Ein Tag im Ostwind - Reisebericht mit vielen Bildern (Reiseberichte)

TD, Freitag, 27.07.2012, 19:16 (vor 4989 Tagen)

Hallo zusammen,

ich hatte mir dieses Jahr das Schnupper-Halbtax der SBB gekauft, welches im Frühling im Bahnhof Konstanz angeboten wurde. Wer sich mit schweizerischen Tarifen nicht so auskennt, das ist so eine Art Probe-Bahncard für die Schweiz. Bei dem Grüezi-Angebot war auch noch eine Tageskarte für den Tarifverbund Ostwind dabei, der die Kantone St. Gallen, Thurgau, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden umfasst. Diese Ecke stand dieses Jahr zwar gar nicht unbedingt auf meinem Plan – aber wer wird schon eine Bahnfahrkarte verfallen lassen?

Ich habe mir deshalb einige Städte, Strecken und Züge ausgesucht, die ich noch nicht kannte oder lange Zeit nicht mehr gefahren war und habe am letzten Sonntag eine kleine Tagestour unternommen.

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Von Konstanz fahren wir dem Rhein entlang nach Stein am Rhein, machen einen Abstecher zur Frauenfeld-Wil-Bahn, befahren einige Strecken der Appenzeller Bahnen und kehren entlang der Seelinie wieder zum Ausgangspunkt zurück.

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Im schweizerischen Teil des Konstanzer Bahnhofs steigen wir in einen GTW von Thurbo. Thurbo ist ein Gemeinschaftsunternehmen der SBB und des Kantons Thurgau, welches den Regionalverkehr in der Ostschweiz betreibt. Die GTW-Triebwagen werden uns heute immer wieder begegnen.

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Nach 3-minütiger Fahrt heißt es schon wieder umsteigen, in Kreuzlingen wechseln wir am gleichen Gleis auf den nächsten GTW, der diesmal als S 3 nach Schaffhausen verkehrt.

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Auf der Seelinie fahren wir nun an Untersee und Rhein flussabwärts. Nach einer knappen halben Stunde Fahrzeit erreichen wir das Städtchen Stein am Rhein, wo wir einen kurzen Zwischenstopp einlegen.

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Der Bahnhof liegt linksrheinisch, die historische Altstadt befindet sich auf der anderen Rheinseite. Nach einem kurzen Fußweg überqueren wir die Rheinbrücke, von wo aus der Blick nicht nur auf die historische Altstadt fällt, sondern auch auf die Burg Hohenklingen, die über der Stadt thront.

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Im Sommer wimmelt es in der schmucken Altstadt von (Rad-)Touristen, am Sonntagmittag herrscht hier reges Treiben.

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Untertor

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Rathaus

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Rathausplatz

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Die Geschichte der Stadt ist eng mit dem Kloster St. Georgen verbunden, die mittelalterlichen Klosteranlagen der ehemaligen Benediktinerabtei liegen direkt am Rhein.

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Wir sind wieder zurück am Bahnhof, hier steigen wir aber nicht in den Zug, sondern in das Postauto nach Frauenfeld. Der Bahnhof wird übrigens auch von der DB angefahren - allerdings nur auf der Straße in Form zweier Buslinien der Bahntochter SüdbadenBus.

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Postauto in Frauenfeld

Mit dem Postauto geht es nun über den Seerücken nach Frauenfeld, dem Hauptort des Kantons Thurgau. Das Parlament des Kantons tagt übrigens nur im Sommerhalbjahr in Frauenfeld, im Winterhalbjahr ist Weinfelden Sitzungsort.

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Nach dem Trubel in Stein am Rhein wirkt Frauenfeld geradezu wie ausgestorben.

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Schloss Frauenfeld

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Nach dem kurzen Stadtspaziergang kehren wir zum Bahnhof zurück. Allerdings gehen wir nicht zu den SBB-Gleisen, sondern bleiben auf dem Bahnhofplatz, wo ein rot-weißes Gefährt auf uns wartet.

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Die Frauenfeld–Wil-Bahn ist eine Meterspurbahn, die seit 1887 auf der gut 17 Kilometer langen Strecke zwischen Frauenfeld und Wil verkehrt.

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Die Strecke führt unspektakulär durch das Tal der Murg. Eigentlich dauert die Fahrt eine halbe Stunde, wegen einer Stellwerksstörung gibt es unterwegs aber eine unfreiwillige Pause.

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Auch in Wil machen wir einen kleinen Abstecher in die Altstadt, wobei uns nun die durch die Stellwerksstörung verlorene Zeit fehlt.

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Für ganze 12 Minuten fahren wir anschließend mit dem einzigen Fernverkehrszug der heutigen Tour. Ein ICN bringt uns von Wil nach Gossau. Auf der kurzen aber kurvenreichen Strecke macht sich die Neigetechnik deutlich bemerkbar.

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Fahrt im ICN durch den Kanton St. Gallen

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In Gossau steigen wir um auf einen Regionalzug der Appenzeller Bahnen. In Meterspur fahren wir jetzt auf landschaftlich reizvoller Strecke durch das Appenzellerland.

