ES: billiger Bahn fahren = Umwelt sparen? (Allgemeines Forum)
Oscar (NL), Eindhoven (NL), Donnerstag, 14.04.2011, 10:22 (vor 5472 Tagen)
Hallo ICE-Fans,
in Spanien hat RENFE die Bahntickets mit 5% verbilligt.
Ziel ist, mehr Leute von der Straße auf die Schiene zu verlagern; zusammen mit der Herabsetzung des Tempolimits von 120 auf 110 km/h soll signifikant Minderalölverbrauch und CO2-Ausstoß eingespart werden.
Auch bei uns gibt es, zumindest für die Autobahnen, eine solche Initiative.
Meine Gedanken dazu:
1. ein Autofahrer stellt Geldtasche vor Umwelt. Zwar spart er mit einer langsameren Fahrt Treibstoff, aber verliert er zugleich Zeit, und Zeit = Geld. Dasselbe gilt, wenn er auf die Bahn umsteigt; sie ist meistens langsamer als das Auto.
2. verbilligte Bahnfahrkarten OK, aber dann muss das System auch funktionieren. Zum Glück funktioniert es zumindest in Madrid und Barcelona (dort war ich tatsächlich mal, von den anderen Städten kann ich es nicht beurteilen). Die S-Bahnen (Cercanias bzw. Rodalies) fahren ausnahmslos mit gut gepflegten, hochmodernen Triebwagen; Fahrzeuge von mehr als 5 Jahre alt habe ich keine gesehen. Dasselbe gilt für die U-Bahnen. Beide verkehren zuverlässig, in dichtem Takt und es wird gehalten in gut gepflegten Bahnhöfen.
3. in unserem dienstorientierten Arbeitsklima gewinnt man so keine Kunden. Jobs, bei denen man von 9 bis 5 an demselben Platz arbeitet, werden bei uns immer seltener. Ein durchschnittlicher Dienstleister hat mindestens 5 Verabredungen pro Tag, kreuz und quer durchs Land. Da hilft kein ETMET (Elke Tien Minuten Een Trein = Bahn in 10-Minutentakt), da hilft nur IMERA (Ieder Moment Een Rijklare Auto = jederzeit ein fahrbereites Auto) -> Umwelt sparen = Elektroauto fahren. Dann kann man besser in Nachladestellen investieren als in Busse und Bahnen.
4. Tempolimit runter -> entspanntere Situation auf den Autobahnen -> mehr Anlaß Auto zu fahren. Wenn man 8,3% langsamer fährt aber dadurch z.B. 10% mehr Betrieb auf den Autobahnen entsteht, ist der Umweltvorteil zunichte.
5. bevor Ihr alle die Jugendherberge in Madrid stürmt für einen ICE/AVE-FanTreff: die A-Züge (AVE, Alaris, Altaria, Alvia, Avant, Arco) werden nicht verbilligt!
gruß,
Oscar (NL).
--
Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!
Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!
Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.
ES: billiger Bahn fahren = Umwelt sparen?
Fernpendler, Donnerstag, 14.04.2011, 10:37 (vor 5472 Tagen) @ Oscar (NL)
1. ein Autofahrer stellt Geldtasche vor Umwelt. Zwar spart er mit einer langsameren Fahrt Treibstoff, aber verliert er zugleich Zeit, und Zeit = Geld. Dasselbe gilt, wenn er auf die Bahn umsteigt; sie ist meistens langsamer als das Auto.
Mag sein. Ich behaupte aber, dass das nicht für Ballungszentren gilt. Stichwort Stau u. stockender Verkehr! Ich denke der Erfahrung halber hier ans Rhein-Main-Gebiet, ans Ruhrgebiet bzw. an Berlin.
