FR/IT: Finanzmittel Rennbahn Lyon-Turin sicher + Gegenansatz (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Mittwoch, 01.02.2012, 13:02 (vor 5176 Tagen)

Hallo ICE-Fans,


aktuell gibt es eine wichtige Lücke im europaweiten HGV-Schienennetz: Lyon-Turin.
Das soll aber ändern, denn Frankreich und Italien haben sich mit einem Verteiler geeinigt. 40% des Gesamtbetrags bezahlt die EU (lies: Deutschland, Belgien, die Niederlande...)
57,9% der restlichen 8,5 Mia. Euros bezahlt Italien, Frankreich 42,1%.
Hauptbestandteil ist ein 57 km langer Basistunnel zwischen St. Jean de Maurienne und Susa.

Und jetzt das Rätselspiel:

1. wann ist die Strecke fertig?
2. wie lange wird Paris-Mailand dann noch dauern?

Gut, die Schweizer würden sich vielleicht die Frage stellen, ob es nicht besser wäre, statt dieser 57 km Tunnel den Korridor Paris-Mailand über Genf-Lausanne-Brig zu führen. Die Fahrzeitgewinne sind zwar nicht so spektakulär wie mit dem "Alpetunnel", aber:

a. dies käme dem Verkehr Westschweiz-Brig-Mailand zugute.
b. dies erlaubt Anbindung von Milano Malpensa an das HGV-Netz, mit möglich Direktverbindungen aus der Schweiz (Schweizer sind ja fanatischere Bahnfahrer als Franzosen).
c. die Genfersee-Strecke wird ohnehin schon ausgebaut, da könnte der TGV und der inner-CH-Verkehr mitprofitieren.
d. das Oberrottental, Genf und Lausanne kämen näher an Lyon und Paris, diese Region durfte mehr Potential aufweisen als Turin (Schweizer sind weit fanatischere Bahnfahrer als Italiener).

Dagegen spricht, dass der TGV in den CH-Takt fahren müßte und das sehen die Franzosen und Italiener wieder nicht gerne.
(@Alphorn/Twindexx: wäre Genf-Lausanne-Brig (nur diese Halte) ITF-konform möglich?)

Auch vermute ich, dass die Investitionen in den "Alpetunnel" sich nicht so gut rentieren werden wie die des neuen Gotthards.
Ich habe die Idee, die Cargomengen durch die Maurienne sind lange nicht so groß wie durch den Gotthard; wenn es knapp wird, kann man stattdessen besser die Strecke bei Ventimiglia benutzen. Dort kommt man ohne Tunnel und Steigungen über die Grenze; die ausgesparten Moneten kann man dann für Mailand-Genova verwenden; Italien möchte dort schließlich auch eine Schienenautobahn haben.


gruß,

Oscar (NL), träumt vom ICE International Paris-Mailand, als Bestandteil einer Dreieckfahrt Frankfurt-Paris-Mailand-Frankfurt.

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Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

FR/IT: Finanzmittel Rennbahn Lyon-Turin sicher + Gegenansatz

JumpUp, Mittwoch, 01.02.2012, 14:01 (vor 5176 Tagen) @ Oscar (NL)

Ich frage mich immer, BRAUCHT man das überhaupt?!

Wir haben zur Zeit Paris-Mailand mit mehren täglichen TGV. Nur fährt dieser zwischen Turin und Mailand über die Altstrecke (da er für die HGV-Strecke nicht zugelassen ist).

Man könnte mit SFS kombatiblen Zügen die Fahrzeit Paris-Mailand schon jetzt ohne neue HGV-Strecken um etwa 45 Minuten beschleunigen. Man macht es einfach nicht!


Wenn die Relation wirklich SOO wichtig wäre, dann hätte man doch erstmal die Fahrtzeit über die SFS verkürzen lassen können...


Wann soll das Ganze denn fertiggestellt werden?

Aber wir kennen ja die internationalen Pläne der Trenitalia. Sämtlicher Grenzverkehr wurde in den letzten Jahren zurückgefahren, wenn nicht komplett eingestellt, wieso haben die Trenitalia denn auf einmal Interesse an einer besseren Verbindung nach Paris?

