Wahre Ruhezonen - so gesehen in Schweden und Norwegen (Reiseberichte)

JumpUp, Freitag, 17.08.2012, 21:34 (vor 4964 Tagen)

Nachdem ich in den letzen Wochen per Bahn durch Dänemark, Schweden und Norwegen gereist bin (kreuz und quer, in allen Kategorien: Regional-, Nacht-, und Schnellzügen) habe ich die skandinavischen Ruhezonen lieben gelernt. Es gibt sie nicht in allen Zügen, aber mehr und vor Allem in den neueren Triebwagengenerationen.

Interessanterweise gibt es diese Ruhezonen sogar in vielen Regionalzügen. Meist befinden sie sich (sinnvollerweise) am Schluss des Zuges und sind durch eine Tür extra vom Rest des Zuges getrennt. Am Eingang der Tür steht in der Nationalsprache und auf Englisch, dass Telefonieren und laute Musik verboten ist - in einer Schriftgröße, dass jeder es lesen kann und sofort versteht, mit Bildern untermalt

Auch im Inneren der Ruhezone sind viele Hinweise, dass man hier die Klappe zu halten hat.

Leider habe ich keine Bilder gemacht, und im Internet lässt sich auch kein gutes Material finden.

Hier nur als Beispiel, im Original sind sie noch viel prägnanter:

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Viel effizienter sind jedoch die großen (leider nicht von mir fotografierten) Hinweistafeln am Eingang des Wagenbereichs

Und ich kann Euch sagen: Die Ruhezonen funktionieren prächtig! Im Öresundzug von Malmö nach Göteborg (der übrigens gut besetzt war) hatte man in der Ruhezone wirklich Ruhe gehabt. Zum Telefonieren sind die Passagiere nach draußen gegangen und es war eine sehr angenehme Fahrt. Auch in vielen anderen Zügen in Schweden und Norwegen klappt das viel besser als bei uns.

Dies liegt wohl hauptsächlich daran, dass die Leute dort die Ruhezonen sehen und erkennen. In den deutschen ICE sind die Aufkleber über Handyverbot und das Pssst-Zeichen so gut und klein an der Wand versteckt, dass die Mehrzahl der Reisenden von den Ruhezonen gar nichts weiß. Sehr schade eigentlich, denn ich fand es viel entspannender, ohne Ufftata und Tätärätä zu reisen...

Wahre Ruhezonen - so gesehen in Schweden und Norwegen

Zugfahrer, Freitag, 17.08.2012, 23:37 (vor 4964 Tagen) @ JumpUp

In Skandinavien sind wahrscheinlich die Mentalitäten anders "verdrahtet" wie in Deutschland.

Ruhebereich in D:

Laut telefonierende Reisende, plärrende Kleinkinder, Kopfhörerjunkees mit wummernden Technosound, Skatclubs, Geburtstagspartys, etc. bevölkern in D den Ruhebereich.

Was kann man dagegen unternehmen:

Ende der 90er habe ich mal erlebt, wie eine korpulente Mittsechzigerin einem jungen Mann im RE das Handy aus der Hand nahm und mit einem krachenden Fußtritt selbiges in einen Trümmerhaufen verwandelte. Der junge Mann heulte gequält auf: "Mein schönes Handy!!! HILFE!!!"
Da Dame erklärte kurz angebunden: "Ich habe Sie mehrfach ermahnt, im Zug leise zu sein. Sie reagierten nicht, daher griff ich zur Selbstjustiz!" Der junge Mann erklärte: "Ich habe doch bloß die neuesten Klingeltöne meines Handys ausprobiert. Und da kommen Sie und machen das kaputt!!!"
Die Dame knurrte: " Das Maß war voll!!! Sie haben permanent Radau mit ihrem Handy im Zug verbreitet. Die Einwände ihrer Mitreisenden ignorierten Sie, diese lachten Sie sogar aus!!!"

Meine Empfehlung: Wenn Fahrgäste im Ruhegereich lärmen, dann eine der blauen Mülltüten aus den Einstiegsbereichen des ICE entnehmen und dem lärmenden Fahrgast über den Kopf stülpen. Den Müllsack unten am Hals des lärmenden Fahrgastes zu binden und abwarten.