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Streckennetz der Appenzeller Bahnen

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Ankunft in Appenzell

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Das Dorf Appenzell ist der Hauptort des Kantons Appenzell Innerrhoden. Der Ort hat keine 6.000 Einwohner, trotzdem herrscht hier wieder einiger Touristentrubel – da will ich mich selbst gar nicht ausnehmen, ist das Dorf doch sehenswert.

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Es geht gleich weiter...

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Ein Tag im Ostwind - Fortsetzung

TD, Freitag, 27.07.2012, 19:25 (vor 4989 Tagen) @ TD

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Bahnhof Appenzell

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Die nächste Bahnfahrt ist wieder recht kurz, diesmal sind es 11 Minuten, die wir mit der S 11 – wieder eine Zug der Appenzeller Bahnen – nach Gais fahren.

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Blick vom Zugfenster auf das Alpsteinmassiv

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Hat jemand mitgezählt, wie oft wir heute schon umgestiegen sind? Egal, jedenfalls ist es jetzt wieder so weit, wir wollen nämlich die Zahnradstrecke von Gais nach Altstätten befahren. Ich dachte eigentlich, dass sonntags ein offener Sommerwagen auf der Strecke eingesetzt wird, aber stattdessen ist nur ein Velowagen am Zug.

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Die Strecke führt anfangs schön aber unspektakulär durchs Hügelland...

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... dann kann man in der Ferne das Rheintal erahnen...

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...und dann geht’s den Berg runter.

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Nachfolgend einige Bilder von der Talfahrt auf dem Zahnradabschnitt. Der Höhenzug auf der anderen Seite des Rheintals liegt übrigens schon in Österreich.

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Bei der Abfahrt des Zugs in Gais saßen rechts am Fenster noch Senioren, die ich innerlich in die Schublade „Fenster zu, es zieht“ gesteckt hatte. Zu meiner Erleichterung ist das Paar aber schon vor Beginn des Zahnradabschnitts ausgestiegen, so dass sich die Fahrt am offenen Fenster genießen lässt – so lässt sich auch das Fehlen des offenen Wagens verschmerzen.

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Schade, die 20-minütige Fahrt geht schon zu Ende, wir erreichen Altstätten.

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Marktgasse von Altstätten

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Altstätten hat zwei Bahnhöfe, Altstätten Stadt, der Endbahnhof der Appenzeller Bahnen, wo wir angekommen sind und den SBB-Bahnhof. Beide Bahnhöfe sind knapp 2 Kilometer voneinander entfernt. Aber zu laufen brauen wir nicht, es fährt ein Kleinbus der Rheintal Bus. Obwohl ich für die Heimfahrt einen Plan B habe (und C und D... – bis 22 Uhr würden wir noch im Halbstundentakt zurück nach Konstanz kommen), werde ich etwas hibbelig, ob der 2 Minuten-Übergang vom Bus auf den Zug klappt. Dabei geht nur die Uhr im Bus vor, die S 1 nach Wil wird bequem erreicht, zumal der Bus bis an den Bahnsteig fährt. Auch dies wieder einer von vier Thurbo-GTW, die wir auf dem Heimweg noch nutzen werden.
Wir könnten mit dem Zug bis St. Gallen fahren und dort umsteigen, stattdessen entscheiden wir uns aber für die Seelinie und fahren zunächst bis Rorschach.

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In Rorschach wartet schon der nächste Thurbo-GTW, diesmal geht die Fahrt bis Romanshorn.

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In Romanshorn legen wir noch einmal einen Stopp ein und drehen eine kleine Runde am Hafen.

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Mit der Fähre rüber nach Friedrichshafen? Das wäre auch mal wieder eine Idee – aber heute nicht.

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Die Seelinie verläuft mehr oder weniger in Sichtweite des Bodenseeufers...

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...der weiße Punkt links am gegenüberliegenden, deutschen Seeufer ist übrigens die Klosterkirche Birnau, die man auf der Bodenseegürtelbahn direkt passiert.

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In Kreuzlingen tun wir es nun ein letztes Mal für die heutige Tour: umsteigen. Zur Symmetrieminute treffen sich hier vier Züge: links vorne nach Weinfelden, da hinter nach Schaffhausen, rechts nach Konstanz, davor nach St. Gallen.

Damit endet nun eine wahre Bahn-Hopping-Tour: 12 mal sind wir umgestiegen, die kürzeste Fahrtdauer waren 2 Minuten, die längste Fahrt ging 40 Minuten und die kürzesten Übergangszeiten waren 2 mal 2 Minuten.

Mit der Ankunft in Konstanz endet auch unser heutiger Reisebricht, wobei das jetzt nur zum Aufwärmen gedient hat, denn in den nächsten zweieinhalb Wochen bin ich mehr unterwegs denn zu Hause, will doch dieser Fahrkartenhaufen verfahren werden:

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Ich sehe da Logos von DB, HKX, InterConnex, ÖBB, Westbahn, SBB, SNCF und Trenitalia – aber mehr wird noch nicht verraten...


