Runderneuert: Halberstadts Bahnhof (23+10 Bilder), Teil 1 (Reiseberichte)

Sören Heise, Region Hannover, Freitag, 06.07.2012, 13:59 (vor 5010 Tagen)

Moin!

Vor etwa 15 Jahren war ich das erste Mal auf dem Halberstädter Bahnhof. Während das Empfangsgebäude... lassen wir das. Die Gleisseite vermochte den Eisenbahninteressierten jedoch zu begeistern: Ein langer Hausbahnsteig mit Weichen in der Mitte, dazu ein Inselbahnsteig. Mechanische Signaltechnik, ein großer Güterbahnhof, ein Bahnbetriebswerk. Ungefähr wie einige Jahrzehnte zuvor. Nach längerer Zeit war ich am letzten Sonnabend erneut in Halberstadt. Der Bahnhof ist mittlerweile komplett modernisiert. Neue Bahnsteige, ein komplett erneuertes Empfangsgebäude. Aus Fahrgastsicht ein eindeutiger Fortschritt.


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1843 eröffnete die Magdeburg-Halberstädter Eisenbahngesellschaft ihre Strecke zwischen den namensgebenden Städten. 1862 wurde die Strecke über Quedlinburg nach Thale verlängert. Von ihr zweigt in Wegeleben die Strecke über Aschersleben nach Halle ab.
1869 ging die Strecke nach Vienenburg in Betrieb, sie wurde nach dem Krieg geteilt. Der Verkehr gen Westen läuft heute ab Heudeber-Danstedt über Wernigerode und Ilsenburg, bevor er auf die ursprüngliche Strecke kommt. Die Hauptbahn westlich von Heudeber-Danstedt sowie die Nebenbahn zwischen Ilsenburg und Bad Harzburg sind heute eingestellt.
Die Halberstadt-Blankenburger Eisenbahn schließlich eröffnete 1873 eine Bahnstrecke nach Blankenburg, wo die Rübelandbahn anschließt.

Heute ist Halberstadt ein Taktknoten zur vollen Stunde mit Anschlüssen in alle Richtungen. Der Verkehr ist überwiegend in der Hand von Veolia (HEX, Harz-Elbe-Expreß), die auf allen Strecken mit ihren ein- und zweiteiligen Lints unterwegs ist: Magdeburg, Halle, Thale, Blankenburg und Vienenburg (einmal am Tag Goslar) werden planmäßig erreicht. Zwischen Halle, Halberstadt, Goslar und Hannover fährt DB Regio als Harz-Expreß mit Dieseltriebwagen der Baureihe 612.

Schauen wir uns nun den Bahnhof an, alle Bilder entstanden am 30. Juni 2012.


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1 Anläßlich des 125. Geburtstages der Straßenbahn fuhre zustätzlich zum normalen Linienbetrieb auch Museumfahrzeuge. Der Gotha-Triebwagen 39 verläßt mit Beiwagen 61 die Haltestelle vor dem Bahnhof.
Um uns ein Bild vom Bahnhof zu machen, begeben wir uns zunähst auf die Wehrstedter Brücke, die das westliche Bahnhofsvorfeld überspannt.


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2 Der 14-Uhr-Knoten ist nahe. Zwei HEX-Triebwagen stehen an den Bahnsteigen, ein dritter im östlichen Bahnhofsvorfeld.


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3 Auf der anderen Gleisseite der alte Wasserturm. Den davorstehenden Wasserkran (Eisenwerk Štore 1942) habe ich damals noch auf dem Bahnsteig fotografieren können. Die Gemeinde Štore liegt bei Celje, die Firma gibt es noch heute. Slowenien heißt der Staat, das sollte man nicht unterschlagen.


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4 Eines der alten Stellwerke ist erhalten geblieben. Im Hintergrund rechts die Strecke nach Magdeburg, in der Mitte nach Wernigerode und das linke Gleis führt auf das Gelände des ehemaligen Ausmesserungswerks, heute VIS Halberstadt.


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5 Auf dem Weg zurück zum Bahnhof erwischen wir einen der Linienwagen. Wagen 5 auf Linie 1 zum Friedhof hat die Haltestelle am Bahnhof soeben verlassen. Für die fünf täglichen Kurse hat man neben den fünf Leolinern noch einige gebraucht übernommene GT4 zur Verfügung.


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6 Das Empfangsgebäude befindet sich heute in städtischem Besitz. Wie auch der Bahnhofsplatz ist es neugestaltet.


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7 Am Busbahnhof war am frühen Samstagnachmittag nichts los.