3. in unserem dienstorientierten Arbeitsklima gewinnt man so keine Kunden. Jobs, bei denen man von 9 bis 5 an demselben Platz arbeitet, werden bei uns immer seltener. Ein durchschnittlicher Dienstleister hat mindestens 5 Verabredungen pro Tag, kreuz und quer durchs Land. Da hilft kein ETMET (Elke Tien Minuten Een Trein = Bahn in 10-Minutentakt), da hilft nur IMERA (Ieder Moment Een Rijklare Auto = jederzeit ein fahrbereites Auto) -> Umwelt sparen = Elektroauto fahren. Dann kann man besser in Nachladestellen investieren als in Busse und Bahnen.
Ich sehe das etwas differenzierter. Im Auto muß ich stumpf auf die Fahrbahn schauen und kann nichts anderes dabei machen. Im Zug kann ich ggf. arbeiten, meine Gedanken ordnen und mich auf den nächsten Termin vorbereiten. DAS finde ich entspannender, als im Auto von A nach B zu hetzen.
Mein Fazit: Bahn muß nicht unbedingt unwirtschaftlicher sein, als Auto. Im Gegenteil.
ES: billiger Bahn fahren = Umwelt sparen?
Jogi, Donnerstag, 14.04.2011, 12:16 (vor 5472 Tagen) @ Fernpendler
Hallo,
1. ein Autofahrer stellt Geldtasche vor Umwelt. Zwar spart er mit einer langsameren Fahrt Treibstoff, aber verliert er zugleich Zeit, und Zeit = Geld. Dasselbe gilt, wenn er auf die Bahn umsteigt; sie ist meistens langsamer als das Auto.
da kommt es doch eher darauf, wie man die Zeit nutzen kann. Ist Fahrzeit produktiv nutzbar (etwa letzte Vorbereitungen der Präsenation, Lernen oder selbst noch etwas schlafen) gibt es natürlich eine Art "magische Grenze", ab welcher die kürzere Autofahrzeit armotisiert wird.
Für mich kommt noch hinzu, dass ich es stressig empfinde, in Großstädten Auto zu fahren. Würde es aber andererseits heißen, die Autofahrzeit betrüge 25 min, die ÖPNV-Fahrzeit aber je nach Tageszeit 1 bis 1:40 Stunden einschließlich 1 bis 3 maligem Umsteigen, dann ist wohl klar, was die erste Wahl wäre.
Mag sein. Ich behaupte aber, dass das nicht für Ballungszentren gilt. Stichwort Stau u. stockender Verkehr! Ich denke der Erfahrung halber hier ans Rhein-Main-Gebiet, ans Ruhrgebiet bzw. an Berlin.
Jein, wer regelmäßig solch überlastete Strecken mit dem Auto fährt, lernt recht schnell einschätzen, wie hoch das Stauaufkommen wann ist, wie lange es länger dauert und die Fahrzeit entsprechend zu kalkulieren.
Natürlich kann dann immer noch etwas Unvorhergesehenes passieren (Unfall -> Vollsperrung als krassestes Beispiel), was aber eher die Ausnahme als die Regel darstellt; kann aber auch bei der Bahn passieren (Signalstörung Polizeieinsatz...).
Das Faktum, dass sich die Fahrzeit mit dem Auto teils sehr stark in der HVZ verlängert, bleibt natürlich richtig.
Ich sehe das etwas differenzierter. Im Auto muß ich stumpf auf die Fahrbahn schauen und kann nichts anderes dabei machen. Im Zug kann ich ggf. arbeiten, meine Gedanken ordnen und mich auf den nächsten Termin vorbereiten. DAS finde ich entspannender, als im Auto von A nach B zu hetzen.
Um es "differenzierter" zu betrachten, sollte IMO klar sein, dass jeder Pendler, jeder potentielle Fahrgast individuelle Bedürfnisse an das Verkehrsmittel richtet, um sein Verkehrsbedürfnis zu befriedigen. Im Umkehrschluss bedeutet das jedoch, dass beim Massenverkehrsmittel Bahn jeder Abstriche vornehmen muss, da die eigenen Ansprüche nicht immer zu 100 Prozent erfüllt werden können. Darasu wiederum folgt, dass das Bahnagebot so gut sein muss um diese Abstriche möglichst gering zu halten.
