[derStandard] Zwei Artikel über die WESTbahn (und die ÖBB) (Allgemeines Forum)
Anoj 1, Dresden (D) / Vbg. (A), Freitag, 09.12.2011, 18:44 (vor 5220 Tagen)
bearbeitet von Anoj 1, Freitag, 09.12.2011, 18:45
Hallo!
Wehinger: Wettbewerbsklage in den nächsten Tagen zu Strecke Salzburg-Bregenz - "Sparschiene" der ÖBB laut Westbahn in ganz Österreich wettbewerbswidrig
-> http://derstandard.at/1323222635279/Oesterreichweit-Westbahn-will-OeBB-Billigtickets-ki...
Die neue Westbahn startet am Sonntag ihren Betrieb auf der Strecke zwischen Wien und Salzburg. derStandard.at ist vorab mitgefahren.
-> http://derstandard.at/1323222600048/Zug-faehrt-ab-Erste-Ausfahrt-mit-der-neuen-Westbahn...
m b g,
Anoj
Westbahn macht sich Feinde
Steffen, Freitag, 09.12.2011, 19:11 (vor 5220 Tagen) @ Anoj 1
Hallo,
aus der Ferne würde ich sagen, die WestBahn macht sich mit solchen Klagen mehr Feinde als Freunde. Denn wenn die SparSchiene abgeschafft werden sollte, dürfte halb Österreich einen Hals auf den Verursacher - die Westbahn - haben, weil sie nun mehr für die Fahrkarten bezahlen müssen (und die andere Hälfte fährt gar kein Zug, da braucht Wehinger nicht drauf spekulieren).
Wie sieht man das in Österreich?
--
![[image]](http://img.aachen-im-bild.de/brueckebelgien.jpg)
Absichtlich!
NIM rocks, Freitag, 09.12.2011, 20:13 (vor 5220 Tagen) @ Steffen
bearbeitet von NIM rocks, Freitag, 09.12.2011, 20:13
Das Zugfahren im Endeffekt teurer wird, ist laut Wehinger das Ziel: "Zugfahren ist in Österreich viel zu günstig"
Wie der Staat die ÖBB subventioniert, sei ein "völliger Schwachsinn", sagt Westbahn-Chef Wehinger. Österreichweit gebe es "keine einzige Strecke", die er zu ÖBB-Konditionen nicht befahren würde.
Wien/Stef. Bahnfahrer zahlen in Österreich kaufkraftbereinigt im Durchschnitt um 40 Prozent weniger für ihre Zugtickets als in der Schweiz und um 30 Prozent weniger als in Deutschland. Dafür kommt zum größten Teil die Allgemeinheit auf: 4,1 Mrd. Euro schossen die Steuerzahler im Vorjahr den ÖBB zu (inklusive Pensionskosten, exklusive übernommene Garantien).
"Dieses System ist ein völliger Schwachsinn", sagte Stefan Wehinger Donnerstagabend im Rahmen eines Vortrags beim Leitbetriebe Austria Klub in Wien. Der frühere ÖBB-Vorstand wird ab 11.Dezember mit seiner Privatbahn auf Schiene gehen. Konkret stört den Westbahn-Chef weniger die Tatsache, dass die ÖBB Subventionen bekommen, sondern vielmehr, "dass Kostensteigerungen ganz automatisch vom Staat übernommen werden".
Tatsächlich beschlossen Bund und ÖBB im Vorjahr, dass der Bahn externe Kostensteigerungen abgegolten werden. Erhöhen sich beispielsweise die Energiekosten, trägt die Differenz automatisch der Steuerzahler. "Das ist eine schamlose Marktverzerrung", sagt Wehinger, der darin auch den Grund sieht, dass seit 2009 die Ticketpreise trotz hoher Inflation nicht gestiegen sind. "Zugfahren ist in Österreich viel zu günstig", sagt der Westbahn-Chef.