Haben die Italiener sich nicht erst letztes Jahr aus dem Nachtzugeschäft mit F zurückgezogen? Selbst die heutigen TGV Paris-Mailand fahren seit diesem Jahr ohne Trenitalia unterstützung

FR/IT: Finanzmittel Rennbahn Lyon-Turin sicher + Gegenansatz

dobal, Mittwoch, 01.02.2012, 14:20 (vor 5176 Tagen) @ JumpUp
bearbeitet von dobal, Mittwoch, 01.02.2012, 14:21

Man könnte mit SFS kombatiblen Zügen die Fahrzeit Paris-Mailand schon jetzt ohne neue HGV-Strecken um etwa 45 Minuten beschleunigen. Man macht es einfach nicht!
Wenn die Relation wirklich SOO wichtig wäre, dann hätte man doch erstmal die Fahrtzeit über die SFS verkürzen lassen können...

Volle Zustimmung!

Und außerdem: Ich bin niemand, der per se gegen Neubauprojekte ist, aber in diesem Fall sehe ich manche Argumente der No-TAV-Bewegung im Susa-Tal tatsächlich als gewichtig an, Stichwort Uranvorkommen in der Region, sicherlich zunächst oberirdische Lagerung des strahlenden Schutts, usw. V.a., wenn dann noch die "italienischen Verhältnisse" hinzukommen und das Zeug erst jahrelang vom Wind nach Turin und weiter verweht wird und dann irgendwo im Mittelmeer versenkt wird. Von der üblichen Vetternwirtschaft ganz zu schweigen. Auf Anti-S21-Seiten wird zudem behauptet, die bisherige Bahnstrecke sei gerade einmal zu 38%(!) ausgelastet - ohne das ich das nachprüfen könnte/zeitlich wollte.

Alternative über die Schweiz ist genannt, hier die TGV-Fahrt über die SFS und in ein paar Jahren wird es zudem per HGV vom Marseille bis Nizza gehen. Um in Ventimiglia auf die immer noch teils eingleisige Linie die Blumenriviera entlang zu stoßen.

Thello

Sören Heise, Region Hannover, Mittwoch, 01.02.2012, 14:21 (vor 5176 Tagen) @ JumpUp

Haben die Italiener sich nicht erst letztes Jahr aus dem Nachtzugeschäft mit F zurückgezogen?

Nö, die SNCF. Die Nachtzüge fahren jetzt unter der Marke Thello, gemeinsam von Trenitalia und Veolia. In Paris haben militante Gewerkschafter laut TRE nach Ankunft der ersten Fahrt die Thello-Folien von der von der SNCF gemieteten Lok heruntergerissen.

Selbst die heutigen TGV Paris-Mailand fahren seit diesem Jahr ohne Trenitalia unterstützung

Das wiederum ist korrekt.

Viele Grüße, Sören

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Thello

dobal, Mittwoch, 01.02.2012, 14:26 (vor 5176 Tagen) @ Sören Heise

Selbst die heutigen TGV Paris-Mailand fahren seit diesem Jahr ohne Trenitalia unterstützung


Das wiederum ist korrekt.

Viele Grüße, Sören

Warum eigentlich keine Kooperation mit der eigenen Tochtergesellschaft NTV? Brächte den Verkehr auf die SFS und den AGV nach Frankreich ...

Analyse: Schon heute nur 6 h möglich!

naseweiß, Mittwoch, 01.02.2012, 20:51 (vor 5176 Tagen) @ JumpUp
bearbeitet von naseweiß, Mittwoch, 01.02.2012, 20:55

Wir haben zur Zeit Paris-Mailand mit mehren täglichen TGV. Nur fährt dieser zwischen Turin und Mailand über die Altstrecke (da er für die HGV-Strecke nicht zugelassen ist).

Man könnte mit SFS kombatiblen Zügen die Fahrzeit Paris-Mailand schon jetzt ohne neue HGV-Strecken um etwa 45 Minuten beschleunigen. Man macht es einfach nicht!

In der Tat könnte die Verbindung mit kleinen Maßnahmen, die die eingesetzten Züge, vermutlich den Bahnhof Modane und vorallem die Fahrplannung betreffen, 1 - 1,5 h schneller werden! Gemeint ist damit ein Reduktion der Fahrzeit von 7 - 7,5 h auf genau 6 h. Denn die Fahrzeit variiert derzeit von Zug zu Zug.

