Löhne, meine alte berufliche Heimat... (Reiseberichte)

Holger_HAM, Hamm (Westfalen), Dienstag, 01.11.2011, 08:51 (vor 5258 Tagen) @ Sören Heise

Hallo,
ein schöner Bilderbogen und er zeigt, dass sich dort immer etwas verändert. Acht Jahre lang ist Löhne meine berufliche Heimat gewesen und ich bin täglich von Hamm nach Löhne bzw. Bad Oeynhausen gefahren und von dort ging es mit dem Bus dann weiter (meine Arbeitsstelle lag in Gohfeld, der Haltepunkt wurde 1991 aufgelassen.

Was man auf den Bildern nicht(mehr) sehen kann:
Auf dem Vorplatz, die Löhner sprachen immer von der "Investorenwiese", befand sich die Eilpostabfertigung, der ursprüngliche Straßenverlauf war entlang der Bebauung, etwas oberhalb vom Bahnhof.

Löhne hatte sogar noch einen Bahnsteig mehr, als man heute erkennen kann. Dort, wo heute die "Mastengasse" ist (der zugewucherte Grünstreifen, der alle zwei Jahre gerodet wird und man erstaunliche Wuchsgeschwindigkeiten erforschen kann), war vor dem Krieg ein weiterer Bahnsteig.

Hinter dem Stellwerk (im grün zugewucherten Bereich) war der Rangierbahnhof und dahinter das (noch teilweise vorhandene) Bw.

Für dieses Forum hat der Bahnhof Löhne übrigens auch eine Bedeutung. Vor vielen Jahren wartete ich dort auf meinen Zug nach Hause und fotografierte aus Langeweile einfach mal Güterzüge. Die Bilder landeten im "alten" ICE-Forum und da erkannte sich fabs auf einer Class66 wieder, das Foto wollte er natürlich haben und so kamen wir ins Gespräch.

Im Gegenzug zu Bad Oeynhausen, wo sich in den späten Abend- und Nachtstunden gerne unangenehmes Volk herumtreibt, kann man in Löhne eigentlich ganz gut warten, denn da ist fast nie jemand. Außer ein paar Umsteigern. Der große Vorteil vom unsanierten Bahnhof sind die langen nutzbaren Bahnsteige. Das war immer wieder klasse, wenn dort dann der IC und der ICE hielt, wenn wegen der Entgleisung in Neubeckum vor eineinhalb Jahren oder aus sonstigen Gründen ein außerplanmäßiger Halt eingelegt wurde. Auch hat die Polizei den Bahnhof nach einigen Gesprächen mittlerweile ganz gut im Blick, ein wachsamer Fahrdienstleiter auf dem Stellwerk übrigens auch.

Das "Eisenbahndenkmal" vor dem Bahnhof ist übrigens aus der Not geboren. Nach dem Ende der Damplokzeit hatte man alles so schön weggeworfen und als man dann nach der Neugestaltung des Platzes etwas aus der Dampflokzeit haben wollte, hatte man nichts mehr. Da half ein Privatmann aus, der sich das in den Garten gestellt hatte.

Eine frührere Kollegin erzählte mir, dass man früher Schulausflüge ins Bw gemacht hat. Man stopfte soviele Kinder wie möglich in eine Lok und fuhr dann munter ins Bw und schaute sich die Dampfloks an.

"Löhne, umsteigen!" stammt von Erich-Maria Remarque und ist ein Zitat aus dem Film "Im Westen nichts neues". http://de.wikipedia.org/wiki/Im_Westen_nichts_Neues
Zu Zeiten, als die Leute nicht nur Kochbücher für ihre Regale kauften, war das ein Buch, was sehr bekannt war. Der Platz vor dem Bahnhof heißt entsprechend Erich-Maria-Remarque-Platz.

[Werbemodus an]Im Bahnhof gibt es natürlich auch eine nette Agentur, die ich bei meinem Fahrkartenkauf noch immer bevorzuge. Auch Erfahrung mit Gruppenreisen hat der Mann und er berät so, dass wirklich niemand zuviel zahlen muss. [Werbemodus aus] Wenn dort allerdings Züge stranden oder ausfallen wird der kleine Laden oft von erbosten Mengen gekapert.

Schön geworden ist der Südausgang. Bis vor etwas einem Jahr befanden sich dort noch die Expressgutabfertigung. Eine hübsche Ruine, die nun den Parkplätzen gewichen ist. Von den Ein- und Aussteigezahlen ist Löhne übrigens gar nicht unerheblich, da das direkt am Bahnhof liegende August-Griese-Berufskolleg (dort steht auch die Kachelmannsche Wetterstation, deshalb taucht Löhne auch auf manchen Wetterkarten auf), für erhebliche Nutzer sorgt.

Ansonsten steht Löhne heute für Küchen. Es gibt etliche Küchenhersteller. Vorne weg natürlich SieMatic, was man von der Bahn auch gut sehen kann. Die größte Menge geht übrigens in den Export mit Hauptabnehmern in den Niederlanden und den arabischen Ländern.

Empfehlen kann ich auch für Nicht-Löhner ein Buch:
Bahnhof Löhne (Westf)
Ein Eisenbahnknoten im Wandel der Zeit
Garrelt Riepelmeier
Hövelhof 2003

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Viele Grüße aus Hamm in Westfalen,
Holger
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Der bahn.kommfort-Briefkasten. Auch vor Ihrer Haustür!
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