Mein Fazit: Bahn muß nicht unbedingt unwirtschaftlicher sein, als Auto. Im Gegenteil.
Dein Fazit zeigt ja genau dies: augenscheinlich gilt für dich Reisezeit = Nutzzeit. Im Zug ist diese zweifelsohne höher, erfordert aber:
- generell möglichst wenig Umsteigen nötig
- Ruhe
- meistens einen Tisch als Arbeitsfläche
- evtl. Steckdose.
Zumindest die letzten zwei Punkte treffen selten auf den RV und so gut wie gar nicht auf S-Bahnen zu. So gesehen ist komfortables und somit höher produktives Arbeiten nur im FV oder in der 1. Klasse möglich, kostet also mehr. Alternativ muss der Fahrgast seine Ansprüche in diesen Punkten zurückschrauben oder er kommt eben zu dem Schluss, dass die Bahn nicht die erste Wahl ist.
Philosophieren wir noch etwas über andere Punkte.
Wo ist Start der Reise? Wie komme ich zum Bahnhof? Liegt der Bahnhof fußläufig von meinem Haus, muss ich Auto fahren - wenn ja wie lange? Ist der ÖPNV überhauot eine Alternative? Es gibt ja noch genug Orte, wo der Bus morgens, mittags, nachmittags und vielleicht noch einmal abends vorbeischaut.
Alles, was in der Hinsicht nicht passt, macht das Auto attraktiver. Überhaupt fließt da der Wohnortwahl mit rein: wohnt man "draußen im Grünen" oder im Speckgürtel, wohnt man nahe beim Arbeitgeber oder doch viel weiter weg?
Was ist das Ziel der Fahrt? Es gibt noch mehr als genug Berufe, die an einem Ort stattfinden. Muss ich aber an einem Tag verschiedene Ziele erreichen (Kunden besuchen), ist der Zug/der ÖPNV allenfalls in Großstädten eine Alternative. Für einen solchen Kundenkreis kann die bahn schon systembedingt keine wirkliche Alternative sein. Wenn doch, dass ist das ein glücklicher Einzelfall.
Ob man im Zug überhaupt arbeiten kann, hängt dann noch vom Berufsbild ab. Ist das nicht gegeben, spricht für die Bahn nur noch der Fakt, dass es wesentlich weniger Stress bedeutet. Dann muss aber auch die Zuverlässigkeit des Verkehrsmittels stimmen. Das ist bei der Bahn vielerorts noch ausbaufähig.
Lange Rede, kurzer Sinn: aufgrund der differenzierten beruflichen Anforderungen, können wir uns wohl tagelang Beispiele um die Ohren hauen, bei denen mal die Bahn das bessere Verkehrsmittel ist, mal das Auto, mal eine Kombi (P+R), mal ist beides mit Abstrichen verbunden... Natürlich ließe sich die Liste noch fortsetzen mit allgemeine Punkten, was für, was gegen die Bahnfahrt spricht. Im "Eisenbahnforum" wird auch darüber diskutiert.
Will man mehr Leute in die Bahn holen, stellt sich ja die Frage, WIE man das machen kann.
Mittels Angebot: vielerorts passt es, vor allem im Fahrplan ist ja einen Stundentakt werktags inzwischen Standard um eine Grundflexibilität zu erreichen. Oft gibt es auch die HVZ-Verstärker, die diese Flexibilität noch erhöhen.
Die Planbar- und Zuverlässigkeit spiegelt auch eigene, somit subjektive Wünsche wider. Fährt man selber Auto, hat man das Gefühl, es "selber in der Hand zu haben", wann/wie/wohin/welchen Weg man fährt. Selbst wenn man im Stau steht, hat man die Möglichkeit, auf jemand anderen zu schimpfen und zumindest potentiell selber die Möglichkeit, irgendwie zu agieren.