Die NBS Milano-Torino allein bringt nicht unbedingt 45 min. Torino-Porta-Susa - Milano-Centrale schaffen 2 der 6 TGV in 01:20 h und 01:25 h inkl. des Haltes Torino-Porta-Susa (Angabe als Nur-Ausstieg/Einstieg). Die ES über die NBS benötigen dagegen um die 50 min, also eine Einsparung von rund 30 min. Vor allem weniger und kürzer Halten brächte für die Linie sehr viel. Der Halt Modane ist heute vermutlich für den Systemwechsel nötig und dauert einige Minuten. Auch in Chambéry wird manchmal länger gehalten. Und die drei kleinen Halte Saint-Jean-de-Maurienne-Arvan, Bardonecchia, Oulx-Cesana-Claviere-Sestriere sollten wegfallen können. Hoffentlich sind die nicht touristisch relevant!

Prinzip:
- Paris-Gare-de-Lyon -2- Lyon-Saint-Exupéry-TGV -1- Chambéry-Challes-les-Eaux -2- Torino-Porta-Susa -1- Milano-Centrale
- Paris-Lyon und Torino-Milano unter der Kantenzeit, Chambéry-Torino darüber
- Gesamtstrecke 6 h

Edit: Entschuldigung, Verwirrung. Die TGV fahren heute anscheinend nach Milano-Porta-Garibaldi.

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Analyse: Schon heute nur 6 h möglich!

naseweiß, Mittwoch, 01.02.2012, 21:01 (vor 5176 Tagen) @ naseweiß

Editierzeit abgelaufen, deswegen Selbstzitat/antwort zur Korrektur:

Die ES über die NBS benötigen dagegen um die 50 min, also eine Einsparung von rund 30 min.
Edit: Entschuldigung, Verwirrung. Die TGV fahren heute anscheinend nach Milano-Porta-Garibaldi.

Also nur 45 min über die NBS und somit 5 min mehr Einsparung. Wobei eine Führung nach Centrale vielleicht bessere Anschlüsse bedeutete. Das stärkt aber die These, das 6 h möglich sind.

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Wintersport und Mailand

Sören Heise, Region Hannover, Donnerstag, 02.02.2012, 09:01 (vor 5175 Tagen) @ naseweiß

Und die drei kleinen Halte Saint-Jean-de-Maurienne-Arvan, Bardonecchia, Oulx-Cesana-Claviere-Sestriere sollten wegfallen können. Hoffentlich sind die nicht touristisch relevant!

Jetzt um diese Jahreszeit könnten sie durchaus von Wintersporttouristen frequentiert werden. Bardonecchia außerdem als italienischer Grenzbahnhof.

Edit: Entschuldigung, Verwirrung. Die TGV fahren heute anscheinend nach Milano-Porta-Garibaldi.

Die Italienischen Staatsbahnen haben eine Riesenangst vor Wettbewerbern, so daß diese nicht den mailänder Hauptbahnhof anfahren dürfen. Das betrifft den TGV genau so wie Italo (der PG und Rogoredo hält).

Viele Grüße, Sören

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touristische Relevanz Savoyens nicht unterschätzen!

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Donnerstag, 02.02.2012, 09:25 (vor 5175 Tagen) @ naseweiß

Auch in Chambéry wird manchmal länger gehalten.

Das durfte im Rahmen des "cadencement"s wohl auch so bleiben, sollte Chambéry ITF-Knoten werden/sein. Wünschenswert wäre das sowieso, da man ab dort Anschlüsse kreuz und quer in die Alpen hat (Annecy, Bourg St. Maurice, Modane).

Und die drei kleinen Halte Saint-Jean-de-Maurienne-Arvan, Bardonecchia, Oulx-Cesana-Claviere-Sestriere sollten wegfallen können. Hoffentlich sind die nicht touristisch relevant!

