Bayern will ICE-Strecken überprüfen (Allgemeines Forum)

Holger_HAM, Hamm (Westfalen), Sonntag, 16.11.2008, 20:09 (vor 6332 Tagen)

Hallo,
folgende Pressemitteilung wurde heute veröffentlicht:
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'Wir müssen alles dafür tun, dass sich solche Pannen nicht wiederholen'


Herrmann: Notfallpläne entlang der ICE-Strecken überprüfen


München (ddp-bay). Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) will die gesamten Notfallpläne der Bahn entlang der ICE-Strecken in Bayern überprüfen lassen. Anlass sei ein Untersuchungsbericht des Regierungspräsidiums Kassel, wonach es nach dem ICE-Unfall im April in Hessen schwere Fehler beim Katastrophenmanagement der Bahn gegeben habe, teilte das Innenministerium am Sonntag mit.

«Wir müssen alles dafür tun, dass sich solche Pannen, wie sie der Untersuchungsbericht beschreibt, nicht wiederholen. Ich will sichergehen, dass die Notfallpläne entlang der ICE-Strecken in Bayern wirklich ausreichen», sagte Herrmann. Besonders wichtig sei dies im Bereich längerer Tunnels. Nach dem Bericht stelle sich insbesondere die Frage, ob die technische Ausstattung der Rettungskräfte ausreichend sei. Auch die Organisation der Notfallleitstellen der Deutschen Bahn müsse offensichtlich auf den Prüfstand, betonte Herrmann.

Aus dem Untersuchungsbericht des Regierungspräsidiums Kassel war hervorgegangen, dass bei dem ICE-Unglück im hessischen Landrückentunnel das Katastrophenmanagement der Deutschen Bahn versagt habe. Die Leistungsfähigkeit der DB-Notfallleitstellen habe sich als «sehr begrenzt» erwiesen, heißt es darin. Die Information und Alarmierung der Rettungskräfte sei «mangelhaft» gewesen. Auch weise die ICE-Strecke zwischen Hannover und Würzburg bauliche sicherheitstechnische Defizite auf und sei nicht sicher.

Bei dem Unglück war ein ICE mit 135 Passagieren an Bord in eine Schafherde gerast und im Landrückentunnel entgleist. 19 Fahrgäste wurden verletzt.
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http://www.ad-hoc-news.de

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Viele Grüße aus Hamm in Westfalen,
Holger
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Schafe einzäunen...?

Frank Augsburg, Ansbach, Sonntag, 16.11.2008, 21:47 (vor 6331 Tagen) @ Holger_HAM

Hallo,

nein, die Betreffzeile ist nicht besonders ernst gemeint.
Es freut mich, daß wenigstens daran gedacht wird, gewisse Szenarien zu erarbeiten und theoretisch durchzuspielen. Wenn daraus konkrete Pläne entstehen, sollte das der Sicherheit dienlich sein - hoffe ich.
Als ich letztens in Frankreich unterwegs war, konnte ich tatsächlich feststellen, daß die ihre TGV- Strecken (soweit ich nicht gerade geschlafen hatte) eingezäunt haben. Die absolute Sicherheit ist das gewiß nicht, aber schon mal eine Barriere, die es zu überwinden gilt. Vor allem für Tiere.
@Holger: danke übrigens für das Thema, Du stößt mich mal wieder auf etwas, was ich schon längst verdrängt hatte, nämlich auf die Rettungsübung am 6.5.2006 (oder 7.5.? - so in der Drehe) im Euerwangtunnel. Da wollte ich nämlich an einer bestimmten Stelle mal was nachfragen...

Viele Grüße aus Ansbach
und allen einen guten Start in die Woche
Frank

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"Die Ferne ist ein schöner Ort,
doch wenn ich da bin, ist sie fort.
Die Ferne ist wo ich nicht bin,
ich geh und geh und komm nicht hin."

(Silly, mit der leider viel zu früh verstorbenen Tamara Danz)

Schafe einzäunen...?

bigbug21, Sonntag, 16.11.2008, 21:50 (vor 6331 Tagen) @ Frank Augsburg

Hallo Frank,

[...]
Als ich letztens in Frankreich unterwegs war, konnte ich tatsächlich feststellen, daß die ihre TGV- Strecken (soweit ich nicht gerade geschlafen hatte) eingezäunt haben. Die absolute Sicherheit ist das gewiß nicht, aber schon mal eine Barriere, die es zu überwinden gilt. Vor allem für Tiere.
[...]