Steht der Zug dagegen (aus welchen Gründen auch immer9, ist man der Lage ausgeliefert. Die Bahn selber kann nur mit technischer Zuverlässigkeit punkten. Zumindest im RV klappt es IMO recht ordentlich. Frei nach dem Motto Bad New is good News wird jeder Zwischenfall weiter erzählt, die anderen pünktlichen Fahrten aber fallen gelassen - zumal "die Bahn" als konkreter Schuldiger greifbar ist.
Schließlich, um die threadtitelgebende Frage einzubauen, spielt der Preis eine wichtige Rolle. Über den Fehler, dem Bahnpreis nur die Spritkosten gegenüberzustellen, wurde schon oft geschrieben. Dann tut noch Preis der Jahreskarte sein übriges, während die Autokosten, stetig in kleineren Summen anfallen.
Allgemein ist natürlich nachvollziehbar: günstiger Preis = mehr Kunden entscheiden sich für den Zug (das Lidl-Ticket lässt grüßen). Ob das günstiger für die Umwelt ist, hängt wieder von der Definitionsgrundlage (Churchill lässt grüßen ;). Das aber jede entfallene Autofahrt bzw. jeder Fahrer, der dann im Zug sitzt, die Ökobilanz des Zuges und somit auch die eigene Ökobilanz verbessert, ist wohl unbestritten. Müsste dann aber ein weiterer Zug eingesetzt werden, müsste genauer untersucht werden, ob man sich in diesem Punkt noch immer über dem schwarzen Strich befindet.
Alles spielt irgendwie mit rein in die Entscheidung ÖPV oder Auto. Für mich persönlich sind Bahn und Bus immer erste Wahl (eben wegen dem Stress vom Auto fahren), aber wenn ich eben regelmäßig 2x täglich 1:40 Stunden zu weniger als einer halben Stunde Autofahrt abwäge, da wiegt der große Zeitgwinn für mich mehr als der Stress.
Grüße
Jogi
NL: kalter Krieg zwischen Autofahrer und Bahnfahrer
Oscar (NL), Eindhoven (NL), Freitag, 15.04.2011, 13:11 (vor 5471 Tagen) @ Jogi
Hallo Jogi,
Dasselbe gilt, wenn der Autofahrer auf die Bahn umsteigt; sie ist meistens langsamer als das Auto.
Ist Fahrzeit produktiv nutzbar (etwa letzte Vorbereitungen der Präsenation, Lernen oder selbst noch etwas schlafen) gibt es natürlich eine Art "magische Grenze", ab welcher die kürzere Autofahrzeit armotisiert wird.
Was nicht produktiv nutzbar ist, wird produktiv nutzbar gemacht, Carkit sei Dank.
Verabredung reden vorbereitet, nachdisktutiert, umgeplant, abgesagt.
Zudem braucht der Autofahrer nicht umzusteigen und braucht er keine Fahrkarte zu stornieren, wenn die Verabredung annulliert wird.
Für mich kommt noch hinzu, dass ich es stressig empfinde, in Großstädten Auto zu fahren.
Das finden meine Kollegen auch. Sie nehmen es aber im Kauf, weil sie vor ihrem Ort keine ÖV-Alternative haben (ja, auch bei uns gibt es reichlich Gegende wo Bus & Bahn nicht kommen). Und warum Zeit und Geld in Fahrkarten investieren, wenn das Auto schon jederzeit da steht?
Würde es aber andererseits heißen, die Autofahrzeit betrüge 25 min, die ÖPNV-Fahrzeit aber je nach Tageszeit 1 bis 1:40 Stunden einschließlich 1 bis 3 maligem Umsteigen, dann ist wohl klar, was die erste Wahl wäre.
Und diese Situation gibt es bei uns reichlich. In der Randstad durfte man relativ gut mit ÖV vorankommen, rundum Eindhoven ist man mit dem Auto schneller, bequemer und billiger unterwegs.
