Was "Dickes" überfahren (Aktueller Betrieb)

moonglum, Hagen, Dienstag, 26.04.2011, 19:34 (vor 5559 Tagen) @ bigbug21
bearbeitet von moonglum, Dienstag, 26.04.2011, 19:36

Es ist viele Jahre her, als ich im morgendlichen EC von Dortmund (via Hagen) nach Chur saß und munter mit etwa 160 kmh, im ersten Wagen, einem Bpmz, sitzend gen Basel fuhr. Plötzlich krachte und donnerte es heftigst von unten, zugleich gab es eine Vollbremsung, Mordsgetöse von unten unterm Wagen. Es hörte sich nach heftigem Splittern und Zerbrechen von irgendetwas an.. es war ohrenbetäubend laut....
Dann hörte das Gedonner auf, und der Zug rollte aus und kam in irgendeinem Kleckerbahnhof mit kurzem Bahnsteig zum Stehen.
Ich hab sofort die Tür geöffnet und heraus geschaut....

DIe 103 war abgebügelt.
Der Lokführer kletterte mit seinem Kollegen gerade rechtsseitig aus der 103,
beide waren "weiß wie die Wand" im Gesicht.
Der Aufseher kam ziemlich aufgeregt aus seinem Bahnhofshäuschen gelaufen,
seine Dienstmütze hatte er wohl grad noch mit der linken Hand von der Garderobe gerissen, hielt sie in selbiger
und war in Richtung Lok losgelaufen, die wenige Meter vor seinem Häuschen zum Halten gekommen war.... :-)

Ich hab mich dann in die Nähe gestellt, sah die Lokführer unter der Lok herumkrabbeln.
Dann griff einer irgendwo ins vordere Drehgestell und kam ziemlich verschmiert an Hemd und Hose mit einem dicken Stück Metall in Gelb und kurz darauf mit einem Längeren in Grau wieder hervor. Die Metallteile schienen echt schwer zu sein.
Es wurde aus den Gesprächsbruchstücken klar, dass wir mit voller Geschwindigkeit ein Gasflaschendoppel - vermutlich für Schweißarbeiten - überfahren hatten, welches unter uns in Stücke zerborsten war....

Nachdem ich und andere Fahrgäste von den Getöse unter unserem Wagen berichtet hatten, wurde so gut es ging der Wagen von unten inspiziert, und nachdem die Lok (wie auch immer) gecheckt worden war, wurde wieder aufgebügelt, eine Bremsprobe gemacht, dann ging es weiter, später bis zum Beginn der Kurven nach Basel sogar wieder recht flott. Wir erreichten Basel SBB mit +25.

Das entgeisterte Gesicht des einen Lokführers mit diesen Metallteilen in der Hand habe ich nie vergessen.

Ich frage mich seitdem, was wohl einem 403er oder 406er mit seinem weichen Frontgehäuse passiert wäre. An der 103 sah man in Basel jedenfalls nicht den geringsten Kratzer....

--
Schöne Grüße aus den EC 6/7/8/9,
wo es Wein in Karaffen, keine Mikrowelle und kein in Schüsseln gepamptes Essen gibt.

https://adobe.ly/2PMZyEV


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