Mit der Eisenbahn durch die Westschweiz (2) (Reiseberichte)

Frank Augsburg, Ansbach, Sonntag, 20.11.2011, 01:14 (vor 5239 Tagen)

Servus Forumanen

heute machen wir einen kleinen Ausflug rund um den Lac de Neuchâtel. Die
Stadt, die dem See ihren Namen gab, habe ich leider an einem ziemlich
ungemütlichen Tag besucht, der nur dazu einlud, sich möglichst schnell
vorwärts zu bewegen, um nicht auszukühlen. Vor vielen Jahren konnte ich hier
schon mal länger verweilen.
Desweiteren gibt es Bilder aus Auvernier und Yverdon-les-Bains.

Auf gehts!

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Na? Erratet Ihr, worum es sich handelt?

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Auvernier ist ein kleines beschauliches Städtchen ca. 10 km vor Neuchâtel.
Gut essen kann man auch, für die entsprechende Menge an Franken.
Viel interessanter als die Restaurants war (für mich!) aber eine
Weichenbaustelle, deren Besichtigung der ehemalige Verkaufsleiter von
Matisa, Herr Pfirter, "eingefädelt" hat.
In Deutschland habe ich den Weichentausch bislang so erlebt: Wochen vorher
werden die Teile angeliefert, und dann sind irgendwie 2 bis 6 Mann damit
beschäftigt, mit Anleitung und Kleingerät die Segmente zusammenzuschrauben.
Ein paar Tage (oder Wochen, oder Monate) noch liegen die Segmente dann in
der Landschaft, dann wird mal schnell die komplette Strecke gesperrt, die
Weichen werden getauscht. So Gott will, geht alles gut, die ausgebauten
alten Weichen gehen dann den umgekehrten Weg, und irgendwann kommt der
Tieflader und nimmt alles mit.
Die SBB machen das, Matisa sei Dank, etwas gewitzter: Erstmal wurde auf
einem Ausweichgleis (das - oh Wunder - fast überall an Schweizer Stationen
vorhanden ist) ein Zug abgestellt, bestehend aus 3 Weichen- Transportwagen,
Kran, Schutz- und Gegenlastwagen.

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"Schiene im Fokus" - ein sehr interessantes Motto!
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Nahverkehrszug nach Neuchâtel, und im Vordergrund der ehemalige Verkaufschef
und nunmehrige MATISA- Berater, Herr Alfred Pfirter, ohne den dieser sehr
informative Einblick niemals möglich gewesen wäre! An dieser Stelle
herzlichen Dank!
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Der Weichen- Transportwagen- Zug in Auvernier.
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Detailaufnahme...
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Immer noch rollt der Verkehr zweigleisig, die Baustelle ist erst ab 21 Uhr
eingerichtet.
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Ein Blick in die imposante Landschaft muß, vor allem für mich als absoluter
"Flachländer", einfach sein!
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KIROW- Kran mit Gegenlastwagen und (nicht im Bild) Schutzwagen

Noch ist zu viel Betrieb, da kann nicht mal ein Gleis gesperrt werden! Ja,
so sind sie drauf, die SBB- ler! Dann wird es Abend, der Betrieb nimmt ab
(oder wird umgeleitet), ein Gleis wird gesperrt, und dann geht irgendwie
alles verdammt schnell. Der Kran (von KIROW Leipzig - wo ich als Schüler mal
Ferienarbeit machte Ahaaaa!) wird in Position gebracht, zwei Arbeiter
senken die Plattform des ersten WTW, der Kran holt mittlerweile das erste
alte Segment, legt es auf die Seite und schnappt sich dann das erste neue
Segment und legt es an Ort und Stelle. Seit Sperrung des Baugleises bis
hierhin ist ungefähr eine Stunde vergangen!
Wobei: Bei jeder Zugvorbeifahrt auf dem Betriebsgleis darf der Kran nicht
arbeiten und nicht fahren und die WTW müssen (obwohl auf dem Ausweichgleis)
arretiert sein (sind sie aber sowieso). Der Uneingeweihte (ich) erkennt,
dass dem Ganzen ein ausgeklügelter Plan zugrunde liegt.
Der Rest geht nicht viel langsamer, im Gegenteil, eine nächtliche Sperrpause
von 45 min (in der das Mittelteil transportiert wird) macht es möglich, dass
morgens um 4 Uhr die Weiche komplett getauscht ist. Inklusive der Verladung
der Segmente der alten Weiche auf die WTW. Und als es Morgen wird in
Auvernier, sind Kran und WTW fort und der Betrieb läuft als wäre gar nichts
geschehen, bis auf eine Langsamfahrt an der nächtlichen Baustelle.