Vonseiten der ÖBB heißt es, dass die Abgeltung von Kostensteigerungen "auf jeden Fall notwendig sei", weil "es sich um Kosten handelt, für die wir nicht verantwortlich sind". Auch, dass der Vertrag über zehn Jahre bis 2020 geschlossen wurde, sei wegen der Planungssicherheit unumgänglich.
Dänemark als Vorbild?
Wehinger nennt Dänemark als Vorbild für den Umgang mit Unterstützungszahlungen an die Bahn. Dort sinken die Zuschüsse seit 2005 kontinuierlich. "Man half der Bahn, sich langsam an den Markt zu gewöhnen, und das ist gut so", meint er. Allerdings: In Dänemark wurde der Cargo-Bereich bereits privatisiert*), in Österreich werden entsprechende Diskussionen seit Jahren im Keim erstickt.
Erneut Öl ins Feuer goss Wehinger zum Thema, welche Strecken seine Westbahn künftig bedienen könnte. Erst vergangene Woche forderte er, dass der Bund Salzburg–Graz ausschreiben müsse und nicht automatisch an die ÖBB vergeben dürfe. Donnerstagabend legte er nach: "Wir würden jede Strecke in Österreich befahren, wenn wir die gleichen Konditionen wie die ÖBB erhalten."
Österreichweit bekommen die ÖBB laut Verkehrsministerium für den Betrieb von fünf Strecken (darunter Wien–Salzburg) keine Zuschüsse, den Rest betreiben die Bundesbahnen zumindest zum Teil auf Kosten der Steuerzahler. "Es gibt keine einzige Strecke, die wir nicht günstiger anbieten könnten", sagt Wehinger. Die ÖBB berufen sich auf die hohen Personalkosten: Zwei Drittel der rund 44.100 Mitarbeiter (inklusive Lehrlinge) sind pragmatisiert. "So wie die ÖBB sind, so ist Österreich", sagt Wehinger dazu pragmatisch.
"ÖBB werden durch uns besser"
Eine Änderung ortet der frühere ÖBB-Manager bei den Staatsbahnen jedenfalls: "Die ÖBB werden durch uns besser. Sie machen plötzlich Sachen, die sie früher niemals gemacht hätten." Dabei bezieht sich Wehinger etwa auf die teilweise Einführung von Internetverbindungen in den Zügen, aber auch darauf, dass ÖBB-Chef Christian Kern angekündigt hat, einige Strecken künftig einzustellen.
"Wenn man bei den ÖBB einen Manager einmal zehn Jahre lang arbeiten lassen würde, dann würde sich auch irgendwann der Erfolg einstellen", meint Wehinger. "Aber das wird nicht passieren, solange die Politik das Sagen hat."
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.10.2011)
Absichtlich!
Ösi, Freitag, 09.12.2011, 22:42 (vor 5220 Tagen) @ NIM rocks
Das Zugfahren im Endeffekt teurer wird, ist laut Wehinger das Ziel: "Zugfahren ist in Österreich viel zu günstig"
Ich möchte an dieser Stelle noch einmal daran erinnern, dass der halbe Fahrpreis bei der Wehinger-Haselsteiner-Bahn gemäß Tarifbestimmungen nur bis zum 31. Oktober 2012 gilt.
Absichtlich!
To218, Samstag, 10.12.2011, 14:49 (vor 5220 Tagen) @ NIM rocks
Mir würde das Angebot der Westbahn sehr gut in den Kalender passen, da ich häufig und regelmäßig auf dieser Strecke unterwegs bin.
Nach den Äußerungen von Wehinger habe ich mich aber dazu entschlossen, keinen Fuß in einen der Westbahn Züge zu setzen. Das Gegenteil hatte ich vor.
Seine Äußerungen verkennen vollkommen die Tatsache, dass Bahnverkehr in der Fläche -und zwar nicht nur im Regionalverkehr um Ballungsräume herum- Teil eines "service public" ist. In einem Land wie Österreich spielt auch der Fernverkehr auf der Schiene eine Rolle.
