[IT] 800km pro Richtung täglich pendeln? (Allgemeines Forum)

J-C, Da, wo ich grad gedanklich nicht bin., Freitag, 20.01.2023, 13:21 (vor 14 Tagen)
bearbeitet von J-C, Freitag, 20.01.2023, 13:22

Link (blick.ch)

Jeden Tag steht Giuseppina Giuliano (29) um 3.30 Uhr auf, frühstückt und macht sich fertig für die Arbeit. So weit, so normal.

Aber: Sie arbeitet nicht in Neapel, sondern in Mailand. Rund 1600 Kilometer legt sie für ihren Arbeitsweg als Angestellte an einer Kunstschule zurück – 800 Kilometer auf der Hinfahrt, 800 Kilometer auf der Rückfahrt. Ihren Tagesablauf hat sie dem «Corriere del Mezzogiorno» geschildert.

Sie wohnt noch bei ihren Eltern, fährt in Neapel vom Haus der Familie mit dem Bus zum Hauptbahnhof. Um 5.09 Uhr steigt sie dort in den Hochgeschwindigkeitszug.
Die Italienerin tritt nach einer mehrstündigen Fahrt pünktlich um 10 Uhr ihre Schicht an der Boccioni-Kunstschule am Piazzale Arduino an.

Am Abend geht es zurück. Sie hat um 17 Uhr Feierabend, um 18.20 Uhr geht es wieder in den Zug und um 22.53 Uhr ist sie zu Hause. Ihr Abendessen nimmt sie im Zug zu sich. Seit September geht das so. Der Pendel-Wahnsinn der Frau sorgte in Italien für Schlagzeilen.

Warum man das macht? Weil die Lebenserhaltungskosten in Mailand sich von ihrem Gehalt von 1165€ pro Monat nicht bezahlen lassen. Stattdessen kostet das Reisen pro Monat gerade einmal 400€ dank Sparpreisen und Punktesammeln. Und so zahlt es sich anscheinend aus, früh aufzustehen und 800 km pro Richtung zu reisen.

Sowas gibt es also, wenngleich wohl eher nicht so häufig.

Und mir sagt man, 100km pro Richtung über die Grenze pendeln wäre viel...

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Reisehäppchen für zwischendurch gefällig?
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(Bildquelle: ČD)

Reiner Selbstbetrug.

Der Blaschke, Freitag, 20.01.2023, 14:08 (vor 14 Tagen) @ J-C
bearbeitet von Der Blaschke, Freitag, 20.01.2023, 14:10

Hallöchen.


https://www.blick.ch/ausland/sie-steht-um-3-uhr-auf-und-ist-um-23-uhr-zu-hause-italiene...

(...) "Ich muss sagen, dass mich meine Arbeit überhaupt nicht belastet, ebenso wenig wie das Bahnfahren", erzählt sie der Zeitung (...)


Wäre zu schön, um wahr zu sein. Ist es aber auch nicht. Sondern Selbstbetrug. Immerhin dämmert ihr selbst das auch.

(...) Irgendwann will sie aber doch nach Mailand ziehen. "Jetzt bin ich noch jung und kann die Müdigkeit ertragen, aber mit den Jahren glaube ich das nicht", sagt sie.


So isses.

Wird unser J-C im hohen Alter auch noch merken. ;-)


Ein Vereinskollege pendelte mal eine Zeitlang Osnabrück Berlin mit 2241 und 2242. Aber der war einer von denen, die jung verstarben.


Ich bin mal ein halbes Jahr oder so Osnabrück Rheine gependelt. 2 Wochen habe ich mir das mit dem Zug angetan; danach haben wir mit 3 anderen eine Pkw-Fahrgemeinschaft organisiert. Das ist knapp 30 Jahre her und seit damals habe ich mir geschworen, nie wieder zu pendeln. Und das habe ich auch durchgehalten bis heute. Diskutabel wäre jetzt, ob die Fahrten vom und zum Erhebungszug als Pendelei zu werten sind. Ich sag 'nein', da nicht regelmäßig und da regelmäßig andere Strecken und Zeiten. Und weil Bahnfahren Liebe ist.


Okay, das mit Rheine endete, weil ich in Essen einen Studienplatz bekam. Da bin ich auch kurz gependelt; aber das war nicht meine Welt bei all den Wahnsinnigen. Da das günstigste Ticket das Tramper-Monats-Ticket war, fuhr ich dann, während Mama glaubte, ihr Bub studiert, schön durch Deutschland. Statt zum BWL-Referat nach Flensburg, Berlin oder Aachen. Geile Zeit. Und ich 'mußte' eingeschrieben bleiben wegen des Anspruchs auf Halbwaisenrente - die deutlich höher war als die Kosten für das TMT. Und 2x im Jahr war ich auch an der GHS, wie sie damals hieß: zum Einschreiben ins neue Semester. Manchmal auch 3x - wenn ich bei der Prügelei um die Wartemarken leer ausging und dann am nächsten Tag noch mal kommen mußte. Nach so 2 oder 3 Jahren hab ich Muttern aber erklärt, dass ich zu doof zum Klugwerden bin. Außerdem ging das mit Semesterbeiträgen los - da ging die Rechnung nicht mehr auf. Und außerdem ich fand eine heimische Alternative, die die Rentenzahlung bis zur Altershöchstgrenze sicherte.