Nach etwa 5 Minuten sollte dann Ruhe einkehren.

Wahre Ruhezonen - so gesehen in Schweden und Norwegen

br752, Samstag, 18.08.2012, 00:22 (vor 4964 Tagen) @ Zugfahrer

Zu unseren schwerhoerigen Mitreisenden:

Ab und zu bruell ich diese Schwerhoerigen an, dass sie die Kopfhoerer leiser oder aus machen sollen, da sie den halben Zug beschallen. Das Anbruellen mit der Aufforderung muss aber freundlich, klar, deutlich und lauter als die "Musik", sein. Das klappt dann auch.


BR752

Wenn man glaubt, die Umwelt hört das eh nicht

bahn-user, Sonntag, 19.08.2012, 10:09 (vor 4962 Tagen) @ br752

Ab und zu bruell ich diese Schwerhoerigen an, dass sie die Kopfhoerer leiser oder aus machen sollen, da sie den halben Zug beschallen. Das Anbruellen mit der Aufforderung muss aber freundlich, klar, deutlich und lauter als die "Musik", sein. Das klappt dann auch.

Ein Fahrgast 3 Reihen entfernt hört zu laut über Kopfhörer. Ich rufe in Liedpause rüber, doch bitte mal leiser zu machen.

Er: "Ist doch gar nicht so laut, dass können Sie von dort doch gar nicht mehr hören!"

Ich: "Doch, das ist viel zu laut. Ausserdem hasse ich Depeche Mode, das ist sowas von 80er Jahre. Und die letzten 20 Minuten lief ja leider nix anderes als Depeche Mode bei Dir."

Er: Roter Kopf, macht ganz aus.

Wahre Ruhezonen - Deine menschenverachtende Empfehlung...

heinz11, Samstag, 18.08.2012, 14:06 (vor 4963 Tagen) @ Zugfahrer

...kannst Du Dir zukünftig gern sparen.

heinz

Meine Empfehlung: Wenn Fahrgäste im Ruhegereich lärmen, dann eine der blauen Mülltüten aus den Einstiegsbereichen des ICE entnehmen und dem lärmenden Fahrgast über den Kopf stülpen. Den Müllsack unten am Hals des lärmenden Fahrgastes zu binden und abwarten.

Nach etwa 5 Minuten sollte dann Ruhe einkehren.

Wahre Ruhezonen - Deine menschenverachtende Empfehlung...

Zugfahrer, Samstag, 18.08.2012, 22:57 (vor 4963 Tagen) @ heinz11

Gut, dann eben die menschenfreundlichere Empfehlung.

Ohrenschützer für Baumaschinisten, Treckerfahrer, Baggerfahrer, etc. erwerben und im Ruhebereich des ICE über die Ohren stülpen. (diese sehen so aus wie überdimensionierte Kopfhörer ohne Antenne oder Kabel)

Dies wäre dann ein MOBILER RUHEBEREICH, welcher den Lärm der Radaumacher dämpft. Dies spart dass "Mülltüten über die Köpfe ziehen" der Krachmacher im Ruhebereich.

Oder den Ruhebereich wechseln. Die Großraumabteile ohne Ruhebereich sind oftmals wesentlich leiser wie die Ruhebereiche.

Oder eine ganz neue Erfahrung, welche ich seit einigen Wochen im Ruhebereich selber gemacht habe. Ebenfalls LAUT telefonieren, die Kopfhörer "volle Pulle" audrehen, dabei im Takt mit den Füßen trampeln, laut Filme auf dem Notebook ansehen, etc.

Fällt aufgrund des Lärmes der anderen Fahrgäste dann gar nicht mehr auf, so dass sich Beschwerden in Grenzen halten.

Wahre Ruhezonen - Deine menschenverachtende Empfehlung...

Benjamin.Keller, Samstag, 18.08.2012, 23:16 (vor 4963 Tagen) @ heinz11

...kannst Du Dir zukünftig gern sparen.

Danke! Kann ich nur unterschreiben.

Der ADMIN dankt...

