Görlitz und mehr (Teil 3.1: Nach Tschechien) (Reiseberichte)

Sören Heise, Region Hannover, Sonntag, 18.09.2011, 11:10 (vor 5304 Tagen)

Moin!

Im vierten Teil meines Reiseberichtes steht die Eisenbahn im Vordergrund, Hauptziel waren die Friedländer Bezirksbahnen im nördlichsten Zipfel der Tschechischen Republik. Das Euro-Neiße-Ticket gilt im örtlichen Verkehrsverbund sowie den angrenzenden Gebieten Polens und Tschechiens. Wenn ich mich nicht verzählt habe, habe ich an diesem Tag 20 Mal eine Staatsgrenze überquert. Der Einfachheit halber kommen die Ortsnamen außer bei der ersten Nennung ausschließlich in der jeweiligen Landessprache.

Mit der Straßenbahn ging es vom Hotel zum Hauptbahnhof.


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Mein Zug war schon angeschlagen. Ihn selber habe ich irgendwie nicht fotografiert - ein ODEG-Desiro. Beim Ausstieg in Zittau hatte ich die ersten vier Grenzquerungen hinter mir. Auffallend der gute Gleiszustand in Polen, das Hochwasser des letzten Jahres hatte Teile der Strecke völlig zerstört.


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In Zittau reichte die Umsteigezeit für einen kurzen Blick auf den Bahnhofsplatz - ein Reiseziel für den nächsten Besuch in der Ecke steht fest, neben der Stadt Zittau selber. (Ein Foto der Lok war nicht möglich.)


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Rechts geht’s angeblich zum Grenzübergang nach Tschechien, die Züge nach dortselbst erreicht man heutzutage aber, wenn man nach links geht.


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Seit Fahrplanwechsel werden die Leistungen zwischen Rybniště (Teichstatt) bzw. Seifhennersdorf, Varnsdorf (Warnsdorf), Zittau und Liberec (Reichenberg) von der Vogtlandbahn gefahren, unter dem Markennamen Trilex kommen überwiegend Desiros zum Einsatz. Daneben fährt dreimal täglich ein DB-612 von Dresden bis Liberec, am Wochenende zweimal weiter bis Tanvald (Tannwald), dieser ab Zittau in Verantwortung der České dráhy.
654 045 war da eine willkommene Abwechslung im Desiro-Einerlei auf deutscher Seite.


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Ein Blick in den Innenraum. Statt Fahrkartenautomat gibt es Schaffnerinnen, die auch alle Hände zu tun hatten mit dem Fahrscheinverkauf.
Die Weiterfahrt hinterließ einen zwiespältigen Eindruck, der kurze polnische Abschnitt um Porajów (Großporitsch) bedarf dringend einer Sanierung. Hier ein Bild vom Bahnübergang in Porajów. Bis 1945 gab es auf dem heute polnischen Abschnitt einen Halt in Oberullersdorf (heute Kopaczów).
Vor lauter Grünzeug sind die Schienen kaum sichtbar, die Höchstgeschwindigkeit beträgt gerade einmal 30 km/h. In Tschechien geht es zügiger vorwärts und der Zug ist bei der Ankunft in Liberec sehr gut gefüllt.


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In Liberec werfen wir einen Blick auf den Fahrplan. Solche Anzeigen kenne ich aus Deutschland nicht.


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Das Empfangsgebäude von außen.


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Straßenbahn. Wagen 52 (meterspurig - blauer Aufkleber) fährt auf Linie 11 nach Jablonec (Gablonz). „Mobil im Dreländereck“.


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Wagen 60 (Normalspur - roter Aufkleber) ist auf Linie 3 unterwegs nach Horní Hanychov (Oberhanichen). Dort besteht Anschluß zur Seilbahn auf den Ještěd (Jeschken), den Hausberg von Liberec. Wie auch die Innenstadt von Liberec (im Hintergrund sieht man die Türme des Rathauses) ein Ziel für einen späteren Besuch.


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Wir werfen einen Blick in die Halle des kürzlich sanierten Empfangsgebäudes und die dort ausgerollten Fahrplantabellen.


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Diese Halle im Inselgebäude ist noch nicht saniert.


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753 301 in ihrer attraktiven Lackierung hat schon bessere Tage gesehen. Sie gehört heute zu ČD Cargo.


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814 235/014 018/814 236 sind soeben aus Frýdlant v Čechách (Friedland in Böhmen) eingetroffen. Nach einer kurzen Wendezeit geht es dorthin zurück. Rechts im Bild der Schnellzug nach Ústí nad Labem (Aussig), ein Dieseltriebwagen und zwei Beiwagen, nur 2. Klasse.


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Ein Blick in den Innenraum des 814 236. Der breite Mittelgang fällt auf.