Nicht unbedingt. Glaubt man einer Ausgabe der "Today's Railways Europe" aus diesem Sommer, kommt es auf französischen Hochgeschwindigkeitsstrecken jährlich zu etwa 50 Kollisionen mit Wild, das die rund 2,50 Meter überwindet und dann nicht mehr herauskommt...

Viele Grüße
Peter

--
unterwegs für freie Eisenbahn-Geodaten

Herdenweise...?

Frank Augsburg, Ansbach, Sonntag, 16.11.2008, 21:56 (vor 6331 Tagen) @ bigbug21

Hallo Peter,

berufsbedingt kann ich mir inzwischen viel vorstellen.
Diese Maschen- Netze an den TGV- Pisten sind für eine Wildsau kein echts Problem. Die rammelt da durch. Andere überspringen die Netze.
Ob es einen Herdenunfall a la Landrückentunnel in Frankreich schon gegeben hat, kann ich nicht sagen.
Wie schon geschrieben - diese Dinger sind zumindest eine erste Barriere und dürften das Problem reduzieren, freilich nicht verhindern.

Viele Grüße
Frank

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Herdenweise...?

Pater Piet, Sonntag, 16.11.2008, 22:29 (vor 6331 Tagen) @ Frank Augsburg

Sehr viele Autobahnen sind in Deutschland mit einem Wildschutzzaun geschützt, der das Wildproblem minimieren hilft. Nachdem es IMHO sehr viel mehr Autobahnkilometer als Kilometer an Hochgeschwindigkeitsstrecken des ICE gibt, sehe ich keinen Grund, auf Zäune zu verzichten.

Oder fehlt in meinem Gedankengang vielleicht etwas? (Erreichbarkeit der Strecke bei Notfällen zB).

Herdenweise...?

Holger_HAM, Hamm (Westfalen), Sonntag, 16.11.2008, 22:39 (vor 6331 Tagen) @ Pater Piet

Hallo,

Sehr viele Autobahnen sind in Deutschland mit einem Wildschutzzaun geschützt, der das Wildproblem minimieren hilft. Nachdem es IMHO sehr viel mehr Autobahnkilometer als Kilometer an Hochgeschwindigkeitsstrecken des ICE gibt, sehe ich keinen Grund, auf Zäune zu verzichten.

Oder fehlt in meinem Gedankengang vielleicht etwas? (Erreichbarkeit der Strecke bei Notfällen zB).

Wildschutzzäune gibt es auch an NBS in Deutschland. Aufgefallen sind sie mri vor allem an der Strecke Köln - Rhein/Main. Aber auch da gibt es Lücken. Im Notfall dürfte so ein Zäunchen für die Feuerwehr kein Hindernis darstellen.

--
Viele Grüße aus Hamm in Westfalen,
Holger
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Herdenweise...?

ExpressFreak, Sonntag, 16.11.2008, 22:56 (vor 6331 Tagen) @ Holger_HAM

Die SFS Stuttgart - Mannheim ist zwischen der ÜST Oberhausen und dem Abzw. Saalbach beidseitig durch einen Zaun sowie eine Leitplanke geschützt!

Grüße,
ExpressFreak

Herdenweise...?

Pater Piet, Montag, 17.11.2008, 08:26 (vor 6331 Tagen) @ ExpressFreak

Guten Morgen!

Bei den ganzen bereits bestehenden Einzäunungen sollte dann doch für alle SFS ein Zaun möglich sein? Wie gesagt, bei Autobahnen geht es ja auch. Zumindest ist dann eine Schafherde schon einmal nahezu ausgeschlossen.

Viele Grüße,
Pater Piet aka Peter

Bahnräumer

Manitou, Montag, 17.11.2008, 23:25 (vor 6330 Tagen) @ Holger_HAM

Die Front sollte mit einem in die Stromlinie integrierten Bahnräumer gestaltet werden. Die TGV-Front ist so ähnlich gestaltet. Dabei muß sowohl von der Statik (Aufnahmekraft des Bahnräumers) als auch von der Gestaltung her gewährleistet werden, daß jedes bewegliche Hindernis beseite geschoben oder nach oben weggeschleudert wird und ein Aufschwimmen (Schafherde, Sandhaufen, Kohlehaufen oder Schneeverwehung) sich nicht wiederholen kann.

Bahnräumer

sappiosa, Dienstag, 18.11.2008, 16:19 (vor 6330 Tagen) @ Manitou

Hallo Manitou,

Dabei muß sowohl von der Statik (Aufnahmekraft des Bahnräumers) als auch von der Gestaltung her gewährleistet werden, daß jedes bewegliche Hindernis beseite geschoben oder nach oben weggeschleudert wird und ein Aufschwimmen (Schafherde, Sandhaufen, Kohlehaufen oder Schneeverwehung) sich nicht wiederholen kann.