Selber habe ich das Glück, nur 7 Gehminuten vom Bahnhof Eindhoven entfernt zu wohnen und 5 Gehminuten vom Bahnhof Utrecht zu arbeiten. Zwischen beiden Bahnhöfen gibt es 15-Minutentakt mit IC, 82 km, 1 Halt. Dieses Glück hat bei uns aber nur ein kleiner Bruchteil der Bevölkerung.
Dein Fazit zeigt ja genau dies: augenscheinlich gilt für dich Reisezeit = Nutzzeit. Im Zug ist diese zweifelsohne höher, erfordert aber:
- generell möglichst wenig Umsteigen nötig [1]
- Ruhe [2]
- meistens einen Tisch als Arbeitsfläche [3]
- evtl. Steckdose. [4]
Zumindest die letzten zwei Punkte treffen selten auf den RV und so gut wie gar nicht auf S-Bahnen zu. So gesehen ist komfortables und somit höher produktives Arbeiten nur im FV oder in der 1. Klasse möglich, kostet also mehr. Alternativ muss der Fahrgast seine Ansprüche in diesen Punkten zurückschrauben oder er kommt eben zu dem Schluss, dass die Bahn nicht die erste Wahl ist.
Zu [1]: das ist bei uns noch etwas schlimmer als in Deutschland. Wir haben weniger Linien (die dafür aber häufiger fahren).
Zudem setzt NS ihre Trumpfkarten auf Korridorfahren, was die Chancen auf eine Direktverbindung weiter reduziert.
Auch ist bei uns die Bahn weniger in der Fläche vertreten; zwischen Eindhoven-Utrecht fährt die Bahn durch Dörfer wie Esch, Hedel, Waardenburg und Schalkwijk; diese hätten in Deutschland eine Haltestelle gehabt.
Zu [2]: Ruhezonen gibt es nur im "IC", nicht in S-Bahnen. Und auch wird manchmal diese Ruhezone nicht respektiert; ein Hinweis dazu wirkt nicht wenn eine Familie mit schreienden Kindern sich dort hinsetzt = "darf es einmalig eine Ausnahme sein? Wir machen 1x pro Jahr mit der Bahn Urlaub".
Zu [3]: auch nur im "IC" und auch nur in den Reihensitzen. Diese gibt es kaum auf dem Oberstock der VIRM-Triebwagen.
Zu [4]: nur im "IC" und nur in der 1. Klasse.
Wo ist Start der Reise? Wie komme ich zum Bahnhof? Liegt der Bahnhof fußläufig von meinem Haus, muss ich Auto fahren - wenn ja wie lange? Ist der ÖPNV überhaupt eine Alternative? Es gibt ja noch genug Orte, wo der Bus morgens, mittags, nachmittags und vielleicht noch einmal abends vorbeischaut.
Alles, was in der Hinsicht nicht passt, macht das Auto attraktiver. Überhaupt fließt da der Wohnortwahl mit rein: wohnt man "draußen im Grünen" oder im Speckgürtel, wohnt man nahe beim Arbeitgeber oder doch viel weiter weg?
So ist es!
Aufgrund der differenzierten beruflichen Anforderungen, können wir uns wohl tagelang Beispiele um die Ohren hauen, bei denen mal die Bahn das bessere Verkehrsmittel ist, mal das Auto, mal eine Kombi (P+R), mal ist beides mit Abstrichen verbunden... Natürlich ließe sich die Liste noch fortsetzen mit allgemeine Punkten, was für, was gegen die Bahnfahrt spricht. Im "Eisenbahnforum" wird auch darüber diskutiert.
Die Kombi funktioniert in Deutschland: Otto Geschätsmann reist von seinem Wohnort mit dem Auto zum Fernbahnhof und steigt dort auf den ICE um, weil der ICE schneller fährt als sein Mercedes und ihn zudem in der Nähe von seinem Büroblock in Frankfurt bringt.
Leider fuinktioniert das nicht für Jan de Zakenman, weil unsere Bahn trotz Autobahnstaus langsamer ist und auch nicht das Komfort der ICEs hat. Vielleicht kann der Fyra Aushilfe bieten, aber nicht wenn der ständig verspätet ist oder ausfällt.
