Japan - Shinkansen (mit 4 Bildern) (Reiseberichte)
Heute war auf meiner Japan-Reise der erste Shinkansen-Reisetag angesagt. Shinkansen heißt "neue Hauptlinie", Shin- heißt "neu" und wird deshalb den neuen Bahnhöfen vorangestellt, wenn sie sich an anderer Stelle befinden, z.B. Shin-Osaka. Also vergleichbar mit dem Suffix -TGV, das von den Franzosen verwendet wird. Ausgesprochen wird das ganze Shin-kan-sen, alle Silben gleich betont (während man im Deutschen zur Betonung der zweiten Silbe neigt).
Preise und Reservierung
Zunächst mal ist das Reisen in den Shinkansen prinzipiell ziemlich teuer, sogar noch auf deutlich höherem Niveau als bei der DB. Als Beispiel sei hier mal die Strecke Tokyo-Kyoto genannt, die 13,200 YEN also etwa 130 Euro kostet.
Als Tourist hat man hier aber einen Vorteil, man kann nämlich einen Japanese Rail Pass kaufen, quasi das japanische Interrail. Dazu muss man bereits vor Abreise einen Exchange-Coupon kaufen, den es im Reisebüro oder z.B. hier online gibt. 7 Tage kosten 28,300 YEN, 14 Tage 45,100 YEN, 21 Tage 57,700 YEN (2. Klasse). Diese kann man dann an speziellen Pass-Exchange-Offices umtauschen und dort auch gleich eine Reservierung machen.
Eine Reservierung empfiehlt sich, da die meisten Wagen (11 von 16) reservierungspflichtig sind. Die Reservierung ist dafür aber kostenlos. Es gibt zwei Wagenklassen, normal (also 2. Klasse) und Green Class (1. Klasse). Ich bin natürlich nur normal Unterwegs, kostet ja alles Geld.
Mit den Pässen darf man die Nozomi-Züge nicht benutzen. Diese sind vergleichbar mit dem ICE-Sprinter, allerdings verkehren sie etwa halbstündlich und immer mit den N700-Shinkansen
Zug
Unterwegs war ich mit einem Express-Zug von Tokyo nach Kyoto, der von Tokyo bis Nagoya nur die wichtigsten Halte und danach alle bis Shin-Osaka bedient. Kyoto liegt kurz vor Osaka. Gefahren wurde mit der Baureihe 300.
Die Züge sind insgesamt sehr einfach aufgebaut. Neben den nicht-bündigen Taschenschiebetüren gibt es fünf Sitze pro Reihe mit gigantischem Sitzabstand. Die Sitze sind etwas schmaler als beim ICE und stehen sehr steil, allerdings lassen sie sich nach hinten neigen. Da der Sitzabstand so groß ist muss man auch nicht Angst haben irgendjemanden zu stören. Die Sitze sind auch etwas niedriger als hierzulande. Es gibt Gepäckablagen und am Wagenende hinter der letzten Sitzreihe etwas Platz für größere Gepäck. Auf Reservierungsanzeigen oder Entertainment wird verzichtet, am jeweiligen Wagenende gibt es eine FIS-Anzeige. Die Sitze sind immer in Fahrtrichtung gedreht. Der komplette Zug besteht aus Großraumwagen und es herscht Handy-Telefonierverbot.
Nochmal der Sitzabstand, davon träumt man auf Economy-Plätzen bei 12-Stunden-Flügen:
Das Fahrverhalten der Züge ist so mittelmäßig. Alle paar Minuten gibt es einen Längsruck und bei entgegenkommenden Zügen fängt der Zug im Tunnel massiv an zu schlingern. Außerdem sind die Züge nicht Druckdicht. Insgesamt finde ich alle ICE (also auch den ICE T) laufruhiger. Dafür beschleunigt das Teil wie eine S-Bahn, hat aber auch viele angetriebene Achsen und ist von der Lautstärke etwa auf dem Niveau des ICE3.
Auch wenn ich eher nicht in den Genuß kommen werde hier, noch ein Bild vom Flagschiff der JR, dem N700, der für die hochwertigsten Dienste eingesetzt wird (und gefühlt am öftesten Fährt):
Strecke
Zwischen Tokyo (so heißt die Stadt und auch der Bahnhof) und Yokohama ist die Strecke sehr kurvig und langsam auch wenn die Überhöhung deutlich größer ist als in Deutschland. Aber hier fahren auch nur Züge mit geringer Achslast, was die Sache einfacher macht. Ab Yokohama gehts dann sehr schnell voran, allerdings gibt es im Zug keine Geschwindigkeitsanzeige. Die Strecke ist aufwendig trassiert und führt durch viele Tunnel und fast ausschließlich durch besiedeltes Gebiet (2 1/2 Stunden bis Kyoto). Der japanische Küstenstreifen ist wohl die am dichtesten Besiedelte Fläche der Welt. Wenn man Glück hat kann man aus dem Zug den Mt Fuji bewundern, ich hatte kein Glück.
Sonstiges
Auch bei den Shinkansen wird ein gigantischer Personalaufwand getrieben. Nach der Ankunft steigen zunächst alle Fahrgäste aus und die Türen schließen wieder, bis alle Sitze gedreht und mit frischen Kopfauflagen bestückt sind. Dann öffnen die Türe wieder und man kann in den Gegenzug einsteigen.
Auf jedem Bahnsteig arbeiten mindestens vier Beamte und kontrollieren das Ein- und Aussteigen sowie die Abfahrt. Die Bahnsteige sind nur über Zugangs-Schleusen erreichbar, die auch jeweils mit 2 Beamten besetzt sind. Wenn man einen Rail-Pass hat mus man diesen hier vorzeigen und wird durchgelassen, ansonsten schiebt man das Ticket in die automatischen Tore.
Im Zug gibt es einen Schaffner, der die Reservierungen kontrolliert und es wird ein Wagen mit Essen & Trinken von einer Gastro-Mitarbeiterin durchgeschoben. Die Durchsagen erfolgen automatisch in Japanisch und Englisch, wobei auf Japanisch auch noch manuell so einiges durchgesagt wird, was ich nicht verstanden habe.
Gruß
Johannes
gesamter Thread:
- Japan - Shinkansen (mit 4 Bildern) -
ice-t-411,
12.09.2011, 16:56
- Danke für den Bericht ! - GUM, 12.09.2011, 17:53
- Danke!
-
Matze86,
12.09.2011, 21:01
- Sitzabstand -
411,
13.09.2011, 03:41
- Sitzabstand - ice-t-411, 13.09.2011, 11:25
- Sitzabstand - Meinrad aus Kanada, 13.09.2011, 20:49
- Super!
-
indy3,
13.09.2011, 21:47
- Japan - Shinkansen Baureihe 0 und ATC (mit 3 Bildern) -
ice-t-411,
16.09.2011, 09:17
- Danke ! - GUM, 16.09.2011, 09:50