Off-Topic: Irland damals und heute (m.v.B.) (Reiseberichte)

mrhuss ⌂ @, ICE 275, Donnerstag, 14. März 2019, 13:53 (vor 97 Tagen)

Es folgt ein Bericht über Irland, wer sich also nur für DB und ICE interessiert, der möge weiterklicken. Wer auch mal über die irische See blicken will, für den ist es vielleicht interessant trotz offtopic. Im ersten Abschnitt geht es um eine Fahrt im Jahr 2003, im zweiten Abschnitt um einen aktuellen Besuch.

Anlässlich einer vor kurzem stattgefundenen Dienstreise nach Dublin (dazu unten mehr inklusive ein paar wenigen aktuellen Bildern) habe ich in meinem Foto-Archiv gekramt und Bilder aus dem September 2003 gefunden, die gleich in doppelter Hinsicht historisch (und somit vielleicht trotz leicht zweifelhafter Qualität interessant) sind. Sie stammen nämlich von einer Sonderfahrt der Railway Preservation Society of Ireland (RPSI) von Dublin nach Belfast und zurück mit den Dampflokomotiven 85 “Merlin” und 4. Die Fahrt stand unter dem Motto “Merlin’s Farewell Tour”, da das “Boiler Certificate”, also die Zulassung des Kessels, kurz vor dem Ablauf stand und es somit die (vorerst) letzte Fahrt Merlins sein sollte. Nach den Angaben der RPSI ist Merlin seit 2014 erfreulicherweise wieder im aktiven Betrieb.

Vor der Abfahrt an der Connolly Station in Dublin war die Lok stark belagert und ein vernünftiges Foto nicht möglich, deswegen ist das Foto eher als dokumentarisches “Vorher”-Bild zu verstehen.

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Bei einem kurzen Aufenthalt in Portadown, schon in Nordirland, hatte ich schließlich die Gelegenheit, unsere Lok auch von vorne zu knipsen.

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Als “Enterprise” werden auch heute noch die zweistündlich verkehrenden Expresszüge Dublin-Belfast bezeichnet. Eine Durchbindung nach Cork gibt es allerdings nicht. Wer von Belfast nach Cork will, muss in Dublin nicht nur den Zug, sondern auch den Bahnhof wechseln, von der Connolly- zur am anderen Ende der Innenstadt gelegenen Heuston-Station. Seit September 2004 kann man das mit der modernen Straßenbahn “Luas” tun, zum Zeitpunkt der Aufnahme musste man noch den Bus nehmen.

Der Grund des Zwischenstopps in Portadown war, dass wir den regulären “Enterprise” vorbei lassen mussten. Unterdessen kam auch noch der Gegenzug vorbei.

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Die Enterprise-Züge werden, wie auf dem Foto, auch aktuell noch mit dem selben Wagenmaterial und Loks der Klasse 201 gefahren, allerdings sind heute zwischen den Loks und den Reisezugwagen noch neue Generatorwagen zur Stromversorgung des Wagenzugs eingereiht. Dies reduziert die Belastung des Motors der Lok.

In Belfast gab es nun die Option, auszusteigen und sich in der Stadt herumzutreiben. Die Alternative war die Weiterfahrt zum Quartier der RPSI in Whitehead.

Unmittelbar nach Ankunft in Whitehead montierte ein Mitarbeiter der RPSI das “Enterprise”-Schild ab, um es für die Rückfahrt an die Nummer 4 anzubringen.

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Danach hatte ich die Gelegenheit, mir Merlin noch mal aus der Nähe anzusehen.

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Unterdessen haben die RPSI-Leute das Enterprise-Schild schon an die Lok Nummer 4 montiert.

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Vor der Rückfahrt prüft ein RPSI-Mitarbeiter noch einmal, dass das Schild auch fest sitzt.

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In Belfast Central (heute Lanyon Place) nehmen wir für die Fahrt nach Dublin die Passagiere wieder auf, die sich die Stadt angesehen haben. Am Gleis nebenan steht ein normaler Enterprise nach Dublin mit Steuerwagen voraus.

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Heute auch schon historisch sind die damals in Nordirland eingesetzten Dieseltriebwagen für den Regionalverkehr, hier ein Class 450 “Castle Class”…

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… und ein Class 80 “Thumper” (links).

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Die Class 80 sehen auf der Steuerwagenseite schon recht eigentümlich aus. Ich kann mir kaum vorstellen, dass der Lokführer eine besonders gute Sicht hat.

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Nach einem kurzen Zwischenstopp in Dundalk waren wir dann auch schon wieder zurück in der Dublin Connolly Station.

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Nun noch etwas zu meinem aktuellen Besuch. Ich war nach über 12 Jahren zum ersten Mal wieder auf der grünen Insel. Ich war gespannt, ob ich noch was von der Stadt wieder erkennen würde.