Es ist einfach, mit dem Finger auf die "bösen" ÖBB zu zeigen, aber gleichzeitig Rosinenpickerei zu betreiben.
Im deutschen Luftverkehr wollte auch mal eine Airline mit solventen Eltern (Deutsche BA) den Markt aufrollen, nutzte dabei nur die aufkommensstarken Rennstrecken, verdiente nie Geld und verschwand von der Bildfläche.
Der angenehme Nebeneffekt seinerzeit: Die Tarife sanken.
Sollte sich die Wehinger-Haselsteiner Combo durchsetzen können, wäre das Gegenteil der Fall. Tickets würden teurer werden.
Das kann nicht im Sinne der Vebraucher und der Attraktivität des Bahnverkehrs insgesamt sein.
Absichtlich!
JW, Samstag, 10.12.2011, 23:57 (vor 5219 Tagen) @ To218
Hallo,
Es ist einfach, mit dem Finger auf die "bösen" ÖBB zu zeigen, aber gleichzeitig Rosinenpickerei zu betreiben.
die ÖBB haben eine marktbeherrschende Stellung wie die DB AG in Deutschland. Allein durch die Größe des Unternehmens ergeben sich riesige Einkaufsvorteile. Dagegen hat es jeder neue Markteilnehmer sehr schwer. Ohne Regulierung würde da gar nichts gehen. Aber auch unter den gegebenen Bedingungen finde ich es sehr mutig von den Westbahninvestoren da Geld zu investieren.
Sollte sich die Wehinger-Haselsteiner Combo durchsetzen können, wäre das Gegenteil der Fall. Tickets würden teurer werden.
Warum sollte die umgekehrt als in der Luftfahrt sein. Konkurrenz belebt überall das Geschäft und führt zu sinkenden Preisen.
Gruß Jörg
Absichtlich!
Ösi, Sonntag, 11.12.2011, 01:26 (vor 5219 Tagen) @ JW
bearbeitet von Ösi, Sonntag, 11.12.2011, 01:27
die ÖBB haben eine marktbeherrschende Stellung wie die DB AG in Deutschland. Allein durch die Größe des Unternehmens ergeben sich riesige Einkaufsvorteile. Dagegen hat es jeder neue Markteilnehmer sehr schwer. Ohne Regulierung würde da gar nichts gehen. Aber auch unter den gegebenen Bedingungen finde ich es sehr mutig von den Westbahninvestoren da Geld zu investieren.
Warum sollte die umgekehrt als in der Luftfahrt sein. Konkurrenz belebt überall das Geschäft und führt zu sinkenden Preisen.
Wettbewerb hat noch nie langfristig den Preis gesenkt. Preissenkungen gingen immer auf Kosten der Qualität oder der Mitarbeitergehälter (ist ja auch klar, wenn man es sich durchüberlegt).
Die ÖBB haben eine (de-facto-)Verpflichtung, unprofitable Strecken zu bedienen. Die Privaten nicht.
Einfache Rechnung:
Nehmen wir an, die Westbahn macht im Jahr 200 Millionen Euro Gewinn, die anderen Strecken hingegen 300 Millionen Euro Verlust.
Damit würde die ÖBB im Jahr 100 Millionen Euro Verlust machen, die vom Steuerzahler getragen werden müssten.
Jetzt nehmen wir an, es kommt die Wehinger-Haselsteiner-Bahn dazu und teilt sich die Westbahn 50:50 mit den ÖBB.
Dann macht die Wehinger-Haselsteiner-Bahn im Jahr 100 Millionen Euro Gewinn, die ÖBB hingegen 200 Millionen Euro Verlust (vom Steuerzahler zu zahlen).
Damit hat der Steuerzahler 100 Millionen Euro verloren und die Privatmänner Wehinger und Haselsteiner 100 Millionen Euro gewonnen. Ein Nullsummenspiel, das vielleicht kurzfristig die Tickets billiger macht (ich hatte ja schon öfter erwähnt, dass der Halbpreis bei der W-H-Bahn laut Tarifbestimmungen befristet ist!), aber langfristig nur dem Steuerzahler schadet.
