichtet, sie verunmöglichte es aber, die Strecke direkt in den Bahnhof einzuführen. Statt dessen mußten sie in den Bahnhof zurücksetzen. Zwischen Aschaffenburg und Lauda durchgehende Züge mußten also innerhalb kurzer Zeit zweimal die Fahrtrichtung wechseln, was den Betrieb doch beeinträchtigte (auch wenn ab 1972 direkte Züge unter Umgehung des Hauptbahnhofs möglich waren). Das sah auch die Bundesbahn so, die den Betrieb vereinfachen wollte. Man entschied sich dafür, den bisherigen Haltepunkt Miltenberg Nord an der Strecke nach Wertheim zum Bahnhof auszubauen, den gesamten Personenverkehr dorthin zu verlegen. Der Güterverkehr verblieb am alten Hauptbahnhof. Zum Sommerfahrplan 1977 war es soweit: Die Personenzüge hielten nur noch am neuen Bahnhof, der bisherige Bahnhof wurde auch nominell zum Güterbahnhof. Miltenberg hatte seinen Hauptbahnhof verloren.
Im Dezember 2001 endete der Güterverkehr, ab 2005 war kein Zugverkehr zum ehemaligen Hauptbahnhof mehr möglich und 2007 wurden die Gleise abgebaut, die Gebäude aber nicht; das Empfangsgebäude steht unter Denkmalschutz.
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Heute wird der Reiseverkehr in Miltenberg durch die DB-Tochter Westfrankenbahn abgewickelt. Paradeleistung sind die zweistündlichen Regionalexpreß-Züge zwischen Aschaffenburg, Miltenberg, Wertheim, Lauda und Crailsheim. Ergänzt wird das Angebot montags bis freitags zwischen Aschaffenburg und Miltenberg durch stündliche, zwischen Miltenberg und Wertheim durch zweistündliche Regionalbahnen. Auf der Strecke nach Seckach besteht ebenfalls ein stündliches Angebot. Eingesetzt werden Triebwagen der Baureihen 628 und 642.
Wir begeben uns nun auf einen kleinen Rundgang, der Miltenbergs Bahnhöfe und die Altstadt zum Thema hat.
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1 Am Morgen des 23. Juli erreichen wir Miltenberg kurz vor 10:30 Uhr. 642 207 (links) hat uns aus Aschaffenburg hierher gebracht, die Bahnsteige präsentieren sich noch im Originalzustand. Kurz vor der Ankunft bot sich uns in Fahrtrichtung rechts ein Blick auf den alten Bahnhof (Bildlink, Quelle: postvagnen.com).
2 Unser erster Weg führt auf den Mittelbahnsteig. Die Bahnsteigangaben sind handschriftlich geändert.
3 Die Unterführung wurde mit graffitiähnlicher Wandmalerei verziert.
4 Ein Blick auf den Zugang zum Tunnel. Im Hintergrund eine Papierfabrik und moderne Signale.
4a Innen das Stadtwappen.
5 Das Empfangsgebäude von der Straßenseite. Auf mich macht der Bahnhof einen durchaus sympathischen Eindruck.
Wir begeben uns jetzt durch die Stadt zum Hauptbahnhof.
6 Von der Mainbrücke ein Blick auf die Altstadt mit Stadtkirche und Mildenburg. Rechts aus dem Bild heraus geht es zum Hauptbahnhof.
7 Touristenfoto: Das Schnatterloch. „Snade“ bedeutet soviel wie Grenze. Hier befand sich die älteste Stadtgrenze.
8 Wir nehmen die enge, von Fachwerkhäusern gesäumte Hauptstraße.
9 Eine Brauerei lagerte das Bier auf der Straße.
10 Autogerecht ist das nicht!
11 Mittlerweile haben wir die eigentliche Altstadt verlassen, ein Blick zurück.
12 Eine Brachfläche. Der Zirkus reist gerade ab. Vor ein paar Jahren hätte er den Zug nehmen können, ist doch hinten links das Bahnhofsgebäude zu sehen.
Über Google Earth ein undatiertes Foto bei Panoramio, das zu Güterverkehrszeiten entstanden ist.
13 Rechts der Hauptbahnhof.
14 Das Mainzer Tor nochmals, nun mit etwas weniger störender Straßenlaterne. Es wurde vor 1379 errichtet.
15 Die Gleisseite des Empfangsgebäudes. Wie man unschwer erkennt, nunmehr gleislos.
16 Noch kann man die Anschrift MILTENBERG-HBF erkennen.
17 Die Ausfahrt in Richtung Aschaffenburg.
18 Nicht weit ist es zur Laurentiuskapelle. Der Chor ist mit 1456 datiert.
19 Gleich nebenan eine alte Brücke, mit Schutzheiligem.
Fortsetzung folgt.
Gleislos: Miltenberg Hbf, Teil II
Fortsetzung.
20 Von der Hauptstraße aus ein Blick auf die Bahnbrücken, vorne die alte zum Hauptbahnhof, hinten in erhöhter Lage die befahrene, rechts geht es zum heutigen Bahnhof.
