Rajzefiber – 7 Tage auf Schienen unterwegs (m.v.Bild.) [3/3] (Reiseberichte)

TD, Dienstag, 21.08.2012, 17:53 (vor 4960 Tagen) @ TD

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Bahnhof Salzburg

In Salzburg haben wir nun knapp 30 Minuten Zeit um gemütlich umzusteigen. Weiter geht es nun mit einem Railjet nach München. Die vergleichsweise kurze Strecke fahren wir in der First Class, wie immer sind viele japanische und amerikanische Touristen im Zug (das fällt mir auf dieser Strecke immer besonders auf, München, Salzburg und Wien gehören wohl zu den Highlights vieler Europareisen). Wie Ihr gestern schon bemerkt habt, gehöre ich kulinarisch eher zu der süßen Sorte, und so gibt es nun noch ein Stück Sachertorte für mich - und einen Apfelstrudel für meinen Bruder.

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Kulinarisch geht dieser Punkt an die ÖBB - und eine Porzellantasse hat doch mehr Stil als ein Pappbecher. Mit den Tischen im Railjet stehe ich allerdings auf Kriegsfuß: wenn man sich zu sehr mit den Ellenbogen aufstützt, fährt das Ausklappteil ein und im schlimmsten Fall klemmt man sich noch ein. Ansonsten ist die Fahrt angenehm und ohne besondere Vorkommnisse.

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Ob es den Schriftzug im Blickfeld wirklich braucht? Jedenfalls wäre das der Chiemsee.

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Ankunft in München

In München haben wir wieder eine gute halbe Stunde Aufenthalt (in der Lounge gibt’s diesmal Lavendel-Kuchen), dann besteigen wir den Alex.

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Und hier nimmt nun das Unheil Nr. 1 seinen Lauf. Geplant war eine gemütliche Fahrt durch das Allgäu, nur hat der Alex aber keine Wagen nach Lindau und es klärt sich auf, dass wegen Bauarbeiten nur der Oberstdorfer Teil fährt und ab Immenstadt SEV besteht. Das wundert mich etwas, denn die Fahrkarte hatte ich erst vor gut 3 Wochen gebucht und dass so kurzfristig Bauarbeiten mit SEV durchgeführt werden?

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Ok, jetzt heißt es spontan umplanen, denn auf SEV habe ich keine Lust. Und es gibt sogar eine Verbindung, bei der zwar der Aufenthalt in Lindau flöten geht, aber wir dann wieder im ursprünglichen Plan sind. Uns so fahren wir mit dem Alex nur bis Buchloe und von dort mit Umstiegen in Memmingen und Kißlegg nach Friedrichshafen.

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Desiro der Kneipp-Lechfeld-Bahn

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Zwei in eins: in Memmingen steigen wir auf ein Regioshuttle um, im Spiegelbild der Desiro, der uns aus Buchloe hierher gebracht hat.

Naja, so lerne ich noch eine neue Strecke kennen, auch wenn die Fahrt über Kempten landschaftlich schöner gewesen wäre. Wir sitzen ab Kißlegg nun genau in der Regionalbahn, in die wir sonst in Lindau eingestiegen wären.

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Nostalgisch geht es per BR 628 weiter nach Lindau und Friedrichshafen.

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Bodenseedamm in Lindau

In Lindau haben wir etwas Aufenthalt und ich merke schon, hier stimmt was nicht. Ich schnappe von den neu einsteigenden Fahrgästen Wortfetzten wir „Streckensperrung“ und „wie komme ich denn jetzt nach Hause“ auf und dann kommt auch schon die Durchsage „Wegen eines Bombenfunds in Friedrichshafen ist die Strecke gesperrt, wir fahren nur bis Eriskirch, die Transportleitung organisiert einen SEV nach Friedrichshafen“.
Rückblickend betrachtet wäre es wahrscheinlich besser gewesen, auszusteigen und am schweizerischen Ufer nach Konstanz zu fahren (wäre das eigentlich von den Fahrgastrechten abgedeckt gewesen? Gut, dass unser Inlandsticket dort nicht gilt, ist klar, aber wäre ein neues Ticket erstattbar gewesen - mal abgesehen davon, ob ein Bombenfund höhere Gewalt ist?). Aber das ist jetzt ohnehin eine hypothetische Frage, denn wir sind im Zug sitzen geblieben und zusammen mit allen anderen Fahrgästen in Eriskirch ausgestiegen. Die letzte Info aus dem Zug war, dass ein Bus bereits unterwegs sei und gegen 19.15 Uhr eintreffen wird.

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Endstation in Eriskirch

Von anderen Strecken kenne ich es teilweise, dass am Bahnsteig ein Schild hängt, wo sich die Haltestelle für den Fall eines Ersatzverkehrs befindet. Ein solches Schild gibt es hier nicht, und die Fahrgäste warten nun vor dem Bahnhof auf einen Bus. Der Lokführer und eine Zugbegleiterin eines anderen ausgefallenen Zuges stehen ebenfalls bei den Fahrgästen, ein- oder zwei Wichtigtuer meinen sich aufregen zu müssen, insgesamt ist die Stimmung aber ganz entspannt und die Fahrgäste zeigen Verständnis, dass man für den Bombenfund die Bahn kaum verantwortlich machen kann. Nur der Bus kommt nicht. Die Zugbegleiterin telefoniert nochmals mit der Transportleitung und kommt dann mit zwei Nachrichten zurück: der vermeintliche SEV bestand aus einem regulären Linienbus, der eine Haltestelle eine Straße weiter angefahren hat, nun aber längst weg ist, dafür sei die Streckensperrung aufgehoben und der nächste Zug fahre planmäßig bis Friedrichshafen. Tja, was soll man dazu sagen?

Während wir also nun auf die nächste Regionalbahn warten, spiele ich etwas am Fahrkartenautomaten und siehe da: der hätte es besser gewusst und spukt einen Reiseplan aus, der mit einem Fußweg zur nächsten Bushaltestelle beginnt.

Die meisten Fahrgäste nehmen‘s locker und tatsächlich kommt eine Stunde nach unserer Ankunft in Eriskirch die nächste Regionalbahn, die nun bis Friedrichshafen fährt.

Mehr als diese Verspätung ärgert mich, dass wir nun um den Bodensee nicht den schnellen Regionalexpress haben, sondern nun noch eine halbe Stunde warten müssen und dann mit der Bummelbahn um den See zuckeln müssen. Wenn man seit morgens halb zehn unterwegs ist, hätte das jetzt nicht mehr unbedingt sein müssen – da kann auch die schöne Abendstimmung am See nicht so recht trösten. Aber gut, es hätte schlimmer kommen können, irgendwo in Polen zu stranden, wo man die Sprache nicht versteht und dann die internationalen Anschlüsse weg sind, wäre wohl um einiges unangenehmer gewesen.

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Mit dem „Seehänsele“ geht es jetzt noch um den Bodensee

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Eigentlich hatte ich einen etwas anderen Abschluss der Tour geplant und so fahren wir etwas frustriert bis Radolfzell und lassen uns dort abholen.

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Radolfzell

Ach so, die bei Bauarbeiten am ehemaligen Güterbahnhof von Friedrichshafen entdeckte vermeintliche Fliegerbombe hat sich am nächsten Morgen als „kegelförmiger Holzklotz“ entpuppt...


Viele Grüße


Tobias


PS: Meine früheren Reiseberichte gibt’s unter www.bahnreiseberichte.de.

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[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/


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