Holger_HAM, Hamm (Westfalen), Sonntag, 19.08.2012, 09:23 (vor 4962 Tagen) @ heinz11

...der Gemeinschaft hier im Forum für die Kommentierung.

Holger_HAM
-Moderator-

Wahre Ruhezonen - so gesehen in Schweden und Norwegen

guru61, Arolfingen, Sonntag, 19.08.2012, 09:52 (vor 4962 Tagen) @ Zugfahrer


Ruhebereich in D:

Laut telefonierende Reisende, plärrende Kleinkinder, Kopfhörerjunkees mit wummernden Technosound, Skatclubs, Geburtstagspartys, etc. bevölkern in D den Ruhebereich.

Ruhebereich in der Schweiz:
Ein Klingelton, oder etwas lauter sprechen, und du wirst von den Blicken der Mitreisenden durchbohrt. In der Regel geht es keine 30sec. bis dir unmissverständlich von einem Mitreisenden klargemacht wird, dass du verschwinden sollst, oder ruhig sein :-)

Wenn en mir langweilig ist, setz ich mich gern in den Ruhewagen. Ich bin noch nie enttäuscht worden.

Was mir dabei auffällt, das vielfach die Mitreisenden aus dem grossen Kanton die Ruhestörer sind. Obwohl die Kleber, ähnlich wie in Skandinavien an jedem Fenster in Sichtbereich kleben. Ob das mit Pisa zu tun hat?

Gruss Guru

Wahre Ruhezonen - so gesehen in Schweden und Norwegen

Holger_HAM, Hamm (Westfalen), Sonntag, 19.08.2012, 10:03 (vor 4962 Tagen) @ guru61

Hallo,

Was mir dabei auffällt, das vielfach die Mitreisenden aus dem grossen Kanton die Ruhestörer sind. Obwohl die Kleber, ähnlich wie in Skandinavien an jedem Fenster in Sichtbereich kleben. Ob das mit Pisa zu tun hat?

das Problem dürfte wohl eher sein, dass hier der Ruhebereich, wie schon oben geschildert, wenig beachtet wird.

--
Viele Grüße aus Hamm in Westfalen,
Holger
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Der bahn.kommfort-Briefkasten. Auch vor Ihrer Haustür!
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Wahre Ruhezonen - so gesehen in Schweden und Norwegen

feiyang, Sonntag, 19.08.2012, 11:15 (vor 4962 Tagen) @ guru61
bearbeitet von feiyang, Sonntag, 19.08.2012, 11:18

Meine Erfahrungen sind, dass der Ruhebereich in der Schweiz sehr gut funktioniert. Die Aufkleber sind deutlich an den Fenstern angebracht und auf meinen bisherigen Fahrten war es auch ruhig.

Als sich einmal eine lautere Gruppe im Ruhebereich niederließ, wurde diese noch vor der Abfahrt von einem anderen Reisenden in einen anderen Wagen geschickt. Ein andermal wurde eine Familie, die nicht ganz leise war noch vor der Abfahrt unaufgefordert vom Zugbegleiter auf die Ruhezone hingewiesen.

Ausserdem wird auf der Webseite der SBB die Ruhezone viel klarer und unmissverständlicher kommuniziert. Sinngemäß heisst es dort, dass u.a. Gespräche, Diskussionen, Telefongespräche etc. nicht gestattet sind. Ein "nicht erwünscht" hingegehen interessiert doch viele notorische Handyquatscher nicht....

Es fehlt der gesellschaftliche Konsens bei uns

bahn-user, Sonntag, 19.08.2012, 10:14 (vor 4962 Tagen) @ JumpUp

Dies liegt wohl hauptsächlich daran, dass die Leute dort die Ruhezonen sehen und erkennen. In den deutschen ICE sind die Aufkleber über Handyverbot und das Pssst-Zeichen so gut und klein an der Wand versteckt, dass die Mehrzahl der Reisenden von den Ruhezonen gar nichts weiß. Sehr schade eigentlich, denn ich fand es viel entspannender, ohne Ufftata und Tätärätä zu reisen...