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Nach gut halbstündiger Fahrt (mit Tunnel durchs Isergebirge) in Frýdlant v Čechách eingetroffen. Links 810 511 nach Černousy (Tschernhausen), rechts mein nächster und übernächster Zug: 810 245 bringt mich nach Jindřichovice pod Smrkem (Heinersdorf an der Tafelfichte). Die Strecke Frýdlant - Jindřichovice sowie Raspenava (Raspenau) - Bílý Potok (Weißbach) wurden bis 1925 von den Friedländer Bezirksbahnen betrieben, die sich 1897 gegründet hatten.


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Die Umsteigezeit von zwei Minuten reicht auch noch für ein Foto von 743 002 mit ihrem Güterzug.


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Ein Blick ins Innere des 810 245. Sieben Reisende waren an Bord, bis Nové Město pod Smrkem (Neustadt an der Tafelfichte), dem größten Ort unterwegs, waren es immerhin zehn. Auf dem restlichen Abschnitt bis Jindřichovice waren es fünf. (Auf der Rückfahrt zwei bis Nové Město, danach zwölf.)


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Angekommen. 810 245 in Jindřichovice pod Smrkem.


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Dunkle Wolken über dem Empfangsgebäude. Die Fahrplanvorschau für den Jahresfahrplan 2012 nennt für Nové Město - Jindřichovice noch drei Zugpaare, alle mit der Fußnote 25 (fährt nur samstags, sonn- und feiertags), derzeit erreichen montags bis freitags noch acht Züge den Ort.


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Gleisende. Bis 1945 ging es weiter nach Greiffenberg (Schlesien), heute Gryfów Śląski.

Ende von Teil 3.1; Teil 3.2 folgt sofort als Antwort.

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Verstehen Sie Bahnhof!
Europa: Linkliste Fahrplantabellen und mehr

Görlitz und mehr (Teil 3.2: Nach Tschechien)

Sören Heise, Region Hannover, Sonntag, 18.09.2011, 11:13 (vor 5304 Tagen) @ Sören Heise

Und wegen Überlänge die Fortsetzung hier. Wir sind weiterhin in Jindřichovice.

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Ein Blick auf das Empfangsgebäude.


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Smrk. Der höchste Berg im tschechischen Teil des Isergebirges und Beinamensgeber zahlreicher Orte in der Gegend. Weit entfernt und im Gegenlicht nicht so gut fotografierbar. Der deutsche Name Tafelfichte erinnert an einen Baum, an den Wallenstein sein Wappen nagelte. Das überlebte der Baum doch einige Jahre länger als Wallenstein.


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Die Züge fahren im Einmannbetrieb. Ein Automat nebst ausführlicher Betriebsanleitung gehört zur Ausstattung.


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Der Papierkorb trägt das Symbol der Staatsbahn eines nicht mehr existierenden Staates.


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Řasnice (Rückersdorf).


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Krásný Les (Schönwald). Bild im Vorbeifahren.


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Im Hintergrund der Haltepunkt Krásný Les bažantnice (Schönwald Fasangarten).


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Wieder in Frýdlant angekommen: Erinnerung an die Schmalspurbahn nach Heřmanice (Hermsdorf), die vor dem Empfangsgebäude abfuhr. In Heřmanice bestand eine Verbindung mit dem Zittauer Schmalspurnetz. Daher war diese Strecke mit einer Spurweite von 750 mm errichtet worden, statt den in Österreich üblichen 760 mm.


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Das Empfangsgebäude von Frýdlant.


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Links der Zug nach Liberec, in der Mitte kommt der Triebwagen aus Černousy an, der nach Liberec mitgenommen wird. Er hielt kurz an, fuhr vor, wurde angekuppelt und dann ging es auch schon los.


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Raspenava. Die hier abzweigende Nebenbahn nach Bílý Potok pod Smrkem war mein nächstes Ziel.


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810 424 hatte Dienst auf der Nebenbahn.


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Der sehr gepflegte Bereich vor dem Diestraum des „Rotkäppchens“ mit Samtpfote.


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Auch hier ein Blick zum Smrk.


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Ein leicht gegenlichtiger Blick.


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814 235 kennen wir schon von der Hinfahrt. Die Abfahrt verzögerte sich wegen Verspätung des Gegenzuges um etwa zehn Minuten.
Aber wir wollten doch nach Bílý Potok!


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Bílý Potok pod Smrkem. Der Lokführer hat für die fast halbstündige Pause ein wenig weiter zum Prellbock zurückgesetzt.


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Bum, bum, bum, bum. Schienenstöße sind mir fast unbekannt, hier gibt es sie. Der Lokschuppen wird übrigens schon länger nicht mehr benutzt. Im Vordergrund die tschechische Variante des Grenzzeichens. (Sicherheitshinweis: Das Bild entstand nach Landessitte.)