Will man mehr Leute in die Bahn holen, stellt sich ja die Frage, WIE man das machen kann.
Mittels Angebot: vielerorts passt es, vor allem im Fahrplan ist ja einen Stundentakt werktags inzwischen Standard um eine Grundflexibilität zu erreichen. Oft gibt es auch die HVZ-Verstärker, die diese Flexibilität noch erhöhen.
Wichtig ist, dass es den Stundentakt auch wirklich flächendeckend gibt. Nicht nur ICE und RegionalExpress, sondern auch der Regionalbus, und zudem mit optimierten Anschlüssen Bus<->Bahn. Stundentakt macht frustig wenn man beim Umsteigen gerade den Anschluß verpasst.
Alles spielt irgendwie mit rein in die Entscheidung ÖPV oder Auto.
Ein Aspekt, dass bei uns gerne angehoben wird, ist Subvention, gerade in Zusammenhang mit der Finanzkrise. Auf verschiedenen NL-Foren wutet ein kalter Krieg zwischen Autofahrer und Bahnfahrer:
Autofahrer: "Ihr macht unsere Wirtschaft kaputt, und damit auch Eure Wirtschaft!"
Bahnfahrer: "Ihr macht unsere Umwelt kaputt, und damit auch Eure Umwelt!"
Oder:
"Wir Autofahrer befechten autofahrend die böse Finanzkrise, die Ihr Bahnfahrer verursacht hat!
Denn die Bahn muss massiv subventioniert werden, während der Straßenverkehr eigenwirtschaftlich funktionieren kann!"
Im letzten Fall vergessen die Autofahrer allzu gerne, dass der Straßenverkehr nur eigenwirtschaftlich funktionieren kann, wenn die Autofahrer auch die Infra selber finanzieren, z.B. mit einer Benutzungsgebühr. Und gerade die "Kriegsansager" sind vorne dabei um gegen eine Autobahngebühr zu protestieren:
"Wir haben schon genug bezahlt. Spritsteuer, Kfz-Steuer, Straßensteuer! Es wird Zeit, dass wir etwas von unseren Moneten zurückbekommen, und diese 139er-Tempolimit ist schon ein Schritt in der richtigen Richtung. Wir brauchen achtspurige Autobahnen und keine HSL-Zuid! Lass die XXXXX Bahnfahrer doch selber ihre Rennpisten finanzieren! Aber nein, das können die nicht, das sei zu teuer! Das ist schon ein Hinweis, dass keine einzige Bahn eigenwirtschaftlich funktionieren kann und der Zukunft das Auto gehört und nicht die XXXXX Bahn!"
gruß,
Oscar (NL).
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Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!
Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!
Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.
ES: billiger Bahn fahren = Umwelt sparen?
reibert, Donnerstag, 14.04.2011, 21:17 (vor 5472 Tagen) @ Fernpendler
Bei einer gewissen Distanz die zurückgelegt wird sehe ich das ganz genauso. Da ist die Bahn sicher immer die bessere Alternative. Ausserdem eignen sich Elektrofahrzeuge auch nicht für Fernstrecken, schon wegen der geringen Reichweite. Finde deshalb Angebote gut die dem Rechnung tragen. Was aber die Fahrten betrifft welche unter den Distanzen bleiben, also innerstädtische und klassiche Pendlerfahrten, so bin ich mir nicht sicher ob diese wirklich 'öffentlich' angenehmer hinter sich zu bringen sind als mit einem (Elektro-)Auto. Der berechtigte Einwand hinsichtlich Stau steht den altbekannten Problemen des ÖPNV gegenüber. Arbeiten kann man in Nahverkehrszügen oder Bussen dank des Geräuschpegels meist kaum konzentriert erledigen. Dazu kommen regelmäßig auftretende Störungen und ihre Begleiterscheiunungen wie Schienenersatzverkehr, Ausfälle, unangekündigte Verspätungen und verpasste Anschlussfahrzeuge.