St. Jean-de-Maurienne und Modane bieten Anschluß an stark besuchte Wintersportgebiete wie St. François-Longchamp/Valmorel, Les Sybelles, Valmeinier/Valloire und Valfréjus. Im Tal liegt auch Orelle, von wo eine Seilbahn zum größten lückenlosen Skigebiet der Welt verkehrt (Les 3 Vallées, 600 km Skipisten).
Im Sommer erhält die Region Besuch der Tour de France; weltberühmte Cols wie der Galibier und die Madeleine sind hier in der Nähe.
An italienische Seite ist Sestriere als Touristenort auch nicht zu unterschätzen.

Aber:

1. die Frankreich-Touristen kommen meistens aus Frankreich und haben bereits ihre eigenen TGVs Paris-Modane. Diese fahren Paris-Chambéry quasi nonstop und dann als "RE" weiter.
2. in Sestriere kommen vor allem Mailander und Turiner. Für Turin-Sestriere reicht ein RE aus; für Relationen wie Rom-Sestriere ist ein Umstieg in Milano Centrale verkraftbar.
3. von z.B. St. Jean de Maurienne nach Turin kann man auch IC-Züge einsetzen.

Fazit: man kann die Halte auslassen. Der SBB-IC hält seit LBT ja auch nicht mehr in Frutigen, Kandersteg und Goppenstein.


gruß,

Oscar (NL).

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Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

touristische Relevanz Savoyens nicht unterschätzen!

naseweiß, Donnerstag, 02.02.2012, 21:59 (vor 5175 Tagen) @ Oscar (NL)

Auch in Chambéry wird manchmal länger gehalten.

Das durfte im Rahmen des "cadencement"s wohl auch so bleiben, sollte Chambéry ITF-Knoten werden/sein. Wünschenswert wäre das sowieso, da man ab dort Anschlüsse kreuz und quer in die Alpen hat (Annecy, Bourg St. Maurice, Modane).

Nein, natürlich bleibt es nicht so. Das Cadencement sieht - soweit meine Quelle - für diese Linien einen 4-min-Halt vor. Auch ist der 00er-Knoten leicht verzogen, Richtung Paris an/ab 03'/57'. Die heutigen Haltezeiten sind dagegen: 4, 5, 5, 7, 8, 18 min.

Und die drei kleinen Halte Saint-Jean-de-Maurienne-Arvan, Bardonecchia, Oulx-Cesana-Claviere-Sestriere sollten wegfallen können. Hoffentlich sind die nicht touristisch relevant!

St. Jean-de-Maurienne und Modane bieten Anschluß an stark besuchte Wintersportgebiete wie St. François-Longchamp/Valmorel, Les Sybelles, Valmeinier/Valloire und Valfréjus. Im Tal liegt auch Orelle, von wo eine Seilbahn zum größten lückenlosen Skigebiet der Welt verkehrt (Les 3 Vallées, 600 km Skipisten).
Im Sommer erhält die Region Besuch der Tour de France; weltberühmte Cols wie der Galibier und die Madeleine sind hier in der Nähe.
An italienische Seite ist Sestriere als Touristenort auch nicht zu unterschätzen.

Richtig, nur soll das Aufgabe des TGV Paris-Milano sein? Mit dem Basistunnel fallen diese Halte weg.

1. die Frankreich-Touristen kommen meistens aus Frankreich und haben bereits ihre eigenen TGVs Paris-Modane. Diese fahren Paris-Chambéry quasi nonstop und dann als "RE" weiter.

Interessant, das wäre eine Option.

2. in Sestriere kommen vor allem Mailander und Turiner. Für Turin-Sestriere reicht ein RE aus; für Relationen wie Rom-Sestriere ist ein Umstieg in Milano Centrale verkraftbar.

Dementsprechend halten die TGV dort auch nur zum Aus-/Einsteigen Richtung Frankreich. Mit ihnen soll kein inner-italienischer Verkehr stattfinden.

3. von z.B. St. Jean de Maurienne nach Turin kann man auch IC-Züge einsetzen.

Es scheint bereits REs im Stundentakt auf italienischer Seite und im 2-h-Takt (mit Verstärkern) auf französischer Seite zu geben. Die befahren aber nicht den Frejustunnel und überqueren nicht die Grenze, sondern enden je davor in Modane und Bardonecchia. Einen IC (also einen Zug zwischen RE und TGV) halte ich für praktisch ausgeschlossen. Dass ein RE die Grenze überquert und so Anschluss besteht, wäre schon mal ein Anfang.