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Ein Blick auf den gesamten Bahnhof vom Lokschuppen aus.


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Die Strecke gen Raspenava.


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Die Fahrgäste sind rechtzeitig am Bahnhof. In Kürze wird der Lokführer an den Bahnsteig vorziehen und sie können einsteigen.


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810 424 wurde 1981 in Studénka (Stauding, in Mährisch-Schlesien) gebaut, der Innenraum ist unmodernisiert.
Von Raspenava ging es nach Liberec.


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Dort haben wir wieder einige Umsteigezeit. 753 758 und 753 759 verkürzen sie.


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Eine bunte Rangierfahrt mit 742 159. Die beiden ersten Fahrzeuge hinter der Lok im Najbrt-Look. Er wird das bunte Bild der tschechischen Eisenbahn eher kurz denn lang verschwinden lassen, leider.


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Zurück nach Zittau ging es diesmal in einem Desiro, hier bei der Einfahrt. Auf den beiden größeren Zwischenstationen war wie auch in Liberec das Verhältnis der Tschechen zur Gleisüberquerung zu beobachten.


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Wieder in Zittau. Dieses Bild dient der Dokumentation und zeigt das imposante Empfangsgebäude von der Gleisseite.


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Ein letztes Bild: Die Ausfahrt gen Osten (Liberec) und Norden (Görlitz). Die Bahnsteige sind heute hoffnungslos überdimensioniert für die kleinen Dieseltriebwagen, die hier noch unterwegs sind.


Für Interessierte sei auf drei Bücher hingewiesen. Von Wilfried Rettig sind kürzlich zwei Bände unter dem Titel Eisenbahnen im Dreiländereck erschienen, sie beschreiben ausführlich Geschichte und Betrieb auf den Bahnstrecken der Region.
Etwas älter ist Michael Hempels Band Vom Elbestrand zur Tafelfichte aus der sehr empfehlenserten Reihe Durch Böhmens Hain und Flur, erschienen in der Edition Bohemica.


Nochmals die Links zu den anderen Teilen:
Görlitz und mehr (Teil 1: Bautzen)
Görlitz und mehr (Teil 2: Görlitz)


Viele Grüße, Sören

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Verstehen Sie Bahnhof!
Europa: Linkliste Fahrplantabellen und mehr

klasse Bilder! *owT*

Christof_Minden, Sonntag, 18.09.2011, 17:06 (vor 5304 Tagen) @ Sören Heise

- kein Text -

Vielen Dank, schöne Bilder

218 466-1, Red Bank NJ / ex-Ingolstadt, Montag, 19.09.2011, 14:59 (vor 5303 Tagen) @ Sören Heise

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Dieser Beitrag gibt (sofern nicht anders gekennzeichnet) allein die Meinung der Verfasserin wieder
MET - Der beste Zug den es je gab
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Sensationell! :-)) Danke!

sflori, Samstag, 14.01.2012, 21:27 (vor 5186 Tagen) @ Sören Heise

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Vielen Dank auch von mir - 2 offene Fragen

BR_103, Samstag, 14.01.2012, 21:50 (vor 5186 Tagen) @ Sören Heise

erst einmal meine Gratulation zu dem tollen Bericht. Darüber hinaus würden mich aber auch 2 Dinge interessieren:


1. Wie sieht den die verbale Verständigung im ausländischen Teil aus? Versteht man (in Ansätzen) deutsch oder englisch?


2. die gezeigte Landschaft scheint überwiegend flach zu sein. Ist das auch so auf dem Rest der Reise so der Fall?


Über eine Rückmeldung würde ich mich sehr freuen.


LG

Zwei Antworten

Sören Heise, Region Hannover, Sonntag, 15.01.2012, 09:10 (vor 5185 Tagen) @ BR_103

Moin!

1. Wie sieht den die verbale Verständigung im ausländischen Teil aus? Versteht man (in Ansätzen) deutsch oder englisch?

Das ist nicht auszuschließen, gerade wenn's touristisch ist.
Tschechisch-Kenntnisse sind klar von Vorteil, im Notfall ein Zettel nebst Stift oder auch Hände und Füße. ;-)

2. die gezeigte Landschaft scheint überwiegend flach zu sein. Ist das auch so auf dem Rest der Reise so der Fall?

Da weiß ich jetzt nicht genau, worauf Du Dich beziehst. Was ich in Tschechien gefahren bin, war Mittelgebirgslandschaft, aber nicht unbedingt spektatulär. Die Oberlausitz selber ist auch nicht topfeben, das Lausitzer Gebirge noch weniger, in das nur die Schmalspurbahn fährt.

Die Gegend ist wirklich sehenswert, auf den Strecken um Friedland fahren mittlerweile Regionovas und neue Regioshuttle statt der Zweiachser.

Viele Grüße, Sören

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