Stellungnahme ;-) (Reiseberichte)

Blaschke, Montag, 05.03.2012, 19:31 (vor 5129 Tagen) @ DG

Hallo!

ich habe irgendwann mal gelesen, dass du sowas auch gemacht hast?

Es ist Vergangenheit ;-). Bin darüber allerdings nicht traurig, sondern freue mich, die Zeit genossen zu haben. War ein geiles Jahr!

Ich weiss ja nicht, was du da erlebt hast

Bis auf an einer Hand abzuzählende Ausnahmen wirklich NUR GUTES!!!! Die Kundschaft hatte ich im Griff. Mit den Bahnerkollegen kam ich bestens aus. Meine Tourenwünsche wurden erfüllt; ich kam weit rum. Was will man mehr?

bzw. warum du so reagierst.

Gestern abend war ich etwas arg brummelig - das Kreuzdarmbeingelenk brachte sich wieder äußerst unangenehm in Erinnerung. In der Sache allerdings bleibe ich dabei.

Ich möchte anmerken, dass ich nicht weiss, ob sich diese Leute richtig verhalten haben
oder nicht, denn sie haben ja bis zum Ausstieg Befragungen durchgeführt.

Unterschwellig erschien mir im Bericht aber unterstellt, dass der Befrager sich eben nicht verhalten habe.

Auch haben sie mir (und Anderen) nichts weggenommen, richtig, aber es ist schon so
eine Sache wenn Leute etwas, für was andere viel Geld bezahlen, während der Arbeit
in Anspruch nehmen können, während andere Befrager womöglich in der überfüllten
Economy sitzen müssen und das vielfache an Befragungen vornehmen.

Ja - das ist so. Es gibt Sahne-Dienste und es gibt Schrott. Im Prinzip läuft es so: wer den Schrott nicht fährt, bekommt auch die Sahne nicht. Im Hintergrund läuft bei den Auftraggebern ein Punktesystem. Wer wenig Fehler macht, viel Müll fährt und gute Bewertungen bekommt, der hat viele Punkte. Und wird bei Vergaben eher angerufen als die mit wenig Punkten. Und dadurch bekommt er dann eben mehr Sahne als andere. Das erzählt dir natürlich niemand - da ich mich aber auf Informationsbeschaffung verstehe ;-), habe ich es irgendwann mal erklärt bekommen.

Im Prinzip ist es auch gerecht: Wenn ich im NRW-Expreß zur HVZ Befragungen durchführe, dann ist der Lohn nicht mal halbwegs angemessen. Oder wenn ich in Zügen, die 30 Min verkehren, zählen muß und bis zum Anschlußzug riesige Leerfahrten oder Pausen sind (bezahlt wird nur die reine Zählzeit!). Da ist es dann eben andersrum ein schöner Ausgleich, mal in der 1. Klasse praktisch das Geld mit Nichtstun zu verdienen.

Ich habe auch schon Halle - Hannover Abends in der 1. Klasse 3 Stunden lang gesessen und nicht einen Fahrgast gehabt! Also ca. 80 Euro für lau kassiert. Stattdessen nett mit der Schaffnerin geplaudert. Dafür bin ich aber auch öfters die Tour Holzminden - Stadtoldendorf gefahren. Sind 12 Min. Ergibt irgendwie 2 Euro nochwas. Dafür war ich dann teilweise bis zu 5, 6 Stunden unterwegs.

Abends im Emsland-Expreß wurde dann auch aus dem Steuerwagenlokführerabteil gezählt, wo ich mich mitsamt Schaffner hin verkrochen hatte. Dafür fuhr ich dann aber auch extra von Osnabrück nach Emden, nur um Emden - Emden Außenhafen zu zählen. 1 Euro 90 + 10 Euro Spesen für 5 Std. außer Haus.


Und wenn der Dienstfahrtzug mal voll ist und der Tag stressig war und man mal etwas Ruhe haben möchte - ja, dann habe ich auch schon mal einen Schaffner gefragt, ob ich in der 1. Klasse sitzen darf. Manchmal haben es die Schaffner auch von sich aus angeboten - wir saßen dann gemeinsam dort und haben geplaudert.

Und manchmal war auch ein Privatbahnlokführer/-schaffner nett und hat mich - nachdem ich HÖFLICH!!! gefragt habe - entgegen den Anweisungen gratis mitgenommen. Einmal durfte ich sogar mit in den Führerstand und so habe ich nachts dann mal den Zug erklärt bekommen. Samstags war ich mal im RE Bremerhaven - Osnabrück die Fahrt über mit dem Lokführer im Steuerwagen. War sehr spannend - man sieht die Welt UND DIE REISENDEN wirklich mit ganz anderen Augen!