21 Aus dem Schatten des Mainzer Tores ein weiterer Blick auf den Hauptbahnhof.
22 Auf dem Weg ins Stadtzentrum kommen wir an einem Gebäude vorbei, das die Güterabfertigung gewesen sein dürfte.
23 Am Mainufer gehend, bietet sich ein Blick auf die Mainbrücke an. Freundlicherweise kam gerade ein Zug aus Aschaffenburg.
24 Links der alte Bahnhof, rechts die Bahnbrücke über den Fluß.
25 Ein Tele-Blick auf Güterschuppen und Mainzer Tor.
26 Die 1900 eröffnete Straßenbrücke über den Main (1950 wieder aufgebaut) mit dem Torturm auf der Stadtseite.
27 Das alte Rathaus, 1379 erstmals erwähnt.
28 29 Das Hotel „Zum Riesen“ gilt als das älteste Deutschlands.
30 Ein Blick in die Hauptstraße.
31 Die Klosterkirche am Engelplatz.
32 Dieser Blick auf die Brücke bietet sich demjenigen, der vom Engelplatz gen Bahnhof strebt.
33 Da wären wir wieder. Bis zur Abfahrt des Zuges ist jedoch noch Zeit.
34 Der Güterschuppen.
35 Seltsame Fahrkarten gibt’s.
36 Im Bahnhof ein kleines Reisezentrum und ein Bäcker. Der Apfelkuchen ist empfehlenswert! Die „Drehgestelle“ fallen mir erst jetzt auf.
37 Der Eingang ins Empfangsgebäude.
38 Ein Blick über den Bahnhof.
39 Das moderne Gesicht der Westfrankenbahn.
40 Aber auch die älteren Fahrzeuge sind unverzichtbar.
41 Die Ausfahrt gen Wertheim. Es gibt Güterverkehr in Miltenberg.
42 Blick in die Gegenrichtung. Ja, wer steht denn da?
43 Entschuldigen Sie, ist das der Sonderzug nach Pankow?
44 Sieht so aus.
45 Offenbar ist er es aber doch nicht. Aber 218 212 ist es.
46 Dann nehmen wir halt den.
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628 265 (das Fabrikschild ist am Steuerwagen) brachte mich nach Wertheim. Wir aber sind übermorgen zu Gast auf einem ICE-Bahnhof.
Viele Grüße, Sören
--
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Verstehen Sie Bahnhof!
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Seltsame Fahrkarten in Bayern: Zeugnis oder Gutachten
Zunächst einmal vielen Dank für deinen neuen Reisebericht.
35 Seltsame Fahrtkarten gibt’s.
Dass mit dem kostenlosen Bahnfahren der Einserschülern hatten wir aber schon: 193828. Neu ist mir nur, dass als Fahrschein dann ein "Zeugnis oder ein Gutachten" (?) mitzuführen ist.
Seltsame Fahrkarten in Bayern: Zeugnis oder Gutachten
Interessant auch die (meines Wissens nach) falsche Schreibung von "ein 'Eins'" im Zusammenhang mit Schulzeugnissen…
Gruß, Philippus
Seltsame Fahrkarten in Bayern: Zeugnis oder Gutachten
Diese Aktion gibts schon seit einigen Jahren und es reicht wirklich das Zeugnis und der Personalausweis aus, eine extra Fahrkarte muss nicht gelöst werden (war zumindest vor ein paar Jahren noch so).
Seltsame Fahrkarten in Bayern: Zeugnis oder Gutachten
Interessant auch die (meines Wissens nach) falsche Schreibung von "ein 'Eins'" im Zusammenhang mit Schulzeugnissen…
Das ist mir vorhin gar nicht aufgefallen. Auf der HP des Kultusministeriums heißt es im Artikel "Belohnung für Einser-Schüler: Einen Tag lang freie Fahrt in bayerischen Regionalzügen":
„Eine Eins im Zeugnis genügt, das Fach ist egal.“
Und die müssen es ja wissen, ob es "ein Eins" oder "eine Eins" heißt.
Seltsame Fahrkarten in Bayern: Zeugnis oder Gutachten
Danke für den tollen Bericht aus 'Mildeberch', ich hätte nicht gedacht, dass du mal in dieser schönen Kleinstadt vorbeischaust.
Die Stadt ist immer eine Reise wert, vor allem jetzt wo noch bis Sonntag die Michaelismesse stattfindet. Hoffentlich steht 218 212 noch, ich werde es übermorgen sehen.
Vielen Dank für den Bericht!
...besonders beeindruckt bin ich von der Ausgang-Nikolaus-Fasel-Straße! Wer war denn dieser Ausgang Nikolaus Fasel?
Gleisloser Dank!
Moin!
Danke für die Kommentare.
Daß der Zugnisfahrschein behandelt wurde, wußte ich. Ein Eins ist, wenn man Eins wir Sehr gut als Wasauchimmer auffaßt, nach meinem Darüfhalten korrekt. Selber würde ich die Zeugnisnote allerdings nie so, sondern immer als Zahl auffassen. Bavarizismus? Aber das Ministerium schreibt auch Eine Eins, also wohl ein gemeiner Schreibfehler. Das war mir aber ebenso wenig aufgefallen wie der Herr A. Nikolaus Fasel. Von dem erfährt man auch ohne seinen ersten Vornamen nicht, wer er war, scheint mir.
Viele Grüße, Sören
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