Verteilte Zurechenbarkeit (Allgemeines Forum)

Sportdiesel612, Mittwoch, 03.08.2022, 11:05 (vor 6 Tagen)

Ein neues Buch:

Verteilte Zurechenbarkeit
Die Bearbeitung von Störungen im Öffentlichen Verkehr
von Tobias Röhl


Interview mit dem Autor in der FAZ, noch ohne Bezahlwand:
https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/deutsche-bahn-was-die-entschuldigungsku...

„Wir bitten dies zu entschuldigen …“ Was verrät die Entschuldigungskultur der Deutschen Bahn bei Störungen und Verspätungen über das Unternehmen?

Tobias Röhl: Zunächst einmal ist auffällig, dass sich die Deutsche Bahn und Verkehrsbetriebe überhaupt genötigt sehen, beim Kunden um Entschuldigung zu bitten. Wenn ich mit dem Auto in einen Stau gerate, entschuldigt sich ja auch niemand bei mir.


Das ist es. Tankgutscheine vom Lindner als Entschädigung bei Staus. Das gibt die schönste Rückkopplung seit Hendrix.


Die Verlagsseite:
https://www.campus.de/buecher-campus-verlag/wissenschaft/soziologie/verteilte_zurechenb...

Störungen des öffentlichen Verkehrs sind nervenaufreibend. Doch wo beschwert man sich, wenn der Zug ausfällt? Beim Personal vor Ort oder gleich beim Unternehmen? Der ethnographische Blick ins Störungsmanagement der Verkehrsbetriebe zeigt: Jeweils für sich genommen ist keine der beiden Strategien hilfreich. Mit Rückgriff auf Forschungen zu Accountability und technischen Infrastrukturen zeichnet die organisationsethnographische Studie nach, wie Fragen der Verantwortlichkeit technisch vermittelt und zwischen verschiedenen Akteuren hin- und hergeschoben werden. Diese »verteilte Zurechenbarkeit« lässt sich nicht in einzelnen Individuen verorten, sondern findet sich im Zusammenspiel unterschiedlicher Akteure, in den Prozessen und Praktiken des Störungsmanagements.

total überkandidelt!

Der Blaschke, Mittwoch, 03.08.2022, 14:06 (vor 6 Tagen) @ Sportdiesel612
bearbeitet von Der Blaschke, Mittwoch, 03.08.2022, 14:07

Hey.

Die Verlagsseite:
https://www.campus.de/buecher-campus-verlag/wissenschaft/soziologie/verteilte_zurechenb...

Störungen des öffentlichen Verkehrs sind nervenaufreibend. Doch wo beschwert man sich, wenn der Zug ausfällt? Beim Personal vor Ort oder gleich beim Unternehmen? Der ethnographische Blick ins Störungsmanagement der Verkehrsbetriebe zeigt: Jeweils für sich genommen ist keine der beiden Strategien hilfreich.

Man beschwert sich einfach gar nicht. Sondern nimmt die Dinge, wie sie sind. Borussia Dortmund wird die nächsten 10 Jahre auch nicht Deutscher Fußballmeister der Männer. So what ...

Oder man ritualisiert sein persönliches Beschwerdemanagement. Standardschreiben abschicken, Standardschreiben erhalten, Benefit erhalten. Benefit nutzen, Papierkram in den Müll. Fertig.

Viele haben das auch schon verstanden und handhaben es so. Hinzu kommt eine gewisse Erwartungshaltung. Eine Fahrt, bei der alles funktioniert - was soll man denn da am Stammtisch berichten oder bei den Freunden, wenn man vom Urlaub erzählt. Horrorgeschichten über die Bahn gehören in Deutschland zur nationalen Identität und sind Teil der Folklore dieses Landes. Oder anders ausgedrückt: niemand erwartet ordnungsgemäßen, zuverlässigen, pünktlichen Bahnbetrieb. So wie man bei der Urlaubsfahrt mit dem Pkw STOLZ auf sich sein kann, den 53 km-Stau miterlebt und überlebt zu haben.