"Jedes" kriegst Du nie hin. Wenn die kollidierende Masse groß genug ist und zugleich der Schwerpunkt tief genug liegt, wird es früher oder später auch einen Räum-geschützten Zug aus den Gleisen heben. Ein Pferd wäre weggeschleudert worden, obwohl es vermutlich genauso viel wiegt wie die Schafherde - aber mit viel höherem Schwerpunkt.

Ich persönlich wäre mehr dafür, die Strecken, vor allem die Tunnelportale, mit Kameras überwachen zu lassen, wie es bei Straßentunneln jetzt schon gemacht wird.
Nein, dazu muss der zuständige Überwacher nicht ständig das Bild auf dem Monitor haben. Eine Kombination mit einem Bewegungsmelder oder Infrarotsensor, die bei Meldung das Kamerabild dem Überwacher auf den Monitor schaltet, würde genügen, um z.B. 50 Tunnel auf einem einzigen Arbeitsplatz mit 8 Monitoren zu überwachen.
Oder das übernimmt der zuständige Fahrdienstleiter auf einem Extra-Monitor, wo er nur dann ein Bild erhält, wenn der Sensor anschlägt. Das hätte den Vorteil, dass der Fahrdienstleiter dann sofort die Strecke sperren kann. Andererseits haben Fahrdienstleiter eh schon zu viel zu tun - sie kommen zu Stoßzeiten ja nicht einmal mehr dazu, brauchbare Verspätungsbegründungen in LeiBIT einzutragen.

Schöne Grüße
Daniel (aka Sappiosa)

Darüber...

Frank Augsburg, Ansbach, Dienstag, 18.11.2008, 22:38 (vor 6329 Tagen) @ Manitou

...zerbrechen wir uns schon den kopf, glaub das mir bitte!

Hallo zusammen,

es gibt Bahnräumer an Schienenfahrzeugen, und nochmal Schienenräumer. Und für beides gibt es Lastannahmen. Das ist schon der erste Punkt: Annahmen! Zweitens: für die Bahnräumer gelten europäische Standards, aber für Schienenräumer sind wir nur bei einem britischen Standard fündig geworden (ist ja nicht Europa, nich?). Seitdem geistert in unserer Firma das Wort "Tsunami- Lastfall". Also was der Bahnräumer nicht kann, soll der Schienenräumer... na, also bitte! Aber schön, Kundenwunsch ist Kundenwunsch. Bauen wir also so ein Monsterding vor den Drehgestellrahmen, das bei definierter Belastung denn auch noch sich verformt und im Zweifelsfalle abreißt und deswegen ("ganz leicht") getauscht werden kann.
Wie wir allerdings im Landrückentunnel gesehen haben, halten sich die Hindernisse nicht immer an die Lastannahmen. Also werden EN 12663, EN 13749 usw. neu geschrieben werden müssen. Z.B. mit einem "Schafe- Lastfall" oder so.
Darauf bin ich heute schon gespannt. Als Konstrukteur mache ich ja alles.

Viele Grüße aus Ansbach
Frank

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(Silly, mit der leider viel zu früh verstorbenen Tamara Danz)

Bahnräumer

Manitou, Dienstag, 18.11.2008, 23:21 (vor 6329 Tagen) @ Frank Augsburg

Klassische Bahnräumer sind auf Fahrzeuge mit nahezu senkrechter Stirnwand hinberechnet. Ein in die Stromlinie integrierter Bahnräumer muß jedoch nicht nur ein flaches Hindernis wegschieben, sondern auch noch verhindern, das ein Hindernis von der Frontverkleidung niedergedrückt wir. Ein TGV bzw. Shinkansen würde wegen anderer Formgestaltung im unteren Frontbereich generell nicht aufschwimmen. Ein Zug darf nicht wie ein Schiff konstruiert werden, sondern er muß im Gegenteil so gestaltet sein, daß ein Hindernis den Zug nicht anhebt, sondern leicht niederdrückt und auch große Hindernis-Mengen seitlich weggeschoben werden. Eine US-Dampflok mit "Kuhfänger" hätte unabhängig der Geschindigkeit eine Herde von Schafen seitlich von den Gleisen weggeschoben bzw. nach oben geschleudert.

Bahnräumer

Frank Augsburg, Ansbach, Mittwoch, 19.11.2008, 18:09 (vor 6329 Tagen) @ Manitou

Hallo Manitou,

danke, das hilft mir schon mal weiter.
Schönen Abend noch.

Viele Grüße aus Nürnberg Ostbahnhof
Frank

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