Rajzefiber – 7 Tage auf Schienen unterwegs (m.v.Bild.) [1/3] (Reiseberichte)
Hallo zusammen,
für den diesjährigen Sommerurlaub hatte ich mir drei erstklassige Bahntouren zusammengestellt, zu denen ich nun nach und nach Reiseberichte einstelle. Insgesamt waren wir 12 Tage unterwegs, die erste Tour führt uns für sieben Tage in den Nordosten, dann gibt’s eine Tagestour und zum Schluss mein persönliches Highlight mit einer 4-tägigen Rundreise in den Süden.
![[image]](http://www.bahnreiseberichte.de/26-Karte.jpg)
Diese Tour ist ein Sammelsurium aus verschiedenen Vorhaben, die sich auf meiner Wunschliste angesammelt haben. Der eigentliche Grundgedanke war, dieses Jahr Danzig und Posen zu besuchen, da ich diese beiden Städte bei meiner letztjährigen Polenreise nicht unterbringen konnte. Um dieses Ziel habe ich dann eine Rundfahrt gebastelt und den HKX, Schwerin und Wismar, den Interconnex, die Müritz, den Berlin-Gdansk-Express und die Westbahn eingebaut. Arbeitstitel der Tour war eigentlich „mit privatem Fernverkehr durch Europa“, aber den RegioJet habe ich beim besten Willen nicht untergebracht (das hätte noch einmal einen Tag gekostet und irgendwann werden die Urlaubstage weniger und das Reisegepäck zu groß) und der .italo fährt ja ganz woanders. Aber wenigstens gehen mir so die Ziele nicht aus…
Tag 1: Konstanz – Schwerin
Heute fahren wir nach Köln, von dort mit dem HKX nach Hamburg und weiter nach Schwerin.
Frühmorgens starten wir am Bodensee mit der Schwarzwaldbahn nach Offenburg. Eigentlich wäre das eine wunderschöne Fahrt durch den Morgennebel und die Schwarzwaldlandschaft – wäre nicht schlechte Stimmung im Abteil, da sich zwei Fahrgäste angiften, weil die eine den Koffer der anderen zur Seite gestellt hat. Ich selbst kann das zwar unbeteiligt beobachten, trotzdem schlägt das etwas auf die Stimmung und ein harmonischer Start der Tour wäre mir doch lieber gewesen.
In Offenburg steigen wir nun um auf den ICE nach Köln. Die Wartezeit von 45 Minuten ist zwar immer etwas lang, aber dafür ist die Fahrt nun doch angenehmer, die Auslastung ist nämlich sehr überschaubar.
Wegen einer Streckensperrung zwischen Karlsruhe und Mannheim werden wir über Bruchsal und Graben-Neudorf umgeleitet. Diese Umleitung bringt uns zwar eine Verspätung von 20 Minuten ein, aber dafür sehe ich mal eine neue Strecke und unser Anschluss in Köln ist nicht gefährdet. Nachdem ich das letzte Mal durch das Rheintal gefahren bin, macht die rasante Fahrt über die Schnellfahrstrecke auch mal wieder Spaß.
Im Mobil-Heftchen lese ich, dass heute am 1. August das 10-jährige Jubiläum der Schnellfahrstrecke ist und bin schon gespannt, ob es vielleicht zu diesem Anlass eine Aktion oder Aufmerksamkeit gibt - das ist aber nicht der Fall.
Trotz der Verspätung reicht es in Köln noch für einen Kaffee in der Lounge. Bevor sich nun jemand sorgt, dass ich der DB den Kaffee wegtrinke aber dann stattdessen mit der Konkurrenz weiterfahre: ich hatte eine durchgehende Fahrkarte Konstanz-Schwerin (ok, die hatte ich zwar auch nur, weil der Preis für beide Ziele Köln oder Schwerin identisch war, aber das ist ja egal).
Anschließend machen wir uns auf zu Gleis 2, wo der HKX pünktlich einrollt. Aber Moment, die Wagen, die ich auf Bildern im Internet gesehen habe, sahen doch anders aus? Na toll, es ist eine Ersatzgarnitur unterwegs, die aus alten NOB-Wagen besteht. Kein deklassierter 1.Klasse-Abteilwagen, keine Sitzplatzreservierungen, keine Klimaanlage. Und nun bei der hochsommerlichen Hitze vier Stunden in einer ausrangierten Regionalbahn fahren – so hatte ich mir die neue tolle Welt des privaten Fernverkehrs eigentlich nicht vorgestellt.
Was mir aber auffällt ist, wie viel Personal auf dem Zug mitfährt, 5-6 Zugbegleiter plus 2 Leute an der Minibar, und das für einen 4-Wagen-Zug? Drei englischsprachige Interrailer, die sich im Ruhrgebiet in den Zug verirrt haben, werden nun vor die Wahl gestellt, am nächsten Bahnhof wieder auszusteigen oder den vollen Fahrpreis von über 50 € pro Person nachzuzahlen und entscheiden sich für das Aussteigen.
Nachdem es immer wärmer wird und noch dazu eine Gruppe Jugendlicher beginnt, den Wagen zu beschallen (wenn sie nicht gerade auf der Toilette rauchen oder Müll aus dem Fenster werfen), besinne ich mich meiner DB-Fahrkarte, erkläre unseren HKX-Ausflug vorzeitig für beendet und wir steigen in Münster aus, wo 10 Minuten später der IC einrollt, den ich eigentlich nur fiktiv gebucht hatte, um die DB-Fahrkarte dann ab Hamburg wieder nutzen zu können.
Hier können wir uns zwischen einem modernisierten Abteilwagen oder einem plüschigen Großraumwagen entscheiden und den zweiten Teil der Fahrt wesentlich angenehmer verbringen.
Fahrt auf der Rollbahn gen Norden
Als wir dann in Hamburg-Harburg einfahren, sehe ich, dass dort der HKX gerade den Bahnhof verlässt – und trauere dem Zug kein bisschen nach.
Am Hauptbahnhof steigen wir in den Hanse-Express um, der in der ersten Klasse schicke Ledersessel hat. Hier sehe ich auch zum ersten Mal die Reservierungsanzeigen im Nahverkehr, auch wenn diese nur für Pendler buchbar sind.
Nach etwa 75 Minuten Fahrzeit durch Mecklenburg-Vorpommern erreichen wir pünktlich Schwerin, das heutige Ziel der Tour. Schwerin ist die kleinste deutsche Landeshauptstadt.
Pfaffenteich und Dom
Markt mit Rathaus
Blick auf das Schloss, rechts die Staatskanzlei
Schweriner Schloss
Orangerie
Schweriner See
Schlossgarten
Nach einem Spaziergang durch Stadt und Schossgarten kann ich damit die 15. Landeshauptstadt auf meiner Liste abhaken – und Wiesbaden wird sich sicherlich auch irgendwann noch in eine Tour einbauen lassen.
Fortsetzung folgt gleich...
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