.

Das Cadencement-Konzept sieht übrigens Folgendes vor:
- Paris-Milano 4-h-Takt (bedeutet vermutlich 4 statt 3 Zugpaare)
- Flügelung in Lyon-Saint-Exupéry-TGV mit Marseille
- 4-h-Takt Westfrankreich-Lyon-Milano, also 2-h-Takt über die Grenze (halte ich für gewagt)

- Umsetzung des NBS-Abschnitts Lyon-Chambery als ersten Teil der Strecke Lyon-Torino: Fahrzeit 60+ min -> 23 min (Exupéry). Komischerweise profitiert Lyon-Grenoble nicht davon, bleibt bei 65 min, obwohl bei Saint-André-le-Gaz ein Abzweig geplant ist, der zum diesem ersten Abschnitt bis Chambéry dazugehören sollte. Damit wäre die mögliche Fahrzeit, auch ohne Basistunnel, schon auf 5,5 h geschrumpft.

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FR/IT: Finanzmittel Rennbahn Lyon-Turin sicher + Gegenansatz

Twindexx, St. Gallen (CH), Mittwoch, 01.02.2012, 17:11 (vor 5176 Tagen) @ Oscar (NL)
bearbeitet von Twindexx, Mittwoch, 01.02.2012, 17:14

Hoi Oscar,

Gut, die Schweizer würden sich vielleicht die Frage stellen, ob es nicht besser wäre, statt dieser 57 km Tunnel den Korridor Paris-Mailand über Genf-Lausanne-Brig zu führen.

Genau, der Verkehr auf der Simplon-Strecke könnte tatsächlich besser sein! Warum sind eigentlich mittlerweile so viele Nationen so geil drauf, uns den mühsam zurückerkämpften Titel des Landes mit dem längsten Tunnel der Welt wieder wegzunehmen?

a. dies käme dem Verkehr Westschweiz-Brig-Mailand zugute.

Derzeit haben wir pro Tag vier direkte Zugpaare Genève - Milano Centrale. Ein Ausbau der Verbindungen wäre nicht übel. Derzeitige Fahrlage:

                  an      ab
Genève            --:--   xx:42
Lausanne          xx:15   xx:20
Montreux          xx:37   xx:38
Sion              xx:12   xx:14
Brig              xx:40   xx:44
Simplon                       
Domodossola       xx:12   xx:17
Stresa            xx:38   xx:39
Milano Centrale   xx:32   --:--
                               
Milano Centrale   --:--   xx:25
Stresa            xx:20   xx:21
Domodossola       xx:43   xx:48
Simplon                       
Brig              xx:16   xx:23
Sion              xx:49   xx:51
Montreux          xx:23   xx:24
Lausanne          xx:40   xx:45
Genève            xx:18   --:--

Zwischen Brig und Lausanne ist langfristig geplant, die Fahrzeit um 10 - 15 Minuten zu reduzieren mit Ausbau auf v-max 200 km/h (IR im Abschnitt Visp - Lausanne unter 90min). Zwischen Lausanne und Genève dürfte mit Ausbau auch noch die eine oder andere Minute drinliegen (Lausanne - Genève in knapp 30min wäre optimal). Derzeit benötigt man für die Strecke Mailand - Genf 3h53min, mit ein wenig Ausbau dürfte das auf 3:35-3:40h gedrückt werden können.
Für die Strecke Genève - Lyon-Part-Dieu benötigt der TGV 1h44min. Zusammen mit den möglichen 3h40min für Milano - Genève könnte man also eine Gesamtfahrzeit Milano - Genève - Lyon von 5h25min erreichen, also knapp fünfeinhalb Stunden. Hier wäre dann der direkte Vergleich zu Mailand - Turin - Lyon mit SFS noch interessant.

d. das Oberrottental, Genf und Lausanne kämen näher an Lyon und Paris, diese Region durfte mehr Potential aufweisen als Turin (Schweizer sind weit fanatischere Bahnfahrer als Italiener).

Ja, das sind wir, und wir sind stolz drauf! Übrigens: Auch die meisten Deutschschweizer verwenden beim Fluss Rotten den französischen Namen Rhône. Ich finde Rotten eine furchtbare Bezeichnung, genauso wie den deutschen Begriff für den walliser Kantonshauptort Sion: Sitten.