Klar, hätte all das bei einer Kontrolle jemand bemerkt, hätte es Ärger gegeben. Bzw. im Fall 1. Klasse wäre ich den Job vermutlich los gewesen. Die DB hat ausdrücklich angewiesen, dass man dort nicht sitzen darf, wenn man nicht dienstlich dort sein muß.

Aber genau das regt mich so auf: Muß man EWIG dem kleinen Arbeiter JEDE Möglichkeit, auch mal ein Benefit zu erhaschen, gleich sanktionieren? Die 1. Klassen, in denen ich dann "privat" saß, waren IMMER so gut wie leer. Natürlich nehme ich niemand den Platz weg und wenn der Zug irre voll ist, dann verkrümele ich mich dort. Da gibt es natürlich zugegeben auch ein paar Birnen unter den "Kollegen", die das dann nicht verstehen, dass sie dann auch mal gehen müßten. Und die dann dafür sorgen, dass es wieder Ärger gibt. Es ist ewig dasselbe: Ein paar müssen wieder über die Stränge schlagen - und alle anderen leiden drunter.


Und was mich dann noch mehr aufregt: Müssen wir uns an der Basis das Leben auch noch unnötig schwer machen? Wir sind alle gemeinsam Karl Ar.. im Dienst und sitzen im selben Boot. Okay, der eine hat ein größeres Zimmer und der andere eine schönere Aussicht. Aber schlußendlich paddeln wir gemeinsam - und zwar gegen die wirklich Reichen und Mächtigen dieser Welt. Aber anstatt dass wir zusammenhalten, hauen wir uns gegenseitig in die Pfanne. Völlig krank. In den wahren Plüschetagen lacht man sich derweil kaputt.

Wir beschimpfen Hooligans, die so dämlich sind, Regionalzüge auseinander zu nehmen. Die Hooligans beschimpfen uns, weil wir sie beschimpfen. Währenddessen verprassen die Politiker unser Geld und freuen sich wie Bolle, dass wir deren Häuser verschonen. Und dann gibt's tatsächlich noch Leute, die sich wundern, warum der Staat diese allwochenendliche Gewalt nur äußerst lau bekämpft.


Und zuguterletzt:

Auch haben sie mir (und Anderen) nichts weggenommen, richtig, aber es ist schon so
eine Sache wenn Leute etwas, für was andere viel Geld bezahlen, während der Arbeit
in Anspruch nehmen können, während andere Befrager womöglich in der überfüllten
Economy sitzen müssen und das vielfache an Befragungen vornehmen.


Muß es denn wirklich immer dieser Neid sein? Meine Güte, ja, da besch... einer. Erhascht sich einen Vorteil. Muß man denn darauf immer gleich mit gefletschten Zähnen reagieren? Kann man ihn denn nicht einfach mal machen lassen? Wer weiß, wieviele Vorteile er sonst so im Leben hat. Und wer weiß, wieviele Vorteile man sich selbst schon hat zugutekommen lassen. Wer da ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein. Ich könnte mich ja auch aufregen darüber, dass manche Steuerschlupflöcher in Anspruch nehmen können, die mir verwehrt bleiben, weil es bei mir eben nicht paßt.

Da dieser Absatz ein wenig im Widerspruch zum obigen steht, noch kurz das: Mir persönlich ist das wurscht, ob die hohen Herren mich abzocken oder nicht (*). Ich habe kein Interesse, da jemanden sein Haus anzustecken. Nur bitte schön soll man dann auch mich in Ruhe lassen, wenn ich mir auch mal einen kleinen Bonus im Leben gönne. Und sei es nur, dass ich mir eine "kreative Fahrkarte" bei der Bahn gegönnt habe.


(*) Dazu meinte Dieter Nuhr mal sinngemäß: Ich habe ja nichts dagegen, wenn man mich veräppeln will. Aber ich erwarte, dass man sich Mühe dabei gibt!

Ich gehe davon aus, dass sich deine Kritik auf den RJ-Befrager bezog?

Die obigen Ausführungen sind, denke ich, diesbezüglich klar ;-). Nein, den RJ-Befrager kritisiere ich nicht!


Schöne Grüße von

jörg


dem das Gelenk wieder eingerenkt wurde, dem es aber noch immer weh tut. Und wenn ein Mann Schmerzen hat... ;-)


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