Viele Grüße und ein schönes Wochenende


Tobias

PS.: meine früheren Reiseberichte gibt’s hier.

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Super!!!

TGV99, Freitag, 27.07.2012, 19:29 (vor 4989 Tagen) @ TD

Sehr gut,gefällt mir.
Ich freu mich jetzt schon auf die nächsten Berichte.
Grüße
TGV99

Da kann ich mich nur anschließen.

Anoj 1, Dresden (D) / Vbg. (A), Samstag, 28.07.2012, 13:04 (vor 4989 Tagen) @ TGV99

Hallo!

Sehr gut,gefällt mir.
Ich freu mich jetzt schon auf die nächsten Berichte.

Vielen Dank!
Das weckt die Neugier auf die kommenden Berichte.

m b g,
Anoj

Ein Tag im Ostwind

Twindexx, St. Gallen (CH), Samstag, 28.07.2012, 00:24 (vor 4989 Tagen) @ TD

Hoi,

Danke für den schönen Bericht aus meiner Gegend! Gerade heute am Abend war ich noch in Arbon im Bodensee bei herrlichen Verhältnissen schwimmen und anschliessend ass ich ich noch feine Fischknusperli am Ufer. Leider kam dann später noch ein riesiges Unwetter.
Da passt dein Reisebericht gerade super dazu!


Sehe ich das eigentlich richtig, dass du in Frauenfeld den Zug nach Wil knapp verpasst hast? Dein Foto hast du ja um 13:20:15 Uhr geschossen, aber um 13:19 Uhr war Abfahrt.

Zur Frauenfeld-Wil-Bahn (FW):
Die Stellwerkstörung tut mir leid für dich. Ich hoffe, die Zeit in Wil fiel nicht zu kurz aus.
Nachdem man lange Zeit mit einer Umstellung auf Busbetrieb geliebäugelt hatte, kam eine Studie zur Auffassung, dass die Beibehaltung des Bahnbetriebs die bessere Lösung darstellt. Nun hat man neues Rollmaterial bestellt, dass ab nächstem Jahr eingesetzt werden soll: http://www.stadlerrail.com/de/referenzen/frauenfeld-wil-bahn-2/
Übrigens wird die FW von den Appenzeller Bahnen verwaltet.

Zur S11 (Appenzell-St.Gallen):
Wenn im nächsten Jahr die Abstimmungen hier in der Region erfolgreich verlaufen, dann wird sich das Bild dieser Linie in den nächsten fünf Jahren stark wandeln: http://www.dml-ab.ch/contento/LinkClick.aspx?fileticket=eUMyVb8m3zk%3d&tabid=623&am...

Grüsse aus St. Gallen; der Stadt, die du erfolgreich umrundet hast :-)

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Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13, IR 15, IR 27 und IR 70:
Der SBB FV-Dosto.

Ein Tag im Ostwind

TD, Samstag, 28.07.2012, 10:44 (vor 4989 Tagen) @ Twindexx

Sehe ich das eigentlich richtig, dass du in Frauenfeld den Zug nach Wil knapp verpasst hast? Dein Foto hast du ja um 13:20:15 Uhr geschossen, aber um 13:19 Uhr war Abfahrt.

Jein. Da ich ja auch die Städte unterwegs kurz anschauen wollte, hatte ich mir einen Fahrplan ausgedruckt mit einem Mindestaufenthalt von jeweils 30 Minuten. Das führte dazu, dass Frauenfeld von 12:58 (Ankunft Bus) bis 13:49 (Abfahrt FW) geplant war. Nachdem Frauenfeld aber doch ziemlich ausgestorben war, war die Stadterkundung schneller rum als gedacht. Hinterher hat mich das dann auch geärgert, dass ich in dem Moment gar nicht auf die Idee gekommen bin, dass früher ja auch schon eine Frauenfeld-Wil-Bahn fahren könnte und ich somit unwissentlich die frühere Bahn verpasst hatte.

Die Stellwerkstörung tut mir leid für dich. Ich hoffe, die Zeit in Wil fiel nicht zu kurz aus.

Naja, 20 Minuten für den Fußweg vom Bahnhof in die Altstadt und zurück sind schon ein bisschen knapp ;) Da habe ich mich dann das zweite Mal über die verpasste FW-Bahn geärgert...

Grüsse aus St. Gallen; der Stadt, die du erfolgreich umrundet hast :-)

Vielen Dank und Grüße zurück
- und in den Tiefen des Forums müsste es mindestens 3 Reiseberichte von mir mit St. Gallen geben, da darf ich einmal vorbeifahren ;)


Viele Grüße

Tobias

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Herrlich

RhBDirk, Freitag, 27.07.2012, 20:13 (vor 4989 Tagen) @ TD

Kenne ich doch die Gegend auch sehr gut und bin schon mit allen genannten Zügen mindestens einmal gefahren. Nur das Postautostück und in Alststätten war ich noch nicht.

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