Dagegen spricht, dass der TGV in den CH-Takt fahren müßte und das sehen die Franzosen und Italiener wieder nicht gerne.
(@Alphorn/Twindexx: wäre Genf-Lausanne-Brig (nur diese Halte) ITF-konform möglich?)

Der EC Genf - Mailand ist heute auch nicht in den ITF eingebunden, der brettert sogar im ITF-Knoten Visp ohne Halt durch! Für den ITF gibt es genug innerschweizer Fernzüge auf den Strecken. Die internationalen Züge müssten halt einfach in Genève, Lausanne und Brig mehr oder weniger gute Anschlüsse auf den schweizer Binnenfernverkehr bieten.

Oscar (NL), träumt vom ICE International Paris-Mailand, als Bestandteil einer Dreieckfahrt Frankfurt-Paris-Mailand-Frankfurt.

Siemens war bisher glücklich damit, dass die DB den ICx nicht in einer Version für 3 kV DC bestellt hat. Ist denn beim BR 407 eine Italien-Zulassung geplant?
Die 29 neuen SBB-Fernzüge sollen dann direkte Verbindungen Frankfurt - Milano fahren, womit dieser Ast deines Traumes schon ab 2019 wahr werden dürfte.


Grüsse aus der Ostschweiz.

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Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13, IR 15, IR 27 und IR 70:
Der SBB FV-Dosto.

Schweiz ist für HGV keine Alternative!

naseweiß, Mittwoch, 01.02.2012, 17:37 (vor 5176 Tagen) @ Oscar (NL)
bearbeitet von naseweiß, Mittwoch, 01.02.2012, 17:38

2. wie lange wird Paris-Mailand dann noch dauern?

Diese Seite (Lyon-Turin-Ferroviaire) behauptet für Paris-Milano 04:02 h.

Gut, die Schweizer würden sich vielleicht die Frage stellen, ob es nicht besser wäre, statt dieser 57 km Tunnel den Korridor Paris-Mailand über Genf-Lausanne-Brig zu führen. Die Fahrzeitgewinne sind zwar nicht so spektakulär wie mit dem "Alpetunnel", aber:

(...)

Solche Fahrzeiten wären über die Schweiz nie und nimmmer möglich, da man dort eher ungern HGV-Strecken baut. Allein Paris-Lausanne dauert heute 03:45 h, da über Dijon und dann nur noch über Jura-Nebenstrecken. Über Genève käme man auf die gleiche Fahrzeit Paris-Lausanne. Auch Paris-Zürich dauert derzeit rund 4 h. Die hier geplante Strecke profitiert einfach von schon fertigen Schienen-Autobahnen, wie du sie so gern nennst, der LGV Sud Est mit angeschlossener LGV Rhône-Alpes und Torino-Milano.

Genauso ist die Verbindung München-Lyon, obwohl die Luftlinie genau genau entlang des Schweizer Hauptkorridors St.Gallen-Genène führt, in Zukunft am besten über Alb-NBS, Rastatter Tunnel und LGV Rhin-Rhône (sprich Stuttgart, Karlsruhe, Strasbourg, Dijon). Ca. 8 h durch die Schweiz, ca. 6 h mit dieser großräumigen Umfahrung.

Dazu ist tatsächlich Paris nicht der alleinige Nabel der Welt, noch nicht mal von Frankreich. Torino und Lyon sind zwei recht nahe liegende Zentren. Über die nach Lyon führende Strecke können auch Züge Barcelona-Milano eine passable Zeit erreichen.