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8 Auch wenn die Firma des bekannten Exportproduktes direkt am Bahnhof sitzt, werden wohl kaum noch Würstchen mit der Bahn versandt.


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9 In einem Nebengebäude sitzt die Bahnhofsmission, die dieses alte Schild neben der Tür hat. Die Firma (J. Pestka, Hannover, Wedekindplatz 2) gibt es offenbar noch. Oder ist das Schild nur auf alt gemacht?


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10 In der Straßenbahnhaltestelle der GT4-Zweirichtungstriebwagen 167. Beachte die Mischung aus alt und neu am Empfangsgebäude. Wir gehen nun hinein, um der Hitze zu entfliehen.


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11 Links der Haupteingang. Daneben ein Fahrkartenautomat für den Stadtverkehr. Die Tageskarte kostet 3,30 €uro.


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12 Daß man irgendwie doch in der Provinz ist, sieht man an den Öffnungszeiten des Reisezentrums.


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13 Hier schon heißt der Harz einen herzlich willkommen.
Das Geschäft rechts heißt Lockschuppen. Falls es ein reiner Frauenfrisör ist, wäre Lockenschuppen angebrachter.


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14 Begeben wir uns durch den Tunnel auf die Gleisseite.


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15 Hoch die Treppe!


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16 Alt und neu.


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17 Und nochmal.


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18 Vom hinteren Bahnsteig ein Blick gen Wehrstedter Brücke und Wasserturm.


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19 Vom Hausbahnsteig ein Blick auf die beiden anderen Bahnsteige.


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20 Ein Blick auf die östliche Ausfahrt. Hier befand sich einstmals der Güterbahnhof.


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21 VT 802 vom HEX fährt in Kürze weiter nach Thale.


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22 VT 801 vor dem Empfangsgbäude. Er wird als Bummelzug in Richtung Magdeburg fahren.


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23 612 013 und ein Schwesterfahrzeug neben den Ruinen des Bahnbetriebswerkes. Sie sind auf dem Weg von Halle nach Hannover.

Wer möchte, kann im zweiten Teil noch auf eine kleine Runde durch die Stadt mitkommen.

Fortsetzung folgt.

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Halberstadt, Teil 2

Sören Heise, Region Hannover, Freitag, 06.07.2012, 14:00 (vor 5010 Tagen) @ Sören Heise

Fortsetzung.


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24 Vor der Nordfassade des Doms begegnen sich Wagen 2 und Wagen 39.


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25 Vor der gotischen Katharinenkirche der moderne Leoliner, eingerahmt von sozialistischer Straßenbeleuchtung.


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26 Im Westen der Altstadt sind zahlreiche Fachwerkhäuser erhalten geblieben, die Wende kam für sie noch rechtzeitig. In der Voigtei Lowa-Wagen 36.


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27 Nur wenige Meter entfernt wurden in den letzten Jahren der DDR zahlreiche marode Bauten abgerissen, darunter das Palais des Hofjuden Berend Lehmann, an das der Portikus erinnert.


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28 29 Am Domplatz über der Stadt die romanische Liebfrauenkirche und der gotische Dom.


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30 Ein Blick von Südosten auf den Dom.


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31 Das Rathaus wurde im Krieg zerstört. Teile der Fassade wurden für den vor wenigen Jahren fertiggestellten Neubau rekonstruiert.


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32 Die Straßenbahnhaltestelle Holzmarkt mit Lindner-Wagen 31 und dem Dom.


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33 Die eingleisige Strecke zum Klus im Süden der Stadt wird nur noch an Wochenenden im Stundentakt bedient. Hier ein Nachschuß auf den Wagen 29.

Damit verabschieden wir uns von Halberstadt. Mit seinen Kirchen und seiner Straßenbahn ist es einen Besuch wert!


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Übermorgen dann schließen wir Freundschaft mit dem Gelsenkirchener Charme.

Viele Grüße, Sören

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Toll...

Jogi, Freitag, 06.07.2012, 14:33 (vor 5010 Tagen) @ Sören Heise

Meine Anerkennung für diesen wunderschönen Einblick in das mindestens ebenso schöne Halberstadt überlasse ich jemand anderem: Anerkennung auf youtube :)

Da bin ich ja mal gespannt

Christian_S, Freitag, 06.07.2012, 14:39 (vor 5010 Tagen) @ Jogi

Erstmal wieder vielen Dank für diese sehr interessante Reportage, Halberstadt ist auch so eine Stadt, in der ich noch nie in meinem Leben war.