Es fehlt auch zusätzlich einfach der gesellschaftliche Konsens für das Einhalten von Ruhezonen. Würde man sich eine Zigarette anzünden, hätte man zumindest im Fernverkehr sofort eine Gruppe von aufgebrachten Fahrgästen gegen sich. Bei Lärm ist das was anderes. Da muss noch einiges passieren.

Das ist IMO auch der Grund, weshalb Zubs da nur ungern eingreifen: Sie wissen, dass es ein Glücksspiel ist, ob sich die anderen Fahrgäste dann mit ihnen oder dem Störer solidarisieren (Sehr nett war mal ein Zub, der einfach bei der Fahrgastkontrolle alle Handynutzer konsequent und freundlich auf den Ruhebereich hinwies)

Bei mir recht erfolgreich für noch lernwillige Telefonierer ist der Hinweis auf die technischen Gegebenheiten von Repeatern in Handywägen vs. keinen in Ruhezonen.

Es fehlt der gesellschaftliche Konsens bei uns

feiyang, Sonntag, 19.08.2012, 11:21 (vor 4962 Tagen) @ bahn-user

Denke auch, dass ein gesellschaftlicher Konsens vorhanden sein muss, dass die Ruhezonen wirklich funktionieren.
Leider ist das oft nicht der Fall. Diese Tatsache und die immer weniger werdenden Abteile sind für mich die Hauptgründe, warum mir persönlich Bahnfahren immer weniger Spass macht.

Nein --> Hauptproblem DB!

gus78, Sonntag, 19.08.2012, 21:40 (vor 4962 Tagen) @ bahn-user

Es fehlt auch zusätzlich einfach der gesellschaftliche Konsens für das Einhalten von Ruhezonen. Würde man sich eine Zigarette anzünden, hätte man zumindest im Fernverkehr sofort eine Gruppe von

Sehe ich etwas anders. Wie du schon geschrieben hast, die unzureichende Kennzeichnung der Ruhezonen ist ein Problem. Hinzu kommt die Lage (Durchgangswagen und nicht ausschließlich Randwagen) sowie die Resevierungspraxis der Bahn. Solange Familien in Ruhewagen gebucht werden und bei der Reservierung die Ruhezone nicht nur als Zusatzbuchoption separat ausgewählt werden muss und nie automatisch erfolgt, wird sich nichts ändern. Diese Probleme könnte man aber schnell beheben - allein der Wille scheint zu fehlen.

Wenn im Ruhebereich einer Lärm macht...

Blaschke, Sonntag, 19.08.2012, 12:25 (vor 4962 Tagen) @ JumpUp

... dann bitte ich ihn immer ganz ruhig und sachlich und mit einem Lächeln aber dem gebotenen Ernst, doch noch etwas lauter zu sein.


Moin!


Wenn da jemand telefoniert, dann frage ich, ob er nicht etwas lauter sprechen könne - ich würde ja nur die Hälfte verstehen. Bei Musik dasselbe - "Hey, dreh' mal 'n bißchen auf die Mukke. Wirkt ja sonst gar nicht!"

Und bei randalierenden Kindern lobe ich die Eltern, wie toll sie ihren Nachwuchs erzogen haben - das sei vorbildlich und einen Orden wert.

Das z.B. erspart die sonst übliche Frage: "Waren Sie nicht auch mal Kind?". Denn die üblichen, von den Randalierern und Selbstsüchtigten erprobten Verteidigungsmuster fallen, wenn man sie für ihr Tun lobt, in sich zusammen. Auf Lob sind sie nicht vorbereitet und dann stehen sie sprachlos da und wissen auch nicht weiter.


Gilt im Umgang mit den Chefs etc. übrigens genauso!

Klappt meistens ganz gut...

Schöne Grüße aus der Friedensstadt Osnabrück von

jörg

Wenn im Ruhebereich einer Lärm macht...

gus78, Sonntag, 19.08.2012, 21:42 (vor 4962 Tagen) @ Blaschke

Schöner wäre es, sich direkt daneben eine Zigarette anzuzünden und den betroffenen Personen direkt ins Gesicht pusten. Beide Piktogramme sind ja z.T. nebeneinander. Leider konnte ich mich als Nichtraucher noch nicht dazu durchringen.

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