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Gründe gegen HGV in der Schweiz

Twindexx, St. Gallen (CH), Mittwoch, 01.02.2012, 18:12 (vor 5176 Tagen) @ naseweiß
bearbeitet von Twindexx, Mittwoch, 01.02.2012, 18:13

Hoi,

Im Bericht Botschaft zur Volksinitiative «Für den öffentlichen Verkehr» und zum direkten Gegenentwurf auf Seite 92 werden folgende Gründe gegen HGV in der Schweiz angeführt:


Reisezeitgewinne schaffen einen hohen volkswirtschaftlichen Nutzen. Verschiedentlich wird deshalb gefordert, die künftige Infrastruktur auf die Maximierung der Reisezeitgewinne auszurichten und – ähnlich wie andere Länder – auf Hochgeschwindigkeitsverkehr zu setzen. Konkret wird gefordert, die Ost-West-Hauptlinie so auszubauen, dass z.B. die Strecke Zürich–Bern von heute knapp 60 Minuten auf knapp 30 Minuten beschleunigt oder die Reisezeit Genf–Zürich von heute 2¾ Stunden auf unter 2 Stunden gesenkt wird.

Ein solcher Systemsprung brächte zwar namhafte Reisezeitgewinne, wäre aber mit einer Reihe von schwerwiegenden Nachteilen verbunden:

– Der Investitionsbedarf für neue Infrastrukturen wäre sehr gross. Es müssten nicht nur einzelne Streckenabschnitte (z.B. Olten–Zürich, Lausanne–Genf) weitgehend neu gebaut, sondern auch bisherige Neubaustrecken (wie Mattstetten–Rothrist) massiv nachgebessert werden. Ansonsten liesse sich die gewünschte Fahrzeit nicht erreichen.

– Es müsste Rollmaterial eingesetzt werden, das über die heute in Europa übliche Maximalgeschwindigkeit von rund 320 km/h hinausgeht. Auf der 1300 km langen Strecke Peking–Shanghai sollen die Züge mit 380 km/h verkehren (HGV-Zug Zefiro). Dieses Rollmaterial wäre in der Schweiz allerdings äusserst ineffizient eingesetzt, da es diese Hochgeschwindigkeit auf den kurzen Strecken in unserem Land nur auf wenigen Kilometern ausnützen könnte. Auch die Energiebilanz solcher Züge wäre ungenügend, nimmt doch der Energiebedarf im Quadrat der Geschwindigkeit zu.

– Das Prinzip des Mischverkehrs würde in Frage gestellt. Der Infrastrukturbedarf würde markant ansteigen, sofern für schnelle bzw. langsamere Züge (oder Personen-/Güterverkehr) getrennte Infrastrukturen erstellt würden.

– Ein solches Schnellfahrsystem wirft aus Sicht der Raumplanung und Siedlungsentwicklung Fragen auf. Die Schweizer Städte würden derart eng zusammen rücken, dass neue Pendlerbewegungen und Kapazitätsengpässe entstünden. Das Verkehrswachstum würde insgesamt deutlich ansteigen.

– Beschleunigungsmassnahmen im Schienenverkehr generieren mehr Verkehr und tragen nur wenig zur Verlagerung des Strassenverkehrs auf die Schiene bei. Das starke Nachfragewachstum auf den Hauptlinien führt dazu, dass die Bahnhöfe und die S-Bahnsysteme weiter auszubauen sind, was zu grossen Folgeinvestitionen führt.

Hochgeschwindigkeit kann deshalb für die Schweiz mit ihrer ausgeprägt polyzentrischen Siedlungsstruktur und vergleichsweise geringen Abständen zwischen den Haltepunkten kein Ziel per se sein.

Der Bundesrat schliesst aber Fahrzeitverkürzungen nicht grundsätzlich aus. Das anzustrebende Geschwindigkeitsniveau soll weiterhin aus dem Knotenprinzip abgeleitet werden, das heisst, «so schnell wie nötig» statt «so schnell wie möglich». Denkbar wäre ein System mit Fahrzeiten von 45 Minuten zwischen den wichtigsten Zentren. Die Machbarkeit solcher Optimierungen wird in den weiteren Planungsarbeiten vertieft. Für die Planung der Ausbauschritte wird sichergestellt, dass keine Investitionen getätigt werden, welche weitere Fahrzeitverkürzungen ausschliessen würden. Zudem ist bei Bereitstellung von neuen Kapazitäten zu prüfen, ob kürzere Fahrzeiten erreicht werden können und ob sie nutzbringend sind. Weitergehende Fahrzeitverkürzungen, wie eine Reisezeit zwischen Zürich und Bern von unter 30 Minuten, sollen hingegen nicht weiterverfolgt werden.


Grüsse aus der Ostschweiz.

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