Widerlegung der TU Wien (Allgemeines Forum)

ThomasK, Donnerstag, 12.09.2019, 23:32 (vor 2396 Tagen) @ J-C

Schauen wir uns mal doch an, was da am Konzept vorgesehen ist.

Vielen Dank für die Netzgrafik.

Ich sehe gerade, dass man für den schnellen Fernverkehr zwischen Graz und Klagenfurt die Fahrzeit von 46 auf 43 Minuten gekürzt hat, was bedeutet, dass die ÖBB mit den Railjets auf der NBS nicht nur 200 km/h, sondern 230 km/h fahren will.


Der Geschwindigkeitseinbruch 230 km/h -> 0 km/h -> 230 km/h ist also noch größer als 200 km/h -> 0 km/h -> 200 km/h.

Anzumerken ist zudem, dass der Railjet in Kühnsdorf bei einer Durchfahrgeschwindigkeit von 230 km/h wohl kaum im Durchfahrtsgleis halten wird, sondern im Überholgleis.

Nun gehe ich nicht davon aus, dass Österreich die Ausfädelungs- und Einfädelungsweichen in die Überholgleise so baut, dass im gebogenen Zweig der Weiche mit 200 km/h gefahren werden kann. Im Sinne eine guten Preis/Leistungs-Verhältnisses vermute ich, dass man die Einfädelungsweichen und Ausfädelungsweichen so bauen wird, dass man im gebogenen Strang mit 100 km/h fahren kann.

Fährt nun also ein Railjet, der in Kühnsdorf halten soll, dann bekommt er vorher schon eine Geschwindigkeit von 100 km/h signalisiert, weil er ja noch über die Ausfädelungsweiche fahren muss.

Insofern muss - ohne die genaue Gleisgeometrie zu kennen - die Beförderungszeitverlängerung von 4 Minuten wirklich als absolut unterste Grenze angesehen werden.


Wenn man in München mit der S-Bahn von Ismaning zum Flughafen fährt, kann man den Zeitverlust sehr gut selbst erleben.

Da wir in Deutschland - im Gegensatz zur Schweiz - vernünftige Kilometertafeln haben, die man auch ordentlich sehen kann, kann man, wenn man auf den Sekundenzeiger der Uhr schaut und abstoppt, wie die S-Bahn alle 30 Sekunden einen Kilometer fährt (also mit 120 km/h unterwegs ist) sehr gut den Zeitvergleich mit und ohne Zwischenhalt Hallbergmoos nachvollziehen. Aufgrund des großen Bahnhofsabstandes zwischen Ismaning und Hallbergmoos einerseits sowie Hallbergmoos und Besucherpark andererseits und der kilometerlang gültigen Geschwindigkeit von 120 km/h hat man genügend Zeit in der S-Bahn, wenn man auf den Sekundenzeiger der Uhr und auf die Kilometertafeln schaut, den Zeitverlust durch den Halt in Hallbergmoos bei km 24,5 nachzuvollziehen.

Man schaut, wenn man Richtung Flughafen München fährt, auf den Sekundenzeiger der Uhr, wenn die S-Bahn an den Kilometertafeln 18, 19, 20, 21, 22 vorbeifährt und stellt fest - da die meisten Triebfahrzeugführer die 120 km/h auch fahren - dass ein Kilometer in 30 Sekunden gefahren wird. Nach dem Halt in Hallbergmoos schaut man dann wieder auf die Uhr, wenn die S-Bahn wieder 120 km/h fährt, also bei den Kilometertafeln 26, 27, 28. Jetzt braucht man nur noch die Zeitdifferenz zu bilden, wie wenn die S-Bahn konstant mit 120 km/h weiter gefahren wäre und stellt fest, dass - je nach Triebfahrzeugführer - im Durchschnitt ca. 78 Sekunden, also 1,3 Minuten verlorengegangen sind.

Wohlgemerkt: Die S-Bahn fährt in Hallbergmoos über keine einzige Weiche und hält in einem der beiden Durchfahrtsgleise am Bahnsteig des Haltepunktes Hallbergmoos.


OK, dann machen wir jetzt einmal die Prüfung.

Wir fahren mit der S8 in München und steigen bei km 19,6 ein. Wir fahren Richtung Flughafen München.

https://youtu.be/FhSLXCZvTY8?t=44m32s

Youtube-Uhr 44:42 -> Kilometertafel 20,0
Youtube-Uhr 45:11 -> Kilometertafel 21,0
Youtube-Uhr 45:42 -> Kilometertafel 22,0
Youtube-Uhr 46:13 -> Kilometertafel 23,0


Die S-Bahn fährt etwa 120 km/h, da etwa alle 30 Sekunden eine Kilometertafel erscheint. Da die Kilometertafeln immer am nächst gelegenen Oberleitungsmasten befestigt sind, sind kleine Abweichungen möglich.

Nach km 23 bremst der Triebfahrzeugführer ab und hält in Hallbergmoos.

Die Haltezeit beträgt ca. 20 Sekunden. Für die S-Bahn ein normaler Wert, aber im Fernverkehr völlig illusorisch.

Nach der Anfahrt warten wir, bis die S-Bahn wieder beschleunigt hat. Etwa bei der Kilometertafel 26,0 fährt sie wieder 120 km/h.


Und darauf kommt es jetzt an:

Youtube-Uhr 46:13 -> Kilometertafel 23,0
Youtube-Uhr 49:01 -> Kilometertafel 26,0


Wäre der Triebfahrzeugführer mit 120 km/h in Hallbergmoos durchgefahren, dann stünde die Youtube-Uhr bei der Durchfahrt an der Kilometertafel 26,0 logischerweise bei 47:43. Da sie nun aber bei 49:01 steht, hat die S-Bahn logischerweise 78 Sekunden, also 1,3 Minuten, für diesen Halt mit einem Geschwindigkeitseinbruch 120 km/h -> 0 km/h -> 120 km/h verloren.

Wie gesagt: Wir reden hier von einem ET 423, der bis 120 km/h spurtstärker ist als ein Railjet.

Egal, ob es jetzt um einen Geschwindigkeitseinbruch von 200 km/h oder von 230 km/h aus geht, es ist völlig absurd, wie die TU Wien auf eine Beförderungszeitverlängerung von 1,5 Minuten kommt.

Vielen Dank für dein Posting.


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