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Mitten in der Nacht wird richtig gearbeitet. Leute, auch wenn die Technik
übermächtig scheint, aber Gleisbau ist ein echter Knochenjob! Ich ziehe den
Hut vor all denen, die da draußen stehen, bei Wind und Wetter, und wenn im
Nebengleis die Züge mit bis zu 160 km/h vorbeidonnern - hier waren es 60
km/h, aber dafür hatte es unter Null Grad...
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Die Stopfmaschine macht sich "warm".

Yverdon liegt am südwestlichen Zipfel des Lac de Neuchâtel, über dem bei
Herbst und Winter oft dichter Nebel liegt. Ich war vor allem wegen einer
Reise nach Ste. Croix hier und habe nebenbei ein paar Bilder geschossen.

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Yverdon- les- Bains, Monate später : ICN nach St. Gallen und abgestellter S-
Bahn- Zug vor der Reise zurück nach Villeneuve.

Damit ist Teil 2 Geschichte.
Bis zum nächsten Mal beste Grüße
Frank

--
"Die Ferne ist ein schöner Ort,
doch wenn ich da bin, ist sie fort.
Die Ferne ist wo ich nicht bin,
ich geh und geh und komm nicht hin."

(Silly, mit der leider viel zu früh verstorbenen Tamara Danz)

Mit der Eisenbahn durch die Westschweiz (2)

Twindexx, St. Gallen (CH), Sonntag, 20.11.2011, 09:31 (vor 5238 Tagen) @ Frank Augsburg

Hoi,

Danke auch für diese Bilder. Schön auch, wie du die Schweizer Art des Gleisunterhalts dokumentiert hast (Längere Streckensperrungen wegen Gleiserneuerung sind uns unbekannt.).

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Na? Erratet Ihr, worum es sich handelt?

Sieht aus, als wären es Puffer. Wo hast du das aufgenommen?

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Der linke ICN ist sicher einer aus der ersten Bauserie, der rechte entstammt wohl der zweiten. Bei der zweiten Bauserie wurde damals ein minderwertigerer Lack verwendet, der sich zuletzt beim Waschen mitabgelöst hätte. Deshalb fuhren die ICN der zweiten Bauserie zuletzt auch so verschmutzt durchs Land. Deshalb haben SBB dieses Jahr sämtliche 44 ICN von Grund auf neu lackiert und den Lack anschliessend mit so einer Super-Chemikalie versiegelt, seitdem sehen alle ICN wieder wie neu aus.

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Hinten links im Nebel wäre noch die Hauptwerkstätte von SBB Personenverkehr.


Grüsse aus der Ostschweiz.

--
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Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13, IR 15, IR 27 und IR 70:
Der SBB FV-Dosto.

Mit der Eisenbahn durch die Westschweiz (2)

rainer1204, Sonntag, 20.11.2011, 10:32 (vor 5238 Tagen) @ Frank Augsburg

Hallo

Besten Dank für Deinen ausführlichen und interessanten Bericht über einer der schönsten Gegenden der Schweiz. Eigentlich ist es in CH ja überall landschaftlich sehr schön.

Was die Infos zu den Zuglängen betrifft, so gibt www.reisezuege.ch/reisezuege/ einen schönen Ueberblick über die verschiedenen Zugkompositione bei der SBB.

Viele Grüsse aus der auch schönen Nordwestschweiz.

Rainer

Die Puffer...

Frank Augsburg, Ansbach, Sonntag, 20.11.2011, 12:34 (vor 5238 Tagen) @ Twindexx

Servus Twindexx,

die Puffer stehen als eine Art Kunstwerk an der Uferpromenade in Neuchâtel, mit etwas Phantasie ist am rechten Bildrand der See zu erkennen. Ich fand das Gebilde so herrlich, daß es aufs Bild mußte!
Ich hatte an dem Tag eine Runde über Payerne, Fribourg und Neuchâtel gemacht, aber irgendwie war es überall ziemlich eingetrübt, lausig kalt (Februar eben) und alles in allem ungemütlich. War aber wettermäßig die Ausnahme, insgesamt hatte ich großes Glück bei meinen Touren.

Ja, und daß jemand vor Begeisterung beim Anblick des Lac Leman von oben aus die Rückfahrkarte wegschmeißt, kann ich voll verstehen - ist wirklich überwältigend, dieser Anblick.

Fortsetzung nächstes Wochenende, ich muß erstmal wieder schreiben und Bilder raussuchen.
An dieser Stelle besten Dank an Holger_HAM, der für mich die Beiträge "forumskonform" gestaltet hat (die Bilder verlinkt).

Schönes Grüße aus Ansbach (gut 1h vor Rückfahrt nach Kassel)
Frank

--
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Die Ferne ist wo ich nicht bin,
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(Silly, mit der leider viel zu früh verstorbenen Tamara Danz)

Mit der Eisenbahn durch die Westschweiz (2)

heinz11, Sonntag, 20.11.2011, 13:25 (vor 5238 Tagen) @ Frank Augsburg

Hallo Frank,

vielen Dank für den informativen und "bildschönen" Bericht!


Viele Grüße


heinz

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