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Aber zumindest die Ha’penny Bridge über die Liffey ist noch da, …

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… ebenso wie das Ausgehviertel Temple Bar …

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… und das neoklassizistische General Post Office, in dem sich 1916 beim Osteraufstand militante irische Republikaner verschanzten. Nach der Niederschlagung des Aufstands wurden die Anführer im Mai 1916 hingerichtet. Die wichtigsten Bahnhöfe in Irland sind heute nach ihnen benannt, so heißen die drei wichtigsten Dubliner Bahnhöfe Connolly, Pearse und Heuston, in Cork kommt man an der Kent Station an, in Galway an der Ceannt Station und Limerick bereist man mit der Bahn über die Colbert Station. Das waren die größten Städte in der Republik, aber die Liste ist hier noch nicht zu Ende.

Zu einem dieser Bahnhöfe, konkret der Pearse Station, bin ich am nächsten Tag hin. In den letzten Jahren wurde in Irland Geld in neue Dieseltriebwagen investiert. Ein vierteiliger Zug der Serie 22000 kam kurz nach mir in der Pearse Station an.

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Die Pearse Station liegt im Obergeschoss, in Richtung Norden verläuft die Strecke als Hochbahn durch’s Stadtzentrum.

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Mein Ziel an dem Tag war Howth, erreichbar von der Pearse Station mit der Vorortbahn DART. Howth ist eine Halbinsel nördlich von Dublin und ein beliebtes Ausflugsziel, denn hier gibt es einen Hafen für Fischer- und Freizeitboote, jede Menge Natur und einen Cliff Walk mit Aussicht auf’s Meer. Hier war früher einer meiner Lieblingsorte von Dublin. Daran hat sich nichts geändert.

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Der Leuchtturm Baily Lighthouse an der Südostspitze der Halbinsel weist Schiffen den Weg in den Hafen von Dublin.

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Im übrigen gibt es in Dublin auch mitten im Zentrum viel Grün, zum Beispiel im St. Stephen’s Green…

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… oder am Merrion Square, wo Oscar Wilde ein Denkmal gesetzt wurde.

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Vor meinem Rückflug blieb noch etwas Zeit, auch noch mal bei Tageslicht durch die Innenstadt zu laufen und noch mal die Liffey und die Ha’penny Bridge mit etwas mehr Wasser zu sehen. So nahe an der Mündung sind an diesem Abschnitt der Liffey die Gezeiten natürlich deutlich spürbar.

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Die O’Connell Bridge und die anschließende O’Connell Street wurden in den letzten Jahren umgestaltet. Hier fährt jetzt eine Linie der Straßenbahn “Luas” und der Autoverkehr wurde etwas zurückgedrängt.

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Auf der O’Connell Street sieht man auf dem Bild die Säule “The Spire”, die 2003 errichtet wurde. An der selben Stelle stand bis 1966 eine Nelson-Säule, die allerdings von radikalen irischen Republikanern gesprengt wurde.

Das war dann auch schon mein kurzer Aufenthalt in Dublin. Ich denke, ich werde mir bis zu meinem nächsten Besuch nicht wieder 12 Jahre Zeit lassen.

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Viele Grüße!
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Mein Blog "Spontan, wild und Kuchen" - Kategorie Bahn

Go raibh maith agat!

JanZ ⌂ @, Aschaffenburg, Donnerstag, 14. März 2019, 14:09 (vor 97 Tagen) @ mrhuss

Danke für die Bilder, die machen Lust, auch mal wieder hinzufahren. Vor allem, weil ich bei meinen Kurzbesuchen viel zu wenig Zeit für die Eisenbahn hatte :-). Aber schön zu hören, dass es diese wuchtigen Loks im knalligen Orange immer noch gibt.

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Im Volk, da ist sie sehr beliebt, unsere Eisenbahn,
Doch dort, wo's keine Schienen gibt, da hält sie selten an.

(EAV: Es fährt kein Zug)

Go raibh maith agat!

mrhuss ⌂ @, ICE 275, Freitag, 15. März 2019, 11:50 (vor 96 Tagen) @ JanZ

Danke für die Bilder, die machen Lust, auch mal wieder hinzufahren. Vor allem, weil ich bei meinen Kurzbesuchen viel zu wenig Zeit für die Eisenbahn hatte :-). Aber schön zu hören, dass es diese wuchtigen Loks im knalligen Orange immer noch gibt.

Ich glaube die sind nicht mehr orangefarben, das waren sie damals ja auch schon nicht alle. Bei meinem Kurztrip hab ich keine gesehen, aber zu den aktuellen Einsätzen zählen wohl neben den Enterprise-Zügen auch die Intercity nach Cork, zu denen jeweils passend lackierte Loks existieren.

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Viele Grüße!
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Danke für den Bericht

Berliner65 @, Berlin, Donnerstag, 14. März 2019, 23:12 (vor 97 Tagen) @ mrhuss

- kein Text -

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Meine Ankünfte am Zielort bewegen sich seit Wochen im Bereich von -5 bis +10. Wo kann ich mich beschweren, weil ich jetzt keine Bahn-Schauergeschichten erzählen kann? ;-)

Lá fhéile Pádraig sona duit und vielen Dank für die Bilder!

kater_k @, BBRN, Sonntag, 17. März 2019, 13:48 (vor 94 Tagen) @ mrhuss

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