Ach, waren das noch Zeiten ... Schön übrigens auch, dass ich von einer Gesetzeslücke profitierte. Aus Ausbildung, Umschulung und so durfte ich nur 1.000 DM einnehmen - alles darüber hinaus wurde mit der Rente verrechnet. Aber: Einkünfte aus ganz normaler Arbeit waren unbefristet in der Höhe. Weil man sich so ganz früher nicht vorstellen konnte, dass wer arbeitet und klüger wird gleichzeitig. Ich trug damals nachts auch schon Zeitungen aus (werden demnächst 31 Jahre). Das brachte richtig Geld damals. Und dazu dann Rente + Zusatzversorgung, weil Papi im öffentlichen Dienst war. 2h bis 6h Ztg. Schlafen bis 7.30h. Schule bis 14h. Und dann war der Tag meiner. Zeitungsgeld kam um den 10. des Monats. Mußte aber nur bis Ultimo reichen, dann kam die Rente. Die ja nur 10 Tage reichen brauchte.

War das ein Leben: super Geld verdient und viel Freizeit. Wochenenden immer auf Achse mit PKW und Zug. Unterwegs die Kohle rausgehauen; Essen, Fahrkarten, Sprit, Hotels. Geile Zeit. Heute bin ich arm, alt und in jeder Hinsicht am Ende - aber das ist egal. Das Leben war schön und heute ist es das auch noch und ich bereue nullkommanichts.

Mein jüngerer Bruder hatte übrigens Pech, für den galt die Ausnahme mit der regulären Arbeit nicht mehr; 3 Monate zu jung.

Schöne Grüße von jörg

fertig machen für den Zug. Lehe wartet. Da gibt's ja mittlerweile sogar einen Konsum im Bahnhofsgebäude. Wow.

Ital.-1600km Pendeltag- versus BC100"Dauercamper

D 2852, Sonntag, 22.01.2023, 00:58 (vor 13 Tagen) @ J-C

Im Zeitungsbericht steht was von Problemen mit der Müdigkeit. Versteh ich nicht, die 1600km täglich ließen sich doch gut "verpennen", - oder fährt sie bei bei den dargelegten 400 Euro/Monat nur unbequeme "Holzklasse" ... ?
In D soll es doch auch ab und an so BC100-Dauercamper im Zug geben, die dadurch ihre teure Studentenmiete und dergleichen sparen wollen. Da hat es doch "unsere" Napoli-Milano-Pendlerin doch fast simpel dagegen, sie braucht ja nur den jeweiligen "Tagesbedarf" mit sich führen und kann ja dennoch täglich auf ihr "Wohnhauptquartier" bei Mama zurückgreifen (die bestimmt auch noch die Wäsche samt Küche und sicher noch viel Alltagskramaufgaben mit übernimmt), während die BC-Dauerschleifenfahrer ja ein irres Logistikmanagement an den Tag legen müssen und sogar angeblich Haarewaschen etc. im Zug handhaben ... ??!?

So, ich geh jetzt in mein eigenes Bett, nachdem ich heute u.a. über die verschneite Schwarzwaldbahn eine Ulm-Merklingen-Wendlingen-Neckar-Kraichgau-Schwarzwald-Baar-Alb-Donau-Tour per 1.Klasse-Baden-Württemberg-Ticket verbraten habe ...

Schlaft alle gut ! - Gute Nacht !

Fussabdruck

Re 8/12, Winterthur, Sonntag, 22.01.2023, 21:38 (vor 12 Tagen) @ J-C

Weiss jemand, bzw. hat jemand mal durchgerechnet, was es für den ökologischen Fussabdruck bedeutet, wenn man täglich diese 1600 km Zug fährt, dafür aber keine eigene Wohnung beansprucht? (Variante: Zugfahrt nur 600 km (St. Gallen - Genf retour))

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IT: pendeln für 1,19 Eurocent pro km dank Rennbahn+Rennzug.

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Montag, 23.01.2023, 15:08 (vor 11 Tagen) @ J-C

Artikel:

Aber: Sie arbeitet nicht in Neapel, sondern in Mailand. Rund 1600 Kilometer legt sie für ihren Arbeitsweg als Angestellte an einer Kunstschule zurück – 800 Kilometer auf der Hinfahrt, 800 Kilometer auf der Rückfahrt. Ihren Tagesablauf hat sie dem «Corriere del Mezzogiorno» geschildert.

Bei 21 Arbeitstagen pro Monat sind das 33.600 km pro Monat.

Sie wohnt noch bei ihren Eltern, fährt in Neapel vom Haus der Familie mit dem Bus zum Hauptbahnhof. Um 5.09 Uhr steigt sie dort in den Hochgeschwindigkeitszug.

Um 4 Uhr nachts fährt ein Bus... wow, Respekt. Das ist bei uns in NL fraghaft, ob das geht.