Absichtlich!
Holger2, Sonntag, 11.12.2011, 12:41 (vor 5219 Tagen) @ Ösi
Hallo,
also, die ÖBB bekommt eine Zuwendung vom Staat, im Gegenzug muss die ÖBB bestimmte genau definierte Leistungen fahren, dies sind derzeit etwa 700 Mio. Euro jährlich, zzgl. Pensionsleistungen, Infrastrukturleistungen und Haftungen, siehe hier
Wenn die ÖBB auf diesen subventionierten Strecken Tickets verramscht, heißt das ja, dass sie mehr Subventionen kassiert, als sie eigentlich müsste. Außerdem macht sie dadurch Wettbewerb unmöglich, denn gegen derart verbilligte Tickets kann kein anderes Unternehmen ankommen. Darum bin ich schon der Meinung, dass stark verbilligte Tickets auf subventionierten Strecken eher nicht sein sollten.
Holger
Etwas OT: Das erinnert mich alles...
GUB, Bremen, Sonntag, 11.12.2011, 13:23 (vor 5219 Tagen) @ To218
bearbeitet von GUB, Sonntag, 11.12.2011, 13:28
... an den Wettkampf im Luftverkehr auf der Strecke Innsbruck-Wien. Inzwischen hat die AUA alle Billig-Airlines (so gut wie) vertrieben. Lauda gehört inzwischen zur AUA (-> keine Konkurrenz), FlyNiki fliegt die Relation (bis auf wenige Ausnahmen mit Zwischenstopp in Wien Richtung Hurghada im Sommer) nicht mehr...
Und damit sind auch die 29€-Flüge auf dieser Strecke passé. Das kann ein Billigflieger eben nicht durchhalten.
Edit: Bezieht sich auch auf JWs Beitrag.
Etwas OT: Das erinnert mich alles...
Maggus, Ravensburg (Württ), Sonntag, 11.12.2011, 20:15 (vor 5218 Tagen) @ GUB
bearbeitet von Maggus, Sonntag, 11.12.2011, 20:16
... an den Wettkampf im Luftverkehr auf der Strecke Innsbruck-Wien. Inzwischen hat die AUA alle Billig-Airlines (so gut wie) vertrieben. Lauda gehört inzwischen zur AUA (-> keine Konkurrenz), FlyNiki fliegt die Relation (bis auf wenige Ausnahmen mit Zwischenstopp in Wien Richtung Hurghada im Sommer) nicht mehr...
Und damit sind auch die 29€-Flüge auf dieser Strecke passé. Das kann ein Billigflieger eben nicht durchhalten.
Ich frage mich, wie lange People's Vienna Line und AUA parallel Wien-St.Gallen / altenrhein anbieten. Intersky hat schon die Segel gestrichen und von 3x tägl. auf 1x tägl. reduziert (ab Friedrichshafen).
Zu den ÖBB: zu allererst sollte man bei den ÖBB griechische Verhältnisse abschaffen und aufhören, die Mitarbeiter mit 53 in Rente zu schicken.
Absichtlich!
Steffen, Sonntag, 11.12.2011, 13:58 (vor 5219 Tagen) @ NIM rocks
Interessant, vielen Dank!
Ich bin nicht der Meinung, dass die Ticketpreise zu billig sind. Höhere Ticketpreise bedeutet weniger Kunden und letztlich genauso viel Subvention, dafür aber Mehrkosten für den Straßenbau für und CO2-Zertifikate. Eher denke ich, dass die DB die Produktionskosten noch senken kann, was auch die Subventionen senken würde (den letzten Satz schreibe ich unter Vorbehalt, dass ich die ÖBB falsch einschätze).
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![[image]](http://img.aachen-im-bild.de/brueckebelgien.jpg)