Besonders groß aber meine Vorfreude auf Deine Ankündigung der nächsten Reportage, immerhin habe ich in Gelsenkirchen vor über 20 Jahren mal einen Teil meiner damaligen Jugend verbracht, war aber seit Mitte der 90er nie wieder dort. Bin gespannt, wie es da mittlerweile aussieht^^

Runderneuert: Halberstadts Bahnhof (23+10 Bilder), Teil 1

ChrisAC, Freitag, 06.07.2012, 14:56 (vor 5010 Tagen) @ Sören Heise

Hallo,

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20 Ein Blick auf die östliche Ausfahrt. Hier befand sich einstmals der Güterbahnhof.

Was dabei natürlich ganz frappierend auffällt, ist die fehlende Oberleitung - für mich ein ungewöhnlicher Anblick, aber man kann sich ja nicht immer aussuchen, wo man so "landet" bzw. mit welchen Eindrücken man groß wird.

Gibt es Pläne, solche "drahtfreien" Bereiche entsprechend nachzurüsten? Elektro ist doch langfristig sicherlich besser und umweltfreundlicher.

Schöne Bilder - auch eine nette Stadt, in der ich noch nicht war.

Grüße,

ChrisAC

Tolle Bilder

ICE-TD, Freitag, 06.07.2012, 15:04 (vor 5010 Tagen) @ Sören Heise

Das Empfangsgebäude sieht ja wieder richtig schick aus, ich habe immer noch die häßliche Blechfassade aus DDR-Zeiten in Erinnerung.

Runderneuert: Halberstadts Bahnhof (23+10 Bilder), Teil 1

Zugfahrer, Freitag, 06.07.2012, 15:37 (vor 5009 Tagen) @ Sören Heise

Meisterhaft bebildert und berichtet. Den Bahnhof kenne ich noch aus dem Jahr 2005, da war er in eine Blechhülle eingepackt. In den letzten Kriegswochen 1945 soll dort wo ein Munitionszug durch einem Bombenabwurf in die Luft geflogen sein und hat den Bahnhof ziemlich in Mitleidenschaft gezogen.

Halberstadt - Sammelantwort

Sören Heise, Region Hannover, Samstag, 07.07.2012, 18:17 (vor 5008 Tagen) @ Sören Heise

Moin!

Danke für die Kommentare.

@Christian: Die Bahnsteige wirst du eventuell wiedererkennen, die Halle wohl nicht.

@Chris: Wenn Du so auf Elektrifizierung stehst, warte bitte auf den Arnstadt-Bericht. ;-)


Ja, das Bahnhofsgebäude ist wunderbar geworden.
Ob's ein Munitionszug war oder "nur" Bomben wie in der Innenstadt, weiß ich leider nicht.


Viele Grüße, Sören

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Danke für die Bilder!

ICE-T-Fan, Samstag, 07.07.2012, 18:20 (vor 5008 Tagen) @ Sören Heise

- kein Text -

Runderneuert: Halberstadts Bahnhof (23+10 Bilder), Teil 1

TheFons, Sonntag, 08.07.2012, 13:32 (vor 5008 Tagen) @ Sören Heise
bearbeitet von TheFons, Sonntag, 08.07.2012, 13:34

Hallo !


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6 Das Empfangsgebäude befindet sich heute in städtischem Besitz. Wie auch der Bahnhofsplatz ist es neugestaltet.

Der Normalgebliebene fragt sich: sollen die häßlich und aggressiv wirkenden Pyrmaden den schönen Bau im Hintergrund absichtlich stören ?


p


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16 Alt und neu.

Oder: schön = alt und schäbig = neu. Ist der schäbige, primitive und einfallslose graue Klotz aus Beton und Glas auch Teil der Runderneuerung ? Warum kann und muss man heutzutage nur
noch im abstoßenden, verrohten, modernen Stil des Bauhaus und Konsorten bauen ??? Wird Häßlichkeit
zur Pflicht ? Auch innen wirkt der Bahnhof ja schäbig und kahl.

Das soll ein Bahnhof des Jahres sein ? Sauber und neu mag er sein, auch
funktionalistisch, aber reicht das schon ? Ich glaube: nein.


Viele Grüße und trotzdem Danke für die Mühe,


TheFons

Alt und Neu

ktmb, Sonntag, 08.07.2012, 16:06 (vor 5007 Tagen) @ TheFons

Mir gefällt der Halberstaedter Bahnhof gerade wegen seiner Symbiose aus Altem und Neuem.

Dann gefällt dir das Gebäude im verlinkten Artikel sicher auch nicht.
http://www.nytimes.com/2012/07/05/garden/turning-a-ruined-english-castle-into-a-holiday...

Cheers

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