Randlage: Saarlouis Hbf (23 Billder) (Reiseberichte)

Sören Heise, Region Hannover, Sonntag, 19.08.2012, 09:10 (vor 4971 Tagen)
bearbeitet von Sören Heise, Sonntag, 19.08.2012, 09:11

Moin!

Wer durch die Wälder des Hunsrücks oder der Pfalz hindurch gefunden hat, wird mehr oder minder überraschend Deutschlands kleinstes Flächenland finden: Das Saarland. Die Rheinlandpfälzer werden es kennen, dürfen (oder müssen?) sie sich mit ihm doch das Länderticket teilen. Ansonsten kennen es Auswärtige wohl eher vom Hörensagen oder aus sporadischen Meldungen in Presse, Funk und Fernsehen. Nachdem sich Saarbergbau und Jamaica erledigt haben, dürfte die bundesweite Bekanntheit nur noch an einem Menschen hängen. Aber ich schweife ab. Daher beginnen wir mit einer erneuten Abschweifung.


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Um nicht die Entstehung der Steinkohle schildern zu müssen, beginnen wir nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges. Da war das heutige Saarland immer mal wieder Teil Frankreichs, so auch um 1680, nach dem, so der Volksmund, Frieden von Nimmweg. Damals machte sich der neue Landesherr, im fernen Paris, dran, die neuen Gebiete zu sichern. Natürlich nicht selber, er ließ seinen Architekten, den berühmten V. Bahn, Pläne für eine Festung dort im fernen Osten erstellen. Gebaut wurde sie schnell, auch einen Namen erhielt sie. Den des nebendrein fließenden Flusses, verbunden mit, in einem Anflug von Bescheidenheit, seinem eigenen: Sarre-Louis. Nachdem die Revolution gescheitert war und die Stadt von Saarfrei - so hieß sie nach Abschaffung des Monarchen - wieder nach Saarludwig umbenannt war, wurde sie 1815 preußisch. Auf diese Zeit werden wir später zurückkommen müssen. 1918 kam der Franzos zurück, 1935 wechselte man auf Volkes Wunsch für tausend Jahre nach Deutschland. Hierbei wurde sogleich Louis rausgeschmissen, Saarlautern hieß die Stadt fortan, unklar ob aufgrund Germanisierungsbestrebungen (wie es sie auch anderswo im Reich gab) oder nur aufgrund der Fusion mit der Nachbargemeinde Fraulautern. Egal, am 14. Juli (Zufall?) 1945 wurde Saarlouis wieder zu Saarlouis (zugegeben, Saarludwig klingt auch irgendwie doof). 1955 dann entschieden sich die Saarländer für Deutschland. Seit 1957 gehört das Saarland daher mal wieder zu Deutschland und Saarlouis führt mit seinem zweisprachigen Namen die wechselhafte jüngere Geschichte dieses Territoriums buchstäblich vor Augen. Nun aber zurück in die Preußenzeit, denn das Thema soll der Hauptbahnhof der Stadt sein.

Die Innenstadt von Saarlouis befindet sich am linken Saarufer, der Bahnhof am rechten. Die hier entlangführende Strecke, die sogenannte Saarstrecke, wurde 1858 zwischen Saarbrücken und Merzig eröffnet (1860 weiter bis Trier). Saarlouis erhielt damals keinen Bahnhof, sondern Fraulautern, ein paar Meter gen Saarbrücken gelegen. Zwecks besserer Verkehrserschließung entstand daher eine Kleinbahn, die Saarlouis mit der Eisenbahn in Ensdorf (noch ein paar Meter weiter gen Saarbrücken) verband. 1897 war das. Der Personenverkehr zum Ensdorfer Bahnhof endete 1940, 1961 auf dem Kleinbahnnetz (gefahren wurde mit Straßenbahnwagen); der Güterverkehr überlebte noch ein wenig. Besonders zu erwähnen ist die Tatsache, daß die Bahn teilweise eine internationale war, Kreuzwald (Creutzwald) lag nicht immer im selben Staat wie der Rest des Betriebes.

1909 schließlich erhielt Saarlouis einen eigenen Bahnhof, als der heutige Hauptbahnhof in Betrieb genommen wurde, etwa anderthalb Kilometer vom Marktplatz entfernt. Irgendwann in den 1950ern wurde dieser Bahnhof dann auch offiziell zum Hauptbahnhof.

Ein Hinweis zwischendurch: Die irgendwann irgendwo angekündigten Portraits von Stuttgart und Leipzig sind unbestimmt verspätet.

