Tschechiens HGV-Projekt auf der Kippe (Allgemeines Forum)

Henrik, Donnerstag, 26.02.2026, 23:22 (vor 16 Tagen)

Prag-Dresden in einer Stunde
Tschechiens Bahnoffensive wackelt

26.02.2026

Die geplante Hochgeschwindigkeitsbahn zwischen Prag, Dresden und Berlin steht wegen hoher Kosten und Tschechiens Haushaltslöchern auf der Kippe. Retten EU-Zuschüsse das Projekt noch?

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Geplant waren Hochgeschwindigkeitstrassen zwischen Prag und mehreren Großstädten im In- und Ausland, darunter Dresden und Berlin. Geplante Höchstgeschwindigkeit: 320 km/h. Die Kosten nach neuesten Schätzungen: mindestens 1,1 Billionen Kronen, rund 45 Milliarden Euro.

Hochgeschwindigkeitsnetz auf dem Prüfstand

Tschechien könne sich das angesichts eines Haushaltsdefizits von 310 Milliarden Kronen (fast 13 Milliarden Euro) nicht leisten, sagte Verkehrsminister Ivan Bednárik dem ARD-Studio Prag. Er ist seit Mitte Dezember im Amt und hält die Bahnpläne der Vorgängerregierung für überambitioniert.

Der Bau des Hochgeschwindigkeitsnetzes, wie von der Vorgängerregierung geplant, würde Bednárik zufolge 100 bis 150 Milliarden Kronen (4 bis 6 Milliarden Euro) neue Schulden pro Jahr bedeuten, zusätzlich zum bestehenden Defizit. "Es gibt viele Kommentare, dass wir unsere Enkelkinder verschulden. Deshalb halte ich es heute nicht für sinnvoll", so der Minister.

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Kahlschlag beim Streckennetz?

Tschechische Medien hatten im Februar von einem radikalen Kahlschlag berichtet, den die neue Regierung plane. Das 480 Kilometer lange Hochgeschwindigkeitsnetz mit mehreren Zweigen würde demnach auf nur eine Linie zwischen Prag und Brünn - der zweitgrößten Stadt des Landes - schrumpfen. Und auch davon würde im ersten Schritt nur ein gutes Drittel gebaut werden. Den Rest der Strecke würden die Züge auf modernisierten konventionellen Gleisen mit 200 km/h statt der geplanten 320 km/h zurücklegen.

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"Der Erzgebirgstunnel ergibt Sinn, unabhängig davon, wie es mit dem Hochgeschwindigkeitsnetz in Tschechien weitergeht", so Jakub Bazgier, der die zuständige Abteilung der tschechischen Eisenbahnverwaltung leitet. "Die Vorbereitungsarbeiten für den Tunnel liefen deshalb vorerst unverändert weiter."

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https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/hochgeschwindigkeitszug-prag-100.html

Der Erzgebirgstunnel steht aber nicht in Frage

J-C, In meiner Welt, Freitag, 27.02.2026, 11:18 (vor 16 Tagen) @ Henrik
bearbeitet von J-C, Freitag, 27.02.2026, 11:18

Hier ein übersetztes Zitat aus dem tschechischen Artikel von Railtarget.cz

1. Prag – Světlá nad Sázavou (VRT Polabí / Mittelböhmen)
Die Ausfahrt von Prag nach Kolín ist einer der am stärksten verstopften Orte in der Tschechischen Republik. Die neue Strecke in Richtung Světlá nad Sázavou ist der einzige Weg, den ersten Korridor zu entlasten.

2. Erzgebirgstunnel (Richtung Dresden)
Dieses Projekt ist ein "Muss" für den tschechischen Export. Die aktuelle Leitung durch das Elbetal ist in Bezug auf Lärm und Kapazität an der Grenze. Der Tunnel unter dem Erzgebirge wird eine schnelle Verbindung nach Deutschland ermöglichen und das Elbtal für den regionalen Verkehr freimachen. Es handelt sich um ein strategisches europäisches Projekt (TEN-T), für das massive Subventionen aus der EU aufgenommen werden können, was in Bednáriks Strategie der "Einsparung staatlicher Gelder" passt.

3. Ostrava – Přerov (VRT Moravská brána)
Dieser Teil des Netzwerks löst die kritische Krise in Mähren. Es handelt sich um einen Abschnitt, in dem enorme Güterverkehrsmengen mit Fernzügen vermischt werden. Zusätzlich ist hier der Einsatz eines PPP-Projekts (Geld von privaten Investoren) vorgesehen. Der Abschnitt hat bereits die wirtschaftliche Verteidigungsprüfung bestanden und ist entscheidend für die Verbindung von Nord- und Südeuropa.

Zumal wie bei so vielen Dingen ohnehin das letzte Wort nicht ausgesprochen sein dürfte. Schon diese Projekte können signifikante Verbesserungen herbeiführen. Auch wenn ich selbst ziemlich enttäuscht bin, dass man so sehr seine Ambitionen zurückschraubt. Bei Autobahnen hat man offenbar weniger Bedenken...

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky

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