ES: billiger Bahn fahren = Umwelt sparen?
Uniqum, Frankfurt am Main, Donnerstag, 14.04.2011, 10:38 (vor 5472 Tagen) @ Oscar (NL)
Hallo Oscar,
1. ein Autofahrer stellt Geldtasche vor Umwelt. Zwar spart er mit einer langsameren Fahrt Treibstoff, aber verliert er zugleich Zeit, und Zeit = Geld. Dasselbe gilt, wenn er auf die Bahn umsteigt; sie ist meistens langsamer als das Auto.
Das hängt in Spanien sehr stark von den Strecken ab (deren Ausbauszustand sehr extreme Unterschiede beherbergt). Größtes Problem jedoch dürfte der häufig recht dünne Fahrplan sein.
Innerhalb der Metropolregionen Madrid und Barcelona waren die Fahrten mit den Vorortzügen auch bereits vorher unschlagbar günstig.
2. verbilligte Bahnfahrkarten OK, aber dann muss das System auch funktionieren. Zum Glück funktioniert es zumindest in Madrid und Barcelona (dort war ich tatsächlich mal, von den anderen Städten kann ich es nicht beurteilen). Die S-Bahnen (Cercanias bzw. Rodalies) fahren ausnahmslos mit gut gepflegten, hochmodernen Triebwagen; Fahrzeuge von mehr als 5 Jahre alt habe ich keine gesehen. Dasselbe gilt für die U-Bahnen. Beide verkehren zuverlässig, in dichtem Takt und es wird gehalten in gut gepflegten Bahnhöfen.
In Katalonien ist das Bahnnetz (für spanische Verhältnisse) dicht und der Regionalverkehr erstaunlich gut ausgebaut, zudem nicht reservierungspflichtig. Im Baskenland ist ein dichtes Netz an Vorortbahnen vorhanden.
Im Rest von Spanien ist jedoch häufig nicht mehr und minder als das übliche 3 Züge/Tag-Angebot vorhanden. Die meisten Städte haben zumindest recht modern ausgebaute Vorortnetze, die, abgesehen von Madrid, jedoch oft in einem äußerst dürftigen Takt unterwegs sind. Auch mangelt es oft an Verkehrsverbünden, sowie der Ausrichtung der Busse auf die Stationen.
Neue S-Bahn Fahrzeuge sind übrigends ausschließich die so genannten Civia (einfach zu erkennen an ihrem Niederfluranteil), die meistne anderen Züge wurden in den 1980er Jahren beschafft, jedoch recht aufwendig modernisiert.
ES: billiger Bahn fahren = Umwelt sparen?
Benjamin.Keller, Donnerstag, 14.04.2011, 12:38 (vor 5472 Tagen) @ Oscar (NL)
Am Beispiel der Stadt Madrid (die Stadt, die angeblich die meisten Autobahnringe einer europäischen Großstadt ihr eigen nennt) kann man aber auch ganz gut betrachten, dass eine öpnv-freundliche Politik alleine nicht sehr zielführend. Zwar hat man die Metro Madrid in einem rekordverdächtigen Umfang ausgebaut, ebenso die Cercanías, aber das hilft alles nichts, wenn man im gleichen Umfang Autobahnkilometer um Autobahnkilometer baut und eine Siedlungspolitik betreibt, die Verkehr in großem Umfang induziert (grüne Suburbs, zentral gelegene Shopping Malls und Bürotürme). Madrid ist daher eines der Beispiele, dass man eine Verkehrswende hin zum ÖV ziemlich breit angehen muss...
5. bevor Ihr alle die Jugendherberge in Madrid stürmt für einen ICE/AVE-FanTreff: die A-Züge (AVE, Alaris, Altaria, Alvia, Avant, Arco) werden nicht verbilligt!