Die Italienerin tritt nach einer mehrstündigen Fahrt pünktlich um 10 Uhr ihre Schicht an der Boccioni-Kunstschule am Piazzale Arduino an.
Am Abend geht es zurück. Sie hat um 17 Uhr Feierabend, um 18.20 Uhr geht es wieder in den Zug und um 22.53 Uhr ist sie zu Hause. Ihr Abendessen nimmt sie im Zug zu sich.

J-C:

Warum man das macht? Weil die Lebenserhaltungskosten in Mailand sich von ihrem Gehalt von 1165€ pro Monat nicht bezahlen lassen. Stattdessen kostet das Reisen pro Monat gerade einmal 400€ dank Sparpreisen und Punktesammeln. Und so zahlt es sich anscheinend aus, früh aufzustehen und 800 km pro Richtung zu reisen.

Nicht nur wegen der Kosten (33.600 km für 400 Euro, das macht 1,19 Eurocent pro km), sondern auch und vor allem weil Italien die Bahninfra dafür hat...

Und mir sagt man, 100km pro Richtung über die Grenze pendeln wäre viel...

...und die Züge dafür hat.

D 2852:

oder fährt sie bei bei den dargelegten 400 Euro/Monat nur unbequeme "Holzklasse" ... ?

Video dazu. Die Züge sehen bequem aus.


gruß,

Oscar (NL).

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Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.

...oder auch nicht?

J-C, Da, wo ich grad gedanklich nicht bin., Montag, 30.01.2023, 19:59 (vor 4 Tagen) @ J-C
bearbeitet von J-C, Montag, 30.01.2023, 20:01

Gependelt scheint sie die Relation durchaus zu sein, allerdings nicht täglich, wie es scheint.

Link (Spiegel)

Zumindest kommen große Zweifel an der Story auf. So sind Mitarbeiter der Redaktion tatsächlich zu den angegebenen Zeiten regelmäßig am Bahnhof auf der Lauer gelegen - erfolglos.

Selbst gibt sie sich bedeckt. Es heißt, sie wäre bis August in Karenz und zuvor nur weniger Male gefahren.

Insgesamt ist die Tatsachenlage jetzt nicht besonders erquickend. Aber die Idee, 800 km hin und her zu pendeln, hat natürlich was.

400€ kann man sicherlich dennoch irgendwie dafür zahlen, wenn man halt umtriebig genug mit Gutscheinen und Promo-Aktionen ist.

Ich persönlich hätte aber auf sowas keine Lust, aber hey, jeder ist anders!

Stattdessen sitze ich in Tschechien rum, nachdem ich den Tag in Wien verbracht habe. Würde ich werktags meine Strecke pendeln, käme ich ja durchaus auf so 1000 km pro Woche. Ist ja auch irgendwas, denke ich :P

Allerdings muss ich nicht täglich pendeln, so ehrlich bin ich auch. Und wenn ich jemals in der Lage wäre, dass ich von Montags bie Freitags pendeln müsste, würde ich wohl es gute Gründe haben, doch in Wien bzw. einem Ort, wo die Reisezeit doch kürzer ist, zu residieren (wobei ich da angesichts kommender Reisezeitverkürzungen im Zuge der Ausbau der Nordbahn mir nicht mehr ganz so sicher bin).

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Reisehäppchen für zwischendurch gefällig?
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(Bildquelle: ČD)

Nanu?

Der Blaschke, Montag, 30.01.2023, 21:41 (vor 4 Tagen) @ J-C

Hallo.

Würde ich werktags meine Strecke pendeln, käme ich ja durchaus auf so 1000 km pro Woche. Ist ja auch irgendwas, denke ich :P

Allerdings muss ich nicht täglich pendeln, so ehrlich bin ich auch. Und wenn ich jemals in der Lage wäre, dass ich von Montags bie Freitags pendeln müsste, würde ich wohl es gute Gründe haben, doch in Wien bzw. einem Ort, wo die Reisezeit doch kürzer ist, zu residieren

Nanu?????

Neulich klang das doch noch irgendwie ganz anders! Da war Pendeln doch eine Art Lebenstraum. So hatte ich das zumindest verstanden.

So schnell entmutigt? Ich hätte da doch e_t_w_a_s mehr Ausdauer erwartet ...

Liebster J-C - so wird das alles nix. Wird Zeit, dass ich mich deiner annehme und dich erziehe.


Schöne Grüße von jörg

Seit wann war das mein Lebensplan?

J-C, Da, wo ich grad gedanklich nicht bin., Montag, 30.01.2023, 22:16 (vor 4 Tagen) @ Der Blaschke

Spätestens wenn ich sowas wie eine Familie habe, was ja nicht unmöglich ist, wird das mit dem Pendeln eher schwierig. Dementsprechend sehe ich das eher ein weiteres Kapitel meiner Reise durch das Leben, welches ich gerne soweit es geht durchspiele.

Bis dahin ist aber alles offen, in sofern verstehst du mich vielleicht falsch, wenn du denkst, ich würde jetzt schon aufgeben. Wie denn auch, ich hab ja keine Wohnung in Wien und habe auch nicht vor, mir in nächster Zeit eine zu beschaffen.

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(Bildquelle: ČD)

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