Am achten Achten ging es für den Hauptbahnhofschronisten nach Saarlouis. Der Vierminutenanschluß vom Frankreich-ICE auf den Saar-Mosel-RE klappte, was zu einer Siebenminutenverspätung des RE führte (bei drei Fahrten und einem Fahrtversuch war der 9556 nie pünktlich, angeblich ist er es ab und an aber doch). Im Zug eine gemeinsame Ausweiskontrolle von deutscher und französischer Polizei (so ganz scheinen die Franzosen den Verlust des Saarlandes noch nicht überwunden zu haben... [image]). Wie auch die vier Polizisten verließ ich den Zug beim zweiten Zwischenhalt. Während sie, ohne Fotos oder sonstiges zu schießen, den nächsten Zug zurück nahmen, nahm die Kamera ihren Dienst auf.


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1 Einer der wenigen lokbespannten Züge hat uns nach Saarlouis gebracht. Die 143 schiebt ihn erst saar-, dann moselabwärts bis zum Moselende.


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2 Der Hausbahnsteig hat eine leichte Kurvenlage, weshalb der Lokführer Unterstützung bei der Abfertigung erhält.


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3 Blick über den Bahnhof. Drei Bahnsteiggleise, moderner Bahnsteig, ein paar Gütergleise und ein Empfangsgebäude mit drei Gesichtern. Hier das neutrale, die Gleisseite.


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4 Brutales Gegenlicht erschwert den Blick gen Saarbrücken. Gütergleise und Industrie.


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5 Die Unterführung führt uns unter den Gleisen hindurch...


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6 ...auf den Hausbahnsteig. Der verspiegelte Anbau beherbergt das örtliche Stellwerk.


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7 Der Blick gen Dillingen.

Anschließend beging ich den Fehler des Tages und verließ den Bahnsteig. Hätte ich es nicht getan, wäre eine E40 mit Torpedopfannenwagen im Bild zu sehen. [image]


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8 Trösten wir uns mit den beiden Anzeigetafeln auf dem Bahnhofsvorplatz, Bus und Zug getrennt.


Anschließend die Straßenseite des Empfangsgebäudes.


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9 Variante Eins mit Kreisel, Verkehrsschild, blauem Auto und einer dumm herumstehenden Stele, was auch immer ihr Sinn sein soll.


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10 Variante Zwei mit verkehrsrotem Autolein (ein verkehrsrotes Züglein kommt später) und Bushaltestelle.


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11 Der Haupteingang mit Stadtwappen und den heimlichen Herren des Bahnhofes: Tauben.
Sparen wir uns zwei gegenlichtige Stadtbusse und gehen wir hinein.


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12 Der öffentliche Fernsprecher verfügt, auch wenn es so aussieht, wohl doch nicht über eine Freisprechanlage.


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13 Die Halle, Blick gen Stadt.


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14 Die Halle, Blick gen Bahnsteig.


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15 Beachte die für Bahnhöfe etwas seltsame Uhr.


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16 Der Leppermann heißt die Streusandkiste willkommen. Hut ab!


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17 Mit Wolkenschaden ein Blick über den Bahnhofsplatz hin zum Bahnhof-Hotel.


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18 Die Raucherecke wurde ausgelagert und befindet sich im Motorradparkplatz. Immerhin paßt die Reklame.


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19 Bahnsteighöheninformation.


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20 Der Ausgang führt durch die Halle.


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21 Aber nicht immer.


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22 Beachte die saarländische Stationsschildsonderkonstruktion.


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23 Ein nicht allzu häufiger Anblick sind zweiteilige Quietschies. Im Saarland sind sie teilweise in Doppeltraktion unterwegs, hier 426 040, 426 017 aber lag bis zum nächsten Fahrtrichtungswechsel in Führung.


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Der Chronist bestieg wenige Augenblicke später einen Zug der Gegenrichtung. Trier ist aber nicht unser nächstes Ziel; das kenne ich noch nicht. Zuvor am Freitag gibt es einen Eisenbahnknoten, der seine besten Zeiten definitiv hinter sich hat. Mit dieser Formulierung halte ich mir einige Optionen offen, das weiß ich.


Viele Grüße, Sören


Quellen (außer Wikipedia):

Michael Kochems und Dieter Höltge, Straßen- und Stadtbahnen in Deutschland. Band 12: Rheinland-Pfalz/Saarland. Freibur 2011.
Gerd Wolff, Deutsche Klein- und Privatbahnen. Band 1: Rheinland-Pfalz/Saarland. Freiburg 1989.
Eisenbahn-Kurier Special 86: Die Eisenbahn im Saarland. Freiburg 2007.

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