Die Albuerge Juvenil ist übrigens ganz nett. Man sollte nur keine Bänke vom Flur in die Zimmer holen, sonst hat man böse Nachrichten an der Zimmertür kleben^^
ES: billiger Bahn fahren = Umwelt sparen?
218 466-1, Red Bank NJ / ex-Ingolstadt, Donnerstag, 14.04.2011, 22:57 (vor 5472 Tagen) @ Oscar (NL)
Hallo ICE-Fans,
in Spanien hat RENFE die Bahntickets mit 5% verbilligt.
Ziel ist, mehr Leute von der Straße auf die Schiene zu verlagern; zusammen mit der Herabsetzung des Tempolimits von 120 auf 110 km/h soll signifikant Minderalölverbrauch und CO2-Ausstoß eingespart werden.
Gute Sache.
Auch bei uns gibt es, zumindest für die Autobahnen, eine solche Initiative.Meine Gedanken dazu:
1. ein Autofahrer stellt Geldtasche vor Umwelt. Zwar spart er mit einer langsameren Fahrt Treibstoff, aber verliert er zugleich Zeit, und Zeit = Geld. Dasselbe gilt, wenn er auf die Bahn umsteigt; sie ist meistens langsamer als das Auto.
Innerhalb von Städten und Barcelona<->Madrid ist eher die Bahn schneller. Im Velaro E kann man die Zeit zudem sinvoll nutzen.
2. verbilligte Bahnfahrkarten OK, aber dann muss das System auch funktionieren. Zum Glück funktioniert es zumindest in Madrid und Barcelona (dort war ich tatsächlich mal, von den anderen Städten kann ich es nicht beurteilen). Die S-Bahnen (Cercanias bzw. Rodalies) fahren ausnahmslos mit gut gepflegten, hochmodernen Triebwagen; Fahrzeuge von mehr als 5 Jahre alt habe ich keine gesehen. Dasselbe gilt für die U-Bahnen. Beide verkehren zuverlässig, in dichtem Takt und es wird gehalten in gut gepflegten Bahnhöfen.
Da ist es sehr vorbildlich. In den meisten anderen Städten, besteht noch Verbesserungspotential.
3. in unserem dienstorientierten Arbeitsklima gewinnt man so keine Kunden. Jobs, bei denen man von 9 bis 5 an demselben Platz arbeitet, werden bei uns immer seltener. Ein durchschnittlicher Dienstleister hat mindestens 5 Verabredungen pro Tag, kreuz und quer durchs Land. Da hilft kein ETMET (Elke Tien Minuten Een Trein = Bahn in 10-Minutentakt), da hilft nur IMERA (Ieder Moment Een Rijklare Auto = jederzeit ein fahrbereites Auto) -> Umwelt sparen = Elektroauto fahren. Dann kann man besser in Nachladestellen investieren als in Busse und Bahnen.
Elektroautos haben ein Problem mit der Reichweite. Besonders in Gebieten, die mit Bus/Bahn schwer zu erreichen sind, wird man auch eine Ladestation vergeblich suchen.
Busse dürften auch günstiger sein, als Ladestellen an jeder Ecke.
4. Tempolimit runter -> entspanntere Situation auf den Autobahnen -> mehr Anlaß Auto zu fahren. Wenn man 8,3% langsamer fährt aber dadurch z.B. 10% mehr Betrieb auf den Autobahnen entsteht, ist der Umweltvorteil zunichte.
Entspannt ist die Situation auf der Autobahn nicht, wenn die Uhr gegen den Tacho bei nur max. 110 Km/h läuft.
5. bevor Ihr alle die Jugendherberge in Madrid stürmt für einen ICE/AVE-FanTreff: die A-Züge (AVE, Alaris, Altaria, Alvia, Avant, Arco) werden nicht verbilligt!
Oooooh schade. Dabei wollte ich gerade meine nächste Reise nach Barcelona planen.
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Dieser Beitrag gibt (sofern nicht anders gekennzeichnet) allein die Meinung der Verfasserin wieder
MET - Der beste Zug den es je gab
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