Zu der Thematik gab es von Klaus Stuttmann eine herrliche Karikatur. Da wurde ja damals in Bielefeld der ICE evakuiert wegen der kaputten Klimaanlage, wo Ärzte eingreifen mußten usw und wo jeder Betroffene pauschal 500 Euro bekam. In der Karikatur schiebt Oma mit ihrem Rollator ab zum Schaffner, der vorne am ICE steht und fragt ihn: "Sagen Sie mal, junger Mann, besteht die Möglichkeit, dass heute wieder die Klimaanlage ausfällt? Ich bräuchte nämlich dringend einen neuen Fernseher!"

Mit Rückgriff auf Forschungen zu Accountability und technischen Infrastrukturen zeichnet die organisationsethnographische Studie nach, wie Fragen der Verantwortlichkeit technisch vermittelt und zwischen verschiedenen Akteuren hin- und hergeschoben werden. Diese »verteilte Zurechenbarkeit« lässt sich nicht in einzelnen Individuen verorten, sondern findet sich im Zusammenspiel unterschiedlicher Akteure, in den Prozessen und Praktiken des Störungsmanagements.

Sozial ist, was Arbeit schafft. Insofern ist das schon okay. Aber es wäre der Menschheit sicher mehr gedient, wäre der Herr dann Lokführer geworden.


Schöne Grüße von jörg

total überkandidelt!

Sportdiesel612, Mittwoch, 03.08.2022, 18:29 (vor 6 Tagen) @ Der Blaschke


Zu der Thematik gab es von Klaus Stuttmann eine herrliche Karikatur. Da wurde ja damals in Bielefeld der ICE evakuiert wegen der kaputten Klimaanlage, wo Ärzte eingreifen mußten usw und wo jeder Betroffene pauschal 500 Euro bekam. In der Karikatur schiebt Oma mit ihrem Rollator ab zum Schaffner, der vorne am ICE steht und fragt ihn: "Sagen Sie mal, junger Mann, besteht die Möglichkeit, dass heute wieder die Klimaanlage ausfällt? Ich bräuchte nämlich dringend einen neuen Fernseher!"


Schöne Grüße von jörg

Das habe ich im Fahrradabteil ICE4 erlebt. Ein Teil der Fahrgäste schon drinnen, ein Teil draußen und über Lautsprecher: "überfüllt, aussteigen, gibt Geld" Ich wollte nicht raus, wegen dem Fahrrad. Jemand mit nicht-elektrischem Klapproller meinte nach einiger Zeit "ich steige auch aus und kaufe mir von dem Geld ein Fahrrad!" Hoffentlich hat das geklappt.

Wie ist das überhaupt mit der Steuer beim Gutschein? Muss der versteuert werden? Das Aussteigen ist doch eine Leistung, die ich erbringe und für die ich den Gutschein bekomme. Oder ist es ein steuerfreies Glücksspiel?

Die Realität überholt die Satire ...

Der Blaschke, Mittwoch, 03.08.2022, 21:19 (vor 6 Tagen) @ Sportdiesel612

- kein Text -

Verteilte Zurechenbarkeit

Stephan.B, Köln, Mittwoch, 03.08.2022, 15:48 (vor 6 Tagen) @ Sportdiesel612

Hier die Karrikatur
https://images.app.goo.gl/JMAWQ1w68amcbW4P6

--
Stephan

... ewig her ...

Der Blaschke, Mittwoch, 03.08.2022, 21:30 (vor 6 Tagen) @ Stephan.B

Hey.

Hier die Karrikatur
https://images.app.goo.gl/JMAWQ1w68amcbW4P6

Wahnsinn - das war ja schon 2010, wie an der Signatur zu sehen ist und eine Recherche ergibt.

Und heute, 12 Jahre später? Neue Fahrzeuge gab es zwischenzeitlich. Und trotzdem: der Ersatzzugbeitragsbaum ist lang wie eh und je. Draußen fehlen ständig Ersatzzüge. Verspätungen gibt's. Technische Gebrechen auch. Und ab und an steigt auch heute noch ne Klimaanlage aus.

Kurzum: das sich grundlegend was zum Positiven gebessert hat, kann man nicht behaupten.

Warum soll das dann die nächsten 10 Jahre jetzt aber dann wirklich mal besser werden?


Schöne Grüße von jörg

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